- Germaniens generös ausgestattete Töchter tragen abends gerne lang. In mir wecken die Wallegewänder die latente Furcht, dass jederzeit Wagner ausbrechen könnte
- Viele der Französinnen meiner Altersgruppe hingegen sehen aus wie Brigitte Macron, extra schmal und von früh bis spät wie aus dem Ei gepellt. Bei denen haben selbst die Chanel-Bikinis Bügelfalten
- Ist das nur mir neu? Dass die Fifties fröhliche Urständ feiern und Damenbadehosen mindestens hüfthoch zu sein haben?
- Hat das mit der Tätowiererei echt schon bei meiner Generation angefangen? So wie die alle aussehen: schon
- Hier ist es auch nicht anders als überall: die miesesten Jobs machen die mit der dunkelsten Hautfarbe
- Mein Kammerherr (Zimmermann?) Noureddin ist diplomierter Falter und kann alles: Handtücher, Nachthemden, Klopapier. Alles. Besonders gut ist er in den Kategorien Schwan und Herz
- Ein Influencerpärchen ist eingetroffen. Perfekt gestylt schon beim Frühstück, in matchenden Freizeitanzügen. Der Look war schon nicht cool, als er noch Partnerlook hieß…. Ab jetzt bleibt kein Glas Saft mehr unabgelichtet. Mir wäre das zu anstrengend
Vom Mutterland verraten
Jede noch so exotische Marke der amerikanischen Imperialisten ist zu haben. Nur Gauloises sind in ganz Tunesien aus.
Man spricht Deutsch
Ich glaube, es würde keinem Angehörigen einer anderen Nation einfallen, wenn er sieht, dass einem anderen Gast (mir) (ja, Frau D. aus E., es ist schon wieder so weit) beim Frühstück der Kaffee und der Obstteller zum Tisch getragen und der Stuhl zurecht gerückt wird, sehr giftig und deutlich hörbar zu bemerken, dass hier Büffet ist und sich jeder sein Zeug selbst zu holen hat. Gefälligst!
Zum Glück muss der arme Mann nicht mitansehen, wie mir mein neuer Freund Cheb gerade den dritten selbstgemixten Cocktail zum Probieren und gelobt werden bringt.
Weil: heute ist der erste Abend, wo das vorsorglich mitgebrachte Jäcksche über der Stuhllehne hängt und ich im T-Shirt, von einem milden Lüftchen sanft umfächert leicht angetrunken auf der Terrasse blogge. Muss aber jetzt aufhören. Cheb bringt schon wieder ein Glas mit Obstdeko und – dieses Mal – zwei Strohhalmen
Hölle, Hölle, Hölle
Ich weiß nicht, welche Sünden man als Musikant begangen haben muss, um von eigens dafür geschulten Teufeln solchermaßen gequält zu werden, weiß aber, dass eine der Höllenfilialen direkt hier im Hotel ist.
Jeden Abend nämlich, wenn die Gastmeute sich frisch geduscht nach einem harten Badetag die Wartezeit vor dem Abendessen mit dem Wegtrinken der im Voraus bezahlten All-Inclusive-Alkoholika vertreibt, muss einer von den armen Sündern ran und sein Instrument (bisher Saxophon, Gitarre, Geige und Harfe – mon dieu, hat mich die Dame ganz besonderes gedauert) mit Best-of-Pop der letzten 40 Jahre prostituieren. “Countryroads” ist obligatorisch, “Jolene” und “The Boxer” auch. Ansonsten kann der Künstler (generisches Maskulinum) vollkommen frei wählen, in welcher Reihenfolge er Bon Jovi oder Cash spielt, solange er nicht beim Trinken stört.
Sartre sagt, die Hölle, das seien die anderen. Er hat ja so recht!
