Man spricht Deutsch

Ich glaube, es würde keinem Angehörigen einer anderen Nation einfallen, wenn er sieht, dass einem anderen Gast (mir) (ja, Frau D. aus E., es ist schon wieder so weit) beim Frühstück der Kaffee und der Obstteller zum Tisch getragen und der Stuhl zurecht gerückt wird, sehr giftig und deutlich hörbar zu bemerken, dass hier Büffet ist und sich jeder sein Zeug selbst zu holen hat. Gefälligst!

Zum Glück muss der arme Mann nicht mitansehen, wie mir mein neuer Freund Cheb gerade den dritten selbstgemixten Cocktail zum Probieren und gelobt werden bringt.

Weil: heute ist der erste Abend, wo das vorsorglich mitgebrachte Jäcksche über der Stuhllehne hängt und ich im T-Shirt, von einem milden Lüftchen sanft umfächert leicht angetrunken auf der Terrasse blogge. Muss aber jetzt aufhören. Cheb bringt schon wieder ein Glas mit Obstdeko und – dieses Mal – zwei Strohhalmen

Hölle, Hölle, Hölle

Ich weiß nicht, welche Sünden man als Musikant begangen haben muss, um von eigens dafür geschulten Teufeln solchermaßen gequält zu werden, weiß aber, dass eine der Höllenfilialen direkt hier im Hotel ist.

Jeden Abend nämlich, wenn die Gastmeute sich frisch geduscht nach einem harten Badetag die Wartezeit vor dem Abendessen mit dem Wegtrinken der im Voraus bezahlten All-Inclusive-Alkoholika vertreibt, muss einer von den armen Sündern ran und sein Instrument (bisher Saxophon, Gitarre, Geige und Harfe – mon dieu, hat mich die Dame ganz besonderes gedauert) mit Best-of-Pop der letzten 40 Jahre prostituieren. “Countryroads” ist obligatorisch, “Jolene” und “The Boxer” auch. Ansonsten kann der Künstler (generisches Maskulinum) vollkommen frei wählen, in welcher Reihenfolge er Bon Jovi oder Cash spielt, solange er nicht beim Trinken stört.

Sartre sagt, die Hölle, das seien die anderen. Er hat ja so recht!

Seepferdchen hoch viel

Auf der einen Seite niest sich die Nachbarin die Nase ab, auf der anderen stöhnt und kreischt die Hyãne – bis ich endlich zu einer Art Nachtruhe komme, ist es früher Morgen und ich habe das Liegenreservieren verpasst. Piscine couverte it is…

Vier präpotente Jungfranzosen toben mit ihrem Ball durchs Becken. Die Musketierchen feiern die im 2. Anlauf bestandene Aufnahmeprüfung für eine Eliteuni und haben zur Belohnung von den Eltern eine Ferienwoche in den Kolonien geschenkt bekommen. Knuffig, die Buben und als wir versehentlich auf einmal alle fünf in der Wassergymnastikstunde landen, sehr süß, weil wirklich keiner die rosafarbene Poolnudel haben will. Einmal gelb gegen rosa und da schau her, wie ich’s drauf hab, junge Männer zu beglücken… Sie sind sehr eindeutig aus der Generation Meme und brechen wirklich jedes Mal, wenn die auf Englisch einzählende Instruktorin bei “Six/Seven” angekommen ist, in brüllendes Gelächter aus. Kindsköpfe, halt. Aber Eliteuni…

Über die Mittagszeit habe ich den ganzen Pool für mich ganz alleine – ein Umstand an den ich mich mühelos gewöhnen könnte. Vielleicht doch im Lotto gewinnen?

Lösungsorientiertes Vorgehen

Also passt auf: das Meer hier ist eine Mogelpackung. Liegt glitzernd und einladend direkt am puderzuckerweichen weißen Sandstrand und ist so saukalt, dass meine Zehen von einmal morgens Einstippen noch abends blau sind. Außerdem bläst ein steifer Wind von Osten (die locals nennen den “mäßig”, aber was wissen die schon), damit fällt auch der Pool als Option aus, noch dazu, wo er gerade mal 15 Grad warm (hah!) ist, und das mit großem Wohlwollen gemessen.

Ich will aber schwimmen. Sind doch sonst keine Ferien, Mensch!

Seit heute Nachmittag bin ich glücklich, ich habe nämlich durch hartnäckiges Nachfragen das “piscine couverte” gefunden. Ein sehr angenehmes überschaubares Schwimmbad im maurischen Stil mit Dach drüber, erfreulich wohltemperiertem Wasser und geringer Nachfrage (wir waren insgesamt in den 2 Stunden, die ich da war, zu dritt). Da gehe ich morgen wieder hin. Und übermorgen wieder.

So, liebe Leserinnen und Leser, damit beschließen wir für heute die Geschichte vom “Weichei auf Reisen “.

