Heute Vormittag im PAMF: der libanesische Internist Dr. Abiezzi hat meinen Innereien gute Gesundheit attestiert. Dr. A. meint, ich hätte ein orthopädisches Problem und die Fachärzte dafür seien am Montag wieder da. Dafür hab ich jetzt Valium, damit ich nicht mehr merke, dass es wehtut. Ich bin nicht sicher, ob ich mich auf das Wochenende freue.
Headlines
Alle Zeitungen haben sich natürlich heute mit der Berichterstattung über den Flugzeugabsturz und dem Stromausfall überschlagen. Damit recht viel in die Titelzeile passt, sind sie natürlich auch wieder dem Abkürzungswahn erlegen (“E.P.A.” für East Palo Alto und dergleichen).
Meine Lieblingsschlagzeile: “Plane crash unplugs City”, also quasi Palo Alto unplugged. Habe mir heute von Ortsansässigen erzählen lassen, wie es sich anfühlt, wenn kurz vor Einbruch der Dunkelheit die Lichter wieder angehen und der Kühlschrank anfängt zu summen. Wurde übereinstimmend als sehr sehr schöne Erfahrung berichtet.
“Electricity is back before the dark. Good job, Palo Alto Utilities!”
Details zu unserer lokalen Katastrophe: http://www.ktvu.com/video/22595792/index.html
Could all have been worse!
Super-Sam
hat heute den Strauch in der Gartenecke verschwinden lassen und gleich den Boden aufgelockert – noch ein Sack Humus und ein bißchen Hacken und Gießen, dann kann ich da mein Feld bestellen.
Power Outage
Wir steckten heute morgen in einem selbst für diese Tageszeit ungewöhnlich langen Stau, bis Felix’ e-mail an alle ein wenig Klarheit brachte: “Stromausfall in der california, alles dunkel. Flugzeugabsturz (klein) in east palo alto.”
Erschreckend ist, dass sich an der Situation bis jetzt (05:00pm abends) nicht wirklich viel geändert hat: kein Strom, nirgends, in der Greater Palo Alto/Mountain View Area, also keine Ampeln mehr, kein Licht, keine Heißgetränke, kein W-Lan, extrem eingeschränkter Mobiltelefonempfang – und natürlich auch keine Terminvereinbarung beim Internisten im PAMF – “scheduling without our computers does not work – call again tomorrow.” Der Arbeitstag umfasste exakt eine Akku-Laufzeit, dann heim nach San Bruno und von da aus, mit echtem Strom, weitergearbeitet (nach einem sehr erholsamen Mittagsschlaf im sonnigen Garten).
Und da machen die bei der Heimatlandsicherheit sich hier immer Gedanken über “vulnerable points” – es reicht eine Cessna, die eine Stromleitung streift, um das Silicon Valley lahmzulegen. http://www.huffingtonpost.com/2010/02/17/palo-alto-power-outage-wi_n_465858.html
Kommt ‘ne Frau zum Arzt
und verbringt den ganzen Tag mit 1000 Tests und viel Warten, dann kommt am Ende raus, dass nichts ist. Und schon gar nicht der Blinddarm: “I don’t deny your pain…” also ungefähr: “Ich sage ja nicht, dass Sie keine Schmerzen haben, aber wir finden nix. Machen Sie doch mal einen Termin beim Internisten…”
Mach ich dann morgen mal.
Ärztliches Bulletin
Im Laufe meines Münchener Ärztemarathons wurde mein Blinddarm als äußerst gereizt diagnostiziert und der Versuch unternommen, ihn mit Antibiotika wieder zu beruhigen. Auf solche Tricks fällt mein Wurmfortsatz nicht rein; ganz im Gegenteil, er tut dann (wahrscheinlich aus purem Trotz) extra mehr weh. Nachdem ich die letzte Nacht wieder vorwiegend schlaflos verbracht habe, war’s genug. Seitdem bin ich im Krankenhaus. Nach nunmehr sechseinhalb Stunden “Urgent Care” mit folgendem Status:
ich habe meine Geschichte inzwischen drei Menschen erzählt (wahrscheinlich vergleichen sie die Versionen, um zu sehen, ob ich mich in Widersprüche verwickle), wurde ohne Flüssigkeit und Nahrung in ein fensterloses Tiefkühl-Kämmerchen gesteckt und man erwartet offensichtlich ernsthaft, dass ich außer dem blauen Papierkittelchen (hinten offen) nichts am Leibe trage (habe das modifiziert und alles an, was ich mitgebracht habe, incl. meiner dicken Fleece-Jacke), bin um einige Körperflüssigkeiten gebracht worden und warte. Warte. Warte. Nicht, dass ich nicht die Bilder aus dem Münchener Kernspin dabei hätte, aber die hiesigen Doktoren trauen dem “ausländischen Zeug” nicht so recht und deswegen stecken sie mich hier noch mal in die Röhre. Wenn ich nicht einverstanden bin, behandeln sie nicht. Selbstverständlich war ich unter dieser Bedingung aus vollkommen freien Stücken einverstanden.
