Gelesen: Ronald M. Hahn (Hrsg.) – “Die Roosevelt-Depeschen. Eine Auswahl der besten Erzählungen aus The Magazine of Fantasy and Science Fiction, 101. Folge”

Das Verhältnis von Geben zu Nehmen zwischen mir und den in dieser Stadt verteilten roten Bücherschränken beträgt ungefähr 50:50, auch wenn der Vorsatz natürlich ein anderer ist. Andererseits, rede ich mir die Entnahmen schön, werden es auf diese Weise nicht mehr Bücher bei mir daheim. Aber gut, ist ja keiner heute hierher gekommen, um meinen inneren Dialogen zuzuhören.

Zur im Titel genannten Anthologie. Ist wie jede Pralinenmischung, ein paar sind greislig, die meisten kann man ertragen und eine oder zwei sind dabei, die sind wirklich gut, von denen will ich berichten.

  1. Dale Bailey – “Moment der Stille”, übersetzt von Michael K. Iwoleit
    Schon schwierig, weil ich nicht weiß, ob ich den Autor (kenne das Original nicht) oder den Übersetzer lobe. Der Inhalt, kurz zusammengefaßt: ein faustischer Pakt. Die Erfüllung des Herzenswunschs des Kunden, der Preis dafür seine Zufriedenheit. Die überraschende Wendung: der Kunde schlägt den Handel aus.
    Erzählt wird das in so wunderbaren Sätzen wie:
    – Am wolkenlosen Himmel brannte die Sonne, über den Bürgersteigen und geparkten Wagen kräuselte sich in der Hitze die Luft.
    – Er musterte ihn einen Moment lang mit Augen in der Farbe des Oktoberhimmels in der Dämmerung.
    – Und dann, weil er sich mit solchen Läden auskannte, weil er solche Männer wie den Händler kannte (der vielleicht überhaupt kein Mann war) – kurz gesagt, weil er als Junge Geschichten gelesen hatte, die genauso begannen -, kam ihm ein anderer Gedanke, vielleicht der schrecklichste, den er je gedacht hatte. “Der Preis”, sagte er. “Ist es… meine Seele?”
    – Er ging in die Bar, eine dumpfige Höhle, wo schattige Männer schweigend über ihren Drinks hockten. Ventilatoren unter der Decke wälzten mit Bier- und Schweißgeruch gesättigte Luft um; es war nichts als der Fernseher zu hören, der wie ein blauer Geist in der rauchigen Dunkelheit flackerte.
    – Er schritt durch den unaufhörlichen Lärm der Stadt. Schweißperlen rannen die knotige Autobahn seines Rückgrats hinunter und die Straßen schienen in der Hitze zu verschwimmen. Um viertel vor drei fing es an. Es fing damit an, dass der Lärm unmerklich gedämpft wurde, mit einem fernen Beben von Stille, die sich immer mehr ausweitete, über das Herzland fegte und sich wie ein Leichentuch des Schweigens über die Stadt legte.
    Davon abgesehen, dass der mit immenser Bedeutung aufgeladene Begriff des amerikanischen “Heartland” mit “Herzland” noch nicht einmal annähernd übersetzt werden kann, ist die Geschichte gut gelungen, so insgesamt.
  2. Ron Goulart – “Warum ich nie fest mit Heather Moon ging”, übersetzt von Manfred Weiland
    Sehr hübsche kleine unaufgeregte gut geratene Geschichte über Schwarze Magie.
  3. Pat MacEwen – “Die Gabe der Macklins”, übersetzt von Manfred Weiland
    Eine Kurzgeschichte wie ein totgefahrenes Tier, von dem man doch nicht wegsehen kann über einen furchtbaren gewalttätigen Vater, der schlägt und mißbraucht, was ihm vor die “Waffe” kommt, jeden Nachbarn, jede Nachbarin, Fremde, Bekannte, seine Frau, seine Mutter, Tochter und Sohn. Und wie der Sohn dagegen kämpft, dass diese “Gabe” an ihn vererbt wird. Wird mir länger im Gedächtnis bleiben als mir lieb ist.