D’Leit

  • Ausweislich seines T-Shirts ist der leicht verwahrloste Herr in seinen Sechzigern ein ” Pussy-Magnet”. Hmmm. Also entweder ist das Leiberl schon etwas älter – oder er hat irgendeine Funktion im hoteleigenen Katzencafe inne.
  • Suche noch nach der Superpower, die der schwule Herr in den Speedos mit dem Gepardenprintcape haben könnte. Hod wer a Idee?
  • Das Gebäude ist schrecklich hellhörig. Die Nachbarin zur Linken leidet unter fürchterlichem Heuschnupfen. Haaa-aaaptschi! Ganz oft nacheinander. Bei der zur Rechten leiden alle anderen, weil sie ihre Orgasmen mit einem hyänenrudelwürdigen Geheul begleitet und offensichtlich mit dem Vorsatz verreist ist, mehrmals täglich Sex zu haben.
  • Der kleine Junge am Büffet kennt sich aus: er will weder braunes, noch weißes, weder grünes noch rotes Eis. Nur blaues. Befragt warum, liefert er ein schlagendes Argument: nur Blau schmeckt “richtig” .

Histoire

Ich weiß ja nicht, wie die Franzosen hier so als Kolonialmacht waren. Haben sich wahrscheinlich nicht gerade mit Ruhm bekleckert, wie jede Kolonialmacht. Aber immerhin haben sie Baguette und Croissants hinterlassen. Und Kaffeekultur: niemals kalte Milch in heißen Kaffee kippen.

Dafür merci!

Da, wo ich wohne

  • …geht man über lange Flure auf einem ausgetretenen bläßlichen Sisalteppichboden, an dessen Ende vor langer Zeit einmal der strahlende Neubau des Hotels stand. Jetzt ist mehr Patina.
  • Betritt man mein Zimmer, das mehr so eine Flucht ist, fällt zuerst der lange breite geflieste Gang ins Auge, auf dem im Bedafsfall Linedance- oder Menuettuntericht gegeben werden kann.
  • Linkerhand finden wir einen zehntürigen vollverspiegelten Wandschrank, zwei Meter weiter die Toilette, nach weiteren drei Metern den Badesaal. Gegenüber das Ankleideboudoir mit jeweils rechts und links einem fünftürigen Wandschrank, wovon aber nur die rechte Seite mit Spiegeln versehen ist.
  • Gleich rechts geht es in den Wohn- und Schlafbereich, mit Schreib- (+ Kühlschrank und Kochnischelchen) und Frisiertisch (+ Spiegel), Sitzgruppe und alles mit Extrastauraum. Durch einen Torbogen betreten wir nun das Schlafgemach mit einem Kingsizebett, darauf so viele Zierkissen, wie sie nur ein Weltklasse-Tretrisspieler stapeln kann. Von hier aus geht es zur Terrasse mit Blick auf den Palmengarten.

Wäre ich hier zu zweit, würden wir einander ständig suchen…

Angekommen

“Wirst du bloggen, wenn du weg bist?” Tssss, was für eine Frage. Als ob ich’s lassen könnte…

Und nun sitze ich hier auf meiner Terrasse im Reverse-Udo-Jürgens-Modus (die Älteren werdens verstehen: der war immer verschwitzt, wenn er in den weißen Bademantel schlüpfte, ich hingegen bin frisch geduscht und rieche nach Oliven) und habe schon fast vergessen, dass ich, der dringenden Empfehlung des Veranstalters folgend, so extra früh am Flughafen war, dass weder die Mache-es-gefälligst-selber-Gepäckabgabe, noch die Durchleucht-Security schon offen hatten. Zum Glück habe ich genug zum Lesen eingepackt, Manno.

Sonst keine besonderen Vorkommnisse.

Gemeinsam mit den anderen beiden Dicken aus dem Flieger bin ich hier vor dem netten harmlosen Hotel ausgestiegen, das Fitneßgschwerl mit dem bulky luggage ist noch ein Haus weitergebracht worden und lärmt nun dort rum. Und nicht hier!

Vorerst kann ich von Djerba nur berichten, dass es in der letzten Zeit ungewöhnlich starke Regenfälle gab, deren Nachwehen deutlich sichtbar sind. Die Straßen stellenweise böse ausgewaschen, die Wüste grün und die Palmen sehen allesamt 20 Jahre jünger aus.

Ich muss heute nix mehr. Nur noch abendessen und mich entscheiden, ob ich mich zum Shishatabak- oder zum Olivenöltasting anmelden soll. Is schwer, beides ist “mit Gaumenkitzel und Zunge”.

Vielleicht sollte ich die Hotelkatze aussuchen lassen. Die hat mich schon adoptiert.

PS: Tauben haben sie hier auch. Die kacken auf den Pool und guruguruhen sich vor Begeisterung fast zu Tode, wenn sie einen Schwimmer treffen. Hier wie dort: Mistviecher!