Mißverständnis. Großes Mißverständnis!

Werte Kackkatzen in der Nachbarschaft,

ich dachte, ich hätte mich klar ausgedrückt: mein Garten ist keine Bedürfnisanstalt. Ihr scheint der Auffassung zu sein, dass der Große Katzenkotgott eure Gebete erhört und euch eine Vielzahl weicher aufnahmebereiter Individualfäkalstationen geschenkt hat. Vollkommen falsch! Vielmehr ist ein ehrlicher hart arbeitender Maulwurf zugange. Der darf das und ist geduldet.

Der Vorgarten ist ebenfalls off limits. (Hinten sieben und vorne zwei Haufen – ihr spinnt ja!)

Go away!

PS:  Das ist im übrigen die letzte Warnung. Ab dem nächsten Haufen sprühe ich Minz- und Nelkenöl.

Fundraising

Jedes amerikanische Kind wächst mit der festen Überzeugung auf, dass es, wenn nix unvorhergesehenes dazwischenkommt, hier Präsident werden kann. Es sieht so aus, als würde irgendwer Stanford-Freshmen (knapp 18, laut Selbstdefiniton “sooo under twenty-one”, dem magischen Alter, ab dem man in der Öffentlichkeit legal Alkohol konsumieren darf) bei der Einführungsveranstaltung die Grundlagen der Statistik erklären und dass es wahrscheinlicher ist, an eines von vielen möglichen Regierungsämtern in Washington zu kommen, als sich auf dieses eine zu kaprizieren.

Offensichtlich nehmen sie an, dass sie ihr Ziel schneller erreichen, wenn sie Mitglied im “Student Government” waren, zusammengesetzt aus “an experienced President and energized Vice President, and an incredible cabinet comprised of student leaders with a variety of backgrounds”. Keine Ahnung, wie die ihre Posten verteilen, ob das Los entscheidet, Wahlen stattfinden oder durch klassisches Kungeln. Emmas Aufgabe in dem Verein ist Finance. Genauer gesagt: Einnahmen. Also auf gut amerikanisch: Lobby-Liaison.

Skrupel in der Adressenbeschaffung scheint sie nicht zu kennen – so wie’s aussieht, hat sie einfach die Kontaktdatenbank des Stanford-Jobnetzwerkes gehackt und alle Unternehmen angemailt, die je einen Stanford-Studenten anheuern wollen. Ihr “big goal” für dieses Jahr ist genug Geld zu sammeln, um ein “new entrepreneurship-focused dorm” aufzubauen. Im Klartext: ein Wohnheim für BWL-Studenten mit Unternehmerambitionen.

Nein, danke. Von der Sorte gibt’s schon mehr als genug, die werden dann später im schlimmsten Fall Consultants. Mir gäbet nix!

“Come as you are”

zur “Lesbian Werewolf Party with Biting Booth”. Ein wenig widersprüchlich will mir scheinen, dass anschließend sofort Verkleidungstips auf der Einladung zu finden sind:”Come dressed in costume and get a free raffle ticket. Costume ideas: Lumberjack, Hunter, Woodland Critter, Furry, Beast, Prey, Frat Boy, Sorority Girl, Shapeshifter, or other things that go bump in the night. (Warning: Vampires WILL be staked).” Eintritt frei, es sei denn, mir wäre an Alpha (für $20; 2 copies of Lunatic Fringe, 2 raffle tickets & 1 gift bag loaded with goodies) oder Beta Status (für $12; 1 copy of Lunatic Fringe & 1 raffle ticket) gelegen. Man verspricht mir einen spaßigen Abend “This event will feature raffles (Tombolas), contests, book signings, bootblacking (Stiefel wichsen oder lecken, je nach Kontext), a biting booth (Beißbude) and more. 21+”) und erwartet sehnsüchtig meine Zusage (“Please RSVP by or before Friday“).

Das kommt davon, wenn man sich in Buchhandlungen in den Newsletter-Verteiler für Lesungen und Neuerscheinungspräsentationen einträgt. (Andrerseits: mein Standard-Lieblingskostüm als “Holla die Waldfee” wäre vielleicht sogar dem Anlass angemessen. Dennoch, ich werde Holla nicht ausführen, das Buch interessiert mich so ganz und gar nicht: http://amzn.to/mXHRFH)

Logo!

Es konnte ja gar nicht anders sein, als dass Sam heute wieder vor und hinter dem Haus gemäht hat – schließlich leert die Müllabfuhr morgen die großen grünen Tonnen mit dem Gartenabfall.

Hab’ ich mit dem ein Glück!

