Wie es sich gehört

Meine Nachbarn waren über die Osterferien verreist und haben nach ihrer Rückkehr festgestellt, dass ihr Balkon voller Kacke, Federn und Vögeln vulgo “Taubenplage” ist. Das haben sie auf dem hierfür vorgesehenen Dienstweg der Hausverwaltung gemeldet. Diese hat daraufhin die “Tauben-Abwehr” geschickt (was ich nicht ohne ein Grinsen hören konnte, weil doch die Abwehr der Geheimdienst der Wehrmacht war, wie ich gerade tags zuvor wieder neu gelernt hatte). Die Tauben-Abwehr hat den Balkon forensisch untersucht und festgestellt, dass dort ein Vogelpaar brütet und…

….und meinen Nachbarn das Betreten des Freiluftfortsatzes ihrer Wohnung so lange untersagt, bis die Jungvögel ausgeflogen sein werden.

Dies hat mir eben sehr entrüstet die alte Dame zwei Wohnungen weiter berichtet, die ihren Balkon mit einem grünen Netz von oben bis unten vor weiterer Taubenplage schützt. Und recht kryptisch geschlossen, dass man heutzutage ja in den Städten einfach Bomben auf Menschen wirft, diese Drecksviecher aber… dann hat sie sich unterbrochen, resigniert abgewinkt und ist ihrer Wege gegangen. Dabei hätte ich diesen Gedanken gerne etwas näher ausgeführt bekommen

Weil ich ja nun auch bald zwei Wochen weg bin, teste ich derzeit den Taubenschreck. Er funktioniert. Bei mir. Heute ist er mir nämlich (vor lauter Schreck) gleich mal aus der Hand gefallen, so laut hat das Maschinengewehr gelärmt. Aber ich habe ja noch so viele Geräusche zur Auswahl: zum Beispiel “Hundefell + Schuß”, “Wolfheul”, “Feuerwerk-Löwenbrüllen”, “Didi-Ton” (bin sehr gespannt), “Exxplosion” (die 2 “x” sind von denen) und, mein ganz besonderer Favorit, “Schweineschlachtenton”. Ich habe zwar keine Ahnung, woher eine Taube weiß, wie Schweineschlachten (Horridoh!) klingen, aber wenn es die Biester abschreckt, soll mir das egal sein.

Drückt mir die Daumen.

Gelesen: Len Deighton – “SS-GB”

Mit Len Deighton, lese ich jüngst im Nachruf von einem Autor meines Vertrauens, sei am 15. März dieses Jahres einer der berühmtesten englischen Autoren verstorben. Aha? Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich den Namen noch nie gehört hatte, aber das Schöne an Literatur ist ja, dass sie auch den Nachgeborenen noch zugänglich ist. Also besorge ich mir sein berühmtestes Buch (wie ich später feststelle, tragen dieses Attribut mehrere seiner Werke, aber wer kehrt), eine Was-wäre-wenn-Dystopie, die in düstersten Farben ausmalt, was aus dem britischen Königreich geworden wäre, wenn die Schlacht um England verloren gegangen wäre und das nationalsozialistische Deutschland den Krieg gewonnen hätte.

Ein Thema, das übrigens auch andere britische Schriftsteller umtreibt: ich empfehle dringend die Lektüre von Stephen Frys “Making History” in dem ein Student eine Zeitmaschine entwickelt, um Adolf Hitlers Geburt zu verhindern, in der Annahme damit den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg zu vermeiden. Teil 1 des Plans klappt, Hitler wird nie geboren – stattdessen führt ein charismatischer, politisch hochintelligenter Nazi-Führer Deutschland zum Sieg im Krieg um die Welt und der Holocaust nimmt noch wesentlich erschreckendere Ausmaße an.

Aber zurück zu Deighton. In “SS-GB” haben die Deutschen den Krieg gewonnen, sind in England einmarschiert, Churchill ist hingerichtet, der König im Tower eingesperrt, sämtliche Behörden von den Besatzern übernommen, das Volk elend in ausgebombten Häusern und mit knapp rationierten Lebensmitteln. Der Held des Buches ist Detective Inspector Archer von Scotland Yard, das nun dem Kommando der SS unterstellt ist, der einen Mord aufklären soll. Das Opfer hat, neben einer tödlichen Schußwunde im Kopf, Verbrennungen an den Armen. Verbrennungen durch radioaktive Strahlung.