    Aus dieser letzten Geschichte zitiere ich nur, weil die grottenschlechte Übersetzung unfreiwillig komisch ist:
  4. Jerry Oltion/Kristine Kathryn Rusch – “Deus X”, übersetzt von Horst Pukallus
    – Heute hatte die Erscheinung ein anderes Klafott an.
    – Sie duckte sich immer, als zöge sich eine Schildkröte sich in die Schale zurück.
    – Ich steige ins Auto und stoche einen Tag lang drauflos.
    – Er nahm sie in die Arme und küßte sie begehrlich.

Für einen heißen hirnfreien Nachmittag am See ist es als Lektüre okay. Wenn wer diesen Band haben will, sei er seins oder ihrs, sonst geht das Büchlein mit der nächsten Lieferung in einen roten Bücherschrank zurück.

“Rentenanpassung”

Ein ganz reizender Effekt der Rentnerei, neben Wecker-welcher-Wecker? und Ich-machs-am-Mittwochvormittag!, ist das jährliche Schreiben der Rentenversicherung. Keine mühseligen Verhandlungen mit irgendwelchen Vorgesetzten, kein Rumgestreite, kein nix.

Obwohl ich angesichts der Beträge relativ sicher bin, dass ich als Arbeitnehmerin mehr rausgeholt hätte… Aber, hey, ich beschwere mich nicht. Es reicht für mich und mir gehts gut.

Städtebauliches

Über den im Münchner Südwesten gelegenen Harras verlaufen zwei Hauptverkehrsstraßen, im Bahnhof halten BOB, S- und U-Bahn und an den Haltestellen “Harras” und “Am Harras” halten irgendwas in der Größenordnung von 10 Buslinien. Viel los hier. Der Platz selbst liegt ein bißchen unglücklich, hat aber dafür auch keine schöne Form und es haben sich nicht die edelsten Geschäfte drumherum angesiedelt, wohingegen der Drogenhandel, vor allem in den Abendstunden, gut floriert. Sagt man. Dennoch hat die Stadt vor einem guten Jahrzehnt Geld in die Hand genommen, ihn zu verschönern und die “Aufenthaltsqualität” zu steigern. Ein paar Bäume, ein paar Sitzgelegenheiten, Papierkörbe, Trinkwasserbrunnen und dergleichen und einen zunächst einmal eigenartig anmutenden “ebenerdigen Zier- und Sitzbrunnen mit Wassertechnik” (sagt der Architekt).

Die Bäume sind inzwischen gewachsen und geben sich weidlich Mühe, Schatten zu spenden, die diversen Sitzgruppen werden angenommen, manche Menschen wohnen dort sogar und der Bezirksausschuß läßt regelmäßig Märkte veranstalten, wegen der Belebung. Und dann ist da noch das Wasserkunstwerk.

Zugegeben, der Brunnen sieht nach nichts aus, ist aber der Grund, warum ich jedes Mal, wenn ich im Sommer am Harras zu tun habe, Pufferzeit einplane. Dann sitze ich auf der langen Bank, gleich gegenüber (am Brunnenrand selber geht nicht, der ist platschnaß) und sehe vollkommen enthusiastischen Zwergeln dabei zu, wie sie sich kreischend vor Glück am barrierefreien Wasser verlustieren und gar nicht mehr einkriegen – die Beckenhöhe ist selbst mit Windelhintern zu schaffen und dann ist es bis in die Mitte flach-flach-flach.

Pure Glückseligkeit.

Okay, länger als eine Viertelstunde ist soviel Lebensfreude nicht auszuhalten, man weiß ja, was man seinem Ruf als griesgrämige alte Dame schuldig ist. Aber so in kleinen Dosen ist das auch Sommer in der Stadt. Danke, Günther Sigl. (Fragt Oma.)