Quotenregelung

Die Universität Berkeley denkt darüber nach, Studenten aus Minderheiten den Zugang zu erleichtern, indem sie diesen Umstand bei Bewerbungen berücksichtigt. Die Betroffenen “Campus Republicans” (weiß, mehrheitlich männlich und reich) haben umgehend einen Protest gegen die Wegnahme ihrer ihnen vermeintlich qua Geburtsrecht zustehenden Privilegien organisiert. In guter amerikanischer Tradition mit einem “Bake Sale” (traditionell der Verkauf von selbstgebackenen Kuchen und Keksen  zum Beispiel auf Schulfesten oder Kirchenbasaren), wo sie ihrem Verständnis von Diskriminierung durch die Preisgestaltung Ausdruck verliehen haben – “Pay by Race”.
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Und dann waren sie total überrascht von der Reaktion der Randgruppen: “There were implicit and explicit threats made to the organizers of the event, from burning down the table to throwing our baked goods at us and other kinds of physical threats.” Man stelle sich das mal vor: mit Cookies oder Brownies beworfen zu werden – oder gar mit Torte!
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Eine Minderheitenvertreterin hat’s mit einem hübschen Wortspiel knapp auf den Punkt gebracht: “College Republicans have too much dough.” (Sinngemäß: den Uni-Republikanern geht’s einfach zu gut.)

Nunc est bibendum

Christoph hat es in den letzten Monaten zu wahrer Meisterschaft als Margarita-Mixer gebracht – vor allem durch das Ignorieren der üblichen Mischverhältnisse (was dazu führt, dass uns inzwischen die in Bars von sogenannten Profis gemixten Ritas als recht dünne Plörre erscheinen). Unser aktueller Favorit besteht aus großzügig bemessenen Teilen braunem Tequilla, reichlich Midori, einem Spritzer José-Cuervo-Tequilla-Mix (wegen der Vitamine, das ist uns aus der Strawberry Lodge geblieben), geblendet mit nicht zu viel Eis.

Und am Sonntagabend, nach gerade mal zwei Ritas für jeden, war auf einmal der Schnaps alle. Bin ich natürlich heute losgezogen, Vorräte aufstocken. Man weiß ja inzwischen, wohin und so konnte ich erfreuliche Sonderangebote von Souzas Bestem in Gold und Silber in handlichen Halbgallonenflaschen (aus Plastik) erwerben. Christoph muss nur noch mixen.

Außerdem habe ich im Spirituosenregal noch eine exotische – vorgeblich typisch deutsche – Spezialität entdeckt: Pfefferminzschnaps. Aber man muss nicht alles haben…

Rumpelminze klingt irgendwie auch eher nach einer dicken gemütlichen Hexe mit einer Warze auf der krummen Nase als nach ernstzunehmendem alkoholischen Getränk, oder?

 

Jahreszeitenwechsel

Wetterfühlige Menschen haben es schon Ende letzter Woche, anläßlich ihrer Ein- bis Dreitagesmigränen herausgefunden. Für die weniger Sensiblen hat man an jeder Ausfallstraße grellbunte Hüpfburgparks aufgebaut, flankiert von knatschorangen Kürben. Für die ganz Begriffsstutzigen schaltet “Halloween Spirit”, das Fachgeschäft für Halloweenbedarf (Grabsteine oder eine Zombiebabykrabbelgruppe für den Vorgarten, Skelette für in den Schrank und slutty Kostüme für die Allerheiligenparty) seit ein paar Wochen Stellenangebote(http://bit.ly/qksO7O). Der Herbst ist da! Blattfärbung findet hierzulande nicht statt, aber frische Brisen wehen große Haufen vertrockneter Blätter von den Bäumen.

Macht nix, denn zum Glück haben wir die Planung der nächsten Reise schon abgeschlossen, dahin, wo der Sommer ein bißchen länger ist. (Kleiner Tip: http://bit.ly/8cFvf)

Happy Folsom!

Letztes Wochenende im September. Das heißt, die San Francisco Leather Pride Week endet mit der Folsom Street Fair, “The grand daddy of all leather events”.

Voll, laut und bunt. Die Kleiderordnung ist Lack & Leder oder Haut pur. Schrilles Kostüm geht auch. Körperschmuck (merke: wo am Menschen Haut ist, kann man auch Zierrat anbringen) zählt als vollwertige Bekleidung – manchmal zieht man bei der gewählten Plazierung vor Mitgefühl Luft zwischen den Zähnen ein. Prügeln, Peitschen, Hauen mit Anheizern wie beim Rodeo: “Spanking and Flogging for a good cause – all for charity”. “Wer länger als 10 Minuten zuschaut, der ist soweit, diese für ihn noch unbekannte Form seiner Sexualität auszuprobieren” – und ganz viele tuns auch. Die freundlichen Peitscher von nebenan können ein- und beidhändig, am späten Nachmittag sieht man dann sehr viele rote Rücken, Bäuche und Hinterteile mit Striemen. Wer’s mog…

Manche schauen bloß, andere legen zum Druckabbau selbst Hand an, wieder andere lassen sich helfen – und jeder läßt jedem seinen Spaß. Liberalitas San Franciscan Style.

