
Die perferkte Alliteration hättet ihr geschafft mit “Wursterei Wasner”.
Aber ich bin heute großzügig und lasse es trotzdem gelten.
Er, sagt mein neuer Bekannter, sei ja viel rumgekommen, so als Arzt bei der Marine, aber jetzt habe er beschlossen, im Süden seßhaft zu werden und habe, um sich seine neue Heimat zu erschließen, einige Stadtführungen mitgemacht.
Heute Abend werde er wieder im Biergarten verbringen, ganz traditionell unter ganz alten Eichen. Hmmm. So ganz gut aufgepaßt hat er wohl nicht, der Leichtmatrose der. Habe ihm empfohlen, Eichen zu weichen und stattdessen nach Kastanien Ausschau zu halten, habe damit Erfahrung, wohne ja hier schon länger.
Kennt wer einen Merkreim für Kastanien?
Rentnerin, die ich bin, hatte ich am zurückliegenden ein Doppel-Feature-Wochenende. Eins bei den einen Freunden am Freitag auf Samstag, eins bei den anderen von Sonntag auf Montag.
Führt jetzt gerade allerdings zu höchster Kalenderkonfusion, weil ich ja doch noch davon geprägt bin, dass ich früher mal berufstätig war und die Woche damals zuverlässig am Montag begann. Und da steh ich nun und es ist Mittwoch und die Sonnenfinsternis, die ich mir morgen anschauen wollte, hat gerade in der Minute angefangen. Nun aber hurtig auf einen Hügel…
Der Roman hat es als 44. in die Auswahl der “50 großen Kriminalromane” der “Süddeutsche Zeitung Kriminalbibliothek” geschafft.
Man muss wissen: Mit dergleichen Anläufen zur Kanonisierung verdienten sich Zeitungsverlage damals ein Zubrot, seinerzeit konnte man die Bände im Abo unter einer gebührenpflichtigen Rufnummer für 12 Cents die Minute (“Ruf mich an!” – Fragt Oma.) zum Schnäppchenpreis bestellen. Für meinen Begriff gildet ein Kanon immer erst, wenn ich informiert werde, wer welchen Band wieso aufgenommen und welcher es warum nicht geschafft hat. Eigentlich müßten immer die Kontaktdaten des Aussuchers dabei stehen, damit man im Bedarfsfall wen zum Schimpfen hat.
Im Klappentext wird der Titel wie folgt angepriesen: “‘Unschuldige’ (1989) ist ein packender Krimi aus dem Frontstadt-Milieu des Kalten Krieges und zugleich eine ergreifende Liebesgeschichte.” Klarer Fall von Diegeschmäckersindverschieden. Wobei ich betonen möchte, dass ich guten Geschmack habe und weder gepackt noch ergriffen bin, wenn ein mittelalter weißer Mann säftelnde Vergewaltigungsphantasien von heranrückender Roter Armee und jungen Berlinerinnen breittritt und mit viel Freude eine Retraumatisierung 10 Jahre später ausführlichst schildert. Bää-äääh!
Einzig interessant ist die historische Tatsache, dass es den “Berliner Tunnel”, die sogenannte “Operation Gold”, eine gemeinsame gegen die russischen Alliierten gerichtete Abhöraktion von CIA und M16 wirklich gegeben hat. Wen’s interessiert, findet dazu sicher Fachliteratur. Den Roman zu lesen erspare man sich.
Die Frage, ob man bei mir schon vor Mittag anrufen dürfe, läßt darauf schließen, dass der Fragende mir einiges an Berufserfahrung als Ruheständler voraus hat.
(Mein Limit ist 10:00 Uhr. Aber es scheint, da geht noch was…)
Das Bauhoftheater ist auf der Suche nach einer neuen Heimat inzwischen in der Schloßscheune Ranshofen angekommen, einem historischen Gebäude mit einem sehr markanten offenen hölzernen Dachstuhl, mittelguter Akustik und interessanten massiven Trägersäulen, die erfolgreich die Sicht verstellen. Aber dafür witterungsunabhängig, im Gegensatz zum offenen Kirchplatz. Weil alles neu ist, hat die Crew dieses Jahr von einer großen Produktion abgesehen und stattdessen einen Einakter von Curt Goetz einstudiert, mit der einen oder anderen Anpassung an das Heute.