Und schon sind wir mitten in der schönsten Verschwörungsgeschichte um den Kampf um die atomare Vorherrschaft und Doppel-, Triple-, und weiß-der-Teufel-wieviel-Seiten-Agenten und den Machtkampf der einzelnen Bereiche innerhalb der Nazi-Organisation, der Fragen aufwirft, wie: ob es “ehrenhaft” ist, dass ein König von SS-Garden bewacht wird, wo ihm doch als obersten Heerführer eigentlich Soldaten “zustehen” – zu schön, wie Leighton immer wieder Episoden erfindet, in denen der “Clash of Cultures” zwischen den besetzten Briten mit der stiff upperlip und den höflichsten Beleidigungen, die die Sprache hergibt und den “Hunnen”, die ja hier schließlich Chef sind und Befehle erteilen fröhliche Urständ feiert. Er erfindet zum Beispiel Festivitäten zur Deutsch-Sowjetischen-Woche, in denen das Grab von Karl Marx eine wichtige Rolle spielt… einfach herrlich und sehr witzig.

Es mag dem Genre und der Zeit geschuldet sein – Frauen spielen kaum eine Rolle. Es gibt sie in den Varianten: die gute Ehefrau und Mutter, also die den Bomben zum Opfer gefallene Ehefrau des Detektivs und seine Vermieterin, deren Mann in einem deutschen Arbeitslager gefangen gehalten wird. Außerdem die englische Widerstandskämpferin, die ihn erst verführt und dann fallen läßt, weil “die Sache” wichtiger ist und dann noch die toughe amerikanische Kriegsberichterstatterin, wegen der (tragischen) Liebesgeschichte. Fertig. Darüber muß man als heutige Leserin großzügig hinwegsehen.

Tut man das, liest man ein Buch, das sein sehr kenntnisreicher Mann verfaßt, der sich sowohl in Waffengattungen wie in Befehlsketten auskennt und eine gute spannende Schreibe hat. Grausig wird es, wenn er die sowohl effektive wie effiziente deutsche Strafaktion “the night of the buses” nach einem Attentat im besetzten London beschreibt, inklusive ausgereifter Logistik, Standgerichten und Bürokratie (mit drei Durchschlägen).

Es sollte gelesen werden. Mein Exemplar steht zur Ausleihe zur Verfügung.

Gelesen: Patrick Redden Keefe – “Say Nothing”

Es ärgert mich manchmal ziemlich, dass ich Zeitgeschichte zwar im Prinzip miterlebt haben könnte, aber eigentlich wenig bis nichts über eine Epoche weiß. Wie zum Beispiel den Nordirlandkonflikt (in englischem Englisch “The Troubles”), eine immerhin gut 30 Jahre umfassende Zeit von den späten Sechzigern bis zum sogenannten “Good Friday Agreement” 1998, in der alle Seiten, Katholiken, Protestanten, die britische Regierung, mit unfaßbarer Gewalt das vertraten, was sie für “ihr Recht” hielten. Ich kann mich aus meinen Kinder- und Jugendtagen an Nachrichten über Autobomben und IRA-“Terroristen” und Hungerstreiks und brutale Armeeeinsätze erinnern, die waren einfach immer da. Aber wer gegen wen und warum? Darüber wußte ich nicht wirklich was.

Jüngst wurde mir “Say Nothing” als DAS Standardwerk über diese Zeit empfohlen und nach einer Woche intensiver Lektüre bin ich nun klüger. Redden Keefe beschreibt sein Werk als ein “work of narrative non-fiction”. Das bedeutet, er hat mit einem Team von Recherche-Assistenten eine große Menge an Quellen zusammengetragen und studiert und erzählt nun in einem Fließtext von Menschen, die “verschwunden” wurden, jungen Leuten, deren Familienbiographie gar nichts anderes zuließ, als dass auch sie sich zu “Kämpferinnen und Kämpfern” in der IRA rekrutieren ließen oder sich gleich freiwillig verpflichteten, Familien und Nachbarschaften, die dieser Glaubenskrieg zerstört hat, einer Regierung Thatcher, deren Chefin Empathie und Gnade fremd waren, den Spätfolgen von Dauerkampf (keine Nacht im eigenen Bett) und Hungerstreik, wie lebenslange Eßstörungen, PTSD und den Regeln der Omertà: “Whatever you say… Say Nothing.” (Der Titel des Buches zitiert den Titel eines Gesangs des Dichters Seamus Heaney.)

