Gelesen: Erica Fischer – “Aimée und Jaguar. Eine Liebesgeschichte, Berlin 1943”

Fischer hat die Geschichte eines unwahrscheinlichen Paares im Kriegsberlin aufgeschrieben, in einer Zeit, die die beiden Frauen weder lieben noch leben läßt.

Für heutige Leser mit dem Wissen der späten Geburt, dass die Rote Armee im Osten schon auf dem Vormarsch war, und nur noch ein paar Wochen bis zum Überleben gefehlt hätten, ist das grausamste Dokument ein Brief von Felice Schragenheim (“Jaguar”) vom 26. Dezember 1944 aus dem KZ Groß-Rosen, von wo aus sie in die Öfen nach Auschwitz transportiert wurde.

Wer tief in die Geschichte des Nationalsozialismus eintauchen will, ist mit diesem Buch und den Unmengen von Zeugnissen, die Lilly Wust (“Aimée”) ihr ganzes Leben lang treulich verwahrt hat, sehr sehr gut beraten. Wer mein Buch haben will, möge sich melden.

Lesen! Lesen! Lesen!

Wochenendzeitung

Früher ging das nur am Wochenende, aber inzwischen gehört zu meinem Jeden-Morgen-Ritual, die Süddeutsche Zeitung von der ersten bis zur letzten Seite zu studieren.

Dieses Wochenende lassen mich die Blattmacher allerdings rätseln. In einem Artikel über Robert Pattinson nennen sie den Schauspieler einmal (und nur dieses eine Mal) “Patterson”.

Sydney Sweeney wird (auch nur ein einziges Mal im gesamten Artikel) zu Sydney Sweety umgetauft.

Warum? Kann das Sommerloch eine Erklärung sein? Die urlaubsbedingte Abwesenheit der Kontrollinstanzen? Ein Troll (oder Trollin, meinethalben)? Oder will die Zeitung ihre Leserschaft geistig wach halten mit kleinen “Finde-den-Unterschied”-Aufgaben? Man weiß es nicht. Wüßte es aber schon gerne. Oder?

Bohnen auf den Ohren

Gar nicht mehr einkriegen kann sich meine Physiotherapeutin heute bei der Geschichte von ihrer Bauchtanzklasse, wo die Vortänzerin jüngst die besonders gute Leistung einer hüftschwingenden Kollegin mit einem Fleißbildchen belohnen wollte, diese aber, hungrig und harthörig, erwartete, dass ihr ein Fleischbällchen zugeworfen werden würde.

Wir haben die Idee weitergesponnen: dürfte meine Physiotherapeutin, eine überzeugte Vegetarierin, in diesem Szenario wohl alternativ einen Falafelregen erwarten?

Schön wäre das schon…

Üben! Üben! Üben!

Ich habe zugesagt, eine junge Nachwuchskraft im Personalwesen zu coachen. Heute hatten wir unser erstes Gespräch und wollten – gleich ein Praxisbeispiel – eine Stellenanzeige gestalten. Und nein, mein Kind, die KI holen wir erst dazu, wenn wir uns selber eine Vorlage ausgedacht haben, für die sie anschließend Optimierungsvorschläge machen kann.

Mademoiselle hat mich sehr mit folgenden Formulierungsvorschlägen erfreut: “Wir suchen jemanden, der außerhalb des Tellerrandes guckt” und, als Begleittext zum Wunsch nach einer Zusatzqualifikation, diese sei “das I-Tüpfelchen, das das Faß zum Überlaufen bringt”.

Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, selbst Claude hat ein Grinsen nicht unterdrücken können…

Verhörte Intelligenz

Gehen tut es in dem YouTube-Video um “golddigger”, also böse Menschen, die anderen Liebe vortäuschen, wo sie doch nur ihr Geld wollen.

Der Sprecher möchte nun herausfinden, war er tun müsse, um diesen Beruf zu ergreifen: “If I were to gold dig…” Ob die untertitelnde VI schon einen Schritt weiter oder ganz und gar doof ist, möge jeder für sich entscheiden. Sie transkribiert eiskalt: “cold dick”.

Ich bezweifle allerdings, dass dergleichen beim Gold graben hilft.