Ab in die Sonne!

Ich habe diese Temperaturen hier so recht von Herzen satt und will weg. Sonne, Meer, Umm Ali.

Gleich das erste Hotel, das ich mir anschaue, kommt mit dieser Empfehlung:

Ob ich wirklich noch weitersuchen soll? Ich meine, wenn Hannelore das sagt? (Helmuts Frau kann nur Hannelore heißen. Oder Uschi.)

Der Feind meines Feindes ist mein Freund

Während man nicht jünger wird, wird die Erinnerung an die Zeit, in der man mal jünger war, wieder klarer.

So, nach dieser Binsenweisheit zum eigentlichen Thema, dem Häher.

Häh? Man lasse mich ausholen: Es begab sich zu einer Zeit, als die Hausaufgabe über die Weihnachtsferien darin bestand, einen bebilderten Aufsatz (fragt Oma) zum Thema “Wer kommt zum Vogelhäuschen?” zu erstellen. Damals, in den dunklen smartphonelosen Tagen (fragt Oma), bedeutete “Bebilderung” das Anfertigen eigener Zeichnungen per Hand (fragt Oma) mit Farbstiften (fragt Oma). Hinzukamen kurze Berichte über jeden Vogel mit Füller in Schreibschrift (fragt Oma) auf vorher mit Bleistift und Lineal (fragt Oma) sorgfältig gezogenen Linien, die, wenn die Tinte trocken war (fragt Oma) wieder ausradiert (fragt Oma) wurden. Die einzelnen Blätter wurden gelocht (fragt Oma) und in einen Schnellhefter geheftet (fragt Oma) und mit nicht geringem Stolz bei Fräulein (fragt Oma) Gebhardt mit dem schwarzen Dutt abgegeben.

In der Stunde, in der die benoteten (fragt Oma) Arbeiten zurückgegeben wurden, schleppte Fräulein Gebhardt ein schweres Tonbandgerät (fragt Oma) in den Raum. Die Schülerinnen und Schüler, die in ihren Augen das beste Bild des entsprechenden Vogels gemalt hatten, durften nach vorne kommen und es der ganzen Klasse zeigen und Fräulein Gebhardt spielte dazu eine Aufnahme des dazugehörigen Vogelgesangs.

Deswegen weiß ich, dass der Brüllvogel, der mich heute aus dem Schlaf gelärmt hat, ein Häher war. Ich kann nur hoffen, dass er sich, gerne mit Familie, hier im Innenhof ansiedelt. Wenn schon sonst nichts hilft: ein ordentlicher Raubvogel dürfte den Paloma-Kack-Geschwadern Einhalt gebieten.

Ko-omm, Häher, Häher. Ko-omm!

Gelesen: Stephen Fry – “Troy; The Greatest Story Retold”

Hach!

Sir Stephen versteht sich darauf, eine uralte Geschichte so neu und frisch und mit einem (vielen) sehr liebenswerten Augenzwinkern zu erzählen – ein Hochgenuß!

Es ist egal, wie man sich der Geschichte nähert, selbst lesen oder vorlesen oder, noch besser, vorlesen zu lassen. Vorzugsweise vom Meister selbst – merk ich mir für den nächsten Winter. Bis dahin kann, wer mag, mein Exemplar entleihen und ebensoviel Freude haben wie ich.

Lesen! Lesen! Lesen!

Das Wort zum Wochenende

Zwischen Mit-vollen-Wäschekörben-in-den-Keller-laufen und Warten-bis-es-Zeit-ist-die-nächste-Maschine-zu-befüllen hatte ich mir die Eröffnungsmonologe der wichtigsten US-Late-Night-Shows in jeweils neue Tabs geladen. Das sieht dann so aus und ist in sich schon deprimierend.

Noch schlimmer ist aber, das ich die nämliche Ansicht schon vor viel zu wenigen Tagen schon einmal hatte, und die Idee für einen blogpost keimte, aber dann war das Internet schon wieder weiter und die Ansicht perdu. Ich hab mich einen Moment lang geärgert, dann aber mit dem Gedanken trösten können, dass es nicht lang dauern kann, bis es wieder soweit ist. (Man denke: das gildet heutzutage als Trost, aarrrgghhh!)

QED.

Aus dem Vokabelheft

Sie werde, sagt die aus Kroatien stammende Freundin, demnächst umziehen. In eine “Blindstrasse”. “Wohin?”, frage ich und bekomme erklärt, dass die Straße an einem Park endet.

Und dann freuen wir uns beide, dass unsere Sprachen so kreativ sind und inhaltlich ja kein großer Unterschied zwischen “Sack” und “blind” ist. Nämlich.

Wiedergelesen: Joe Henderson (Autor), Lee Garbett (Artist) – “Skyward”

Wahrscheinlich ist die eigentliche Zielgruppe für diesen dreibändigen Comic ein halbes Jahrhundert jünger als ich. (Boaah, wenn ich das so ausgeschrieben sehe, läuft es mir sehr eiskalt den Rücken herunter…) Aber das macht nichts. Denn die Ausgangsidee, was wäre wenn es auf einmal keine Schwerkraft mehr gäbe, kein automatisches “Was-oben-ist-fällt-nach-unten” ist ein ganz großartiges Gedankenexperiment, das Henderson und Garbett sprachlich wie graphisch ausgesprochen gelungen umsetzen.

