Gelesen: “Namhafte Krimiautoren” – “Online ins Jenseits, 14 Krimihäppchen von App bis .zip”

Man hätte es sich denken können: das Büchlein war in der U-Bahn ausgesetzt worden und trägt einen Remittendenstempel am Schnitt, war also wahrscheinlich nie im regulären Handel. Offensichtlich sind sind dafür Bäume gefällt worden und allerlei Menschen haben Zeit darauf vergeudet – gänzlich unbegreiflich.

What an utter shyte! Nicht lesen!

Fährt ab morgen wieder U6.

Dafür sind Freunde da

Wenn Männer Ball spielen, habe ich im Allgemeinen keine Ahnung davon. Selbst dann nicht, wenn Champions-League-Finale ist. Es sei denn, das Spiel endet auch nach Verlängerung unentschieden und Elfmeterschießen steht an.

Dann ist alles anders, weil dann trifft um 20:46 Uhr die Nachricht ein: “Championsleaguefinale Paris St. Germain gegen Arsenal. Elfmeterschießen jetzt.” Mit genauer Angabe zum Austragungsort (Budapest) sowie Information zum Spielverlauf: “PSG ist technisch haushoch überlegen, aber Arsenal hat gekämpft.” Schon schnappe ich das Tablett, finde, dass das Spiel im ZDF übertragen wird und bin rechtzeitig dabei, wenn auf dem großen leeren Spielfeld die Spielergrüppchen sich zusammenfinden, das Tor bestimmt und die Münze für den ersten Strafstoß geworfen wird.

Mein Dank gilt Frau R. aus M., die an mich und meine Freude am Elfmeterschießen denkt, selbst wenn sie weit fort hinter den sieben Bergen weilt. Schee wars, auch wenn “unser” Underdog verloren hat.

Wiedergelesen: Christopher Sebela (Autor) und Ro Stein, Ted Brandt (Artists) – “Crowded”

Die Geschichte spielt in einer nicht mehr allzuweit entfernten Zukunft, in der sich die Heldin mit umpfzig kleinen Jobs über Wasser hält (Gig-Economy), Autos selbst fahren, die Überwachung total und der größte Luxus eine Wohnung in einer Anlage namens “Tabula Rasa” ist, die vollkommene Privatheit garantiert.

Auf Charlie, eine ganz gewöhnliche junge Frau, ist ein Kopfgeld ausgesetzt worden, auf einer App namens “Reapr” (“The Reaper” ist auf deutsch der Sensenmann). In den nächsten 30 Tagen ist sie Freiwild, wer kann und mag darf sie umbringen und die Belohnung kassieren. Sie heuert auf einer anderen App “Dfend” (“Defender” = Verteidiger) eine Bodyguard an, Vita. Beider Leben wird dadurch erschwert, dass die Prämie sekündlich höher wird.

Ich mag diesen dreibändigen Comic sehr sehr gern. Er ist schnell, in satten Farben dem Tempo der Geschichte entsprechend gezeichnet, mit Verfolgungsjagden und Schießereien und Messergemetzeln, hält aber auch immer wieder inne und läßt die Protagonistinnen zur Besinnung kommen, sich (und andere) hinterfragen oder, in seltenen Momenten, auch mal Spaß haben. Und man fragt sich als Leserin immer wieder, ob das die Art Zukunft ist, in der man gerne leben möchte…

Wenn man’s mal nicht an den See geschafft hat, die ideale Lektüre für einen Lesenachmittag auf dem Balkon.

Lesen! Lesen! Lesen!

Seid fruchtbar und mehret euch

Offensichtlich sind die Anstaltstauben an einem milden Sommerabend wie heute besonders bibelfest und befolgen die göttlichen Weisungen des ersten Buch Mose.

Und wie! Mit lautem Gruruhjuhu, wildem Flügelflattern – und in Kleingruppen, nicht unter sechs, sieben vögelnden Vögeln (der mußte sein, sorry).

Wie es ausgerechnet diese Vogelart zum Modell für Monogamie geschafft hat? Keine Ahnung. Aber super Marketing, Hut ab.

