Krachschepperbummpeng!

Freitagabend, Wochenende, die neue Titanic ist da und… Peng! Ich erschrecke mich schier zu Tode. Peng! Peng! Ist es soweit? Liefern sich die Dealer aus dem zweietagigen Haus vorne an der Straße eine Schlacht mit der Konkurrenz? Peng! Peng! Ratatata! Peng! Und immer noch keine Polizeisirenen, keine heulenden Motoren und quietschenden Bremsen. Ach was! Ich will’s gar nicht wissen. Ich gehe jetzt einfach ins Bett und ignoriere das Geknalle.

Samstags komme ich auf dem Weg zum Supermarkt an ca. 17 Feuerwerksverkaufsbuden vorbei und der Nachrichtensprecher im Radio verliest zich Meldungen über von den Bullen ausgehobenen “Illegal Fireworks”-Lagern. Ach so. Jetzt. Klar. Am Mittwoch ist Independence Day und San Bruno ist eine der wenigen Gemeinden in der Bay Area, die Feuerwerk erlaubt.

Manche können halt ihr Geballer nicht halten. Der Pschyrembel spricht in diesem Fall von Ejaculatio praecox.

Alle Halbjahr’ wieder…

Donnerstagabend, ich möchte noch ein bißchen Streamen und dann schlafen gehen. Nix da. Kein Internet. Fuck! Stattdessen telefoniere ich mit dem Customer Service von San Bruno Cable und wir gehen wie immer das gesamte Protokoll durch, bis wir wieder an den Punkt gelangen, daß wohl ein Techniker kommen muß (http://bit.ly/LKDZBg). Einen Termin dafür kann ich, wie üblich, erst am nächsten Morgen vereinbaren. Ich habe ü-ber-haupt gar keine Lust darauf, auf nächste Woche vertröstet zu werden (da ist nämlich 4. Juli und sehr viele Arbeitnehmer nützen den Feiertag mitten in der Woche für einen Kurzurlaub) und bleibe so lange hartnäckig, bis sie irgendeinen Tom, Dick oder Harry, von mir aus auch Pablo finden, der im Zeitfenster zwischen 02:00 und 4:00pm noch eine Lücke für mich hat.

Josh und sein Truck kommen um kurz vor 04:00. Seine Messungen bestätigen, daß ich kein Signal habe und dann fängt er mit der Ursachenforschung an. Erst drin, dann draußen. Siehe da, oben an der Hauswand ist ein Stecker korrodiert. Austauschen, wieder messen. Alles ist gut. Diesen Plug habt ihr letzten August doch erst ersetzt, warum ist der denn schon wieder kaputt? Er zuckt mit den Schultern und es ist ihm offensichtlich von Herzen egal: “Dunno. These things happen.” Ich werde den Verdacht nicht los, daß, wer immer diese Stecker herstellt, dies vornehmlich zum Arbeitsplatzerhalt des technischen Personals tut.

Ich werde Josh darauf ansprechen, wenn wir uns im November/Dezember wiedersehen.

Welcome to Sodom

Mittagessen; im Restaurant-Fernseher laufen Nachrichten. Erste und wichtigste Meldung: Präsident Obamas Gesundheitsreform ist vom Obersten Gerichtshof für verfassungskonform erklärt worden. Gerade jetzt im Wahlkampf ist das ein wichtiger Sieg der Demokraten über die Republikaner. Ein Herr am Nebentisch wirft sein Besteck auf den Teller und beginnt zu stänkern. Mit dieser Entscheidung sei der Untergang Amerikas nun endgültig besiegelt, Obama habe dem Einfall der sozialistischen Horden Tür und Tor sperrangelweit aufgerissen und noch eine blumenverzierte Einladung obendrauf gepackt. Während er noch böse über „Obamacare“ herzieht, wird im Fernsehen über die Ergebnisse einer Umfrage berichtet, wonach junge Amerikaner das Leben in der Großstadt einem Leben in der Vorstadt vorziehen. Zum ersten Mal seit 100 Jahren. Das ist natürlich Wasser auf seinen Mühlen. Da sehe man es doch überdeutlich: Obamas Politik trage die Schuld daran, daß die Jugend den „American Dream“ verrate, den Traum von Familie und Eigenheim („Fääääämilli and Homeownership“).

Mal ganz davon abgesehen, daß der Trend in allen Industrienationen zu neuen, von Familienbanden losgelösten Formen des Zusammenlebens geht, sollte man meinen, daß die Eigener-Herd-ist-Goldes-wert-Doktrin hierzulande spätestens in der letzten Bankenkrise ad  absurdum geführt wurde (und wesentlich mehr Schaden angerichtet hat als der Einzug einer ganzen Generation in städtische Mietwohnungen).