Man muss sich bewußt sein, dass dies, obwohl intensiv recherchiert, kein Geschichtsbuch ist. Alles, was in einem solchen in den Fußnoten stünde, steht hier hinten im Anhang, auseinandergerissen. Das macht die akademische Lektüre etwas umständlicher, dafür aber das Lesen einfacher. Wer sich einläßt, lernt viel.

Lesen! Lesen! Lesen!

Mein Exemplar kann entliehen werden.

Noch ziemlich neu im Kino: “Project Hail Mary”

Es ist wie schon bei “The Martian” – Weirs Bücher kann man einfach vom Blatt weg verfilmen. Die Rolle des Weltraumtausendsassas hat Ryan Gosling von Matt Damon übernommen und macht das sehr nett. Sandra Hüller hatte für ihr Englisch einen sehr guten Sprachcoach und singt sogar Karaoke und auch das gut und ist die passende Besetzung für eine Frau, die die Rettung der Welt organisiert. Der Soundtrack ist eher so na ja, die Filmmusik viieel zu dick aufgetragen und eher störend, wo einen doch im All keiner schreien, also auch nicht streichen und blasen und sonstigen Orchesterkrach machen hören sollte.

Dafür kann aber der Film nix, die Bilder sind gut, die Rocky-Puppe toll, alles sehr unterhaltsam und man kann sich einen Samstagnachmittag viel schlimmer vertreiben. Anschauen.

Anmerkung #1: Etwas irritierend fand ich die Übersetzungen in den Untertiteln: “You gotta be kidding me” wurde zu “Verarsch mich nicht” und “Holy fuck” einmal zu “Heiliges Kanonenrohr” und ein anderes Mal zu “Verdammter Bohnenmist”. Hätte ich anders gelöst.

Anmerkung #2: Außerdem sehe ich als Mensch ohne Fernseher und mit gutem Adblocker so gut wie nie mehr Werbung und fand es ganz und gar abscheulich, welche dummen KI-Spots es inzwischen gibt. Ich glaube, die kann man nur ansehen, wenn man sie als Rätsel betrachtet und versucht herauszufinden, wie der Prompt gelautet haben könnte.

Schon lange nicht mehr im Fernsehen: “Sherlock”

Da schau her. Ist die Serie auch schon wieder ein Vierteljahrhundert alt. Wie die Zeit vergeht.

Ich habe mir alle vier Staffeln noch einmal angeschaut und selbst die schwächsten Folgen sind viel viel besser als vieles, was in der letzten Zeit so zusammengedreht wurde.

Wer intelligente Unterhaltung, gute Drehbücher, eine auch 25 Jahre später noch spannende Kameraführung, eine großartige Besetzung (Casting-Oscar, ich sag’s ja) mit ausnahmslos sehr guten Schauspielern und Innen sucht, der ist hier genau richtig.

Anschauen! Anschauen! Anschauen!

