Lösungsorientiertes Vorgehen

Also passt auf: das Meer hier ist eine Mogelpackung. Liegt glitzernd und einladend direkt am puderzuckerweichen weißen Sandstrand und ist so saukalt, dass meine Zehen von einmal morgens Einstippen noch abends blau sind. Außerdem bläst ein steifer Wind von Osten (die locals nennen den “mäßig”, aber was wissen die schon), damit fällt auch der Pool als Option aus, noch dazu, wo er gerade mal 15 Grad warm (hah!) ist, und das mit großem Wohlwollen gemessen.

Ich will aber schwimmen. Sind doch sonst keine Ferien, Mensch!

Seit heute Nachmittag bin ich glücklich, ich habe nämlich durch hartnäckiges Nachfragen das “piscine couverte” gefunden. Ein sehr angenehmes überschaubares Schwimmbad im maurischen Stil mit Dach drüber, erfreulich wohltemperiertem Wasser und geringer Nachfrage (wir waren insgesamt in den 2 Stunden, die ich da war, zu dritt). Da gehe ich morgen wieder hin. Und übermorgen wieder.

So, liebe Leserinnen und Leser, damit beschließen wir für heute die Geschichte vom “Weichei auf Reisen “.

D’Leit

  • Ausweislich seines T-Shirts ist der leicht verwahrloste Herr in seinen Sechzigern ein ” Pussy-Magnet”. Hmmm. Also entweder ist das Leiberl schon etwas älter – oder er hat irgendeine Funktion im hoteleigenen Katzencafe inne.
  • Suche noch nach der Superpower, die der schwule Herr in den Speedos mit dem Gepardenprintcape haben könnte. Hod wer a Idee?
  • Das Gebäude ist schrecklich hellhörig. Die Nachbarin zur Linken leidet unter fürchterlichem Heuschnupfen. Haaa-aaaptschi! Ganz oft nacheinander. Bei der zur Rechten leiden alle anderen, weil sie ihre Orgasmen mit einem hyänenrudelwürdigen Geheul begleitet und offensichtlich mit dem Vorsatz verreist ist, mehrmals täglich Sex zu haben.
  • Der kleine Junge am Büffet kennt sich aus: er will weder braunes, noch weißes, weder grünes noch rotes Eis. Nur blaues. Befragt warum, liefert er ein schlagendes Argument: nur Blau schmeckt “richtig” .

Histoire

Ich weiß ja nicht, wie die Franzosen hier so als Kolonialmacht waren. Haben sich wahrscheinlich nicht gerade mit Ruhm bekleckert, wie jede Kolonialmacht. Aber immerhin haben sie Baguette und Croissants hinterlassen. Und Kaffeekultur: niemals kalte Milch in heißen Kaffee kippen.

Dafür merci!

Da, wo ich wohne

  • …geht man über lange Flure auf einem ausgetretenen bläßlichen Sisalteppichboden, an dessen Ende vor langer Zeit einmal der strahlende Neubau des Hotels stand. Jetzt ist mehr Patina.
  • Betritt man mein Zimmer, das mehr so eine Flucht ist, fällt zuerst der lange breite geflieste Gang ins Auge, auf dem im Bedafsfall Linedance- oder Menuettuntericht gegeben werden kann.
  • Linkerhand finden wir einen zehntürigen vollverspiegelten Wandschrank, zwei Meter weiter die Toilette, nach weiteren drei Metern den Badesaal. Gegenüber das Ankleideboudoir mit jeweils rechts und links einem fünftürigen Wandschrank, wovon aber nur die rechte Seite mit Spiegeln versehen ist.
  • Gleich rechts geht es in den Wohn- und Schlafbereich, mit Schreib- (+ Kühlschrank und Kochnischelchen) und Frisiertisch (+ Spiegel), Sitzgruppe und alles mit Extrastauraum. Durch einen Torbogen betreten wir nun das Schlafgemach mit einem Kingsizebett, darauf so viele Zierkissen, wie sie nur ein Weltklasse-Tretrisspieler stapeln kann. Von hier aus geht es zur Terrasse mit Blick auf den Palmengarten.