Seepferdchen hoch viel
Auf der einen Seite niest sich die Nachbarin die Nase ab, auf der anderen stöhnt und kreischt die Hyãne – bis ich endlich zu einer Art Nachtruhe komme, ist es früher Morgen und ich habe das Liegenreservieren verpasst. Piscine couverte it is…
Vier präpotente Jungfranzosen toben mit ihrem Ball durchs Becken. Die Musketierchen feiern die im 2. Anlauf bestandene Aufnahmeprüfung für eine Eliteuni und haben zur Belohnung von den Eltern eine Ferienwoche in den Kolonien geschenkt bekommen. Knuffig, die Buben und als wir versehentlich auf einmal alle fünf in der Wassergymnastikstunde landen, sehr süß, weil wirklich keiner die rosafarbene Poolnudel haben will. Einmal gelb gegen rosa und da schau her, wie ich’s drauf hab, junge Männer zu beglücken… Sie sind sehr eindeutig aus der Generation Meme und brechen wirklich jedes Mal, wenn die auf Englisch einzählende Instruktorin bei “Six/Seven” angekommen ist, in brüllendes Gelächter aus. Kindsköpfe, halt. Aber Eliteuni…
Über die Mittagszeit habe ich den ganzen Pool für mich ganz alleine – ein Umstand an den ich mich mühelos gewöhnen könnte. Vielleicht doch im Lotto gewinnen?
Lösungsorientiertes Vorgehen
Also passt auf: das Meer hier ist eine Mogelpackung. Liegt glitzernd und einladend direkt am puderzuckerweichen weißen Sandstrand und ist so saukalt, dass meine Zehen von einmal morgens Einstippen noch abends blau sind. Außerdem bläst ein steifer Wind von Osten (die locals nennen den “mäßig”, aber was wissen die schon), damit fällt auch der Pool als Option aus, noch dazu, wo er gerade mal 15 Grad warm (hah!) ist, und das mit großem Wohlwollen gemessen.
Ich will aber schwimmen. Sind doch sonst keine Ferien, Mensch!
Seit heute Nachmittag bin ich glücklich, ich habe nämlich durch hartnäckiges Nachfragen das “piscine couverte” gefunden. Ein sehr angenehmes überschaubares Schwimmbad im maurischen Stil mit Dach drüber, erfreulich wohltemperiertem Wasser und geringer Nachfrage (wir waren insgesamt in den 2 Stunden, die ich da war, zu dritt). Da gehe ich morgen wieder hin. Und übermorgen wieder.
So, liebe Leserinnen und Leser, damit beschließen wir für heute die Geschichte vom “Weichei auf Reisen “.
Fürs Merkheft
Man sollte ausschließlich Länder bereisen, in denen Datteln auf Bäumen wachsen.
Wie ich eben lerne, lässt sich die Dattel auch zu Schnaps und Likör brennen. Sssooo ein braves Oppps… Hu-upps. Tschulligung.
D’Leit
- Ausweislich seines T-Shirts ist der leicht verwahrloste Herr in seinen Sechzigern ein ” Pussy-Magnet”. Hmmm. Also entweder ist das Leiberl schon etwas älter – oder er hat irgendeine Funktion im hoteleigenen Katzencafe inne.
- Suche noch nach der Superpower, die der schwule Herr in den Speedos mit dem Gepardenprintcape haben könnte. Hod wer a Idee?
- Das Gebäude ist schrecklich hellhörig. Die Nachbarin zur Linken leidet unter fürchterlichem Heuschnupfen. Haaa-aaaptschi! Ganz oft nacheinander. Bei der zur Rechten leiden alle anderen, weil sie ihre Orgasmen mit einem hyänenrudelwürdigen Geheul begleitet und offensichtlich mit dem Vorsatz verreist ist, mehrmals täglich Sex zu haben.
- Der kleine Junge am Büffet kennt sich aus: er will weder braunes, noch weißes, weder grünes noch rotes Eis. Nur blaues. Befragt warum, liefert er ein schlagendes Argument: nur Blau schmeckt “richtig” .
Histoire
Ich weiß ja nicht, wie die Franzosen hier so als Kolonialmacht waren. Haben sich wahrscheinlich nicht gerade mit Ruhm bekleckert, wie jede Kolonialmacht. Aber immerhin haben sie Baguette und Croissants hinterlassen. Und Kaffeekultur: niemals kalte Milch in heißen Kaffee kippen.
Dafür merci!