Ja. Hmmm. Es ist nicht einfach. Der Goetz’sche Humor ist schon sehr angestaubt und man merkt dem Stück, trotz der Einsprengsel von Simpsons über Pinky and the Brain bis hin zum allgegenwärtigen Trump an, dass es eigentlich ein Moralstück ist, das sich aus den Erfahrungen der beiden großen zerstörerischen Kriege des letzten Jahrhunderts nährt. Das ist ehrenwert. Keine Frage. Aber. Aber es ist, wie immer, wenn ganz große Wahr- und Weisheiten getragen gesprochen werden, auch a bissele fad. Nochmal: ehrenwert. Ganz arg gut gemeint. Aber länger als eine Stunde hätte es auch nicht dauern dürfen, mein Wohlwollen war schon vorher erschöpft.
Was der Leistung der Darstellerinnen und Darsteller (und aller, die im Hintergrund wirken) keinen Abbruch tut. Sie hatten die schwere Aufgabe, nicht Menschen, sondern Archetypen zu spielen. Für die beiden Sympathieträger, die “Fremden”, ein Forscherpaar, das einen SAGUWIL (“Satellit des Guten Willens”) in den Orbit schießen will, die allerleichteste Übung. Dita Sommerauer und Alex Morgenroth haben sichtlich Spaß an ihren Figuren und bringen wohltuend Leben in die Bude.
Die “Bude” ist eine Ansammlung drittklassiger Diplomaten, die im großen ganzen recht statisch auf der Bühne sitzen und ihre bedeutungsschwangeren Texte aufsagen. Hans Dzugan (wie immer außer Konkurrenz, hach!) als weiser Mann aus dem Morgenland, der immer zu allem noch eine Allegorie aufzusagen weiß, außerdem ganz herrlich und ideal besetzt, Gabriele Pointner als Repräsentantin der Alpenrepublik im Kostümchen und vielreihiger Perlenkette, deren diplomatischer Schwerpunkt Prosecco und Häppchen sind. Julia Empl vertritt China, Angie Harlander Rußland, Sarah Spermann die EU, Natalia Tiniou die UNO, Robert Ortner (neben Regie, Stückauswahl und Dramaturgie) gemeinsam mit seiner Vize Valerie Zach Großbritannien und Jakob Hirmer rumpelt und pöbelt so dermaßen, dass er unschwer als Gesandter der USA zu identifizieren ist.
Aber, und das ist, neben der Auswahl genau dieses Einakters mein größtes Aber: tut man sich wirklich einen Gefallen, im zweiten Viertel des dritten Millenniums rassistische Stereotype des vorigen Jahrhunderts zu bedienen? Die immer lächelnde Asisatin mit dem arg deutlichen Augenmake-up und dem seltsamen Akzent? Die russiche Apparatschik in Uniform und krachend steifen Bewegungen und der fast karikaturhaften slawischen Sprache. Der US-Rüpel, der für meine Generation klingt wie Chris Howland (fragt Oma) und die EU-Vertreterin, die nichts als ein kompliziertes Regelwerk vertritt – “fürs Protokoll”?
Nein, das hätte nicht sein müssen.
Wie gesagt, jede und jeder hat der Regie folgend gut gespielt. Aber wenn sich nicht eine einzige Figur entwicklen darf und die inhaltsschweren Sätze von der Bühne purzeln, ohne dass sie eingeordnet werden, dann fehlt schon was.
Wir freuen uns jetzt mal auf nächstes Jahr, wenn die Truppe sich im Haus und der neuen Technik und allen anderen Neuerungen soweit eingelebt hat, dass sie wieder mehr spielen und nicht nur aufsagen.