Hurra, hurra…

Offensichtlich wird das Schuljahresende in der Mittelschule ein paar Häuser weiter heute vormittag mit viel Gebrüll und Musik zelebriert. Den Auftakt macht ein recht aufgeregter (das höre ich bis in mein Schlafzimmer) noch nicht ganz dem Stimmbruch entronnener junger Mann mit Tom Schillings Major Tom, den Refrain brüllen alle Jahrgangsstufen mit. Anschließend sind sie alle aus voller Brust Champions, den Abschluss des Chorkonzertes bildet ein Vortrag von The Winner takes it all und ist wohl als Nachtreten an die Sitzenbleiber gerichtet.

Herrjemineh, Kinder. Wenn euch bei eurer Auswahl schon nix anderes einfällt als die Musik meiner Generation, warum habt ihr nicht gefragt?

Oma hätte zu Extrabreit geraten.

Grad vorhin im Lustspielhaus “Mord, Moral und Mortadella”, Premiere (Nachtkritik)

Hab’s ja gleich gesagt, wenn die Generalprobe holpert, dann wird die Premiere super. Hab ich’s gleich gesagt? Eben.

Das Publikum hat vom ersten “Volare” an begeistert mitgegrölt, sich geschickt um den Text zwischen den Refrains herumgemogelt, alles und vor allem alle Kalauer enthusiastisch bejubelt, bei den anderen Liedern beinahe noch den Chor übertönt und sich den Ministerien der Mary von Bavaria (Stargast Luise Kinseher) voller Leidenschaft zu Füßen geworfen.

Sehr schön war’s, sehr vielen Dank allen Beteiligten. Ich komme am Samstag wieder und schau mir an, wie es weitergeht.

Gelesen: Ryan Gattis – “Safe”

Das ist wahres Rentnerglück: ein Buch anzufangen und dann bis in den nächsten Morgen um kurz nach fünf weiterzulesen, weil ich an dem Tag nämlich nix muß und ausschlafen kann, wenn das Buch zu Ende ist. Hach!

Gattis und ich haben bisher nur eine kurze Geschichte. Ich war hin und weg von “All involved”, seiner Einlassung zu den “Riots” in Los Angeles, in der er in einer Sprache, die ich noch nie zuvor gelesen hatte, diese Ereignisse aus den Perspektiven unterschiedlichster Beteiligter beleuchtet und ihre Wege sich kreuzen läßt.

In “Safe” nun gibt es nur zwei Akteure. Der eine, Ricky Mendoza, Junior, a.k.a “Ghost”, Ghettokind einer drogensüchtigen und bald toten Mutter, Vater, welcher Vater?, selbst eine kriminelle Drogenkarriere hinter sich und dann Glück gehabt, von einem Schlosser in die Lehre genommen worden und jetzt gut ausgebildeter und nachgefragter Panzerknacker (also legales Öffnen illegaler Safes). Der andere, Rudolfo “Rudy” Reyes, a.k.a. “Glasses”, ähnliche Kindheitsgeschichte, aber früh im Gangstersystem aufgestiegen und jetzt zweiter Mann eines Bosses, nebenher aber auch verheiratet und Vater eines heißgeliebten kleinen Sohnes sowie Informant der Drogenfahndungsbehörde DEA.

Der eine raubt einen Safe der Organisation aus, der andere muss ihn jagen und fangen. Die ganze rasante Story spielt sich in nicht einmal ganz drei Tagen in dem Los Angeles ab, das weiter entfernt von Beverly Hills und Hollywood liegt als der Mond. Ich konnte das Buch nur schwer aus der Hand legen, weil ich, obwohl der Ausgang schon in den ersten Zeilen offensichtlich war, wieder mit aller Macht in diese sehr fremde Welt gezogen worden war. Zudem versteckt Gattis für die Leserschaft von “All involved” wieder Eastereggs und läßt beiläufig fallen, wie es Protagonisten aus diesem ersten Buch später ergangen ist. Ich habe mich ein bißchen am Pathos der letzten paar Seiten gestört, aber das ist Geschmackssache und mindert die Spannung kein bißchen.

Wer es sich zutraut, möge Gattis auf Englisch lesen. Ich habe es einmal mit einer Übersetzung probiert (s. https://flockblog.de/?p=53412), aber nicht ertragen. So schlecht scho!

Zum Glück liegt “The System” schon auf dem Nachttisch. Bis dahin: “Safe” lesen! Lesen! Lesen!

St. Florian gewidmet

Nach zwei Überfahrten über den Atlantik und fast einem halben Jahrhundert ständigen Gebrauchs, zeigen die buntgestreiften Handtücher, die mir meine Mutter selig als Sonderangebotsdreierpack und mit den Worten “die passen zu allem und man sieht nicht jeden Dreck” als Aussteuer beim Auszug mitgegeben hat, langsam ein paar Anzeichen von Verschleiß. Pastellblaß die Streifen und der ehemalige Frotteeflausch hat mehr so Brettcharme angenommen.