Fehlzündung

Er sei, erzählt einer der Teilnehmer an der heutigen Telefonkonferenz gerade erst wieder genesen. Vom Drüserschen Pfeifenfieber. Werte Damen und Herren Pschyrembelredaktion: ist das nicht eine ausgesprochen schöne neue Krankheit, die unbedingt in Ihr Nachschlagewerk aufgenommen werden sollte?

Ich habe so ein Bild vor Augen von einem Kranken in einem altmodischen gestreiften Schlafanzug, gut zugedeckt in sein Kissen gedrückt, mit dick geschwollenen Backen, die die Augen ganz klein machen, die Lippen spitz zusammenquetschen und jeden Atemzug zum Tirili machen.

So ungefähr:

Summertime

… und wieder eine Aufgabe als erledigt abgehakt: erster Biergartenbesuch des Sommers absolviert. Mit Spareribs und allem.

Den ganzen Nachmittag unter einer schattigen Kastanie verbummeln und weggehen, wenn es anfängt voll zu werden. Mann, ist das Rentnerleben schön!

Wiedergelesen: Brian K. Vaughan (Autor) und Pia Guerra (Artist) – “Y – The Last Man”

Gelesen habe ich diese 10-bändige dystopische Comic-Reihe zum ersten Mal kurz nachdem sie herausgekommen war in den frühen Nullerjahren. Der Inhalt, ganz kurz: am 17. Juli 2002 stirbt alles auf der Erde, das ein Y-Chromosom hat, außer einem einzigen jungen Mann und seinem Kapuzinerhelferäffchen.

Wie eine Welt aussieht, auf der es auf einmal nur noch Frauen gibt, wie regiert und schwere Maschinen betrieben und Industrien und Lehrinstitutionen wiederbelebt werden, welche Sekten sich entwickeln, wann Insektenarten und Ratten aussterben und wozu Frauen fähig sind, ist kein Stück weniger spannend und wissenswert geworden.

Lesen! Lesen! Lesen!

Konsumgesellschaft

Früher dachte ich, Shoppen, gar bis zum Umfallen (“shop ’til you drop”), sei eher eine typisch amerikanische Freizeitbeschäftigung, genauso wie “retail therapy”, also das dringende Kaufen von Dingen, vornehmlich Kleidung, die man nicht braucht, aber haben-haben-haben will, um sich davon abzulenken, dass es einem gerade nicht so gut geht oder das Wetter schlecht ist oder die Geschirrspülmaschine kaputt.

Das stimmt natürlich nicht. Wenn ich mich recht erinnere, ist selbst meine sonst eher geizige Frau Mutter ab und an schlecht gelaunt losgezogen, um “sich was Gutes zu tun”, will heißen, irgendwas neues in einer Plastiktüte mit dem Aufdruck eines Textilhauses (fragt Oma) dann besser gelaunt nach Hause zu tragen.

Das ging mir jüngst durch den Kopf, als eine Freundin sehr begeistert von ihrem Streifzug durch den Outlet-Store berichtete, der ihr quasi “für die Hälfte” einen ganzen Satz neuer Sommergarderobe eingetragen habe. Dabei ist mir auch eingefallen, dass ich schon ewig (und mindestens drei Tage) nicht mehr analog einkaufen war, wenn es sich nicht gerade um Lebensmittel handelt. Ich mag keine Umkleidekabinen und hilfreiches (übersetze: aufdringliches) Fachpersonal. Mir ist es so viel lieber, durch Websiten zu scrollen, virtuelle Einkaufstaschen zu füllen und, vielleicht, irgendwann auf “bestellen” zu drücken. Oder auch nicht, denn wenn ich ehrlich bin, habe ich genug zum Anziehen. Und wenn doch, in aller Ruhe das Päckchen, das dann irgendwann ankommt, auszupacken und immer noch in aller Ruhe zu Hause anzuprobieren, was ich online ausgesucht habe.

Wie? Bücher? Das ist ganz was anderes und darf nicht als “Shopping” mißverstanden werden. Gefälligst.