Ich wüßte gerne, woran es liegt: schreibt der Autor so sperrig oder ist es die Übersetzung von Katharina Schmidt, die in einer Zeit, in der die Menschen schon Mobiltelefone verwenden, eine sehr eigenartige obsolete Sprache verwendet? Ein betrogener Ehemann ist ein “Hahnrei”, der fette Mann im Hotel ein “Dickwanst”, ein Student hat seine Unterlagen in einem “segeltuchumwickelten Heft” und der Herr, der mit rauher Stimme spricht, wird mit einem “Rachenkartarrh” diagnostiziert.
Überhaupt, ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt hätte bestimmt seine Freude an den Protagonisten: alle paar Seiten wird sich geräuspert. Möglicherweise könnte auch eine andere medizinische Disziplin ein Forschungsfeld finden, denn immer, wenn Menschen lügen oder auf andere Weise etwas verbergen, werden sie rot im Gesicht oder es zeigen sich mindestens wandernde rote Flecken, vom Hals zu den Ohren oder auf den Wangen oder so. Bei Frauen hat dieses Phänomen den Nebeneffekt, dass sie, egal welche von ihnen, auf einmal ganz häßlich aussehen, quasi, wer innen schlecht ist, ist es auch außen.
Guiccicardi dürfte sich mit Simenon messen haben wollen und wirft dazu einen philosphischen Sinnspruch am nächsten in die Runde, entweder ein literarisches Zitat (was aber nicht prüfbar ist) oder gerade in der Minute vom Ermittler selbst ausgedacht. Das führt zu solchen Perlen: “Er dachte, dass es schön wäre, das Ganze aus dem Blickwinkel einer Fliege oder mit dem Auge Gottes sehen zu können.” Oder, angesichts einer Leiche mit einer Schußwunde in der Schläfe und einer Beretta in der Hand: “Der Tod ist die extremste Erfahrung unserer Einsamkeit. Denn man stirbt immer allein. Doch niemand kann wissen, was im letzten Augenblick des Lebens geschieht. Deswegen sollte man niemanden verurteilen, sondern sich Gedanken machen. Darüber nachdenken, dass das Herz Gottes größer ist als das der Menschen.”, wobei man wissen sollte, dass der sizilianische Commissario, dem ständig Gedanken an Gott in Kopf gelegt werden, bekennender Atheist ist. Aber aufpassen: “Sofort bemerkte er die leise Unzufriedenheit, die das Wachwerden zurückläßt.”
Ich rate davon ab, diesen Krimi zu lesen, ich habs ja nun schon getan und es muss keiner mehr Lebenszeit darauf vergeuden. Möchte meine Leserschaft aber nicht ohne diese letzte Weisheit aus dem Buch entlassen: “Man kann dem Leben keinen Sinn geben, als es zu leben.”
Genau. Und eben keine schlechten Bücher zu lesen.