Höchst ungern

Komme soeben vom Flughafen, wo ich Toni durch die “Departures”-Türe gehen sehen mußte. Ich hatte es doch schon mehrfach gesagt: ich mag das nicht. Ich fahre lieber bei “Arrivals” vor und hole wen ab. Manno!

Davon unbenommen: Toni, hab wunderbare Ferien und schlaf dich endlich mal aus.

Falsche Frage?

Irgendwie glaube ich, daß der Pick-up-Fahrer mit dem Marine-Haarschnitt und dem Tarnfarbenkäppi sowie vielen red-white-and-blue-Auto-Aufklebern und diesem Bumpersticker die Frage: “Sind Sie Pazifist?” eher verneinend beantwortet hätte.

Give Back

Über die Bedeutung von zurückgeben/ sich revanchieren/ etwas zu entgelten im Wertesystem der Amerikaner habe ich schon einmal geschrieben – http://bit.ly/MuMSbD. Ich gebe gerne, und leicht gemacht wird es einem obendrein: einfach 1-800-SA-TRUCK anrufen und einen pick-up-Termin vereinbaren, und ein paar Tage später werden das alte Sofa und die Altkleidersäcke aus dem Vorgarten abgeholt und eine Spendenbescheinigung zurückgelassen. Und man muß dafür noch nicht einmal zu Hause sein.

Bei mir war’s ja ein “Give Back” im Wortsinne – ich hatte das Sofa seinerzeit bei der Heilsarmee gebraucht gekauft; http://bit.ly/Kjygw3. Das ist jetzt auch schon wieder über drei Jahre her – time flies.

Fluente en Espagnol

Die Mutter meines Nachbarn Sam daheim in Mexiko ist schwer krank und er rechnet damit, jederzeit an ihr Sterbebett gerufen zu werden, Als ob er nun nicht schon genug um die Ohren hätte, macht ihm auch noch sein großer schwarzer Truck Sorgen. Also nicht das Auto, sondern vielmehr dessen Unterbringung. In unserer Straße findet nämlich immer dienstags “Street Swiping” statt. In Wahrheit handelt es sich hierbei nur um eine Einnahmequelle der Kommune; die Straße sieht nie nach erfolgter Reinigung sondern vielmehr nach “Parking Enforcement” aus und unter den Scheibenwischern klemmen Knöllchen. Ach, Sam, wenn’s weiter nicht ist:

“Mi driveway es su driveway.”

Autsch!

Wenn man im Heilsarmeeladen sieht, wie eine gebeugte armselige alte Frau mit zittrigen Händen das Preisschildchen auf einer angebrochenen Packung Erwachsenenwindeln ganz nah vor die trüben Augen führt und sich dann wegen $1.99 gegen den Kauf entscheidet, dann trifft einen die grausame Ironie der Produktbezeichnung wie ein Schlag. Die Dinger heißen “DIGNITY DIAPERS”.

Wieder what learnt (Lektion 1)

Meine amerikanischen Kollegen machen sich inzwischen einen Jux daraus, mir Idiome oder Slang-Ausdrücke beizubringen. Nachfolgend eine Auswahl aus den Lektionen dieser Woche:

  • YOWZA!
    Ist, wie man schon vom Klang ableiten kann, ein Ausdruck nicht unbedingt positiven Erstaunens, mehr dazu hier: http://bit.ly/kB62h
  • I felt bad I had to leave you in the lurch.
    Das bedeutet nicht etwa, daß die Kollegin ein schlechtes Gewissen hatte, mich mit einem Lurch alleine zu lassen, sondern mir aus der Patsche helfen wollte.
  • Shoma chetur hastin? (شما چطور هستین)
    Doch, doch, das gilt auch: unsere neueste Kollegin ist persischer Abstammung und wir tauschen jeden Tag eine Vokabel in Farsi gegen eine deutsche. In diesem Fall: “Wie geht es dir?”
  • I’ve worked until the crickets came out
    Wörtlich: ich habe gearbeitet bis die Grillen ‘rauskamen – also bis spät in die Nacht. Ein im übrigen interessanter soziokultureller Hintergrund, denn der Begriff Moon Crickets beschreibt Sklaven, die nach getaner Plantagenplackerei spätnachts bei Mondschein in den Feldern Spirituals sangen. [“Hey! Billy Bob and Joline, grab the shotguns the damn moon crickets are escaping from the plantation!”]
  • Standard? That’s the American expression for “It is what it is and we did not improve anything the last fucking fifty years!”
    No comment.
    Aber recht hat er.
  • He’s such a putz!
    Ein Rüpel, Ignorant, Ekelpaket, unangenehme Person (hier mehr: http://bit.ly/5h8rvo)
  • dunka
    So sieht es aus, wenn ein Amerikaner sich freundlich per skype bei der deutschen Kollegin bedankt und der festen Überzeugung ist, dies in ihrer Muttersprache zu tun.
  • He’s going all screensaver again
    Damit beschreibt man den leeren Gesichtsausdruck, der sich bei Teilnehmern viel zu langer Besprechungen einstellt.

So, das war’s für diese Woche. Wenn ich meinen Haufen nur halbwegs richtig einschätze, werden mit dieser Überschrift noch viele blogposts folgen.

Mehrzweckschild

Üblicherweise warnen diese Aufsteller davor, daß der Boden frisch gewischt und somit naß ist und dienen vor allem der Vorbeugung von Prozessen, die die anstrengen, die trotzdem ausrutschen. Dieser Tage standen sie an mehreren Straßenecken in Palo Alto und wiesen darauf hin, daß man sich hier als Wähler registrieren lassen kann.

(In Amerika gibt es keine Meldepflicht, also auch kein Melderegister und wer – zum Beispiel seinen nächsten Präsidenten – wählen will, muß sich aktiv darum bemühen, in das Wählerverzeichnis aufgenommen zu werden, damit er eine Stimme hat.)

Vive la Versatilité!

“We totally lucked out today” freut sich ein Kollege, als es uns wider Erwarten gelingt, eine schwierige Aufgabe recht schnell und erfolgreich zu lösen. Davon abgesehen, daß mich das auch freut, bin ich fast noch mehr begeistert von der Versatilität der englischen Sprache, wo man das Substantiv “luck” mal schnell in ein Verb umwandelt. Wobei, “to luck out” ist nur im Amerikanischen was Gutes, im Britischen Englisch bedeutet es, daß das Glück einen verlassen hat (ist irgendwie auch logischer). Hätten die mich mal vorher gefragt: mit ein bißchen Konsistenz wäre es doch so einfach gewesen, mögliche Mißverständnisse zu vermeiden.

Ich schlage also vor, die Präposition dem gängigen Sprachgebrauch anzupassen und fürderhin die Formulierung “we totally lucked up” zu wählen.

Nimmer ganz neu im Kino: Snow White and the Huntsman

Ich kann das in wenigen Worten zusammenfassen, zur Warnung: Die Heilige Johanna von Winterfell reitet mit Thor durch Schwarzwald und Mittelerde im Schlimmdisneykitschlook, ficht wider den Fluch des Dorian Gray und für Menschen- sowie Zwergenrechte (8 Zwerge, gesplittet in sieben plus Bob Hoskins). Es werden klassische irische Wake-Weisen gegeben, ständig brennt was oder es schneit. (Auch beides.) Anschließend: Krönung.

Selten einen solchen Unfug gesehen, wo, was an Mythen und Zitaten nicht bei eins auf dem Baum war, noch irgendwie mitverwurschtet wurde. Ganz und gar unnötig. Möglicherweise erträglich, wenn man alles bis auf die Landschaftsaufnahmen herausschneidet.

Großes Kompliment denen, die den Trailer produziert haben. Auf den bin ich nämlich hereingefallen. Schlimmer kann die Schneewittchen-Variante mit Julia Roberts auch nicht gewesen sein, und das sage ich, die den Breitmaulfrosch gar nicht mag.