Wochenendzeitung

Früher ging das nur am Wochenende, aber inzwischen gehört zu meinem Jeden-Morgen-Ritual, die Süddeutsche Zeitung von der ersten bis zur letzten Seite zu studieren.

Dieses Wochenende lassen mich die Blattmacher allerdings rätseln. In einem Artikel über Robert Pattinson nennen sie den Schauspieler einmal (und nur dieses eine Mal) “Patterson”.

Sydney Sweeney wird (auch nur ein einziges Mal im gesamten Artikel) zu Sydney Sweety umgetauft.

Warum? Kann das Sommerloch eine Erklärung sein? Die urlaubsbedingte Abwesenheit der Kontrollinstanzen? Ein Troll (oder Trollin, meinethalben)? Oder will die Zeitung ihre Leserschaft geistig wach halten mit kleinen “Finde-den-Unterschied”-Aufgaben? Man weiß es nicht. Wüßte es aber schon gerne. Oder?

Bohnen auf den Ohren

Gar nicht mehr einkriegen kann sich meine Physiotherapeutin heute bei der Geschichte von ihrer Bauchtanzklasse, wo die Vortänzerin jüngst die besonders gute Leistung einer hüftschwingenden Kollegin mit einem Fleißbildchen belohnen wollte, diese aber, hungrig und harthörig, erwartete, dass ihr ein Fleischbällchen zugeworfen werden würde.

Wir haben die Idee weitergesponnen: dürfte meine Physiotherapeutin, eine überzeugte Vegetarierin, in diesem Szenario wohl alternativ einen Falafelregen erwarten?

Schön wäre das schon…

Üben! Üben! Üben!

Ich habe zugesagt, eine junge Nachwuchskraft im Personalwesen zu coachen. Heute hatten wir unser erstes Gespräch und wollten – gleich ein Praxisbeispiel – eine Stellenanzeige gestalten. Und nein, mein Kind, die KI holen wir erst dazu, wenn wir uns selber eine Vorlage ausgedacht haben, für die sie anschließend Optimierungsvorschläge machen kann.

Mademoiselle hat mich sehr mit folgenden Formulierungsvorschlägen erfreut: “Wir suchen jemanden, der außerhalb des Tellerrandes guckt” und, als Begleittext zum Wunsch nach einer Zusatzqualifikation, diese sei “das I-Tüpfelchen, das das Faß zum Überlaufen bringt”.

Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, selbst Claude hat ein Grinsen nicht unterdrücken können…

Verhörte Intelligenz

Gehen tut es in dem YouTube-Video um “golddigger”, also böse Menschen, die anderen Liebe vortäuschen, wo sie doch nur ihr Geld wollen.

Der Sprecher möchte nun herausfinden, war er tun müsse, um diesen Beruf zu ergreifen: “If I were to gold dig…” Ob die untertitelnde VI schon einen Schritt weiter oder ganz und gar doof ist, möge jeder für sich entscheiden. Sie transkribiert eiskalt: “cold dick”.

Ich bezweifle allerdings, dass dergleichen beim Gold graben hilft.

Gelesen: Michael Köhlmeier – “Zwei Herren am Strand”

Das ist ein ganz und gar außergewöhnliches Buch und ich danke Herrn P. aus W. sehr sehr herzlich fürs Empfehlen. Sehr sehr.

Ein Buch wie ein feines Tuch: Man stelle sich historische Personen und Ereignisse wie Kettfäden im Rahmen des Webstuhls gespannt vor, mögliche Realitäten und schiere Phantasterei bilden die Schußfäden, deren Farbe und Stärke und Richtung der Autor nach Gusto wechselt.

Dramatis personae sind die Herren Winston Churchill und Charlie Chaplin, beide von früher Jugend an von schwersten Depressionen gequält, Churchill pflegt diese “the black dog” zu nennen. Soweit, so belegt. Köhlmeier läßt diese beiden Herren nun einen Selbstmordpakt schließen. Nicht, um gemeinsam aus dem Leben zu scheiden, sondern um dem anderen beizustehen, wenn der schwarze Hund ihn zu überwältigen droht und ihn vom Suizid abzuhalten.

Man wundert sich beim Lesen eigentlich nur, warum der Weltgeist diese Leben und diese Freundschaft nicht genauso hat geschehen lassen und es dazu erst Köhlmeiers Phantasie und Sprachkunst bedurfte. Überhaupt, Sprachkunst. Es ist ein Buch wie dieses, das mich bedauern läßt, kein fotografisches Gedächtnis zu haben und wenigstens eine Auswahl dieser herrlich gedrechselten Sätze für die Ewigkeit dort zu verankern. Ja, wieder eine Metapher aus dem Handwerk – mühelos, wie sie jetzt auf dem Papier stehen, fühlt man, wieviel Ausprobieren und Arbeit darin steckt, dass sie dann genau so klingen, wie sie jetzt klingen.

Lesen! Lesen! Lesen! Und dabei Zeit lassen. Ich habe, glaube ich, insgesamt drei Zwischenbücher eingeschoben, damit es nicht so schnell vorbei ist und ich immer wieder ein, zwei Kapitelchen weiterlesen und die genußvoll nachklingen lassen konnte.

Danke im übrigen auch an den Hanser-Verlag, der das Buch wunderschön besorgt und dieses Gemälde für den Umschlag gefunden hat:

Früher war alles besser

Früher war nämlich ein paar Gehminuten von meiner Wohnung weg ein Restaurant, das im frühen Herbst eine eigene Karte mit Pfifferling-Gerichten hatte. Mit Nudeln oder mit Fleisch oder mit Fisch oder mit Reis oder Polenta oder nur mit Brot oder mit anders geformten Nudeln und jede Zubereitung in einer ganz eigenen Schreibweise (in ca. 20 Varianten). Geblieben ist uns, der Freundin, mit der ich dort damals immer geschlemmt habe, und mir unser Liebling: die “Pfinferlinge”.

Bloß: heutzutage müssen wir sie selbst kochen. Und während die Piffenlinge gerade in der fröhlich vor sich hinbrutzeln, habe ich Zeit, den blopost zu schreiben.

Und nachher gibt es Peifeling-Pfannkuchen. Hmmm.