In letzter Zeit habe ich relativ häufig Männer gesehen, die dieses T-Shirt tragen:
Woran liegt das und, noch viel wichtiger: bin ich an den falschen Orten unterwegs?
Das Bauhoftheater ist auf der Suche nach einer neuen Heimat inzwischen in der Schloßscheune Ranshofen angekommen, einem historischen Gebäude mit einem sehr markanten offenen hölzernen Dachstuhl, mittelguter Akustik und interessanten massiven Trägersäulen, die erfolgreich die Sicht verstellen. Aber dafür witterungsunabhängig, im Gegensatz zum offenen Kirchplatz. Weil alles neu ist, hat die Crew dieses Jahr von einer großen Produktion abgesehen und stattdessen einen Einakter von Curt Goetz einstudiert, mit der einen oder anderen Anpassung an das Heute.
Ja. Hmmm. Es ist nicht einfach. Der Goetz’sche Humor ist schon sehr angestaubt und man merkt dem Stück, trotz der Einsprengsel von Simpsons über Pinky and the Brain bis hin zum allgegenwärtigen Trump an, dass es eigentlich ein Moralstück ist, das sich aus den Erfahrungen der beiden großen zerstörerischen Kriege des letzten Jahrhunderts nährt. Das ist ehrenwert. Keine Frage. Aber. Aber es ist, wie immer, wenn ganz große Wahr- und Weisheiten getragen gesprochen werden, auch a bissele fad. Nochmal: ehrenwert. Ganz arg gut gemeint. Aber länger als eine Stunde hätte es auch nicht dauern dürfen, mein Wohlwollen war schon vorher erschöpft.
Was der Leistung der Darstellerinnen und Darsteller (und aller, die im Hintergrund wirken) keinen Abbruch tut. Sie hatten die schwere Aufgabe, nicht Menschen, sondern Archetypen zu spielen. Für die beiden Sympathieträger, die “Fremden”, ein Forscherpaar, das einen SAGUWIL (“Satellit des Guten Willens”) in den Orbit schießen will, die allerleichteste Übung. Dita Sommerauer und Alex Morgenroth haben sichtlich Spaß an ihren Figuren und bringen wohltuend Leben in die Bude.
Die “Bude” ist eine Ansammlung drittklassiger Diplomaten, die im großen ganzen recht statisch auf der Bühne sitzen und ihre bedeutungsschwangeren Texte aufsagen. Hans Dzugan (wie immer außer Konkurrenz, hach!) als weiser Mann aus dem Morgenland, der immer zu allem noch eine Allegorie aufzusagen weiß, außerdem ganz herrlich und ideal besetzt, Gabriele Pointner als Repräsentantin der Alpenrepublik im Kostümchen und vielreihiger Perlenkette, deren diplomatischer Schwerpunkt Prosecco und Häppchen sind. Julia Empl vertritt China, Angie Harlander Rußland, Sarah Spermann die EU, Natalia Tiniou die UNO, Robert Ortner (neben Regie, Stückauswahl und Dramaturgie) gemeinsam mit seiner Vize Valerie Zach Großbritannien und Jakob Hirmer rumpelt und pöbelt so dermaßen, dass er unschwer als Gesandter der USA zu identifizieren ist.
Aber, und das ist, neben der Auswahl genau dieses Einakters mein größtes Aber: tut man sich wirklich einen Gefallen, im zweiten Viertel des dritten Millenniums rassistische Stereotype des vorigen Jahrhunderts zu bedienen? Die immer lächelnde Asisatin mit dem arg deutlichen Augenmake-up und dem seltsamen Akzent? Die russiche Apparatschik in Uniform und krachend steifen Bewegungen und der fast karikaturhaften slawischen Sprache. Der US-Rüpel, der für meine Generation klingt wie Chris Howland (fragt Oma) und die EU-Vertreterin, die nichts als ein kompliziertes Regelwerk vertritt – “fürs Protokoll”?
Nein, das hätte nicht sein müssen.
Wie gesagt, jede und jeder hat der Regie folgend gut gespielt. Aber wenn sich nicht eine einzige Figur entwicklen darf und die inhaltsschweren Sätze von der Bühne purzeln, ohne dass sie eingeordnet werden, dann fehlt schon was.
Wir freuen uns jetzt mal auf nächstes Jahr, wenn die Truppe sich im Haus und der neuen Technik und allen anderen Neuerungen soweit eingelebt hat, dass sie wieder mehr spielen und nicht nur aufsagen.
Aufgabe: Beschreibe deine Heimatstadt in maximal fünf Sätzen.
Lösung: München hat viele Straßen. Alle sind derzeit von Baulöchern durchpflügt, welche mit Behelfsampeln, die maximal drei PKW oder ca. einen dreiviertelten Lastwagen passieren lassen, bis sie wieder die Farbe wechseln. Navigationssysteme geraten im rot-weiß-gestreiften Bauzaungewirr stark an ihre Grenzen bzw. weit darüber hinaus, falls ein Bewohner seine Stadt einmal verläßt und nach ca. eineinhalb Tagen wieder zurück nach Hause möchte. München wäre gerne die nördlichste Stadt Italiens, letzteres ist aber besser organisiert.
Gestern war ich zur Vollendung meines persönlichen Dreiländertheatersommers beim Braunauer Bauhoftheater, dazu später mehr.
Im Anschluss, wie immer, der gemütliche Ausklang bei den gastgebenden Freunden auf der Terrasse, mit toller Wetterleuchtenlasershow, gepflegtem Gespräch sowie geistigen Getränken und, herrlich, leichter Gänsehaut auf den unbekleideten Oberarmen. (Vielen Dank, auch wie immer!)
