MLK

Heute ist Martin-Luther-King-Jr.-Day und Präsident Obama hat diesen Federal Holiday sicher nicht zufällig als Tag seiner öffentlichen Inaugurations-Feierlichkeiten für die zweite Amtszeit gewählt.

Dr. King, “The Good Doctor”, ist eine nationale Ikone. Witze machen ist selbstverständlich verboten. Oder?

http://bit.ly/bdsuGT

Jeder Tag ist Feiertag

Wie ich auf diesen Schwachsinn komme? Tue ich gar nicht, ich zitiere nur.

Es war nämlich so: laut Anzeigetafel war dieser Tage in der Schule in Tonis Straße wg. “Milk Day” schulfrei. Habe ich sofort geschlossen, daß Harvey Milks Leben und Werk zelebriert werden. Schließlich wohnt man nicht in der Nähe von San Francisco und hat sich mit der Historie der Stadt beschäftigt, um nicht sofort zu erkennen, daß hier ein Mann geehrt wird, der sich für die Bürgerrechte von Schwulen einsetzte und dafür ermordet wurde (s. Sean Penn in “Milk” (2008). Weit gefehlt. Am 11. Januar wird das Getränk gefeiert. Harvey ist erst am 22. Mai, seinem Geburtstag, dran.

Ich werde in loser Folge die jeweils schwachsinnigsten Feiertage hier im Blog veröffentlichen. Man glaube mir, nix ist so blöd, als daß es nicht ein Grund zum Feiern wäre…

Volkes Stimme

Am 22. September 2011 hatte die Obama Administration ihre “We The People” website gelaunched ( http://1.usa.gov/P3H8fz), ein Instrument für mehr Bürgerbeteiligung in der Politik. Ursprünglich hatte jeder, dem es gelingt, binnen 30 Tagen 5000 Unterschriften zur Unterstützung für sein Begehren aufzubringen, Anspruch auf eine Antwort von der Regierung. Die Schwelle wurde wegen extrem starker Nachfrage schon am 3. Oktober 2011 (!) auf  25.000 Unterschriften angehoben und erst neulich noch einmal auf 100.000.

Die Petitionen reichen von der Forderung nach dem Bier-Rezept des Weißen Hauses über Tierschutz (“Army No Longer Using Monkeys as Part of Training at Aberdeen Proving Ground”, “Humane Care and Management of America’s Wild Horses and Burros”) und mikrokosmischen Nachbarschaftsstreitigkeiten über die Austretgewohnheiten des Hundes von gegenüber bis zum Makrokosmos (gebt endlich zu, daß E.T. längst unter uns wohnt bwz. baut einen Todesstern, damit wir ihn uns vom Leibe halten können) sowie den üblichen Themen: Waffen (Hände weg vom 2nd Amendment), Sex, Geld (Steuern, Wall Street) und Religion. Letztere teilweise in einer so dermaßen haßgeprägten Sprache, daß es mir die Zehennägel aufrollt.

Wenn man sich das in seiner Fülle eine halbe Stunde lang durchliest (was ich eben getan habe), dann kann man nur zu dem Schluß kommen, daß Brecht unrecht hatte: das Volk ist ganz offensichtlich doch tümlich.

Die perfekte Welle

Mavericks sind bis zu 25m hohe Wellen, ein Phänomen, das man nach schweren Winterstürmen in Nordkalifornien in Princeton-By-The-Sea, gleich ums Eck von Halfmoon Bay, beobachten und reiten kann. Fastericks sind Mavericks, die ich fast gesehen hätte.