Also gut, kauf ich halt neue.

Ich dachte immer, das Handtuch an sich sei selbsterklärend: Mensch naß, rubbelt mit Handtuch Wasser vom Körper. Anschließende Handtuch naß, Mensch trocken. Es mag sein, dass neuzeitliche Frotteeware immer noch zu diesem Zweck eingesetzt werden darf. Davor haben die Regulatoren jedoch Warnhinweise gesetzt, die darin gipfeln, dass es sich bei dem hier gekauften Gegenstand um einen feuergefährlichen Stoff handle und der Etikettendrucker stark davon abrate, es in Brand zu setzen. In (gezählt) 16 Sprachen. Auf 8 Etiketten, weil beidseitig bedruckt.

Haben die eigentlich einen Hau?

Erkenntnis

In den letzten Wochen bin ich von meiner Gewohnheit, angelsächsiche TV-Serien im Original anzusehen, abgewichen und habe auch mal deutsche geguckt.

Im Dialekt (vulgo “Regionalkrimi”), sofern die Schauspieler ihn beherrschen und die Drehbücher was taugen, recht nett. Nichts aber unerträglicher, als wenn diese Hochsprache aufsagen. Meine Fresse! Teilweise klang, was Primetime-Unterhaltung hätte sein sollen, wie eine szenische Lesung. Man muss doch als (generisches Maskulinum) Autor und/oder Regisseur dem Volk aufs Maul schauen und es reden lassen, wie die Leute halt so reden. Noch nicht mal das Bildungsbürgertum verwendet den Imperfekt in der gesprochenen Sprache, umso weniger der Kleinkriminelle oder die Fleischfachsverkaufskraft.

Unglücklich.

Grad vorhin im Lustspielhaus. Zum 30jährigen Jubiläum – “Mord, Moral und Mortadella”, Generalprobe

Eine Generalprobe wie aus dem Theatermacherlehrbuch: ein paar holprige Übergänge, ein paar dem Gedächtnis wieder entschwundene längst gelernte Textzeilen und nicht jede Requisite da, wo sie Schauspielerin oder Schauspieler gern gefunden hätte. Das heißt, man darf gemäß Theatermacherlehrbuch am Mittwoch eine perfekte Premiere erwarten.

Es wird, das kann ich versprechen, sehr sehr lustig und sehr musikalisch – heute war der Bud Spenzer Heart Chor so ziemlich vollzählig angetreten und das gibt schon ordentlich Wumms.

Sie spielen ab Mittwoch, 29. Juli, immer Mi-Sa, bis einschließlich 15. August. Mit wechselnden Stargästen. Wer mitmag, gebe mir Bescheid.

Aus der Rentnerei

Einer der schönsten Aspekte des Ruhestands ist das Ausschlafen. Aufwachen, wenn der Traum zu Ende, die Schlafphasen in ihrer von der Natur vorgesehenen Reihenfolge absolviert und der ganze Mensch gern und erholt dem jungen Tag ins Gesicht sieht.

Soweit die Theorie. In Wahrheit wird das lästige Gelärme des Weckers von früher abgelöst durch eine Kakophonie unerbetener Klänge. Im Allgemeinen sind die Guruh-Guruhs die ersten, gurren, flattern und – ich schwöre – furzen sich warm, bevor sie kacken (inzwischen allerdings mehr auf den Nachbarbalkonen). Dann rückt die Engelbert-Strauß-Brigade an und läßt ihre Motoren röhren, als Kontrapunkt piepen Lieferwagen dazu “Jetzt-fahre-ich-rückwärts” und als ob das noch nicht genug wäre, legen die Schüler der nahegelegenen Mittelschule auf dem Weg zu ihrem anstrengenden Schultag auf dem Spielplatz unten einen Zwischenaufenthalt ein und tauschen sich über ihre Erlebnisse des Vorabends aus. Das muss offensichtlich schreiend geschehen, sonst gilt es nicht.

Früher war ich um die Zeit in der Arbeit und habe Rentner noch beneidet…

Es wechseln die Zeiten*

Früher, klagt die Jubilarin (ein halbes Jahr älter als ich), habe man zu ihrem Geburtstag immer eine Schifffahrt (damals noch mit zwei, heutzutage mit drei “F”) unternommen. Nicht in diesem Jahr. Niedrigwasser an der Anlegestelle.

Hmmm. Früher war ich ja immer neidisch auf die Menschen mit Sommergeburtstagen wg. Gartenfest und Poolparty, alles draußen und in der Sonne. Wohingegen an meinem Geburtstag immer Schnee und kalt und Polarbären in den Straßen.

Wenn das so weitergeht, werde ich es möglicherweise noch erleben, wie wir meinen Happy (?) Birthday im Biergarten feiern. Merke: man kann beim Wünschen nicht vorsichtig genug sein!

* Wer das Zitat erkennt und den Satz vervollständigen kann, bekommt einen Taler.