Da kann es dann schon einmal vorkommen, dass einen nächtlicher Harndrang um kurz vor 5:00 Uhr früh aus dem Bett treibt. Was außerdem vorkommt, ist, dass der ausgesprochen stimmgewaltige Nachbarshahn Lothar die Sonne begrüßt. Und wenn Lothar mal grüßt, dann grüßt er. Stu-undenlang. Und zwar immer dann, wenn die Gästin gerade noch einmal schön am Wegdämmern ist. Lothar grüßt und es ist ihm wurscht, dass die Sonne längst aufgegangen ist und ein weiterer heißer Tag schon lang begonnen hat. Wenn, wie man mir erklärt, Stimmgewalt und Zeugungskraft bei Hähnen korrelieren, dann muß Lothar schon ganze Legionen kleine gelbe Gackerl gezeugt haben und hat schwer vor, die Truppenstärke noch massiv auszubauen.
Ich hingegen bin um viele Stunden Schlaf gebracht worden und wünsche Lothar eine chronische Angina an und in den Hals und wenn das nicht klappen sollte: siehe Überschrift.
Die Tage sind glutheiß, die Nächte auch. Es entwickeln sich bereits Phantasien von einem langen milden stetigen Landregen, der Land und Menschen abkühlen soll. Hach!
Gestern, nach dem Theater, tritt man auf die Straße in Schwabing und sieh da, unten Pfützen, oben anhaltendes Getröpfel. Und was tut der Mensch? Er beschwert sich, weil falsches Schuhwerk und fehlende Kopfbedeckung und der weite Weg zur U-Bahn und überhaupt, verdammter Regen!
Ach, Mensch! Ich darf noch einmal meine weise greise Nachbarin aus San Bruno zitieren: “Nichts können wir weniger ändern als das Wetter. Und über nichts reden wir mehr…”
Die Geißel des neuzeitlichen Großstädters ist und bleibt der Schienenersatzverkehr.
Raus aus der U-Bahn, rein in einen Bus, der, auch wenn die MVG-Verantwortlichen das wie ein Mantra daherbeten, nie und nimmer dieselbe Anzahl Passagiere schafft wie vorgenannte U-Bahn, dort viel zu eng gestopft über Kopfsteinpflaster gerüttelt werden (wohl der, die vorsorglich nochmal daheim auf dem Klo war) und an jeder Station mit fasziniertem Grauen auf die zusteigend Hineindrängenden starren und schließlich irgendwie wieder raus aus dem Bus und hinein in die U-Bahn, die aber aus unerfindlichen Gründen heute nur eine kleine Teilstrecke zurücklegt. Raus, auf dem überfüllten Bahnsteig warten und rein in die mit der richtigen Nummer.
Fast jede Fahrt dauert doppelt so lang wie sonst. Sei’s drum, ich hab Zeit und kann Puffer planen. Normalerweise würde ich einfach lesen und alles gut. Geht aber nicht bei dem Geruckel und Geschaukel und der Enge. Also schaue ich Leute. Oder halt wenigstens auf die Körperteile, die ich sehe. Das sind meist Oberarme, schlimmerenfalls Achselhöhlen, immer weiße Knöchel, weil sich alle irgendwo festklammern. Führt dazu, dass ich einen guten Einblick in das Tätowierhandwerk der letzten Jahrzehnte habe gewinnen dürfen.
Mein Favorit in der letzten Woche: ein behaarter Unterarm, auf dessen Innenseite
Bin ziemlich sicher, dass Tätowierer und Tätowierter in ihrer Einschätzung hinsichtlich Karolinens uneins sind.
Der alte Mann hinterm Teich, der ständig prahlt, dass keiner besser ist beim Bestehen kognitiver Tests, der soll mal in den Supermarkt in meiner Passage kommen und die Gib-mir-meinen-Euro-zurück-Systeme der 4 (vier!) unterschiedlichen Einkaufswagen-Stecker-Typen entschlüsseln. Ohne Ausprobieren!
Yes!
Für die, die sich erinnern mögen: ich hatte angefangen, das Buch in der deutschen Übersetzung zu lesen und sehr frustriert aufgegeben (s. https://flockblog.de/?p=53412).
“The System” ist wie “All involved” eine Herausforderung. Eine Herausforderung sich auf eine sehr eigene Form von Literatur einzulassen, eine Erzählung, nein, viele Erzählungen unterschiedlicher Stimmen, in diesem Falle derer, die in irgendeiner Form mit der US-amerikanischen Justiz und dem dortigen Strafvollzug zu tun haben. Erste Erkenntnis, nicht neu: es kann jeden treffen. Jederzeit. Die zweite: ob einer da lebend wieder rauskommt, ist ein Glücksspiel.
Gattis lebt und schreibt in Los Angeles und hat sich diese Stadt und vor allem ihre Parallelwelten mit intensiver Recherche gründlich erarbeitet. Er spricht die Sprache derer, deren Vorfahren aus allen möglichen süd- und lateinamerikanischen Ländern und sonstwo hergekommen sind, er kennt die Hoods, die Gangs und ihre Kodizes.
Es ist faszinierend, wie sehr dieser sehr eigene Kosmos einen beim Lesen einsaugen kann. Ich habe das Buch ein paar Tage lang wirklich nur für das allernötigste mal aus der Hand gelegt. Es wird nicht jedermans und -fraus Sache sein, wer sich aber darauf einlassen will, wird mit einem Leseerlebnis belohnt werden, wie man es nicht alle Tage hat.
Lesen! Lesen! Lesen!