Wettbewerbsvorteil

Letzte Woche war hier der “Last Day of School” und die Eltern kleinerer Kinder haben sich schier zerissen, um bei “Kindergarten Graduation”, “Animated Sing-A-Long” und anderen Darbietungen ihrer Sprößlinge dabei sein zu können. Wer Halbwüchsige zu Hause hat, muß vor allem Geld ausgeben: Klamotten und Accessoires für die “Prom Night” kosten ein kleines Vermögen und die Puberinos hassen ihre Eltern trotzdem.

Zum Schuljahresabschluß werden auch oft Preise verliehen, wobei gutes Aussehen oder sportliche Begabung nicht schaden; das eine oder andere Nerd-Kind kann sich eventuell mit herausragenden mathematischen Kenntnissen irgendwie retten (aber Gleichungen und Vektoren sind halt nicht so attraktiv wie “Das strahlendste Lächeln der Schule” oder “Die meisten Home-Runs”). Für die häßlichen aber begabten Kinder bleibt der “Spelling Bee”-Wettbewerb (Buchstabieren als Wettkampf). Diesjährige Gewinnerin der “Scripps National Spelling Bee” mit dem Wort: “guetapens*” ist die vierzehnjährige Snigdha Nandipati.

Man kann das sehen wie man will, aber ich finde, gegenüber John Smith hatte sie doch schon seit ihrer Taufe einen meilenweiten Vorsprung.

 

*Definition of GUETAPENS: ambush, snare, trap <a trick to lure him into some guetapens— Rafael Sabatini>
Origin of GUETAPENS: F guet-apens, fr. MF, fr. de guet apens with premeditation, alter. of de guet apensé

Nie wieder Hänge-Arsch

Neulich, im Stadtrat von Chicago. Stadträtin Müller sitzt mit einem ganz langen Gesicht zwischen den Ratskollegen und grämt sich. “Wos is’n wieder los, Frau Müller?” erkundigt sich der Vorsitzende jovial. “Ach, mei Enkerl. Wissen’S scho, der Bua von der Renate. Rennt da den ganzen Tag mit diesen Hosen umeinand, daß man die Unterwäsch siecht, und manchmal sogar den blanken Arsch. Was hab’ ich an den hingeredet, einmal, zweimal, fünfmal – aber des is ja, wie wenn man auf ein totes Pferd einredet. Ich weiß gar nimmer, was ich mit dem noch machen soll. Also, in meiner Jugend…”

“Kollegen!” unterbricht sie der Vorsitzende, der gar keine Lust auf den sehr anstrengenden halbstündigen Vortrag aus Frau Müllers Jugend Maienblüte hat, “Kollegen! Es ist soweit, mia hamma wieda was zum Bannen! Seid’s dafür?” Alle Hände gehen nach oben (was bestimmt nicht daran liegt, daß es immer nach einem einstimmigen Beschluß Freibier gibt). Auf Frau Müllers Gesicht zeichnet sich ein ungläubig staunendes Lächeln ab. “No Dragging and Sagging: Pull Up Your Pants!” “Mei, des hobt’s super abg’stimmt. Dankschön. Jetzt traut er sich g’wiß nimmer.”

Falls nun einer von den Bengeln immer noch nicht tut wie im geheißen, fährt die Ordnungsmacht die großen Geschütze auf.

Das scheint dann aber nur noch für blaue Menschen zu gelten. Vom alten Fritz haben die im Lande von “freedom and democracy” wohl noch nie was gehört.

Sunny Sunday

In San Bruno „we have the wind“ und diese „breeze“ war in den letzten Wochen eher „chilly“. Dann ist es im Garten wie in den Ferien, wo man doch vom Meer an den windgeschützten Pool umzieht (bis auf den Umstand, daß die Variante mit dem Windschutz draußen in San Bruno leider nicht vorgesehen ist). Was habe ich also diesen wunderbar krachheißen Sonntag genossen!  Rasch ein paar Kartons entsorgt, Nachbarin Carmen, die auf einen Schwatz vorbeischaute, Moheda vorgeführt  („da, schau, mit zwei  Handgriffen hat man ein Riesenbett, und da, schau, unter der Chaiselounge ist Stauraum für Bettzeug“) und sie mit einem Kaffee probesitzen lassen. Ich sollte bei Herrn Kamprad um eine Verkaufsprovision ansuchen, denn Carmen erwägt, gleich zwei davon anzuschaffen. Eins für die „sleep-overs“ ihrer Söhne, das andere für das Gartenhäuschen, wo die „in-laws“ (Schwiegereltern) bei ihren regelmäßigen Wochenendbesuchen übernachten. Mit dem Pick-up sei das ja kein Problem and „you gotta make an Ikea-run once in a while anyway“. Mir reicht das eine – und für zwei große Gäste reicht es mit.