Wellness in Bad Füssen, ein mehrteiliger Bericht. 3. D’Leit*

  • Für die Kategorisierung der Geschlechter in “die Matz” und “der Lapp” (geht weder umgekehrt noch ohne einander) verweise ich auf den ersten Teil des Berichts.
  • Im Übrigen müssen wir wohl um Abbitte ersuchen. Also, Frau Carola: es liegt an uns und nicht an Ihnen. Den meisten Gästen Ihres Hauses scheint das, was Sie wahrscheinlich “liebevoll dekoriert” und ich “augenkrebsauslösend” nenne, gut zu gefallen. So gut, dass sie den Gatten oder die mitreisende Freundin davor und damit ablichten. Ich hab nur eins (von vielen) Kissen fotografiert. Das muss reichen. Nicht, dass mir die Linse platzt.
  • Verpasst haben wir, zu unserem großen Bedauern, den Tanztee (faul auf der Sonnenterrasse den Bäumen beim Blühen zugeschaut) und den Tanzabend (dem Griechen den gesamten Tagesfang weggefressen) mit Pepi Grunzendorfer.
    Scho schad.
    Bestimmt.
  • Der schönste Mann im Thermenjuwel ist der Wolle mit der Tolle. Ein eher hagerer Typ mit vogelartiger Physiognomie, der gerne in Beckenecken lehnt und mit ruckartigen Kopf- bzw. Augenbewegungen seine Umwelt beobachtet. Damit ihm nur keiner nahekommt und etwa seine sorgsam und aufwendig ondulierten Haarstränge, jeweils seitlich rechts und links von der Glatze angeordnet, naßmacht.
  • Ich glaube ja, dass man in Bad Füssing als männlicher heimatverbundener Jugendlicher in der Berufsberatung eine Ausbildung zum “Kurschatten” vorgeschlagen bekommt. Den Lehrplan würd ich gerne mitgestalten dürfen – hey, ich hab die Ausbildereignungsprüfung damals mit Auszeichung bestanden, ich kann das.
  • In der Therme stehen vereinzelt lebensgroße Bronzestatuen weiblicher Nackter. Kleine feste Brüste, nackte Achselhöhlen, flacher Bauch, nackte Scham, fester Hintern, so, wie Arno Breker sie schuf. Ich habe trotz intensiver Recherche weder einen Hinweis auf den Künstler und noch weniger auf ihre Provenienz gefunden…

* Gemäß dem Motto des großen Denkers Karl Valentin: “Der Mensch is’ gut, aber die Leut’ san a G’sindel!”

Wellness in Bad Füssen, ein mehrteiliger Bericht. 2. Die Johannesbad-Therme

Es war nicht einfach. Aber… Wir sind die Gewinnerinnen der “Fichtenwald-Late-Night-Challenge”. Ich würde so gerne davon erzählen, wie ich in der Bibel auf dem Nachttisch Rat und Trost gefunden habe. Allein, bei Carola im Haus ist die heilige Schrift ein Ratgeber der Autorin Heike Holz (Nomen est Omen – eine Heike Haberstroh hätte es im Hotel Fichtenwald nicht neben die Betten geschafft). Ich lerne: Nicht etwa Red Bull, neihein, “Glücklichsein verleiht Flügel”. Wie das im Einzelnen geht, wird in Kapiteln mit Titeln wie “Knips dein Licht an”*, “Was sagt mein Bauch dazu?” und, anatomisch rätselhaft, “Mit vier Ohren hören” erläutert. Nein, das mach ich wieder zu. Von sowas bekomme ich sicher Alpträume.

Selbst sind die Frauen. Hah! Schraubella, die Mörderschiffschraube (Arbeitstitel), halten wir durch einen irre geschickten Trick davon ab, uns in kleine Teile zu zerlegen. Einfach den Schalter nicht angeknipst, jaha. Gewußt wie. So vermeidet man, zum Beispiel, auch Atomkriege, nur falls es wen interessieren sollte. Das klistierförmige Salzstickmodul mit dem eigenartigen lila Wabbelkern unterhalb der Mischbatterie in der Duschkabine konnte uns nichts tun, weil wir, einen ganzen Tag im Thermenjuwel (doch, so nennen die das) mit umpfzich Becken innen und außen vor uns habend, dem Ding einfach fernbleiben. Und dass Carola den ganzen Garten unter Strom setzt und die halbe Nacht mit Blitzelichtern herumzuckt, ist uns gerade mal ein Wegdrehen wert – und wuppdich: Es ist Morgen und die Challenge bestanden. Siegerehrung, Medaillen, the whole shebang. Drum erzähle ich jetzt auch nix mehr von Carolas Frühstücksspezialitäten, weil: Wir sind hier schließlich nicht zum Spaß, sondern zwengs Wellness. Auf in die Therme.

Huiui. Riesenparkplatz. Rieseneingangsbereich. Schilderwälder, die die Richtungen zu Badebecken, Rehamaßnahmen, Ärzten, Shops (Bade- und Freizeitmoden im Ausverkauf, aber wir widerstehen), noch mehr Gesundheit, Wohlfühlen, Massagen, Aroma, Fango, Tango, Salsa, Walzer… aber halt, mir gehts schon wie der KI, ich halluziniere. Wir sind drin und schauen auf Spindmengen, die eine durchschnittliche Kaserne vor Neid erblassen lassen müssen. Und das ist nur die erste von drei Etagen.
Meine Herren! Und Damen! Sowie alle anderen!

