Wiedergelesen: Paolo Bacigalupi – “Drowned Cities”

Ich kann gar nicht oft genug sagen, wie augenöffnend es ist, Bacigalupis dystopische Science Fiction zu lesen. Warum? Seitdem ich ihn entdeckt und jedes seiner Bücher gleich nachdem sie erschienen waren verschlungen habe, sind wir der von ihm beschriebenen Zukunft immer nur näher gekommen und haben nichts oder allenfalls viel zu wenig getan, um sie aufzuhalten. Dabei, und das zeigt er deutlich auf, hätte man es wissen können.

Die “Drowned Cities” spielen in einer Zeit, in der fossile Energiequellen bis auf den letzten Tropfen ausgeplündert sind und ein paar wenige fanatische Anführer zur Befriedigung ihrer Gier (und vorgeblich hehrer Ideale) ihre zu absoluter Grausamkeit gedrillten Kinderarmeen gegeneinander und vor allem gegen die restliche verbliebene Zivilbevölkerung, die unter den extrem verschlechterten Bedingungen (Klima, verseuchte Böden und Luft, Epidemien…) einfach nur zu überleben versucht, antreten lassen.

Bacigalupi ist ein meisterhafter Autor, und wir verstehen erst so nach und nach beim Lesen, dass, als die große Weltmacht USA wegen ihrer Gier und Ignoranz implodiert war, die wegen Voraussicht und sorgsamer Planung Dann-Weltmacht China Friedenstruppen entsandt – und nach einer Dekade wegen Erfolglosigkeit wieder abgezogen hatte. Nun werden wir Zeugen des letzten Kampfes um den weißen Palast mit der Kuppel gleich am Potomac River. Inzwischen sehr vorstellbar. Bacigalupi sagt selbst, er habe deswegen mit dem Thema Science Fiction aufhören müssen und sich der Fantasy zugewant (s. https://www.youtube.com/shorts/W6kzp7zFDc0). Wer auch eher lieber Weltenflucht sucht, dem sei sein Fantasy-Roman “Navola” (https://flockblog.de/?p=50081) sehr ans Herz gelegt.

Wer hart im Nehmen ist, lese! lese! lese! seine Dystopien.

Vorhin, auf der Wiese im Park

Eine ältere Dame unterweist eine jüngere im Zupfen und späterer Zubereitung von zarten Frühlingsblättchen und vergewissert sich (mit perfektem Imperfekt, hach!) “… und du hast gesehen, welches Kraut ich nahm?” Antwort: “Ja, das grüne.”

Ich denke, ich ließe mir meine Mahlzeiten lieber von der erfahrenen Kraft kochen.

Schlechte-Wortspiel-Kasse

Bloß weil ich die Kolumne ein wenig vernachlässigt habe, heißt es nicht, dass weniger Sprachmißhandler unterwegs sind da draußen. Im Gegenteil.

Da.

Dafür sind Freundinnen da

Wenn Männer Ball spielen, habe ich im Allgemeinen keine Ahnung davon. Selbst dann nicht, wenn Champions-League-Finale ist. Es sei denn, das Spiel endet auch nach Verlängerung unentschieden und Elfmeterschießen steht an.

Dann ist alles anders, weil dann trifft um 20:46 Uhr die Nachricht ein: “Championsleaguefinale Paris St. Germain gegen Arsenal. Elfmeterschießen jetzt.” Mit genauer Angabe zum Austragungsort (Budapest) sowie Information zum Spielverlauf: “PSG ist technisch haushoch überlegen, aber Arsenal hat gekämpft.” Schon schnappe ich das Tablett, finde, dass das Spiel im ZDF übertragen wird und bin rechtzeitig dabei, wenn auf dem großen leeren Spielfeld die Spielergrüppchen sich zusammenfinden, das Tor bestimmt und die Münze für den ersten Strafstoß geworfen wird.

Mein Dank gilt Frau R. aus M., die an mich und meine Freude am Elfmeterschießen denkt, selbst wenn sie weit fort hinter den sieben Bergen weilt. Schee wars, auch wenn “unser” Underdog verloren hat.

Gutes Omen

Heute bin ich mit dem Wordle schneller als das Kaffeewasser kocht.

Das wird bestimmt ein toller Tag!

Wiedergelesen: Christopher Sebela (Autor) und Ro Stein, Ted Brandt (Artists) – “Crowded”

Die Geschichte spielt in einer nicht mehr allzuweit entfernten Zukunft, in der sich die Heldin mit umpfzig kleinen Jobs über Wasser hält (Gig-Economy), Autos selbst fahren, die Überwachung total und der größte Luxus eine Wohnung in einer Anlage namens “Tabula Rasa” ist, die vollkommene Privatheit garantiert.

Auf Charlie, eine ganz gewöhnliche junge Frau, ist ein Kopfgeld ausgesetzt worden, auf einer App namens “Reapr” (“The Reaper” ist auf deutsch der Sensenmann). In den nächsten 30 Tagen ist sie Freiwild, wer kann und mag darf sie umbringen und die Belohnung kassieren. Sie heuert auf einer anderen App “Dfend” (“Defender” = Verteidiger) eine Bodyguard an, Vita. Beider Leben wird dadurch erschwert, dass die Prämie sekündlich höher wird.

Ich mag diesen dreibändigen Comic sehr sehr gern. Er ist schnell, in satten Farben dem Tempo der Geschichte entsprechend gezeichnet, mit Verfolgungsjagden und Schießereien und Messergemetzeln, hält aber auch immer wieder inne und läßt die Protagonistinnen zur Besinnung kommen, sich (und andere) hinterfragen oder, in seltenen Momenten, auch mal Spaß haben. Und man fragt sich als Leserin immer wieder, ob das die Art Zukunft ist, in der man gerne leben möchte…

Wenn man’s mal nicht an den See geschafft hat, die ideale Lektüre für einen Lesenachmittag auf dem Balkon.

Lesen! Lesen! Lesen!

Seid fruchtbar und mehret euch

Offensichtlich sind die Anstaltstauben an einem milden Sommerabend wie heute besonders bibelfest und befolgen die göttlichen Weisungen des ersten Buch Mose.

Und wie! Mit lautem Gruruhjuhu, wildem Flügelflattern – und in Kleingruppen, nicht unter sechs, sieben vögelnden Vögeln (der mußte sein, sorry).

Wie es ausgerechnet diese Vogelart zum Modell für Monogamie geschafft hat? Keine Ahnung. Aber super Marketing, Hut ab.

Fehlzündung

Er sei, erzählt einer der Teilnehmer an der heutigen Telefonkonferenz gerade erst wieder genesen. Vom Drüserschen Pfeifenfieber. Werte Damen und Herren Pschyrembelredaktion: ist das nicht eine ausgesprochen schöne neue Krankheit, die unbedingt in Ihr Nachschlagewerk aufgenommen werden sollte?

Ich habe so ein Bild vor Augen von einem Kranken in einem altmodischen gestreiften Schlafanzug, gut zugedeckt in sein Kissen gedrückt, mit dick geschwollenen Backen, die die Augen ganz klein machen, die Lippen spitz zusammenquetschen und jeden Atemzug zum Tirili machen.

So ungefähr:

Summertime

… und wieder eine Aufgabe als erledigt abgehakt: erster Biergartenbesuch des Sommers absolviert. Mit Spareribs und allem.

Den ganzen Nachmittag unter einer schattigen Kastanie verbummeln und weggehen, wenn es anfängt voll zu werden. Mann, ist das Rentnerleben schön!