Noch 2 Stunden bis Superbowl

Und die Washington Post beschreibt den Tagesablauf wie folgt:

There will be tortilla chips, so many tortilla chips.
There will be commercials that will give you pause.
A few channels away, there will be roly-poly puppies with soft bellies and floppy ears, widdle black noses and football-shaped toys, squeeee.

Das zweite Großereignis des Tages ist nämlich Puppy Bowl (http://bit.ly/z6gdtM) und wieder lernen wir: es gibt nichts, was es nicht gibt.

Lug und Trug

Ich stand nie vor der Herausforderung, gesundes Essen in ein oder mehr Kinder hineinkriegen zu müssen, weiß also nicht, zu welchen Mitteln aktuell in Deutschland gegriffen wird. Amerikanische Eltern sind auf jeden Fall stolz darauf, ihre Kinder auszutricksen, und ihnen die guten gesunden Sachen heimlich unterzujubeln. Der Renner ist nach wie vor das Kochbuch “The Sneaky Chef”, inzwischen mit eigener Website, Blog und allem, was sonst so dazugehört (http://bit.ly/WSESx).

Warum ich das erzähle? Wenn man’s ganz genau nimmt, wegen Sam. Super-Sam, mein guter Nachbar, hat mich letztes Wochenende wieder mit zwei Riesentüten voll Gemüse beglückt. Paprikaschoten, Tomaten, grüne Bohnen, Brokkoli, Avocados, Limetten und Zuccini, wobei ich letztere eigentlich nicht mag. Umkommen lassen kann ich sie aber auch nicht, meine Mutter würde mir noch über den ganzen Atlantik die Ohren langziehen. Internet hülf!

Das Netz kennt alle Betrüger-Rezepte (vor allem, wenn man als Suchbegriffe “Zuccini, children, cheat” eingibt) und so kommt’s, daß ich gerade zwei Ladungen “Spiced Zucchini Muffins” aus dem Ofen gezogen habe. Und weil ich keine Kinder habe, muß ich keine Lügen erfinden und die kleinen grünen Dinger in den Muffins dürfen ehrliche Zuccinischnipsel sein.

Sam hatte bei der Übergabe seines Anteils an “processed Zuccini” eigentlich nur eine Frage: “Need more?” (Habe die Botschaft verstanden und werde ihm heute Abend noch eine Tüte voll an die Trucktür binden, damit er für die Nachtschicht was zum Naschen hat.)

Der Sommer kommt!

Und zwar bald! Weil’s nämlich heute bewölkt war.*

Mir doch wurscht, welche Bauernregel hier für Sommer zuständig ist, Hauptsache, es wirkt.

* Die Groundhog Day Vorschrift besagt, daß der Winter noch weitere 6 Wochen andauert, wenn das zu diesem Behufe aus dem Winterschlaf gerissene Nagetier seinen Schatten sehen kann.

Tummy Bug

Man könnte annehmen, Tummy Bug sei der volkstümliche Name eines magenförmigen Käfers.

Grundfalsch.

Vielmehr handelt es sich um den hiesigen Euphemismus für eine Magen-Darm-Grippe und ist wie jede Krankheit Sch…ße. In diesem Fall ganz besonders.

Der 5. Dienstag

Was wie eine Kapitelüberschrift bei Mary Poppins klingt und im Buch meist in ein wundersames Abenteuer führt, bietet auf den Straßen von Palo Alto Anlaß zur Anarchie. Der dortige Magistrat hat nämlich das Straßenkehren streng geregelt: 4 Mal im Monat finde es statt, davon je zwei Mal auf der rechten (1. und 3. Dienstag) und je zwei Mal auf der linken Straßenseite (2. und 4. Dienstag). Mehr ist nicht vorgesehen und nicht budgetiert. Punkt. (Puritaner halt. Wenn man lange genug sucht, kann man den Kehrwochen-Ursprung bestimmt in der Bibel finden, zB in der Luther-Übersetzung: “Im Monat vier, schadet ihm nicht und nicht mir.”) Damit das Straßenkehrauto auch gut wischen kann, herrscht der Einfachheit halber bis 09:00 Uhr früh Parkverbot. (In manchen Straßen auch zwischen 09:00 und 10:00 Uhr, aber das ist jetzt zu kompliziert, dat krieje mr später.)

Über die Einhaltung des Parkverbots wachen die Mitarbeiter des “Parking Enforcement Department” in ihren kleinen Wägelchen (Modell “Interceptor I” – “III”). Weil sie aber nicht überall gleichzeitig aufpassen können, und weil fast jeder mit dem Auto von sonstwo angefahren kommt, um rechtzeitig in Palo Alto zur Arbeit anzukommen, führt das zu so absurden Auswüchsen wie dem, daß sich auf den Bis-09:00-Uhr-Straßenseiten ab ca. 08:45 Uhr die Autos sammeln und keiner aussteigt. Pünktlich um 09:00 öffnen sich dann bis zu 30 Fahrer-, manchmal auch noch Beifahrertüren in einer perfekten Choreographie gleichzeitig und Menschenmassen strömen unter Türschloßgepiepe ihren Arbeitsstätten zu. (Die Kollegin aus New York bezeichnet das als “Manhattan-Style Parking”, denn, wie immer in Amerika, beanspruchen die New Yorker, daß sie’s erfunden haben. Wer auch sonst?)

