Ich höre Stimmen…

… und zwar aus der Toilettenkabine nebenan, wo eine Dame ihre Verrichtungen mit aus voller Brust gestöhntem “Oh, oh Tschisaß, oh Tschisaß, oh, oh Tschisaß (Da Capo)” vornimmt.

Ein bißchen befremdlich ist das schon, aber andererseits: wer ganz ohne Macken ist, werfe die erste Klopapierrolle…

Ahoi!

Immer, wenn ich dieser Tage aus dem Fenster schaue, und das mache ich immer, wenn ich am Computer sitze, also oft, dann spielt der Ohrwurm in meinem Kopf in Dauerschleife “Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön”, weil mein Blick auf bunte windgeblähte Wedelwimpelketten fällt und nur noch ab und zu, aber eher kaum noch, auf im Anflug abdrehendes Taubenpack.

Und jetzt alle: “Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön”!

Ganz neu zum Strömen: “Good Omens – The Finale”

Statt eines weiteren Sechsteilers haben sich die Macher von “Good Omens” offensichtlich entschieden, die Serie in einer einzigen spielfilmlangen Folge abzuwickeln. Hmmm. Die ist so… mittel. Also nicht so ganz schlecht, aber auch nicht so richtig mitreißend gut. Der Bentley darf wieder brennend durch die Gegend (inklusive Universen) heizen, Michael Sheen und David Tennant dürfen in diversen Kostümen glänzen, und Jung-Jesus (Bilal Hasna), dessen Wiederkunft (“The Second Coming”, inklusive Apokalypse) die Handlungsbasis bilden, ist ein ganz reizender naiver junger Mann aus dem Nahen Osten und verschwindet irgendwann und ohne Sinn und Zweck wieder. Das war gar nix. In einer IMDB-Kritik schreibt ein User: “Jesus was underused.” Genau richtig und in sich ein affenkomischer Satz.

Es war sicher gut gemeint, nach all den Widrigkeiten, die die Fortsetzung erfahren hat (wer mehr wissen will, konsultiere das Internet) die Fans nicht mit einem Cliffhanger allein zu lassen sondern ihnen eine Art Abschlussfilm zu geben, halt das, was der Angelsachse “Closure” nennt. Es ist ja auch kein schlechter Film. Aber, siehe oben, gut ist er eben auch nicht.

Schade.

Bye Bye Birdie

With a lot of help from a friend haben wir gestern meinen Balkon mit knatschbunten Windschläuchen, Wedelwimpeln, Holzvögelchen, reflektierenden in mühseliger Kinderarbeit zusammegesteckten Blumenrädchen, tibetischen Gebetsfahnen und sonstigem Haut-ab-ihr-Mistviecher-Gebimsel vollgestopft.

Seit ich heute gesehen habe, wie die ersten Tauben in der Luft abbremsen und dann die Richtung ändern, weiß ich, welch tiefe innere Befriedigung Schadenfreude einem Menschen geben kann.

Ätsch!

Okay, es mag sein, dass die Paloma-Brigade (es sind immerhin schon seit Generationen abgebrühte Urbanvögel) sich schnell gewöhnt und dann doch wieder Wege findet, auf meinem Balkon rumzukacken. Aber fürs erste haben wir es ihnen sehr viel schwerer gemacht.

Danke, danke, danke, Herr S. aus O.

Eben im Supermarkt

Eine Gruppe Greise holt sich Einkaufswagen. Eine und ein jeder die FFP2-Maske korrekt auf dem Gesicht justiert. Bevor ich mich (oder sie) fragen kann, warum, höre ich auch schon in altersgerechter Lautstärke einen der Herren trompeten, dass man dieses Mal (wohl auf das Hantavirus bezogen) nicht wieder wie bei Covid darauf hereinfalle, dass Masken nutzlos seien – die hätten doch damals erst was gebracht, als hinreichende Mengen vorrätig waren. Alles Betrüger, die da oben. “Deswegn hamma mia gnua aufg’hom”, sagt er.

Hatten die Dinger nicht ein Ablaufdatum?

Noch nicht fertig gelesen: Ryan Gattis – “Das System”

Wie ich immer sage: Bücher ziehen Bücher nach. Vor Jahr und Tag hatte mir ein Freund “All involved” von Gattis ans Herz gelegt und das war dann auch eines der wenigen Bücher, die mich in den letzten Ferien wirklich vom Hocker gerissen haben (s. https://flockblog.de/?p=53306). Habe ich dem Freund natürlich berichtet, woraufhin er mir aus seiner Bibliothek “Das System” geliehen hat.

Dessen Handlung spielt nach den “LA Riots” und befaßt sich mit dem Strafvollzug in den USA – wobei einzelne Figuren aus dem ersten Buch Erwähnung finden. Es ist irgendwie nett, beiläufig zu erfahren, dass sich die Krankenschwester und der Feuerwehrmann gekriegt haben und aus dem Gang-Ghetto weggezogen sind, andere von ihren Verletzungen besser genesen sind, als ursprünglich zu erwarten war und wieder andere, nachdem nach den Morden während der Riots Positionen vakant geworden waren, in den Rängen aufgestiegen sind und jetzt, auf Anweisung ihrer Mobbosse, in den Knast sollen.

Leider ist die Übersetzung grottenschlecht. Zum einen, weil diese Gangs eine ganz eigene Sprache mit ganz eigenem Vokabular haben und das wirklich schwer ins Deutsche zu übertragen ist (da hilft auch das ausführliche Glossar am Ende nicht), zum anderen, weil ich den Übersetzern unterstellen muss, dass sie nicht allzu viel Erfahrung mit US-spezifischen Themen haben. Beispielsweise erwärmt man in der Mikrowelle nicht “einen Mac mit Käse”, sondern “Mac’n Cheese”, also kurze Röhrchennudeln mit Kunstkäsepampe. Man geht auch nicht zum “Platz” der Freundin, sondern in ihre Wohnung oder ihr Haus (“her place”). Insgesamt ist es so mies, dass es mir das Lesen so richtig verleidet, obwohl der Inhalt mindestens ebenso interessant ist, wie bei “All involved”. Ich werde mir das Buch nun auf Englisch besorgen und nochmal von vorne anfangen. So gehts einfach nicht.

Aufi muas i

Wir haben ja hier in der Wohnanstalt finkelfunkelniegelnagelneue Aufzüge bekommen, die den Auflagen hinsichtlich Barrierefreiheit genügen dürften und außerdem zu ihren Fahrgästen sprechen. Mit einer ganz entsetzlich sympathischen weiblichen Stimme (diese Modell “Plombenschmelzer”, wenn ihr wißt, was ich meine), die nun darüber informiert, in welchem Stockwerk wir uns befinden und in welche Richtung es geht, nach oben oder unten.

Besonders, wenn sie “Aufwärts” sagt, hat sie sowas jubelndes, positiv bestärkendes im Ton, dass ich mich jedes Mal, wenn ich das höre, dabei ertappe, dass ich die Mundwinkel nach oben verziehe. Doch nicht alles schlecht, in diesem unserem Lande…