Wenn nur Mother Nature mit dem Stundenplan nicht so geschlampt hätte. Ich bin ja nun kein Surfer Dude und finde es durchaus angemessen, an einem sonnigen Sonntagvormittag gegen 11:00 Uhr zum Meer zu fahren – sie hätte mich in der Früh um 6:00 in einen eiskalten stürmischen dunklen Morgen geschickt. Auf dem Highway Number One ist wenig Verkehr (man sollte das mit dem “Highway” nicht überschätzen, dem protzigen Namen zum Trotz ist er letztlich doch nur ein Küstensträßchen mit je einer Fahrspur pro Richtung). Eigentlich überraschend, schauen die tatsächlich alle daheim Football*? Dahingondel, Wellenschau, Deslebensfreu, noch ein Kürvchen, noch ein schöner Blick, nächstes Kürvchen und dann Stau, soweit das Auge blickt. Hmm? War da noch irgendwo eine Ampel auf der Strecke? Oder sind wieder ein paar Deppen zusammengekracht? Wie lange will ich hier mit den anderen rumstehen? Sprich, was sind mir diese Mavericks ohne Kaffee und ungefrühstückt wert? Könnte man überhaupt umdrehen, wenn man wöllte? Die Antwort hat der Pacifica Sheriff. Der kommt auf der (ansonsten vollkommen freien) Gegenspur angerollt und teilt per Megaphon mit, daß es sich hier um einen Rückstau handele, die Fahrzeit bis Princeton ca. 3 Stunden betragen werde und die Parkplätze dort hoffnungslos überfüllt seien. Während ich mir mit Grauen vorstelle, wie die Schlange Wagenlänge um Wagenlänge vorwärtskriecht (nämlich immer dann, wenn in Princeton ein Parkplatz freigeworden ist), informiert der Sheriff, daß in einer Meile die nächste legale Wendemöglichkeit vorgesehen sei, er aber jetzt die Straße für “five minutes and I mean it” sperre, damit die, die es sich anders überlegt hätten, schon jetzt und hier umdrehen können.

Danke, Mr. Sheriff! Danke VW für den kleinen Wendekreis! Ich krieg’s auf einen Sitz hin und befinde mich auf dem Weg nach Pacifica, zu meinem Steg, zu meinem Chit Chat Cafe und habe 20 Minuten später eine doubleshot Latte in der einen und einen lee-seitig gegrillten Maverick-Burger in der anderen Hand und statt Surfern reiten auf meinen hohen Wellen Regenbogen.


Fastericks rule!

 

*(Die Niners haben die Falken aus Atlanta übrigens geschlagen und sind nun auf dem Weg zum Superbowl.)

Völkerverständigung

Wenn man hier im Restaurant seinen Teller nicht leer ißt, dann bekommt man die Reste in einer “Box” mit nach Hause (“doggy bag” heißt das schon lange nicht mehr, wahrscheinlich hat sich die Waldi Association bei der Antidiskriminierungsstelle beschwert).

Ich bin in der letzten Woche nie dazugekommen, mein Mittagessen aufzuessen und in meinem Kühlschrank hatten sich die klassischen SitCom-Schachteln mit Resten von Pumpkin Stew, Krabbenreis und Tofu Pad See Ew angesammelt. Jede für sich für eine Mahlzeit zu wenig, aber miteinander in einer Pfanne vermanscht gerade die richtige Menge für ein leichtes (und schmackhaftes) Viet-Chino-Thai-Fusion-Friday-Night-Dinner.

Politisch mögen sich die Staaten möglicherweise nicht immer geneigt sein, aber kulinarisch kann ich die Asia-Allianz sehr empfehlen.

Man hat’s nicht leicht

Besonders als Nordkalifornier, besonders am kommenden Sonntag. Um 12:oo Uhr mittags wird das Spiel der San Francisco 49ers gegen die Atlanta Falcons angepfiffen (wobei ich ehrlich gesagt gar nicht weiß, ob Footballspiele mit einem Pfiff anfangen) und ab 8:00 Uhr früh beginnt in Halfmoon Bay nach dreijähriger Unterbrechung endlich wieder der Mavericks Surf Contest (Surfer auf elendshohen Wellen). Wat nu? Am Wasser den Beach Boys zusehen? Mit Kind, Bier, Grill und Kegel ins Stadion oder vor den Fernseher?

Alles gut: Wer Football plus haben will, für den gibts einen kostenlosen Live Stream (http://mavericksinvitational.com/)*, wem Wellenreiten langt, der muß früh aufstehen, sich warm anziehen und beten, daß er irgendwie nah genug ans Wasser kommt, ohne sein Auto schon viele Kilometer vorher parken zu müssen. Schau ma moi.

* Das, so findet ein Kollege, sei doch die salomonische Lösung: “Football on my flatscreen TV, surfin’ on the kids’ tablet”.

Noch 30 Tage bis V-Day

Und die Welt ist pink… (Zumindest im Supermarkt. Und beim Juwelier.)

 

Ganz entzückend und eine Einzelnennung wert: Dalmers “Good Catch” (Guter Fang), der mit den hiesigen Stereotypen vom Jäger und Angler spielt, der den besten (besonders knusprigen) Fisch nicht wieder in den Teich zurückwirft.

