Semper Fi

Donald hat vor kurzem von der USS Bonhomme Richard abgemustert, einem Amphibious Assault Ship mit Heimathafen San Diego. Nun ist Donald ein Ex-Marine, IT and combat systems professional und auf der Suche nach einer challenging position with an organization such as yours. You will certainly agree after reading my resume that I possess all the attributes and abilities that you are seeking in an ideal candidate.

Hmmm. Also unser idealer Kandidat ist Software Developer und kann Java, Java und noch mal Java. Donald kann the handling of missiles, weapons and high voltage equipment and led 60 employees in mission critical maintenance and self defense – a) gibt’s bei uns weder schweres Geschütz noch Hochspannung, b) sind wir ein vergleichsweise nur kleines Team und c) bestand bis dato noch keine Nachfrage für Selbstverteidigung.

Allerdings kann ich mir vorstellen, dass seine Untergebenen das früher ganz anders gesehen haben, wenn er verbally and in writing with subordinates, peers and management kommuniziert hat und in meetings with subordinates sicherstellte (“ensure”), dass their activities meet all mission objectives. Wenn’s nicht gleich funktioniert hat, wußte er sich auch zu helfen: Implemented mandatory morale building programs.

Gulp. Wenn man so viele Kriegsfilme gesehen hat wie ich und sich diese Schleifer und Drill-Sergeant-Typen vor Augen führt, zwängt sich einem unwillkürlich ein eher unvorteilhaftes Bild von Donald auf. Aber wahrscheinlich täusche ich mich in ihm und Donald ist in Wirklichkeit ein Philantroph, ein Versöhnender, der Menschen vereinen will: “Generated and built relationships between civilians, civilian employees and sailors.” Bin ich eigentlich die einzige, die unwillkürlich an Hans Albers’ Reeperbahn nachts um halb eins denken muss?

Am Ende meiner Straße in San Bruno ist ein Waffenlager der Nationalgarde. Da wäre er wahrscheinlich besser aufgehoben, wenn auch ohne Seeblick.

Blaue Engel

Wenn man vom monströsen Lärm zusammenfallender Schallmauern aus dem Mittagsschlaf gerissen wird, dann sind zwei Dinge klar:

1. Es ist schon wieder ein Jahr um und Fleet Week in San Francisco.

2. Der Fluch gegen diese Flugschaulärmpiloten vom letzten Jahr hat nicht gewirkt und muss durch einen wesentlich stärkeren ersetzt werden.

WG oder was?

Ich hab’ gerade mal wieder Ameisen. Frische Strümpfe? Offensichtlich verkühlte Ameisen bibbern in der Sockenschublade. Dentalhygiene? Ameisenartisten turnen auf der Zahnbürste. Halloweendeko aufhängen? Magische Ameisen reiten auf dem Hexenbesen. Wäsche waschen? Putzameisen werkeln im Waschmittelkarton. Die scheinen das Häuschen für ein Hotel mit großzügigen Gartenanlagen sowie internationaler Vollpension zu halten. Ich hab’ gerade mal wieder Ameisen und ich hab’s dick!

Nachbarn befragt. Ja, sie kennen das. Carmens Tipp: “We use foggers.” Hmmm. Foggers? Was ist das? Die kann man überall für billig kaufen, dann einen in jeden Raum aufstellen, anzünden und das Haus ausräuchern – man müsse danach nur 3-4 Stunden lüften, und sie seien voll öko: “You don’t even need to wash the plates, just cover the food.” Francisco, hinzukommend, empfiehlt, auf jeden Fall beim Foggen alle Gasbrenner auszuschalten. “Just in case…” Sie müssen mir meine Zweifel an der Bio-Methode angesehen haben. “Well, it works for Americans. Must be a cultural thing: You Europeans are somehow more particular when it comes to poison.”

Stimmt. Dann hab’ ich lieber noch eine Weile weiter Ameisen. Bis jetzt sind sie auch immer irgendwann wieder ausgezogen.

Kleine Herbst-Ode

Die Woche über hat sich der Himmel öfter in heftigen Regenschauern ergossen, zum Ausgleich hat Petrus für das Wochenende Goldenen Oktober vorgemerkt. Mit ganz großer Ouvertüre: heute Abend lag in den westlichen Bergen ein leuchtender Dreischichtennebel in fluffigem Fledermausflügelgrau, hartem strohgesponnenen Gold und mildem Puderquastenrosa. Im Osten stieg dazu ein an Fülle gewinnender Mond auf. Und vor meiner Haustür lagen vier dicke fette Kürben in Sattorange (scheint so, als würde meine Halloweenbegeisterung von Sam äußerst wohlwollend unterstützt).

Schon rein farblich verspricht das ein wunderbares Herbstwochenende zu werden. Wenn der alte Mann sich bloß zurückhalten kann, seine Winde auf den Fluren loszulassen.

Steve Jobs ist tot

Diese Nachricht führte heute im Kollegenkreis zu recht unterschiedlichen Reaktionen. Vom düster-schaurigen “Gar nicht gut für den Aktienkurs, gar nicht gut!” über “Who cares if the shithead lives or dies anyway?” zu Geschichten über den Guten Steve, der sonntags durch die Straßen von Palo Alto geradelt ist und Kindern zugelächelt hat. Der sich nur aus reiner Gutmütigkeit, weil er seiner Marketingabteilung halt mal nichts abschlagen konnte, zum Gott stilisieren ließ und das eigentlich selbst nie gewollt hat, weil er viel zu bescheiden war… Am liebsten war mir der Kollege, der einmal mit seinem Auto beinahe mit Steve Jobs Auto zusammengestoßen wäre – und sehr bedauert, dass er diese Fünfminutenberühmtheit verpaßt hat.

Kommen die Apple-Store-Geniusses morgen ihrem Tagwerk wohl mit schwarzen Armbinden nach? Und ist eine Key-Note-Speech-App geplant, damit Apple-Afficionados nicht ohne die Worte des Propheten leben müssen? Es liegt im Bereich des Wahrscheinlichen.

“Christoph, It’s lonely here without you! Come back!”

Da übernachtet man zwei Mal bei ein- und derselben Hotelkette, und wupp können sie nicht mehr ohne ihren Lieblingsgast leben und schreiben beinahe täglich Schmachtmails mit dem Betreff in der Überschrift. Ganz ohne Eignennutz, natürlich: “It’s been a month since we last saw you. You must be in need of a vacation by now. We can help.”

Okay. Wenn ihr es schafft, dass unser nächster Urlaubsantrag reibungslos genehmigt wird, dann erwägen wir wohlwollend, noch einmal in einem eurer Häuser abzusteigen. Wenn nicht, dann “unsubscribe”. Your choice.

“Keep the Party Screaming”

Was dem deutschen Girlie und Boyie ihr bunter Alkopop, das ist ihren amerikanischen Schwestern und Brüdern Mike’s Hard Lemonade.

Und weil gerade jeder was mit Halloween (selbst Matratzensonderabkäufe stehen unter Schauermottos) und außerdem mit Facebook machen muss, hat sich Mikes Werbeagentur was ganz tolles ausgedacht: “Zombify your picture.”

Ich finde ja, dass man bei manchen zwei Mal hinsehen muss, bis man das aufgegruselte Bild erkennt.

Tröstlich zu wissen, dass selbst hier Hoffnung auf Mehrsamkeit besteht, da nette Menschen endlich eine Kontaktbörse für Zombies etabliert haben – http://www.zombieconnect.com/.