Über Land fahren

Ich hatte im bayerischen Hinterland zu tun. Soweit hinten, dass mein eher urbanes Navi gelegentlich an seine Grenzen kam (einer von diesen sieben Feldwegen wirds wohl sein, vielleicht).

Für die Hinfahrt hatte ich ein Zeitfenster erwischt, in dem ergiebiger Regen herunterpratzelte – die ganze Autobahn eine einzige Waschstraße, mit großzügigen Unterbodenwaschphasen und immer wieder neuen Schwällen auf Blech und Scheiben. Kein Körnchen Saharastaub unabgewaschen. Glaub ich. Innen hingegen… Kann man so ein Auto eigentlich auf links drehen?

Die Farben hinter den Wasserschleiern muten eher südkalifornisch grau-braun-ockerbleich-verbrannt an als bayerisch, aber, dystopiengeschult wie ich bin, denke ich mir, wir werden uns daran gewöhnen müssen. Sehen kann man die Landschaft hinter den mehr als mannshohen Maisfeldern eh nicht, hoffentlich erntet bald wer, was nicht längst taub und kleingeschnurzelt in den bleichen Spelzen hängt. Wurscht, ich fahre mit dem frisch gewaschenen Auto bei den Freunden auf dem Hof vor und werde so recht ordentlich nach Strich und Faden verwöhnt. Mir geht es schon gut. DANKE!

Am nächsten Tag breche ich zu meiner Tour de Hinterland auf. Die Sonne scheint, als hätte es nie geregnet. Hat es aber. Die ganze Gegend wirkt wie gerade aus der Reinigung geholt, selbst die stolzen Sonnenblumen, die gestern ihre schweren Köpfe so traurig hatten hängen lassen, recken und strecken sich wieder ihrem Mutterplaneten entgegen. Ich gondele so für mich hin, das Navi sagt, wir seien auf dem rechten Weg, auch wenn die Straße so schmal ist, dass es nicht einmal mehr einen Mittelstreifen gibt und die Mähdrescher und was immer sonst mir an landwirtschaftlichen Fahrzeugen entgegenkommt, arg breit. Einfach immer wegducken und ein Schnellgebet sprechen. Hilft.

Es geht auf und ab (ernstzunehmendes Gefälle von 12% und mehr) durch Wald und… Wald und mehr Wald, alle Ortsnamen heißen irgendwas mit “Holz” (Unterholz, Oberholz, Nebenholz, Holz-Holz usw.) und dann verliebe ich mich. Schlagartig. Wie vom Blitz getroffen. In diesen Ortsnamen.

Jetzt ehrlich. Schöner geht es doch nicht. Ich hätte Pumpernudel gerne als Absender auf meiner Korrespondenz. Und Pumpernudel als Adresse. Das müßte Menschen doch dazu bringen, mir mit einem Lächeln im Gesicht zu schreiben, oder? In Pumpernudel wohnten 1987 (letzte Volkszählung) 12 Menschen, verteilt auf zwei Gebäude und Wikipedia sagt, es sei eine Einöde – da dürfte mein einer kleiner Briefkasten nicht stören, oder? “An Frau Sabine in Pumpernudel”, hat doch einen Superklang. Finde ich.

Nein, ich bin nicht nach Pumpernudel abgebogen. Nein, ich habe keine Ahnung, wie es in Pumpernudel aussieht. Muss ich nicht. Ich denke mir mein Pumpernudel lieber selber. Wie es mir gefällt. Nämlich.

Zwischennutzung

Jetzt, wo das Jungvolk in den Kids Clubs der Ferienhotels bespaßt wird, haben sich weißhaarige Menschen den Spielplatz unten zu eigen gemacht. Man trifft sich (nicht zu früh) morgens auf den Bänken unter Schattenbäumen und alle haben was mitgebracht für ein ausgedehntes Frühstück im Grünen. Gegen Mittag knallen die ersten Korken. (Viel trinken ist ja auch so wichtig.)

Es ist dies einfach eine sehr herrliche Lebensphase!

Von wegen “mein Problem”

Ich hatte mir für diesen Sommer einen neuen Badeanzug gekauft und finde ihn eigentlich schön. Außer, dass die Hersteller die beiden Schaumstoffpolster, die eigentlich auf Höhe der Brüste sitzen sollten, nicht fixiert haben und es bei längerem Aufenthalt im Wasser durchaus vorkommt, dass die Dinger sich selbständig machen und in verschiedene Richtungen abdriften. Das ist ziemlich lästig, vor allem, weil speziell das linke gerne versucht, mich zu knebeln.

Erst dieses Meme (danke dafür an Frau S. jun.) hat mir gezeigt, dass ich mit diesem Phänomen nicht alleine bin und mich darauf gebracht, nachzusehen, ob in meinem Badeanzug nicht auch “Nasa-Schlupflöcher” sind. Blöd, ich weiß, aber ich verstehe einfach nichts von Mode und brauche für sowas immer etwas länger als andere.

Yup. Löcher, Hollareidulljöh! (Fragt Oma.) Gut versteckt seitlich unter den Nähten gefunden. Doppel-D-Trümmer entfernt. (Große Größe heißt nicht automatisch großer Busen, das müssen wir noch üben.) Was werde ich zukünftig entspannt schwimmen können.

Vielleicht nehme ich die weißen Polster das nächste Mal noch ein letztes Mal mit und setze sie im See aus… Sieht bestimmt lustig aus, wenn sie dort freigelassen schwimmen.

