D’Leit

  • Ausweislich seines T-Shirts ist der leicht verwahrloste Herr in seinen Sechzigern ein ” Pussy-Magnet”. Hmmm. Also entweder ist das Leiberl schon etwas älter – oder er hat irgendeine Funktion im hoteleigenen Katzencafe inne.
  • Suche noch nach der Superpower, die der schwule Herr in den Speedos mit dem Gepardenprintcape haben könnte. Hod wer a Idee?
  • Das Gebäude ist schrecklich hellhörig. Die Nachbarin zur Linken leidet unter fürchterlichem Heuschnupfen. Haaa-aaaptschi! Ganz oft nacheinander. Bei der zur Rechten leiden alle anderen, weil sie ihre Orgasmen mit einem hyänenrudelwürdigen Geheul begleitet und offensichtlich mit dem Vorsatz verreist ist, mehrmals täglich Sex zu haben.
  • Der kleine Junge am Büffet kennt sich aus: er will weder braunes, noch weißes, weder grünes noch rotes Eis. Nur blaues. Befragt warum, liefert er ein schlagendes Argument: nur Blau schmeckt “richtig” .

Histoire

Ich weiß ja nicht, wie die Franzosen hier so als Kolonialmacht waren. Haben sich wahrscheinlich nicht gerade mit Ruhm bekleckert, wie jede Kolonialmacht. Aber immerhin haben sie Baguette und Croissants hinterlassen. Und Kaffeekultur: niemals kalte Milch in heißen Kaffee kippen.

Dafür merci!

Da, wo ich wohne

  • …geht man über lange Flure auf einem ausgetretenen bläßlichen Sisalteppichboden, an dessen Ende vor langer Zeit einmal der strahlende Neubau des Hotels stand. Jetzt ist mehr Patina.
  • Betritt man mein Zimmer, das mehr so eine Flucht ist, fällt zuerst der lange breite geflieste Gang ins Auge, auf dem im Bedafsfall Linedance- oder Menuettuntericht gegeben werden kann.
  • Linkerhand finden wir einen zehntürigen vollverspiegelten Wandschrank, zwei Meter weiter die Toilette, nach weiteren drei Metern den Badesaal. Gegenüber das Ankleideboudoir mit jeweils rechts und links einem fünftürigen Wandschrank, wovon aber nur die rechte Seite mit Spiegeln versehen ist.
  • Gleich rechts geht es in den Wohn- und Schlafbereich, mit Schreib- (+ Kühlschrank und Kochnischelchen) und Frisiertisch (+ Spiegel), Sitzgruppe und alles mit Extrastauraum. Durch einen Torbogen betreten wir nun das Schlafgemach mit einem Kingsizebett, darauf so viele Zierkissen, wie sie nur ein Weltklasse-Tretrisspieler stapeln kann. Von hier aus geht es zur Terrasse mit Blick auf den Palmengarten.

Wäre ich hier zu zweit, würden wir einander ständig suchen…

Angekommen

“Wirst du bloggen, wenn du weg bist?” Tssss, was für eine Frage. Als ob ich’s lassen könnte…

Und nun sitze ich hier auf meiner Terrasse im Reverse-Udo-Jürgens-Modus (die Älteren werdens verstehen: der war immer verschwitzt, wenn er in den weißen Bademantel schlüpfte, ich hingegen bin frisch geduscht und rieche nach Oliven) und habe schon fast vergessen, dass ich, der dringenden Empfehlung des Veranstalters folgend, so extra früh am Flughafen war, dass weder die Mache-es-gefälligst-selber-Gepäckabgabe, noch die Durchleucht-Security schon offen hatten. Zum Glück habe ich genug zum Lesen eingepackt, Manno.

Sonst keine besonderen Vorkommnisse.

Gemeinsam mit den anderen beiden Dicken aus dem Flieger bin ich hier vor dem netten harmlosen Hotel ausgestiegen, das Fitneßgschwerl mit dem bulky luggage ist noch ein Haus weitergebracht worden und lärmt nun dort rum. Und nicht hier!

Vorerst kann ich von Djerba nur berichten, dass es in der letzten Zeit ungewöhnlich starke Regenfälle gab, deren Nachwehen deutlich sichtbar sind. Die Straßen stellenweise böse ausgewaschen, die Wüste grün und die Palmen sehen allesamt 20 Jahre jünger aus.

Ich muss heute nix mehr. Nur noch abendessen und mich entscheiden, ob ich mich zum Shishatabak- oder zum Olivenöltasting anmelden soll. Is schwer, beides ist “mit Gaumenkitzel und Zunge”.

Vielleicht sollte ich die Hotelkatze aussuchen lassen. Die hat mich schon adoptiert.

PS: Tauben haben sie hier auch. Die kacken auf den Pool und guruguruhen sich vor Begeisterung fast zu Tode, wenn sie einen Schwimmer treffen. Hier wie dort: Mistviecher!