Wer junge Menschen um sich hat, gebe ihnen die Bücher zu lesen und schaue auch selbst hinein. Ich verspreche: es wird euer Schaden nicht sein.

Bleib stark, Paloma

Drunten in der Passage werben zur Zeit Täuberiche, während sie mit breit aufgefächertem Schwanzgefieder aufgeregt herumhüpfen, in den höchsten Tönen gurrend um die Gunst von Taubendamen. Soweit ich sehen kann, versuchen die so Bebalzten, diesen testosterongeladenen Monstern zu entkommen, wobei ich nicht sicher bin, wie ernst sie es meinen, denn sie unternehmen diese Fluchtversuche zu Fuß.

Mann, Mädels, ihr habt Flügel! Wenn ihr wirklich wolltet, genügte einmal auffliegen – und fort. Jetzt mal im Ernst: Wollt ihr euch das wirklich antun? Nest bauen, Eier legen, Eier ausbrüten, Brutfutter besorgen und so weiter? Nicht zu sprechen von den Menschen, insbesondere mir, die euch inzwischen aus voller Seele hassen und alles tun werden, euch von ihrer Wohnstatt (vulgo: mein Balkon) fernzuhalten.

In diesem Sinne: Bleib stark, Paloma! Such dir ein Hobby.

Aus der Rentnerei: Freizeitgestaltung

Ein Mittwochennachmittag an einem kalten Tag Anfang Februar. Wir betreten einen wohltemperierten Raum, schon gut gefüllt mit Frauen mit hellem Haar, die alle hierhergekommen sind, um Spaß zu haben.

Und den haben sie (und wir). Weil wir alle fast zweieinhalb Stunden an den Leiden (und Freuden) des jungen Joachim Meyerhoff (Bruno Alexander, ganz arg süß und glaubhaft) Anteil nehmen, der sich nach dem Unfalltod seines Bruders entschließt, auf der Münchner Falckenberg-Schule die Schauspielerei zu erlernen. Und weil München schon damals keinen Raum für Menschen in eher prekären Umständen hatte, zu Oma und Opa (Senta Berger und Michael Wittenborn, hach!) in deren Nymphenburger Villa zieht und umstandslos in deren Rituale absorbiert wird. Schließlich reicht es meist, noch ein weiteres Glas mit guten Getränken zu füllen.

Der Film ist liebenswert und unterhaltsam, hält eine gute Balance zwischen lustig und traurig und er entläßt einen, wie die Freundin, die mich freundlicherweise mitgenommen hat, so sehr zu recht sagt, mit einem Lächeln auf dem Gesicht.

Die eigentliche Überschrift zu diesem blogpost lautet natürlich:
Ganz neu im Kino: “Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke”

Aber hätte ja sein können, dass sich der eine oder die andere aus der geneigten Leserschaft für mich auch noch was anderes hätte ausmalen können… Nächstes Mal dann.

Neu zum Strömen: The Night Manager, 2. Staffel

Hmmm. Ja. Also, die erste war besser. Diese zweite jetzt ist, bei aller breitgetretener Gewalt, hinterlistigen Spionen, bösen Verschwörungen, einer sehr volllippigen (doch, in diesem Viel-Botox-Fall sind 3 L nicht genug) Vielfachverräterin (Camila Morrone), einem frühkindtraumatisierten Latinobuben mit Anger Issues (Diego Calva), Verfolgungsjagden mit allem, was einen lauten Motor hat und Locations rund um den Globus stellenweise arg gefühlig geraten. Und obwohl ich Tom Hiddleston (Held) und Hugh Laurie (Schurke) sehr mag, fand ich ersteren keinen Sympathieträger mehr und letzteren zu böse, ohne Zwischentöne, was eindeutig am insgesamt recht dünnen Buch liegt. Bei Olivia Colman, die im ersten Teil, zunehmend schwangerer, eine Glanzleistung hingelegt hatte, reicht es dieses Mal nur für ein paar ganz kurze Auftrittchen und die hätte sie auch per Telefon erledigen können. Spielen mußte sie den Scheiß nicht. (Achtung, Spoiler! Sie wird in der schon bestätigten dritten Staffel nicht mehr dabei sein, es sei denn, sie drehten einen Zombiefilm…)

Die Geschehnisse sollen ca. sechs Jahre auseinanderliegen, aber die Hauptdarsteller sehen alle aus, als hätte eine entsetzliche Hungerkatastrophe sie vorschnell altern lassen. Ist das der Ozempic-Effekt auf die Schauspielbranche? Schön ist es nicht.

Ich glaub, ich schau mir lieber bei Gelegenheit die erste Staffel (s. https://flockblog.de/?p=50594) noch mal an und ignoriere diese zweite.

Ach Algorithmus

Die Presse überschlägt sich heute mit Skandalmeldungen über das norwegische Königshaus. Die Kronprinzessin war viel zu eng mit Jeffrey Epstein, ihr Sohn steht wegen Sexualdelikten vor Gericht und ist gerade schon wieder wegen anderer Schandtaten verhaftet worden. Halb so schlimm, findet der Algorithmus und blendet mitten im Artikel seine Position zu Norwegen ein:

Ich hab ja mal in einem Start-up gearbeitet, das auf kontextuelle Texterkennung spezialisiert war, aber bei dem kaufen diese Werbetreibenden offensichtlich nicht ein.