Wenn V-Day überstanden ist, kommt nur noch Ostern (extra bunt); ab dann ist bis Halloween Ruhe.

Do it yourself*

Amerikaner und ihre Schlaglöcher; es fällt mir immer noch schwer, die richtigen Worte für diese Beziehung zu finden. Resignierte Duldung? Achselzuckende Toleranz? Eine gediegende Fuck-Y’all-Mentalität? Eigentlich wurscht.

Dabei ist in den Verkehrsmeldungen fast täglich zu hören, daß sich wieder ein paar Autos an einem Riesen-Pothole die Reifen plattgefahren haben; aber kein Grund zur Sorge, die sitzen alle nun auf der Schulter** und der Reststau fließt langsam und unter achtsamer Umkurvung des Schlaglochs ab. Oder neulich in einem Comic, wo Bauarbeiter von der Ladefläche ihres Trucks herab die Straße mit “instant potholes” pflastern bzw. löchern und die Crew im nachfolgenden Pick-up umgehend Verbotsschilder und Absperrungen aufstellt. Gefragt, wo denn nun Jack und seine Männer seien, in deren Zuständigkeit das Auffüllen fällt, wird lakonisch mitgeteilt, daß dessen Trupp aufgrund von Sparmaßnahmen entlassen worden sei. Es bleiben also nur Löcher in der Straße und orange-weiß-gestreifte Bauzäunchen und, nun ja, “job security” für die ersten beiden Teams sowie resignierte Duldung, achselzuckende Toleranz und eine gediegende Fuck-Y’all-Mentalität.

Ganz schön lang, wenn man bedenkt, daß das nur die Einleitung für die eigentliche Geschichte ist, die damit beginnt, daß am Sonntagmorgen vor dem Häuschen ein Preßlufthammer dröhnt. Wir leben hier in einem kleinen nachbarlichen Mikrokosmos am Ende einer Sackstraße und wollen immer gerne genau wissen, was los ist. Also raus, gucken. Francisco von nebenan hat ein Geviert im Gehweg vor seinem Haus aufgebohrt und fängt gerade an, Zement zu mischen. Carmen erklärt: nach den vielen Regenfällen im letzten Mai hatte sich im Gehweg vor ihrem Haus ein Schlagloch gebildet. (Weiß ich, ich gehe auf dem Weg zum Bahnhof kurz vor diesem Trottoirabschnitt immer auf der Straße weiter.) Als gute Bürger haben sie die Stadtverwaltung von San Bruno angerufen und die hat nach mehreren Erinnerungstelefonaten die Jungs von Trupp 2 vorbeigeschickt und im August eine kleine orange-weiß-gestreifte Warnbarriere aufstellen lassen. Das war’s.

Sollte jemand fallen, hat das Straßenbauamt seine Schuldigkeit getan und hinfort müßte Carmens Hausbesitzerversicherung für etwaige Schäden aufkommen (und anschließend die Beitragszahlungen saftig erhöhen). Carmen ist Arzthelferin, Francisco “on and off job” (d.h. sein Unternehmen beschäftigt ihn bei Bedarf und entläßt ihn am nächsten Tag wieder – bis übermorgen oder zur nächsten Woche oder zum nächsten Monat); dick haben sie’s nicht. Außer mit dem Getrödel der Stadtverwaltung. So haben sie zur Selbsthilfe gegriffen und ihr Stück Gehweg eben in Eigenregie repariert (die Geräte hat Francisos zurzeitgeradewieder Arbeitgeber gestellt und die Materialien gab’s zum Einkaufspreis). Wenn das Bauamt sie erwischt, sind $400 Strafe fällig.

Aber, und da sind wir uns in der ganzen Nachbarschaft einig, das Risiko ist als minimal einzuschätzen.

So eine Aktion ist auch Amerika. Gutes Amerika! (Ein so professionell repariertes Trottoir habe ich hier noch nie gesehen.)

 

* in diesem Falle zu übersetzen mit “hilf dir selbst (ein anderer tut’s nicht)”

** “To sit on the shoulder” bedeutet, daß die Fahrzeuge nunmehr auf dem Randstreifen oder im Bankett stehen;

schlimmer ist gar keine Schulter (das ist genau wie eine sehr kalte) oder womöglich gar weiche.