Wäre ich hier zu zweit, würden wir einander ständig suchen…

Angekommen

“Wirst du bloggen, wenn du weg bist?” Tssss, was für eine Frage. Als ob ich’s lassen könnte…

Und nun sitze ich hier auf meiner Terrasse im Reverse-Udo-Jürgens-Modus (die Älteren werdens verstehen: der war immer verschwitzt, wenn er in den weißen Bademantel schlüpfte, ich hingegen bin frisch geduscht und rieche nach Oliven) und habe schon fast vergessen, dass ich, der dringenden Empfehlung des Veranstalters folgend, so extra früh am Flughafen war, dass weder die Mache-es-gefälligst-selber-Gepäckabgabe, noch die Durchleucht-Security schon offen hatten. Zum Glück habe ich genug zum Lesen eingepackt, Manno.

Sonst keine besonderen Vorkommnisse.

Gemeinsam mit den anderen beiden Dicken aus dem Flieger bin ich hier vor dem netten harmlosen Hotel ausgestiegen, das Fitneßgschwerl mit dem bulky luggage ist noch ein Haus weitergebracht worden und lärmt nun dort rum. Und nicht hier!

Vorerst kann ich von Djerba nur berichten, dass es in der letzten Zeit ungewöhnlich starke Regenfälle gab, deren Nachwehen deutlich sichtbar sind. Die Straßen stellenweise böse ausgewaschen, die Wüste grün und die Palmen sehen allesamt 20 Jahre jünger aus.

Ich muss heute nix mehr. Nur noch abendessen und mich entscheiden, ob ich mich zum Shishatabak- oder zum Olivenöltasting anmelden soll. Is schwer, beides ist “mit Gaumenkitzel und Zunge”.

Vielleicht sollte ich die Hotelkatze aussuchen lassen. Die hat mich schon adoptiert.

PS: Tauben haben sie hier auch. Die kacken auf den Pool und guruguruhen sich vor Begeisterung fast zu Tode, wenn sie einen Schwimmer treffen. Hier wie dort: Mistviecher!

Trenne nie…

Ich spiele nicht mal Schach, aber selbst ich weiß, dass es in dieser Disziplin keine Eröffnung gibt, die man so trennt. Noch nicht mal nach den allerneusten Rechtschreibregeln.

Dass sowas ausgerechnet der ZEIT passiert, ist schon ein Armutszeugnis…

Bags packed, ready to go

  • Zehennägel in Hotchilirot angemalt (danach im Regen und bei kalt in offenen Schläppchen nach Hause, nur durch Vorfreude auf Sonnenschein aufrecht gehalten)
  • Koffer sehr leicht mit Leichtem gepackt, ohne Schwierigkeiten zugekriegt und auch vorgefreut, dass die Hälfte des Inhalts ein letztes Mal gerne in Tunesien getragen werden wird und dann für den Rest seiner Tage dort Urlaub machen darf (Motto: so geht Kleiderspende)
  • Den netten Menschen vor Ort mit Vorfreude gedankt, dass sie heute mit dem Regen aufhören und ab morgen die Sonne anmachen
  • Nochmal der netten Dame im Reisebüro gedacht, die mir ihren Mitarbeiterrabattcode geschenkt hat und vorgefreut, dass sie mir damit das Taxi zum Flughafen für morgen früh um 02:30 Uhr (ja, ich tu mir auch leid) spendiert
  • Das Schwerste sind wie immer die Bücher, aber die Vorfreude aufs Lesen macht alles wett
  • Vorfreude!

Nachtrag: Früher umfaßte die Reiseapotheke (wenn überhaupt): Aspirin, Kohletabletten, Pflaster. Heute ist das irgendwie anders.

Vorhin beim Einkaufen

Selten ein cooleres Kind gesehen als den kleinen ca. drei- bis vierjährigen Buben, der selbständig in seinen Buggy klettert, sich anschnallt, gemütlich zurücklehnt, die Beine übereinanderschlägt und mit einem kurzen Seitwärtsblick über die Schulter die Frau Mama anweist: “Wir können los.”