Wir warten wieder. Dieses Mal auf die Ergebnisse aus dem Kernspin und ich bin randvoll mit zartgrüner Kontrastflüssigkeit. Also trinke ich, was reingeht, um wieder auszuwaschen. Dr. Holmes (bin ja schon froh, dass sie nicht Jekyll heißt) hat schon ein paar Mal reingeschaut um mitzuteilen, dass sie auch noch nichts weiß. Was bin ich froh, dass das PAMF (Palo Alto Medical Foundation) auf seiner Website damit prahlt, dass man hier “Free Wireless LAN” hat, mein eigens mitgebrachtes Buch hatte ich schon vor 4 Stunden ausgelesen.
Ich warte dann mal noch ein bißchen.
“Iron Triangle”
In all den kostenlosen Blättchen, die hier in den Zeitungsständern zu haben sind, gibt es immer mindestens 2 Seiten Polizeibericht (wie ich von Lyn weiß, sind das die im Senior Center am meisten disktuierten Seiten – ist wahrscheinlich spannender als “Sanft-entschlafen-Todesanzeigen” …). Überdurchschnittlich häufig ist der Tatort Richmond, im Jahr 2007 von der Presse auf Platz 9 der gefährlichsten US-Städte gekürt (vergleiche auch hier: http://www.mapreport.com/na/west/ba/news/years/2010/january.html#c – wenn man’s nicht mit eigenen Augen sieht, wie der erste Mord des Jahres zelebriert wird…)
Im Iron Triangle, der Name leitet sich von der Lage inmitten der Gleise dreier Bahnlinien ab, leben ungefährt 20.000 Menschen, zwei Drittel davon afro-amerikanischer Herkunft, es gibt kaum vernünftige Schulen, dafür sind die Arbeitslosenquote und die Anzahl der frühen Schwangerschaften sehr hoch. Und die Neighborhood liegt ungeschlagen in Führung bei Gewalt- und Drogenverbrechen. Man sagt auch, der Name leite sich von der gleichnamigen Zone im Vietnam-Krieg ab.
Von mir aus liegt das IT knapp 20 Meilen entfernt. Ich muss aber nicht überall gewesen sein,
Äußerst verdient
hatte ich mir, nach der Münchener Frostbeulenerfahrung, diese beiden herrlichen wunderbaren kalifornischen Wochenendvorfrühlingstage. Ich habe sie angemessen begangen: mit dem Gärtner die Anlage des anzupflanzenden Gemüsebeets diskutiert (sprich: mit Sam von gegenüber vereinbart,
dass er den Strauch in der Südostecke des Gartens ausmacht, damit dort, im schattigsten Eck des Gartens nach dem Ausbringen von Humus Salat und anderes Grünzeugs gesät werden kann), Unkraut gejätet sowie eine hinreichende Anzahl von Pausen eingelegt (“jetzt kehre ich diese halbe Platte, dann mache ich ein Päuschen, dann kehre ich die zweite Hälfte, und mache ein Päuschen…”), gelesen und mich von der Sonne bescheinen lassen.
Dazu Vogelgezwitscher, Blütenduft und ab und zu eine Katze verscheuchen.
Vollkommen unverdient
Im Supermarkt, an der Wursttheke (sie nennen es hier “Deli” von Delikatesse, aber das ist eine ganz andere Geschichte): die nach mir anstehende Dame und ich brechen beide synchron in lautes Niesen aus (neue olympische Disziplin ohne Nasenklammern) und identifizieren einander qua Hatschi als Leidensgenossinnen. Während ich bestelle, beschwert sie sich lauthals: “I did not deserve this crap!” Schließlich habe sie beide (!!) Flu Shots, wasche sich mehrmals am Tag die Hände mit warmem Wasser und Seife, desinfiziere in jedem Supermarkt den Einkaufswagengriff – kurz: sie betet den gesamten Katalog der Flu-Präventionsmaßnahmen herunter und hat jede einzelne mehr als übererfüllt.
Ich bin mit Omas Spruch (“Ganz egal, wo du’s herhast, jetzt hast du’s und kannst nur zusehen, dass du’s wieder loskriegst.”) bei der Dame nicht angekommen – in ihrem Universum muss jemand anderer Schuld sein…
Ha-aaa-atschi!