Und was hat der Mann nun von all seinem Geschimpfe? Sein Essen ist kalt, sein Magengeschwür gereizt und sein Blutdruck in dramatische Höhen gestiegen. Und alles nur, weil Amerika sich ein Millimeterchen Richtung einer etwas sozialeren Gesellschaft bewegt hat?

O Konrad, where art Thou?

Ein Geschäftspartner informiert heute per e-mail darüber, daß er sein aktuelles Unternehmen verlasse, um eine “quest” für “exciting new challenges & adventures & endeavors” anzutreten und gibt allen bisherigen Weggefährten weise Worte auf den Weg:

Luk backward with satisfaction
& look 4ward with confidence,
u’ll succeed in ur life.
B bold when u lose,be calm when u win.Best of luck!!!

Vorschlag zur Güte: zukünftig weniger Rollenspiele und stattdessen eher Auffrischung von Rechtschreibung und Grammatik? Quasi “World of Grammar” statt “World of Warcraft”?

Manikin drive?

Um diesen blogpost zu verstehen, sollte man zwei Dinge wissen: Es gibt in den USA auf den Highways sogenannte HOV lanes (high-occupancy vehicle lane) (hier in der Bay Area heißen sie “carpool” oder – wegen des rautenförmigen Symbols – “diamond lane”), die zu den Stoßzeiten morgens und abends nur befahren werden dürfen, wenn mindestens zwei Menschen im Auto sitzen, die dann flitzeflott am mehrspurigen Nur-ein-Fahrer-im-Auto-Stau vorbeibrausen. Manche wissen sich nicht besser zu helfen, als eine Schaufensterpuppe (ein “Manikin”) auf dem Beifahrersitz zu drapieren, was allerdings, wenn man erwischt wird, noch drastischere Strafen nach sich zieht, als die carpool lane alleine zu nützen.

Zur Zeit wird hier eine Geschichte kolportiert, bei der die Wahrscheinlichkeit, daß sie wahr ist, weit höher ist, als die, daß es sich nur um eine Urban Legend handelt. Eines der großen Unternehmen (Google, Apple, MicroSoft, HP, Yahoo – wurscht, sie sind eh alle da) soll dem Vernehmen nach einen jungen talentierten Stanfordstudenten als Praktikanten eingestellt und ihn einem Management-Mitglied als persönlichen Assistenten zugeteilt haben.  Der junge Mann war so lange baß erstaunt und sehr geschmeichelt, bis er seiner eigentlichen Aufgabe gewahr wurde: Immer, wenn der Manager hinfort zur Rush Hour den Highway 101 ansteuert, hat sich der Praktikant auf den Beifahrersitz zu setzen. Das ist die gesamte Stellenbeschreibung.

Da die Kids erfahrungsgemäß nicht an Minderwertigkeitskomplexen leiden, wird aus diesem Praktikum im Lebenslauf eines Stanfordabsolventen bestimmt die Opportunity, von einem der ganz Großen aus der Industrie auch unkonventionelle Problemlösungsansätze gelernt haben zu dürfen.

Brav! Setzen! Eins!

Superman is looking for a job

Der Mann hat im Rahmen seiner Fähigkeiten wirklich schon überall alles gemacht (Selbstbeschreibung: I am able to take initiative in any job that I have been assigned. I am able to understand directions quickly and apply them to my own understanding and ambition.); hat als Tellerwäscher angefangen und es inzwischen zum Anrufbeantworter bei der Heilsarmee gebracht. Von mir bekommt er zusätzlich noch den Titel: “Bewerber of the Month” verliehen – einen Job für so ein Multitalent haben wir leider gerade nicht vakant.

  • Salvation Army: I would answer any questions that the donor’s may have had to the best of my ability. (Ich stelle mir den Telefondialog nach dem Motto vor: ‘Kunde: “Wann kann der SA-Truck* meine alten Möbel abholen kommen?” – Kandidat: “Soon. I guess.”‘)
  • Photographer Studio: My duties were to take pictures of clients inside. (Außenaufnahmen werden erst im 2. Berufsjahr gelehrt.)
  • Video Arcade: I tested bugs on the PSP, Xbox 360 and the Playstation 2. (Bugtesting ist als Berufserfahrung gar nicht hoch genug einzuschätzen.)
  • TV-Show: My duties were to drive around doing miscellaneous errands for anything the production needed. I was also building the set using various mechanical tools as well as painting the set along side of an experienced artist.
  • Telemarketing Company:  My duties were to cold call a list of numbers. I learned very important marketing and sales skills. (Nicht zu sprechen von der Fähigkeit, grobe Beschimpfungen wegzustecken.)
  • Sandwich Shop: My duties were to wash dishes and to make sandwiches with quality assurance. (Ich probiere ja immer gerne mal was Neues. Kann ich bitte ein belegtes Brot mit Tomaten, extra Käse und einer großen Portion Q/A bekommen?)

 

* Mich schüttelt’s immer wieder, wenn ich die Abkürzung lese – und dann auch noch im Zusammenhang mit “abgeholt werden”.

