Gelesen: Ferdia Lennon – “Glorious Exploits”

Eine Handvoll Oliven? Brot? Käse? Gar Wein? Aber nur, wenn der hungrige gefangene Athener unter der brütenden Sonne im Steinbruch bei Syrakus aus Euripides’ Stücken zitiert. Vorzugsweise Medea, aber auch die Troerinnen wären recht.

Lennon siedelt seinen, ich nenne es mal Schelmenroman im Jahre 412 v. Chr. auf Sizilien an. Ich-Erzähler ist der Strizzi und Hallodri sowie arbeitslose Töpfer Lampo, der mit seinem Sandkastenfreund Gelon, einem Träumer und Theaterliebhaber, irgendwie auch den nächsten Tag wieder überlebt und die sich, wenn ein bißchen Geld übrigbleibt, einen Jux daraus machen, in den Steinbruch zu gehen und Kriegsgefangene zu trietzen.

Bis sie auf die Idee kommen, ernsthaft eine Aufführung zu planen. Mit Chor, Kostümen und Masken. Für Publikum. Mit interessantem Ausgang. (Ich will nichts verraten, daher der nichtssagende Begriff “interessant”.)

Ein großer Reiz des Buches liegt darin, dass die Sprache, in der Lampo erzählt, für unsere Ohren zeitgenössisch klingt, man hört sie so heute auf den Straßen Dublins und sie paßt zu dem halbseidenen Kerl und seiner Mannwerdung wie die Faust aufs Auge. Kompliment zu diesem gelungenen Erstling!

Lesen! Lesen! Lesen!

Wie meine, ZEIT?

“Jenseits” (klein geschrieben) ist eine Präposition und wird als Ortsangabe verwendet, für “auf der anderen Seite” oder “hinter”. Einen solchermaßen angebrachten Schutzmechanismus stelle ich mir beim Radeln kompliziert vor. Könnte es sein, dass ihr “darüber hinaus” sagen wolltet und der Korrektor das nicht mehr richtigstellen kann, weil eingespart?

Gestern Abend in der Unterfahrt: “Guido May Groove Extravaganza – African Night mit Biboul Darouiche”

Mich kann man ja so leicht glücklich machen: beste Plätze in der ersten Reihe mit unverstelltem Blick auf 3 (drei) Schlagwerke und beim Konzert die Füße auf dem Bühnenrand abstellen und den Groove nicht nur hören und sehen, sondern mit dem ganzen Körper fühlen. Ganzsehrviele Hachs! Und noch ganzsehrviele mehr!

Mei, war das ein schönes Konzert. Der sowieso schon Ausnahmeschlagzeuger Guido May hatte sich für das erste Konzert der diesjährigen “Munich Summer Jazz Weeks” vier sagenhaft großartige Kollegen eingeladen. Biboul Darouiche, langjähriger Mitspieler bei Klaus Doldingers Passport an den/der (?) Percussion sowie allem anderen, was den Rhythmus befeuert (einen Neunachteltakt muss man erst mal spielen wollen und können) – und sehr schön singen kann er auch; Multitalent Flo Sagner, Percussion und Trompete und beides im so schnell fließenden Wechsel, dass das eine noch nicht ganz ausgeklungen ist, wenn er mit dem anderen schon loslegt; am Piano der wahnsinnig junge Theo Kollross, der aussieht wie ein erschreckter Chorknabe und spielt wie ein schon ganz Alter (und auch ein paar Drum Sticks am Piano hat, um bei Bedarf beim Groove mitzuhelfen, Hach!) und last but very much not least der sehr coole (Selbstbeschreibung) Baseman Igor Kljujic.

Wow! Was für eine Formation! Die Unterfahrt hat von den ersten Takten an gekocht, was die Musiker an Spielfreude und Können an den Tag legten, gab das Publikum in Begeisterungsstürmen zurück, und der Groove! Der Groove! Mega-Hach!

So ein tolles Konzert! Hatte ich schon erwähnt, dass ich in der ersten Reihe quasi mitten im Schlagwerk saß? Hach!

Und nun zum Verkehr

Seitdem ich auf Schienenersatzverkehr angewiesen bin, um irgendwie von daheim in die Stadt und wieder zurückzukommen, häufen sich die unerwarteten kleinen Kalamitäten. Der Bus steht im Stau oder ein Depp parkt so dumm, dass keiner, schon gar nicht mein Bus, an ihm vorbeikommt oder auf der Ausweichstrecke wurde spontan eine Baustelle gegraben oder noch eine oder zwei oder es ist Stau wegen Ferienanfang oder Montagmorgen oder Freitagnachmittag oder Vollmond oder, das passiert oft genug, dem Bus ist das auch alles zu doof, und er kummt ned, kummt ned (fragt Oma). Es ist ein Kreuz.

Ganz ganz selten passieren ganz ganz unverhoffte Glücksmomente, so wie gestern Abend. Ich frage die App, wie ich am besten heimkomme, und warte in der U-Bahn-Station auf die U-Bahn, die mich zum SEV-Bus bringen soll. Die U-Bahn scheint verspätet zu sein und der bis dato recht zivile Vorschlag mit nur zwei Mal Umsteigen verschwindet aus der App und wird durch nachfolgend drei weitere ersetzt mit jeweils mindestens vier Umstiegen. Oh Mann!