Trenne nie…

Ich spiele nicht mal Schach, aber selbst ich weiß, dass es in dieser Disziplin keine Eröffnung gibt, die man so trennt. Noch nicht mal nach den allerneusten Rechtschreibregeln.

Dass sowas ausgerechnet der ZEIT passiert, ist schon ein Armutszeugnis…

Bags packed, ready to go

  • Zehennägel in Hitchilirot angemalt (danach im Regen und bei kalt in offenen Schläppchen nach Hause, nur durch Vorfreude auf Sonnenschein aufrecht gehalten)
  • Koffer sehr leicht mit Leichtem gepackt, ohne Schwierigkeiten zugekriegt und auch vorgefreut, dass die Hälfte des Inhalts ein letztes Mal gerne in Tunesien getragen werden wird und dann für den Rest seiner Tage dort Urlaub machen darf (Motto: so geht Kleiderspende)
  • Den netten Menschen vor Ort mit Vorfreude gedankt, dass sie heute mit dem Regen aufhören und ab morgen die Sonne anmachen
  • Nochmal der netten Dame im Reisebüro gedacht, die mir ihren Mitarbeiterrabattcode geschenkt hat und vorgefreut, dass sie mir damit das Taxi zum Flughafen für morgen früh um 02:30 Uhr (ja, ich tu mir auch leid) spendiert
  • Das Schwerste sind wie immer die Bücher, aber die Vorfreude aufs Lesen macht alles wett
  • Vorfreude!

Nachtrag: Früher umfaßte die Reiseapotheke (wenn überhaupt): Aspirin, Kohletabletten, Pflaster. Heute ist das irgendwie anders.

Vorhin beim Einkaufen

Selten ein cooleres Kind gesehen als den kleinen ca. drei- bis vierjährigen Buben, der selbständig in seinen Buggy klettert, sich anschnallt, gemütlich zurücklehnt, die Beine übereinanderschlägt und mit einem kurzen Seitwärtsblick über die Schulter die Frau Mama anweist: “Wir können los.”

Gelesen: Bedřich Fritta – “Für Tommy zum dritten Geburtstag in Theresienstadt”

Hmmm. Wie soll ich dieses Buch beschreiben?

Ein Bilderbuch. Von Vater Bedřich für seinen kleinen Sohn, als Geschenk zu dessen drittem Geburtstag am 22. Januar 1944 in Theresienstadt, wo die Familie inhaftiert ist. Bedřich Fritta porträtiert seinen kleinen Buben in Alltagssituationen, dem Alter entsprechend auch mit den spannenden Themen Pipi und Kacka und malt ihm Gabentische und Pakete voller feinster Leckereien, Phantasien von Reisen in weit weit weit entfernte schöne Orte und zeigt dem Kleinen, was er später einmal alles werden kann: Ingenieur, Boxer, Detektiv, Maler – nur nicht Geschäftsmann oder gar General.

Wenn es denn ein “Später” geben sollte.

Als Theresienstadt befreit wird, ist der Vater bereits in Auschwitz ermordet, die Mutter in Theresienstadt verreckt und der kleine, so sehr geliebte Tommy ein Waisenkind.

Die Einordnung für die heutigen Leser übernimmt Professor Dr. Walter Koschmal im sehr lesenswerten ausführlichen Nachwort.

Ich halte es für immens wichtig, dass es solche Bücher gibt. Wer meines ausleihen möchte, kann das gerne tun.

Noch in der Mediathek: “Grönemeyer – Alles bleibt anders”

Eigentlich war ich nie ein ausgesprochener Grönemeyer-Fan, aber nachdem zwei Menschen meines Vertrauens mir unabhängig voneinander diese ARD-Doku zu seinem 70. Geburtstag empfohlen hatten, wollte ich doch einmal sehen, warum.

Erste Beobachtung: er scheint bei mir doch mehr Eindruck hinterlassen zu haben, als mir bewußt war – ich hätte so ziemlich jedes Lied aus den Achtzigern und Neunzigern textsicher mitsingen können. Zum zweiten: es ist ein sehr liebe- und respektvoll gedrehtes Porträt eines Ausnahmekünstlers, dem man trotz des Riesenerfolgs die Bodenständigkeit und Authenzität gerne glauben möchte, wozu auch die Gespräche mit Zeitzeugen und Wegbegleiterinnen sehr beitragen (mehr Frauen als Männer und man nimmt allen ab, dass Grönemeyer der Typ ist, der mit vielen Frauen gut befreundet ist).

Ich bin ziemlich sicher, dass Menschen meiner Generation die Doku auch mit – mindestens – Sympathie sehen. Weil es “unsere Zeit” zeigt. Es würde mich interessieren, ob es später Geborenen genau so geht?