Lernkurve 2

Möglicherweise bin ich heute früh auf ein besonders intelligentes Exemplar seiner Gattung getroffen. Alle anderen sind nach einem Pumpschub sofort vor dem Wasser geflüchtet. In den strömenden Regen.

Doch doof.

Lernkurve

Soweit ich das beurteilen kann, lernt niemand schneller als eine Münchner Stadttaube. Warum? Vor ein paar sehr wenigen Tagen noch sind sie erschreckt aufgeflogen, wenn ein Wasserstrahl aus meiner nagelneuen Superpumppistole auch nur in ihre Richtung ging. Sie mußten nicht mal einen Treffer abbekommen haben.

Jetzt? Jetzt rutschen sie auf dem benachbarten Balkongeländer nur ein paar Zentimeter weiter, sind damit nicht mehr im Platschbereich und schauen noch nicht einmal mehr auf.

Wenn ich mich nicht so ärgern müßte, täte ich sie bewundern.

Gut gemeint

Danke, werter Onlinehändler, dass Sie den Datenschutz ehren und in einer e-mail (an mich) meine persönlichen Daten, im speziellen meinen Namen zu schützen suchen (vor mir). Ich weiß ja, es liegt nicht an Ihnen, sondern vielmehr an mir oder noch viel viel mehr an meinen Eltern, dass es aussieht, wie es aussieht.

Für heute bin ich dann mal dankbar, dass Vorvater und -mutter weder Cornelia noch Karoline in Erwägung gezogen haben. Und erst recht nicht Fulberta.

Besten Dank, oh Wettergötter,

für das Erhören meines Gebets. Hat ja super funktioniert: Wetterleuchten auf tiefschwarzem Wolkenhimmel, Blitze aus jeder Richtung und Donnergrollen auch und schließlich Wassergüsse, die jeden Zauberlehrling doppelt erblassen lassen. Sehr schön. Man hats ja gut so als Mensch mit Dach über dem Kopf, nebendran statt mittendrin, kühle feuchte Windschübe auf der schwitzigen Haut, ein Schleckeis zur Wetter-Show, und reingehen können, wenn das Wasser schließlich knöchelhoch auf dem Balkon steht. Doch, alles sehr fein. Bin zufrieden.

Nur eine Frage treibt mich um: wieso heißt in der Hochsprache diese Art von Wetter “Unwetter”? Weil, im Dialekt, also im süddeutschen Sprachraum inklusive Österreich (sorry) ist das (nur?) ein “Wetter”?

Falls wer diesbezüglich sprachwissenschaftlich bewandert ist, würde ich mich über eine Erklärung freuen.

Erkenntnis

Wer gerade mit Stadttauben auf dem Kriegsflügel steht und darum schon aggressiv wird, wenn nur ein Gurren oder Schwirren zu hören ist, sollte keinen Film anschauen, bei dem der Hauptdrehort der Markusplatz ist.

Ist nicht gut fürs Gemüt.

Donner, Blitz und Wolkenbruch

Jaha, die Reihenfolge ist falsch, aber, aber… der Rhythmus. Super, oder?

Gut, soweit zur Überschrift. Hinsichtlich der Inhalte bin ich bereit zu konzedieren, dass es sich bei der Meteorologie nicht um die exakteste aller Wissenschaften handeln mag. Aber man hat mir ein Ende der Hitzewelle versprochen mit, eben, Donner, Blitz und Wolkenbruch. Und? Nix. Nada. Niente. Nitschewo. Ein paar kurze Windschwälle (wahrscheinlich die Ausläufer, wenn’s woanders gscheid runterging), um 2:00 Uhr früh immer noch knappe 30° und jetzt schon wieder auf dem Weg dorthin. Wozu mach ich denn Kühleres-Wetter-Pläne? Hmmm?

Soll sich doch um Haushalt und Wäsche und Einkäufe und so Zeug kümmern, wer will. Ich fahre an den See.