 

Beer Garden

Heimkommen, schnell auf’s Klo, Hände waschen, Wäsche abhängen und dann gemütlich ‘raussetzen, blogpost schreiben – und halt, vorher dran denken, meinen neuen Zweischnur-Lenkdrachen (wo ich doch von den vieren so überfordert war) aus dem Kofferraum zu holen. Soweit der Plan. Das leicht unkoordiniert umeinanderkrabbelnde Rudel Ameisen, das sich in der Spüle an den Resten unserer Sonntagsmagaritas delektiert, erzwingt eine Modifikation. Aus dem Bad die Flasche Kaboom mitbringen, dessen kalkauflösende Wirkung nicht nur zu strahlenden Fliesen, sondern, bei gut gezielten Sprühstößen, auch zu platzenden Chitinpanzern und einem Ameisenleichenberg führt. Den in die Spüle brausen, nachwischen und…

Wo war ich stehengeblieben? Ah, ja, Wäsche abhängen. Und davon erzählen, was Amerikaner für “Bringing you the best of Germany” halten:  Für $9.95 gibt’s “Wurst Platte: Choice of 2 Brats Served with Sauerkraut and German Potato Salad”. “Brats” sind nicht etwa ungezogene Kinder, sondern Würschtl. “Bavarian Bratwurst, Smoked Bratwurst, Nurenburger Bratwurst, Bockwurst, Garlic Brat und German Frank” stehen zur Auswahl, gebrüht oder gegrillt. Außerdem Leberkäse, Strammer Max und Liverwurst Sandwich. Als Beilage gibt es Sauerkraut (das war überraschend gut), German Potato Salad (wenn der je in Deutschland auftaucht, werde ich dafür sorgen, dass er stante pede des Landes verwiesen wird) und Jumbo Pretzels. Ein amerikanischer Kollege traut den Würstchen keinen hohen Nährwert zu (seid versichert, sie haben ihn, bestehen sie doch im wesentlichen aus Fett, Geschmacksfreiheit und Fett) und ordert in fließendem Deutsch “2 orders of pommfretz for the table”. Als er von der Bedienung beschieden wird, dass Fries leider aus seien, wählt er stattdessen eine Jumbo Pretzel, die auch ziemlich schnell, warm und in Senf schwimmend, serviert wird. (Ich hätte nie gedacht, dass ich mal soweit komme, mit einer Breze Mitleid zu haben…)

Ich hatte aus dem Vorspeisenmenü eine “Jumbo with Salami and Cheese” bestellt und bin angesichts des Senfbades sofort aufgesprungen und habe in der Küche Bescheid gesagt, dass man vom Senf absehen und mir stattdessen Butter servieren solle. Butter? Zur Pretzl? Echt? Ich habe mich gefühlt, als hätte ich Himbeermarmelade zum Sauren Hering bestellt. Aber der Gast ist König, also bekome ich meine Butter und eine mit Käse und Wurstscheibchen dekorierte warme große Breze. In Deutschland hätte jeder nach dem ersten Bissen davon angefangen, von der kleinen Bäckerei zu schwärmen, die sooo gute Brezeln macht und nicht dieses Industriefertigzeugs – für hiesige Verhältnisse war sie ganz okay.

Ich glaube, ich habe den amerikanischen Kollegen ein bißchen den Spaß verdorben – aber man kann wirklich nicht verantworten, dass die diesen Fraß für deutsches Essen halten.

Wieder daheim

Der Montag hat unter den Wochentagen eh schon keinen guten Ruf, der erste Arbeitsmontag nach dem Urlaub trägt zu Recht schwer an seiner Doppelbelastung. Von Elan und Begeisterung zu sprechen, wäre heute früh glatt gelogen gewesen, aber wir sind halt mal jung und brauchen das Geld.

Auf dem Heimweg heute Abend fand ich’s besonders hart: ein bildschöner Sonnenuntergang vergoldete die Bergkette vor dem Pazifik nach einem wunderbar warmen Tag (fühlbar nur in den außerhalb des eisklimatisierten Büros verbrachten Zigarettenpausen, aaarrrgghhhh) und statt dem Wunsch, davon Photos zu machen und anschließend ein nettes Plätzchen zum Abendessen auszusuchen, drängelt sich der Alltag auf. Ich brauche Milch und Brot und dies und das (vor allem dies und das) und muss nach Feierabend einkaufen. Bis ich daheim bei meinem Berg Wäsche war, war’s dunkel.

Aber weil ich ein Glückskind bin, war’s immer noch warm (das ist das etwas perverse am Wetter in der Bay Area: im Sommer sind die Nächte gerne mal feuchtkalt, im September/Oktober dann dafür wunderbar lau), meine liebe Nachbarin Carmen brachte frische Tomaten aus Schwiegervaters Garten (zum gerade gekauften Mozzarella) und ich habe in Shorts und Tank-Top im Garten dinniert, Wäsche aufgehängt und gelesen.

Daran sollte sich die Oregon Coast ein Beispiel nehmen!