Nur mal angenommen

Seit ich eine ganze SEV-Staubusfahrt freie Sicht auf eine Mitreisende im ärmellosen Blüschen hatte, läßt mich die Frage nicht los: Falls die Dame sich irgendwann einmal entschlösse, die auf ihrem Oberarm tätowierte Matrjoschka entfernen zu lassen: käme dann darunter wieder eine, etwas kleinere, zum Vorschein? Und noch und noch und noch eine?

Autsch!

Ich fürchte, Süddeutsche Zeitung, damit habt ihr nicht nur einen Nachfolger für das unsägliche (und dankenswerterweise eingestellte) Bento-Segment des Spiegel entwickelt, sondern es auch gleich noch ohne jede Anstrengung überholt.

Meine Fresse! Für wie dumm haltet ihr junge Menschen denn?

Und für den Fall, dass “Sprachi” nur ein Tippfehler gewesen sein sollte: wie peinlich ist das denn? Hmmm?

Bummsti!

So lange hat er durchgehalten, aber jetzt ist er doch gekippt, mein Lieblingssee. Obwohl die Amper eigentlich unten durchfließt und für Frischwasserzufuhr sorgen sollte. Aber, habe ich mich beim Queren der Brücke auf der Hinfahrt schon gefragt: „Amper, wo bist du?“

Der See stinkt böse nach Verwesung. Möge der für morgen angesagte Regen den Dreck wieder wegspülen!

Luhustig ihist das Rentnerleheben

Kleiner erläuternder Exkurs zum Einstieg: Ich bin dazu übergegangen, die Rentnerei als meinen “Zustand der Gnade” zu bezeichnen, am einfachsten zu beschreiben mit einer Wendung, wie man sie sonst nur aus dubiosen Kontaktanzeigen kennt: Alles kann, nichts muss.

Genau so.

Herrlich ist das. Ganz und gar herrlich!

So, nachdem das nun hinreichend geklärt ist, zum eigentlichen Thema: „Mord, Moral und Mortadella“, der Jubiläumsproduktion zu 30 Jahre Lustspielhaus.

Doch, es besteht ein Zusammenhang zur Vorrede. Geduld.

Ich habe in grauer Vorzeit einmal Theaterwissenschaft studiert. Die Studenten und Studentinnen dieser Disziplin wurden ermuntert, Praxiserfahrung zu sammeln. An einem der vielen vielen Kleintheater, die München damals bevölkerten und die sich immer über ausbeutbare Arbeitskräfte für Regieassistenzen, Technik und dergleichen freuten. Hab ich auch viel und gerne gemacht, denn man lernte ein Stück von Anfang an kennen. Idealerweise in der Entwicklung, über die Auswahl der Spielenden, Proben, Generalprobe, Premiere, 2. Vorstellung, viele andere Vorstellungen (wie gesagt, idealerweise) bis hin zur Derniere, der letzten Vorstellung, in der alle Beteiligten einander harmlose Streiche spielten, wie es die Tradition verlangt. Ich habe diesen, wie man heutzutage sagen würde, Prozess geliebt. Wie es am Anfang rumpelt, wie sich Bühnenbild und Licht und Kostüme entwicken, wie manchmal sogar der Text irgendwann sitzt, wie das Werk in die Welt ent- und auf Publikum losgelassen wird. Und wie jeder Abend anders ist als der davor und der danach. Weil Menschen beteiligt sind. Schauspieler und Innen, unausgeschlafen oder himmelhochjauchzend oder beides oder keins, Publikum begeistert und müde, glücklich und traurig, johlend oder taubstumm und ein jeder und eine jede mit seinem oder ihrem Leben, das abends vor die Bühne mitgebracht wird.

Weil Frau Rothmüller, die Regisseurin von “Mord, Moral und Mortadella” und ich in der vorhin angesprochenen grauen Vorzeit einmal miteinander studiert haben, und weil ich jetzt im Zustand der Gnade bin (da isser, der Zusammenhang!), und, wie damals als Studentin, Zeit, Zeit und Zeit habe, durfte ich nach so vielen Jahren einmal wieder dabei sein. Von Alpha bis Omega, vom Anfang bis zum Ende. Hach! Was habe ich es genossen!

Lieber Alex, liebe Gabi, lieber Robert, lieber Roland, liebe Sonja (alphabetisch, wg. Gerechtigkeit), lieber Bud-Spencer-Heart-Chor und liebes Lustspielhaus-Team: vielen vielen vielen Dank!

Ich weiß noch nicht genau, wie das jetzt wird und was ich ab kommende Woche abends so vorhaben soll… Ideen?

Schwabing

sei, so ein zu Tode zitiertes Zitat der Gräfin zu Reventlow, “kein Ort, sondern ein Zustand”.

Ich möchte das mit diesen beiden Fotos (selbst gemacht) belegen.

An einem Mittwoch. Da sitzt ein sehr armer Kerl am U-Bahn-Ausgang vor dem Plakat mit der Aufschrift “Du verdienst mehr” und die Ironie ist mehr als bitter.

    Am Samstag drauf, wenn alle die schönen Menschen ausgehen, sieht das schon ganz anders aus…

    Witzitsch

    Auf den Kinderseiten der Süddeutschen Zeitung gibt es immer ein Witzeduell. Die Scherze sind meist so mittelkomisch, aber heute, heute habe ich schon sehr gelacht:

    Optimist: Dieses Glas ist 1/2 voll.
    Pessimist: Dieses Glas ist 1/2 leer.
    Excel: Dieses Glas ist der 1. Februar.