Die Väter der hiesigen Verfassung haben das seinerzeit mit der Trennung von Kirche und Staat sehr ernst genommen und deswegen gibt es in staatlichen Schulen keinen Religionsunterricht (konfessionelle Lehr- und andere Kinderaufbewahrungsanstalten erhalten ebenfalls keine staatlichen Zuschüsse) und das Prinzip der Kirchensteuer, wo sich der Staat zum Büttel macht, ist einem Amerikaner vollkommen unverständlich. Warum Weihnachten dann doch ein Feiertag ist (am 25. Dezember haben sogar die meisten Supermärkte geschlossen), muss man nicht verstehen. Rührt bei der hiesigen merkantilen Gesinnung wahrscheinlich daher, dass wie überall auf der Welt das höchste Fest der Kaufleute zelebriert wird. Möglicherweise hat die Gilde der Händler deswegen auf jeden Dollarschein eigens das Motto “In God We Trust” drucken lassen?
Jetzt bin ich ganz von meinem Thema abgekommen. Eigentlich wollte ich doch darüber schreiben, dass wir Arbeitnehmer hier in Amerika auch mal bezahlt freihaben. Und zwar bald: nächste Woche von Donnerstag bis Sonntag, weil wir Dank geben und dann noch einmal zwischen den Jahren. Wenn nämlich in den USA ein Feiertag auf ein Wochenende fällt, muss er entweder vorgezogen oder nachgeholt werden. Und weil Weihnachten dieses Jahr so saublöde liegt, haben wir von 24. Dezember bis einschließlich 1. Januar frei. (Ja, ich weiß auch, dass da zwei Wochenenden dabei sind und zwei Urlaubstage abgezogen werden – aber man lernt, sich über soviel freie Zeit am Stück sehr zu freuen.)
Außerdem fliege ich zwischen Thanksgiving und X-mas noch mal ein Wöchele in die Sonne. Hach. Ich komm’ aus dem Freuen gar nicht mehr heraus.