“dunke shun”

Wenn man’s laut liest, erschließt sich, daß sich eine amerikanische Kollegin gerade in fließendem Deutsch bedankt.

Gesundheit!

Ich habe mich sehr gefreut zu hören, daß es der Mutter meines Nachbarn Sam besser geht und sie Mitte letzter Woche aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Er kam heute früh nach siebten von sieben Nachtschichten in dieser Woche kurz vorbei, um mir Obst und Gemüse zu bringen. Wieso er denn noch extra Schichten arbeite, frage ich. “For the money” – in mexikanischen Krankenhäusern steht nämlich jeden Morgen noch vor dem Doktor der Buchhalter des Hospitals am Bett und präsentiert die Rechnung. Wer bezahlt, kann bleiben. Wer in US-Dollars bezahlt, bekommt darüber hinaus einen guten Arzt, gute Medizin und gute Pflege.

Dafür schuftet Sam Sonderschicht um Sonderschicht.

TV, amerikanisch: “Community”

Community Colleges haftet in Amerika immer der Ruch von Zweite Wahl an. Sie kosten einen Bruchteil der Studiengebühren von “normalen” Hochschulen, liegen im Wohnort, bieten auch Abendkurse an und sind daher ein Sammelbecken für alle, die auf dem 2. Bildungsweg noch irgendwie zu einem Abschluß kommen wollen.

In USA lief kürzlich das Season Finale der 3. Staffel und was anfangs wie eine SitCom nach üblichem Strickmuster daherkam (man mische leicht bis schwer kaputte Persönlichkeiten unterschiedlichen Alters, Geschlechts, sozialen Hintergrunds und ethnischer Zugehörigkeit in einem definierten Rahmen), ist von Autor und Produzent Dan Harmon über die Zeit zu einem kostbaren Juwel anarchistischen Fernsehkunstschaffens geführt worden. (Der Trailer gibt einen Vorgeschmack: http://bit.ly/3m9erO).

Ich hoffe, daß die Academy irgendwann einmal Casting-Oscars vergeben wird, denn die Besetzung ist unglaublich stimmig: Chevy Chase (den ich in seinen alten Filmen überhaupt nicht leiden kann) hat ein fulminantes Comeback als alter und sieben Mal geschiedener Erbe einer Feuchttuchdynastie und Danny Pudi gibt einen so dermaßen wunderbar liebenswerten Nerd, daß alles zu spät ist.

Ich wollte immer ein bahnbrechendes Werk über “Das “Ach” in der deutschen Literaturgeschichte” schreiben, erwäge aber stattdessen nunmehr eine Arbeit mit dem Titel “Der Nerd. Held des dritten Millenniums.” (Sowohl in meinem Leben wie in der Popkultur sind sie omnipräsent.)

Lieblingszitat:
Schulleiter: “I thought you had a bachelor’s degree from Columbia?”
Jeff, gewesener Anwalt: “Well, now it appears I need one from America that does not come as an e-mail attachment.”

(Ich bin nicht sicher, wie man dieses Wortspiel ins Deutsche übertragen kann: “Columbia” steht gleichermaßen für eine der berühmten alten Universitäten wie für das Land Kolumbien.)

Ich höre, die erste Staffel ist inzwischen in Deutschland angelaufen. Anschauen! Unbedingt.

 

Wieder what learnt (Lektion 2)

An der Ostküste herrscht zur Zeit eine Hitzewelle (im 100° Fahrenheit-Bereich). Dies, so die Kollegin aus New York, sei die Zeit, in der New Yorker bei der Heimkehr immer die LEDs an elektronischen Geräten blinkend vorfinden. Ich verstehe nicht ganz? Warum das? Wegen der “Brownouts”, sagt sie und ist verwundert, daß ich immer noch nicht begreife.

Na, erklärt sie mir wie einem begriffsstutzigen Kind, es sei doch heiß. Deswegen liefen alle Klimaanlagen auf Hochtouren. Daher sei das Stromnetz überlastet und die Energieversorger schalteten gelegentlich mal für einen kontrollierten Zeitraum von Minuten bis hin zu Stunden den Strom ab. Dann flackern die Lichter kurz bevor sie ausgehen und alles ist in Sepia gefärbt, daher nur Brown- und nicht Blackout.

Das sei ja noch gar nichts, mischt sich der Kollege ein, der viele Jahre in Atlanta gelebt hat. In den großen Städten der Südstaaten seien die Städte in “Rotating Outage Blocks” aufgeteilt und in Hitzezeiten werde der Strom Block für Block in einem ca. eineinhalbstündigen Rotationsprinzip abgestellt, wobei aus unerfindlichen Gründen die weißen Viertel nie zur Dinner- und Prime Time betroffen seien.

“Flame” programmieren können und Weltpolizist sein. Wen schert da schon die Stromversorgung im eigenen Land.