Viel besser gehts nicht! “Cabaret” ist zu meiner Überraschung schon gut über fuffzich und noch so jung und morgenfrisch wie ehedem. Alle verfügbaren Hüte ab! Echt jetzt!
Liza Minnellis Sally Bowles ist ein kleines akrobatisches Persönchen mit einer riesengroßen Stimme und als Figur extrem versatil, alles, vom großäugigen kleinen Mädchen mit einem großen Traum bis zur zynischen Großstadtpflanze, die halt tut, was sie tun muss, um zu überleben – und alles dazwischen. Besser hätte man diese Rolle nicht besetzen können.
Überhaupt, dieses Jahr soll er ja endlich kommen, der Oscar fürs Casting – dabei wäre er schon damals mehr als verdient gewesen. Ich hätte ja beinahe vergessen, dass Fritz Wepper mal was anderes getan hat, als den Wagen zu holen (fragt Oma) oder wie unwahrscheinlich schön der junge Helmut Griem war und wie schnuckelig der sehr junge Michael York. Ganz und gar außergewöhnlich ist Joel Grey, der stark geschminkte Zeremonienmeister, an den sich wahrscheinlich alle von seinem Eröffnungsauftritt im KitKat-Club mit “Willkommen-Bienvenue-Welcome” erinnern. Ich habe jetzt erst verstanden, wie diabolisch-mephistophelisch die Rolle angelegt ist.
Der Film basiert auf einem Broadway-Musical, das auf den autobiographischen Geschichten von Christopher Isherwood basiert und hat von all dem das beste mitgenommen. Worum es geht? Zusammengefaßt um die Schicksale aller Sorten Menschen aus Sub- und Hochkultur in ein paar Monaten im Jahr 1931 in Babylon Berlin, während die Nationalsozialisten aufsteigen. Zunehmend lauter. Er hat insgesamt acht Oscars bekommen, nur nicht den für den besten Film. (Ist aber auch kein Wunder, wenn man gegen “The Godfather” antreten muss.)
Unbedingt einmal wieder anschauen, anschauen, anschauen und sich überraschen lassen. Unbedingt!
In “The Producers” sind noch älter, aber wirklich gut gehalten und immer noch sehr lustig. Der Produzent Max Bialystock (Zero Mostel) und sein zurückhaltender Buchhalter (Gene Wilder) wollen den ganz großen Coup landen. Viel Geld einsammeln und eine sehr sehr schreckliche billige Broadway-Show produzieren, die ganz sicher durchfällt, maximal eine Vorstellung, und dann mit dem restlichen Geld durchbrennen. “Springtime for Hitler” also.
Ist auch schrecklicher, als es gerade noch möglich scheint. Man möchte eigentlich alle paar Sekunden anhalten, um nichts von dem zu verpassen, was sich Mel Brooks ausgedacht hat. Vom Bierschaum-Mieder bis zum Eisernes-Kreuz-Nippel-Schutz… wer nicht so genau hinguckt, wähnt sich in einem Bayern auf Speed. Wer genau hinguckt, auch. Leider geht sein Plan nicht auf. Weil sein Publikum gar so gebildet ist, halten sie die Show für Satire und sie wird ein Erfolg – und nun hat der arme Bialystock erst recht ein Problem…
Auch unbedingt noch einmal anschauen, anschauen, anschauen!
Kostprobe gefällig?