Nun muss ich gleich einmal eine Lanze für Einrichtungen dieser Art brechen. Hier sind alle Sorten Mensch vertreten: groß und klein, dick und dünn, alt und jung, turnschuhfit und rollatorgebrechlich, dunkelgebräunt und winterbleich, viel und wenig Haare auf Kopf und/oder Körper – alle Gegensatzpaare, die einem einfallen und alle Varianten dazwischen. Alle sind sie gekommen, um es sich nach dem kalten Winter in der Frühlingssonne wohlergehen zu lassen. Sonst nix. Alle tragen wenig kaschierende Badekleidung (noch. Wenn sie (und wir) erst mal im 3. Stock im Saunabereich sind, sind alle nackig). Und es ist wurscht. Jeder läßt jeden sein, wie er ist – das Badehaus als moralische Anstalt. Leben und leben lassen. Holla. Scho sche.

Wir brauchen einen Moment, die irre Größe der Außenanlage und Becken an Becken an Becken zu erfassen, fangen aber dann mal im Strömungskanal an und es ist herrlich. Das Wasser knackewarm, die Sonne auch, nur die Nase bleibt kühl. Dicke Düsen von den Seiten geben uns gelegentlich einen ordentlichen Schub und dann treiben wir ein bißchen schneller bis wir wieder im Rhythmus des Stroms wie die Korken herumpoppen, hach! Sehr sehr hach! Nach ein paar Runden entdecken wir die Sprudelbänke (unten in rot) – was ein Spaß! Aus vielen Düsen strömen Luftbläschen und neben dem Massage- haben sie einen Dolly-Buster-Effekt. Ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie so eine Oberweite, bin nicht sicher, ob Doppel-E ausreicht, sie zu beschreiben. Hah! Als ich mich wieder dem Strömungskanal anvertraue, muß ich ein paar Mal feste drücken, bis sich mit einem langgezogenen Furzgeräusch meine Größe wieder manifestiert. Schö-ön! Nochmal!

Als nächstes lassen wir uns einen, zwei, drei Pools weiter im schönen warmen Salzwasser durchbritzeln (so sollte das Meer immer und überall sein) und dann finden wir einen 36° warmen Sprudelpool – in dem könnte ich einziehen. Werde aber irgendwann (ob nach Minuten, Stunden oder Tagen weiß ich nicht, kann mich mit solchen Nebensächlichkeiten wie dem linearen Fluß der Zeit wirklich nicht aufhalten, muß sprudeln) mit Nachdruck aufgefordert, jetzt (jetzt!) rauszukommen, weil ich schon fast in Schwimmhäuten eingewachsen sei. Pfffhhh. Dann halt. Aber nicht gern. Muss aber, weil wir müssen jetzt saunen (ist im Voraus bezahlt).

Ab in den 3. Stock und wieder erschlägt einen die Auswahl. Was sollen wir bloß als erstes tun? Wir finden ein hübsches sonnendurchflutetes Eckchen im Ruhebereich, entledigen uns unserer nassen Badekleidung und fangen mit dem Osmanischen Badetempel an. Hach! Danach erlebnisduschen, mit allen Farben des Spektrums und umpfzig verschiedenen Wasserstrahlstärken- und temperaturen. Ganz schön anstrengend, aber inzwischen habe ich den Dachgarten gefunden und wir legen draußen ein Päuschen ein. Und dann müssen wir schon wieder los, Kaffee trinken. Viel mehr schaffen wir nicht. Hut ab vor den Dauergästen, die hier Tage am Stück verbringen. Müssen eine Super-Kondition haben, diese Herrschaften.

Wenn ich eins gelernt habe: Wellnessen ist nix für Schwächlinge.

* “Knips dein Licht an” ist im übrigen eine “Methode”, die Frau Holz höchstpersönlich erfunden hat und auch lehrt. Ich persönlich verwende ja hierfür ohne jede Ausbildung intuitiv Lichtschalter, aber jeder wie er mag.