Man hat es gut mit mir gemeint und ich darf zum Wellnessen nach Bad Füssing fahren und nehme keine elektronischen Geräte mit, sondern Badeschlappen.
Bleibt mir gewogen, ich werde berichten, wenn ich wieder da bin.
Man hat es gut mit mir gemeint und ich darf zum Wellnessen nach Bad Füssing fahren und nehme keine elektronischen Geräte mit, sondern Badeschlappen.
Bleibt mir gewogen, ich werde berichten, wenn ich wieder da bin.
Als ich letzten Sommer eine Bekannte bei ihren Recherchen im Archiv der KZ-Gedenkstätte Dachau begleitet hatte, bin ich mit einer der Archivarinnen ins Gespräch gekommen. Wir diskutierten die Vermittlung von Geschichte über das Medium Graphic Novel an die Nachgeborenen im Allgemeinen und Überlebenden-Geschichte im Besonderen und welche Bahn Art Spiegelman mit “Maus” gebrochen hat. Sie hat mir die (damals noch) schmale Sammlung des Archivs gezeigt und ich hatte ihr anschließend eine Liste mit meinen Empfehlungen geschickt.
Sie scheint ihnen gefolgt zu sein, irgendwann habe ich ein Foto bekommen, dass die nunmehr wesentlich umfangreichere Graphic-Novel-Kollektion des Dachauer Archivs zeigt. Dieser Tage nun hat sie mir ein Buch zukommen lassen, in dem im Panorama-Format (sehr grausig und wirksam bei Darstellungen von Appellplatz oder Stockbett-an-Stockbett-Bildern in den Baracken oder dem Lagereingangstor “Arbeit macht frei” in aller Breite) die Aufzeichnungen, die Edgar Kupfer-Koberwitz in seiner fünfjährigen Gefangenschaft in Dachau heimlich angefertigt hatte, in Bilder übersetzt sind. Ist sehr gut gemacht und darum schwer anzuschauen, dürfte aber gerade bei jungen Menschen einen sehr nachhaltigen Eindruck machen.
Dieses Projekt wurde von der Gedenkstätte in Zusammenarbeit mit den Agenturen Goldener Westen und Navos und der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit realisiert und kann dort für kleines Geld bestellt werden, mehr hier: https://www.kz-gedenkstaette-dachau.de/die-graphic-novel-ein-ueberleben-lang/
Mein Exemplar kann ausgeliehen werden.
Die BBC-Mini-Serie (10 Folgen à 30 Minuten) basiert auf dem 2020 erschienen Roman der Autorin Janice Hadlow. Sie spielt in der Welt von Jane Austens “Pride and Prejudice” (quasi Fan-Fiction) und erzählt die Geschichte der fünf Töchter Bennet, deren einzige Lebensperspektive in ihrer Zeit “marriage or misery” (Heirat oder Elend) ist, aus der Perspektive der mittleren Tochter Mary. In Austens Buch wird sie als eher langweiliger moralinsaurer Bücherwurm dargestellt, lange nicht so hübsch wie ihre Schwestern und dann auch noch Brillenträgerin.
Ella Bruccoleris Mary hingegen ist eine herzensgute Person. Linkisch, ein wenig nerdig, aber hochgescheit (das, was die Angelsachsen “booksmart” nennen), empathisch – und 10 Folgen lang erfolglos bemüht, den Ansprüchen ihrer Mutter (schwelgt und schwillt in den Regency-Roben und ihrem hysterischen Muttertier Ruth Jones) zu genügen. Weil es aber immer andere Menschen gibt, die in Mary sehen, was ihre Mutter nicht und sie selbst noch nicht sehen kann, kommt sie nach der ganz wunderbar beiläufigen Verheiratung der Schwestern, die insgesamt in unter 10 Minuten gleich in der zweiten Folge abgehandelt werden, zu Onkel und Tante (zu gut um wahr zu sein: Richard Coyle und Indira Varma) nach London und blüht auf.