Halloho, das Konzert war lang, es ist spät und ich müßte auch mal… Ah, da kommt die U-Bahn. Dann geschieht, was ich nur als Fügung überirdischer Gewalten interpretieren kann. Die U-Bahn zu spät. Die Rolltreppe kaputt. Als ich, genervt und außer Atem, an der Bushaltestelle eintreffe, ist die Anzeige, wie es denn nun weitergehen soll, kaputt. Dafür fährt aber gerade der verspätete Bus vor. Okay, nehm ich. Steige an der nächsten Umsteigehaltestelle aus und zum Bahnsteig ab, da fährt die ebenfalls verspätete U-Bahn gerade ein.

Das ganze Unternehmen hat mit zwei Mal Umsteigen gerade mal 10 Minuten länger gedauert als unter normalen Verhältnissen. Werte Herren und Damen MVG-Disponenten: wollt ihr euch das nicht mal anschauen und eventuell auf den SEV-Fahrplan anwenden? Hmmm?

In eigener Sache II

Ich mußte noch nicht mal einmal schlafen, da hatte der Inglorious flockblog-Administrator die Angelegenheit schon gelöst und den flockblog wieder sicher gemacht.

Ganz großes Riesen-Danke, mein Beschder!

Gelesen: Michael Niavarani – “Romeo & Julia: Die höchst beklagenswerte und gänzlich unbekannte Ehetragödie: Ohne Tod kein Happy End (sehr lang nach William Shakespeare)”

Nachdem ich soviel Freude am “Sommernachtstraum” in Brixen hatte (was jetzt natürlich nicht nur, aber schon auch ein bissele am Bardenbearbeiter Niavarani liegt), wollte ich doch einmal sehen, wie sich seine anderen Shakespearenacherzählungen daran messen lassen.

Erst einmal: Hut ab. Niavarani kennt seinen Shakespeare und bedient sich in “Romeo und Julia” an Versatzstücken aus mehreren seiner Dramen. Mir als Afficionada macht es großen Spaß, herauszudeuteln, woher er DAS nun wieder hat… Geht übrigens bis zum Faust. (Ja, ich weiß selber, dass der nicht von Shakespeare ist.)

Das sehr liebevoll besorgte Buch aus dem Schultz & Schirm-Verlag ist eine helle Freude und mit hinreichend Phantasie ist Schwarz-auf-Weiß-gedruckt fast ebenso schön wie eine Aufführung im Theater.

Lesen! Lesen! Lesen!

In eigener Sache

Seit gestern dürfte bei der flockblog-Leserschaft die Nachricht aufpoppen, der flockblog sei nicht sicher, und man solle die Finger davon lassen. Nicht wahr! Damit sowas eben nicht mehr passiert, hatte ich letztes Jahr um diese Zeit eigens ein SSL-Zertifikat erworben und, weil die Dinger immer nur ein Jahr lang gültig sind, 14 Tage vor Ablauf des aktuellen unter der persönlichen Anleitung und Aufsicht des Inglorious flockblog-Administrators ein neues gekauft und in den Untiefen des flockblog hinterlegt. Das hätte es gewesen sein sollen.

War’s aber wohl nicht. Ärgerlitsch. Aber verzaget nicht: der Inglorious flockblog-Administrator ist informiert und hat zugesagt, sich heute noch des Problems anzunehmen. Der kann sowas.

Ich gehe davon aus, dass, wenn ich morgen früh aufwache, alles wieder gut ist.

Ich hätte da mal eine Frage

Mit meinem Gedächtnis bin ich an sich recht zufrieden. Ich kann viele Gedichte und ganze Passagen aus Theaterstücken auswendig, bringe vom Einkaufen mit, was auf dem auf dem Küchentisch verbliebenen Zettel steht, erinnere mich an Geburtstage und andere historische Daten und Ereignisse. Außerdem hat mich eine Laune der Natur damit beschenkt, dass sich Lieder und deren Texte, auch wenn ich sie nur mehrfach irgendwo im Hintergrund gehört habe, mühelos in mein Gehirn einbrennen und dort verbleiben. Mir tun, wie schon mehrfach erwähnt, meine zukünftigen Mitinsassen im Altersheim bereits im Voraus sehr leid.

Aber eigentlich will ich über etwas anderes sprechen, über das ich mir heute Nacht erfolglos ebendieses schlagertextfeste Hirn zerbrochen habe. Bei mir standen alle Türen und Fenster weit offen, mich fror und ich mußte mir eine Extradecke holen. Ich weiß genau, dass es erst neulich glühend heiß war, aber ich kann mich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, wie sich das anfühlte.

Möglicherweise ist es mit der Erinnerung an erfahrene Temperatur ähnlich wie mit der Erinnerung an Schmerz. Man weiß, dass man ihn empfunden hat, auch dass er schlimm oder weniger schlimm war, kann das Sentiment aber nicht reproduzieren.

Weiß das wer besser und kann es mir erklären?