“Wenn Se richtig Verdi wollen, müssen Se nach Beirut.”
Schön, es stellt sich heraus, dass Bayreuth gemeint war und der Sachsenrichard und nicht Giuseppe, aber hey, Hauptsache Operette.
“Wenn Se richtig Verdi wollen, müssen Se nach Beirut.”
Schön, es stellt sich heraus, dass Bayreuth gemeint war und der Sachsenrichard und nicht Giuseppe, aber hey, Hauptsache Operette.
Der Mensch, vor allem, wenn von seiner Heimat entfernt, neigt zum Revierdenken. Meine Liege, mein Tisch, mein Platz im Cafe, meins.
Mein Favorit ist “mein” Schwimmbad geworden. Ich turne dort täglich mit den anderen Moppels und über Mittag habe ich es für mich ganz alleine. Dann schwimme ich, gut warm, unter dem Glasdach unter der hochstehenden Sonne und hänge, faul auf dem Rücken treibend, meinen Gedanken nach. Das ist so friedvoll und tiefenentspannt, dafür ist die angemessene Anzahl an Hachs! noch gar nicht erfunden.
Nun war es heute bewölkt. Schlimm genug für mein Treiben unter der Sonne. Aber noch viel schlimmer, dass eine lärmende Rentnergang in meinen Mittagsfrieden einbricht, die auch um die wohltuende Wirkung schwüler Wärme auf morsche Knochen weiß. Und die müssen rufen und sich vor den Massagedüsen klumpen und lustig mit Wasser spritzen – hrrrrgggnnn! Raus aus meinem Revier!
Wird aber noch schlimmer (jaha, ich muss arg leiden).
Nachmittags dringen Influencers in meinen bisher vor ihnen geschützten Raum ein. Wir Mut-Moppel stellen uns gerade der Extra-Extra-Water-Challenge, die im wesentlichen darauf hinausläuft, nicht domestizierten Hartschaumstoffnudeln unseren Willen aufzuzwingen. Gegen deren und den Wasserwiderstand. Dabei kommt es zu sehr komischen Szenen mit kreuz und quer durch die Wellen (oh, ja) schießenden Nudeln, über die Klasse und Instruktorin auch sehr herzlich lachen können. (Jede/r Moppel kann Selbstironie. Ist eine Überlebenstechnik.)
Influencers lachen auch und halten die Kameras drauf. Da schlägt die große Stunde unserer Lehrerin! Dieses Persönchen baut sich vor dem Paar auf, hält ein flammendes Plädoyer, in dem die Worte “Respekt” und “Schande” ungefähr gleich häufig vorkommen, lässt sich die Handys geben und löscht die Filmchen. Es mag geholfen haben, dass der 2-Meter-2-Zentner-Lifeguard für diesen letzten Schritt zugegen war.
Was ein G’schwerl!
Ich kann ja nun nicht mehr zu meiner Mutter zurück. Aber mit Abreise drohen, das ginge. Wenn keiner meine Buchungsdaten nachschaut…
Wie sich im Laufe der Woche herausstellt, kreischt die Hyänenfrau immer, auch wenn sie lacht.
Vielleicht erzählt der einfach nur jemand die halbe Nacht lang Witze?
Der Nebentisch diskutiert Todesfälle und Bestattungsrituale.
Ihm soweit egal, postuliert der Alphamann in der Runde, nur “so ein Urnenregal” komme nicht in Frage. “Dat sieht immer aus wie Mülltrennung.”
Ein Sturm hat den Schutz der Dunkelheit genutzt und ist die ganze Nacht kreuz und quer über die Insel getobt. Man möchte gar nicht glauben, wie laut Palmwedel scheppern, klappern und dappern (doch, das ist der pälmische Fachbegriff) können. Es reicht für sehr wilde Flamencoträume. Die hiesigen Meteorologen nennen das Phänomen “ein bißschen windisch, n’est-ce pas, Madame?”, aber Madame is not amused und friert sich le derriere ab.
Könnte vielleicht wer das Gebläse abdrehen? Ich bin doch bald wieder weg.
Hier gibt es einen Koch, der kann alles, was es an Meeresgetier gibt und schmort die feinsten Sößchen, die ich je das Vergnügen hatte, bis auf den letzten Tropfen aus dem Teller zu tunken. Die ersten beiden Male habe ich mittmahlzeits um Soßennachschlag ersucht, inzwischen bekomme ich immer schon ein Extraschüsselchen mitgegeben.
Heute war Restetag und alles im Topf, was gut ist. Muscheln und Scampi und Tintenfischringele und umpfzig Sorten Fisch, jede Menge Gemüse und Gewürze. Ich habe leider nie gelernt, Meeresfrüchte mit Besteck zu essen und hatte quasi instantan klebrige Hände. Nicht lange. Genauso instantan stellte mir ein sehr aufmerksamer Herr ein Fingerschälchen mit Zitronenschnitz hin. Hach!
Ich nehme einen großen Schluck… nein, Quatsch, ich bedanke mich und freue mich, wie gut man zu mir ist. Doppel-Hach!
…bietet man mir hier keine mehr. Die Zeit ist wohl endgültig vorbei. Oh, well. Dafür hat mir Jung-Hafed gerade offeriert, bei seiner Maman nachzufragen, ob sie sich eventuell mit seinem Zwillingsbruder zufrieden geben würde. Dann wäre er frei und ich könnte seine neue Mama werden.
Alternativ würde er mich jetzt gerne zum Tanzen auffordern.
Wenn sich Wassergymnastikstunde und ich zur selben Zeit im Weicheipool aufhalten, mach ich immer mit und denke an meine Dicken Damen aus Kalifornien. Eigentlich müsste man sich hier via App förmlich anmelden, will ich aber nicht, brauche in den Ferien keinen Stundenplan. Außerdem habe ich einen Dispens von der Vorturnerin: “Come anytime. You’re my friend now.”