Das ist dann auch die Crux in der Geschichte: aufblühen tut sie, weil sie endlich auch mal hübsche Kleider bekommt, nicht permanent als mangelhaftes Sonderangebot zu Markte getragen wird, sondern einfach unter Menschen sein darf, die nicht ihre Familie sind – und weil sich Männer für sie interessieren. Nicht wegen ihres Aussehens (immer noch Brille), das wird ständig betont, sondern weil sie geistreich ist und mitfühlsam. Das ist nett und wohltuend, aber insgesamt doch ein bißchen zu lang, vor allem, weil die giftigen Frauen um sie herum allesamt erst, wenn überhaupt, in den letzten paar Minuten ansatzweise geläutert werden und sie auch erst wirklich glücklich wird, als sie dann doch auf den letzten paar Filmmetern den Richtigen findet. Meine Empfehlung, bei allem Respekt vor Poesie, schönen Gärten und Landschaften, straffen, straffen, straffen!
Vor allem: Man hätte die Geschichte der Mary Bennet im 21. Jahrhundert auch so erzählen können, dass aus einem häßlichen Entlein kein ehetauglicher Schwan zu werden braucht. Selbstbewußte Ente mit eigenem Einkommen wäre die bessere Botschaft gewesen.
Wem Bridgerton zu sexy, schlüpfrig, pikant ist (habs nicht gesehen, aber man sagt so), der ist mit dieser Produktion gut bedient. Man kann sie in einem Abend wegbingen. Muss aber nicht.
Heute Nachmittag war Hochbetrieb auf dem Balkon, meine Herren! Irgendwie muss sich in der Taubenpopulation herumgesprochen haben, dass ein neues Objekt in Superlage auf den Markt gekommen ist, denn es flog alle Schnabel lang eine Maklerin mit Stöckelkrallen in Begleitung eines neuen vermehrungswilligen Paares herbei, um die westlichen Nistoption zu zeigen und auf dem Balkon herumzuführen (möbliertes Freizeitgelände im Ostteil (in den Stuhlauflagen ist jetzt schon kaum mehr Füllmaterial) und jede Menge Kack-Space. Ich glaube, ich bin in meinem gesamten Arbeitsleben noch nie so sehr der Empfehlung gefolgt, eine sitzende Tätigkeit durch ein paar Schritte (Sprünge gleich gar), Armschwünge und Halslockerungsbewegungen zu unterbrechen.
Die ernsthaften unter den Immobilienaspiranten kamen ein zweites Mal, nachdem sie die Gegend erkundet hatten. Schule, Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten, alles nur einen Katzensprung (höhö) entfernt – sie wollen da bauen, Nachwuchs zeugen, brüten und kleine verwilderte Stadttauben zu großen verwilderten Stadttauben aufziehen. Dabei bin ich doch schon Tante.
Die, die bei der Altersangabe auch so lang nach unten scrollen müssen wie ich, werden sich sicher noch an die Titanic-Kampage (links) mit dem schönen Immobilien-Makler-Feindbild erinnern? Makler sind auch in der Taubenwelt böse: da, wo die Kundschaft von Familienglück träumt, regnets nämlich rein. Und die Nordwand schimmelt. Aber erwähnt sie das? Natürlich nicht.
Ich habe nun in den Spalt zwischen Schrank und Balkonwand einen spaltbreiten großen Karton gerammt. Wenn wer fragt: zum Wand trocknen (höhö). Und der Besen davor? Irgendwo muss er ja stehen, der Besen. Fragt den Zauberlehrling.
Nachtrag: Soeben, noch während ich dies schreibe, sitzt das erste Paar auf dem Geländer und starrt den Karton an. Jetzt gerade lauern sie ein Stockwerk höher darauf, dass ich sterbe. Oder wenigstens aufhöre, meinen teuer gemieteten Balkon zu betreten.
Bis jetzt bin ich echt noch nicht so weit, dass ich mich, wie die Nachbarin, hinter einem leuchtendgrünen Netz einsperre.
Schweine sollen sehr intelligent sein, sagt man. Und Delphine erst. Oktopusse auch, das Gedächtnis von Elefanten ist geradezu sprichwörtlich. Unter den Vögeln nehmen Krähen und Raben Spitzenplätze ein. Tauben?
Tauben sind doof.
Nein, ich behaupte das nicht nur so. Ich habe Beweise. Nämlich. Welche halbwegs vernunftbegabte Kreatur würde ihr zukünftiges Familienheim in einer Region ansiedeln, in der ihr nur Hindernisse in den Weg gelegt werden, sie beschimpft und gejagt (na ja, mindestens verscheucht) wird – kurz: von frühmorgens bis spätnachts nur Signale bekommt, dass sie hier unerwünscht ist? Mehr noch: aus vollstem Herzen gehaßt wird.