Immer am 5. Dienstag wird’s dann verrückt und wild, weil es für diesen Tag keine Regel gibt und jeder zu jeder Uhrzeit überall parken darf. Huiuiuiu!

Fingerzeig

Diese Anzeigetafel steht zur Zeit am 101.

Wenn ich des Morgens daran vorbei fahre, steht die Sonne direkt dahinter und die “Devil Fingers” dräuen schwarz in’s Gegenlicht, viel mehr ist nicht zu erkennen (abends ist es selbst dafür schon zu dunkel).

Ohne Recherche wäre ich nie draufgekommen, daß die Firma On24 damit einfach nur auf ihren alljährlich verliehenen Preis für die beste Online-Schulung hinweisen will.

Andererseits: Ziel erreicht. Immerhin war ich neugierig genug, um mir die Mühe zu machen.

Bruderkrieg

Nächsten Sonntag kämpfen nicht nur die Ravens aus Baltimore gegen unsere San Francisco 49ers um den/die/das Superbowl*, sondern auch deren jeweilige Cheftrainer, die Brüder John und Jim Harbaugh. Die Eltern Jack und Jackie (klingen die Namen nicht schon wie aus einer supersauberen US-Vorstadtfamilienfernsehserie? Wahrscheinlich sind die die Urheber von “Gute Nacht, Johnboy.”) geben sich betont neutral, aber NBC Sports hat schon angekündigt, mit der “parent cam” ganz nah ranzuzoomen, damit die footballfernsehende Nation ganz genau und live mitkriegt, ob sie nicht vielleicht doch einen ihrer Jungs bevorzugen. Man möchte es fast deswegen anschauen. Aber andererseits soll’s auch schönes Wetter werden…

* Heute gelernt: Amerikanische Kollegen finden es gar nicht komisch, wenn man darauf hinweist, daß “Super Bowl” doch fast wie “soup bowl”, also “Suppenschüssel” klingt und möchten noch weniger für ihre Schüsselaussprechversuche aufgezogen werden. Aber mich auslachen, weil ich nicht in der 4. Klasse auswenig gelernt habe, daß die Hauptstadt von Maryland nicht Baltimore ist, sondern Annapolis. Pffhhh.

Gastgeschenk

Gestern Abend hatte ich zu Schnitzel geladen und einer der Gäste bot an, “Schwörstraimeinor” mitzubringen. Schwörstraimeinor? Keine Ahnung. Aber “sure” und “with pleasure” habe ich geantwortet, ich bestelle ja im Restaurant auch immer Gerichte, bloß weil sie lustige Namen haben. Schwörstraimeinor ist übrigens, was rauskommt, wenn ein Amerikaner glaubt, “Gewürztraminer” akzentfrei auszusprechen und paßt überraschend gut zu Schnitzel.

Hierzu ein weltgeschichtlicher Nachtrag: Amerika ist seinerzeit in den 2. Weltkrieg eingetreten, um Europa vom deutschen Faschismus zu befreien. Es hat sich aber scheint’s nicht herumgesprochen, daß der Anschluß Austrias an Tschörmany damit ebenfalls aufgehoben wurde und so fabulieren sie lustig von ihren urdeutschen Lieblingsgerichten wie Nockerl, Vienna Shnitzl und Shtroodle. Das hat man davon, wenn man sich einen Diktator aus Braunau importiert.

Grippewelle

Selbst seriöse Medien hierzulande reden und schreiben den Höhepunkt der “flu season” für Februar herbei und allerorten werden die üblichen Empfehlungen ausgegeben: viele Vitamine, genügend Schlaf, häufiges gründliches Händewaschen, NICHT andere anniesen, wenn man schon befallen sein sollte und Facebook hat eine App gelaunched, mit der man Krankheitsfälle im Umfeld monitoren und so gegebenenfalls persönlichen Kontakt vermeiden kann.

Auf den Umstand, daß fast die Hälfte aller Menschen, die in der Service-Industrie arbeiten, im Krankheitsfall keine Lohnfortzahlung bekommt (“unpaid sick days”) und deswegen das Risiko, daß jemand mit Schniefnase an der Supermarktkasse bedient oder hustend in der Küche des Restaurants die Mahlzeit zubereitet, die man zu Mittag ißt, hat nur NPR* berichtet.

Als Ergänzung zu “flu shots” wäre eine faire Arbeitsgesetzgebung nicht zu verachten.

 

*National Public Radio, hier allgemein als linker Radiosender verschrien

Klare Ansage

Bei Nachbars ist reichlich Verwandtschaft zu Besuch und die Kinder wurden zum Spielen raus auf die Straße geschickt. Auf meinem Weg zur Mülltonne komme ich mit einem ca. fünfjährigen Mädchen ins Gespräch und nachdem wir uns eine Weile unterhalten haben, zupft sie mich am Ärmel, sie müsse mir was ins Ohr sagen. Sehr gespannt beuge ich mich zu ihr hinunter. Ob ich vielleicht ein Geheimnis wissen wolle? Na klar, Kleine, shoot (“schieß los”). “There are only two things I love in this world: Everybody and television.”

Ich hoffe, “That’s nice, carry on”, gilt als qualifizierte Antwort – mir ist dazu einfach nichts Vernünftiges eingefallen.