Ich kann gar nicht oft genug sagen, wie augenöffnend es ist, Bacigalupis dystopische Science Fiction zu lesen. Warum? Seitdem ich ihn entdeckt und jedes seiner Bücher gleich nachdem sie erschienen waren verschlungen habe, sind wir der von ihm beschriebenen Zukunft immer nur näher gekommen und haben nichts oder allenfalls viel zu wenig getan, um sie aufzuhalten. Dabei, und das zeigt er deutlich auf, hätte man es wissen können.
Die “Drowned Cities” spielen in einer Zeit, in der fossile Energiequellen bis auf den letzten Tropfen ausgeplündert sind und ein paar wenige fanatische Anführer zur Befriedigung ihrer Gier (und vorgeblich hehrer Ideale) ihre zu absoluter Grausamkeit gedrillten Kinderarmeen gegeneinander und vor allem gegen die restliche verbliebene Zivilbevölkerung, die unter den extrem verschlechterten Bedingungen (Klima, verseuchte Böden und Luft, Epidemien…) einfach nur zu überleben versucht, antreten lassen.
Bacigalupi ist ein meisterhafter Autor, und wir verstehen erst so nach und nach beim Lesen, dass, als die große Weltmacht USA wegen ihrer Gier und Ignoranz implodiert war, die wegen Voraussicht und sorgsamer Planung Dann-Weltmacht China Friedenstruppen entsandt – und nach einer Dekade wegen Erfolglosigkeit wieder abgezogen hatte. Nun werden wir Zeugen des letzten Kampfes um den weißen Palast mit der Kuppel gleich am Potomac River. Inzwischen sehr vorstellbar. Bacigalupi sagt selbst, er habe deswegen mit dem Thema Science Fiction aufhören müssen und sich der Fantasy zugewant (s. https://www.youtube.com/shorts/W6kzp7zFDc0). Wer auch eher lieber Weltenflucht sucht, dem sei sein Fantasy-Roman “Navola” (https://flockblog.de/?p=50081) sehr ans Herz gelegt.
Wer hart im Nehmen ist, lese! lese! lese! seine Dystopien.