Richtig: Tauben.
Ich war gestern schon alarmiert, als sich die Aktivität des Geschwaders vom Ost- auf den Westflügel des Balkons verlagerte und die ersten mit Ästchen in den Schnäbeln bewaffnet und eindeutiger Nistabsicht anflogen. Heute flogen die Bodentruppen (“claws on the ground”), okay, der Plural ist übertrieben, es war nur eine, hinter der Trittleiter, die so praktisch zwischen Balkonschrank und Brüstung verkeilt ist, diese eine Bodentruppe flog erst weg, nachdem ich nach ihr getreten hatte (man denke Bruce Lee, Heee-Jaaah!), Handtuchwedeln hat sie noch nicht mal ignoriert.
Inzwischen ist die Trittleiter fort und das ganze Eck ausgekehrt und mit Pfefferminzöl besprüht. Was die Drecksvögel nicht davon abhält, mit Zweigelein und sonstigem Baumaterial im Schnabel anzulanden und irritiert zu schauen. Wie oben ausgeführt, intelligent sind andere. Mal schauen, wie oft sie noch kommen… Wie ich inzwischen nachgelesen habe, brüten verwilderte Stadttauben sehr gerne auf Balkonböden. Viel weniger Sturzgefahr für Eier oder Jungvögel und viel geschützter Platz, zum Fliegen lernen. Außerdem gebührenfreie Toilette inklusive.
Die alte Dame zwei Balkons weiter läßt gerade ein Netz spannen – wahrscheinlich wird die Palomabrigade mich, wenn sie den Balkon nach zwei wedelfreien Urlaubswochen übernommen haben wird, auch mürbe gemacht haben. Nicht vergessen: vor den Ferien Sonnenmilch und eine Abdeckplane besorgen. Was ist denn das für eine Scheißmerkliste, Mann. Herrje.
Drecksviecher, elende!
Zwei Halbstarke (f) (sind das dann in Neusprech “Boss-Girls”? – ich kenn’ mich ja mit den modernen Kategorien und -sierungen nicht so aus), zwei junge Damen (nun ja) mir gegenüber also sind in ein ernstes Gespräch vertieft. Die eine hat wohl eine neue Stelle angetreten und berichtet von der ersten, nicht unproblematischen Woche. Die Erzählung gipfelt in der schönen Analyse: “Die sind so vom Humorlevel nicht so auf meiner Ebene.”
Ach Kind, glaub mir. Es geht im Leben immer nur darum, wer zuletzt lacht.
…und ich hätte gerne ein Stück von dem Karottenkuchen hier bei Ihnen in der Auslage. Karottenkuchen, sagt die Verkäuferin, Karottenkuchen führe man leider nicht. Aber vielleicht könne sie mich ja, wobei sie auf die Auslage zeigt (genau, die Auslage mit dem Karottenblechkuchen), für eine Rüblischnitte interessieren?
Kann sie. Hauptsache Möhrenkuchen.
Gestern hatte auf allen drei Uhren, die in meinem Haushalt händisch zu stellen sind, die Sommerzeit bereits begonnen, das heißt, sie gingen um eine Stunde nach. Hmmm. In einem Gruselfilm wäre das ein Zeichen dafür, dass der psychopathische Täter die Heldin in den Wahnsinn treiben will. Im wirklichen Leben suche ich noch nach einer rationalen Erklärung. Synchrones Batterieversagen? Hmmm. Taugt als Erklärung nur mittelgut, weil nur zwei von drei Uhren mit Batterien bestückt sind und die offensichtlich noch hinreichend Saft haben, denn seit ich sie wieder umgestellt habe, laufen sie tadellos.
Ist es eventuell möglich, dass das Internet vorgeht?
Drinnen hingegen läuft die Heizung wieder (gestern Abend wars so kalt, da habe ich kapituliert) und ich kann schon fast an drei Händen abzählen, wie lange es bis zum Urlaub noch dauert. Hah!
Offensichtlich. Hier schneit es nämlich auch schon wieder. Was bin ich froh, dass ich eher so nicht mehr blühe.