Kurzentschlossen habe ich die Haight-Ashbury-Street-Fair Street Fair sein lassen und lieber ein bißchen im Garten gewerkelt (man könnte sich tagelang mit Unkraut jäten beschäftigen; ich habe stattdessen beschlossen, daß Löwenzähne schöne gelbe und Disteln schöne violette Blüten haben, toll zu den Rosen passen und alle einfach wachsen lassen). Ich habe gelesen (dazu später mehr), geerntet, gegossen und meine Büro-To-Do-Liste ignoriert. Herrlich!

Außerdem Brombeeren gegessen, bis ich schwarze Zähne hatte. (Ein paar Beeren hätte ich noch, falls wer mag.)

Habemus Sofam

Bis Freitagabend fristete das Hörnbäddsoffa Moheda ein kümmerliches Dasein, eingesperrt in Kartons in einer Lagerhalle in East Palo Alto, einer äußerst übel beleumdeten Gegend. Gegen Zahlung einer erklecklichen Ablösesumme (mir scheint, die EM schleicht sich in meinen Wortschatz) + tax wurden vier riesige schwere Pappkartons übergeben und eines Houdini würdig in und auf unserem Auto verschnürt, angemessenen Tempos voooorsichtg ins neue Zuhause chauffiert und in Garagenquarantäne geschleppt.

Am Samstagnachmittag war es dann soweit: Moheda, zunächst noch in Einzelteilen, erblickte das Tageslicht. Karton für Karton wanderte in den Vorgarten und das Häuschen füllte sich mit Einzelteilen sowie akribisch vorbereiteten OP-Besteck (alle Schrauben nachgezählt, ihrer Gattung nach sortiert und griffbereit).

Unter Einsatz einer Auswahl von Inbusschlüsseln sowie Anwendung physikalischer Gesetze hat Toni den Patienten in einer mehrstündigen OP dann ins Leben geholt und ich darf glücklich und dankbar vermelden, Dr. Toni, Moheda und Sabine wohlauf.

 

Toni, ganz vielen Dank – ohne dich hätte ich kein neues Sofa! Du hast freie Sitzwahl auf ewig.

Mir blieb heute nur noch an einem wunderbar heißen Sonntag das Entsorgen der Umverpackung und – wie in der Anleitung in allen Sprachen empfohlen –  lüften, lüften, lüften, denn Moheda stinkt noch ein wenig.

TV: GoT* – Season Finale

Ein gutes Finale. Keine atemberaubenden Cliff-Hanger, sondern schön die Fäden entwirrt, wieder ordentlich zusammengeführt und alle Helden auf dem Weg. Wie es dann weitergehen wird mit Season 3 “Storm of Swords” wird HBO voraussichtlich ab April 2013 zeigen. Bis dahin werde ich es nicht ausgehalten und die Bücher gelesen haben…

* Cool und abkürzungssüchtig wie wir hier sind, heißt “Game of Thrones” unter uns Könnern natürlich nur “GoT”.

Hier der abschließende Geek-Kommentar: “GoT meets SV**”


** Silicon Valley

Valar Morghulis!

Wir lernen ein Idiom

“You are like a wee tiny lump of butter on a biiig piece of bread”, sagt heute jemand zu mir. Bitte? Ich habe gerade viel zu tun und keine Zeit, Butterflöckchen-Rätsel zu lösen. “Eben”, nickt mein Gegenüber bestätigend. “Thinly spread.”

Jetzt, wo ich es nachgeschlagen habe, weiß ich, daß es nett gemeint war: spread (yourself/itself too) thin: to try to do too many different things at the same time
– Somebody has spread himself thin and needs to focus on just a couple of his best ideas.

– The company has expanded into many different areas and has probably spread itself too thin.

And we are all Players

Shakespeare sagt, die ganze Welt sei eine Bühne, der Volksmund nennt sie ein Dorf. Anthony (mein “Master”, http://bit.ly/JLKzkp) sprach von kosmischer Fügung, weil er zwar meine Telefonnummer verloren (typisch, nicht umsonst trägt er den Titel “Jerry Lewis of the Shamans”), sich aber unbedingt von mir habe verabschieden wollen, bevor er nach North Carolina umziehe, um dort seine Studien zu vollenden.

Ich fand’s ganz einfach nett. Ich kenne hier nicht viele Menschen, und daß mir ausgerechnet er im Shakespeare-Theater über den Weg läuft, ist schon fast wieder logisch; ich bin da jedes Jahr und er hat in deren nächsten Produktion einen Gitarren-Gig. Ich werde mir “Spunk” wohl ansehen, auch um zu herauszufinden, wie es Pippi Langstrumpfs Kunstwort auf eine amerikanische Bühne geschafft hat.

Uralt und immer wieder neu: The Tempest (W. Shakespeare)

Es sind Leserbeschwerden eingegangen, weil ich nicht mehr über meine Unternehmungen berichte. Aber jetzt mal ganz ehrlich, wer will schon lesen, daß die Autorin aufsteht, das Laptop aufklappt und ihre mails macht bis sie zur Arbeit fährt, dort weiterarbeitet, irgendwann wieder zurück nach Hause fährt, was ißt, das Laptop wieder aufklappt und weiterarbeitet, bis sie ins Bett fällt (und an den Wochenenden lediglich die Fahrt ins Büro wegfällt)? Genau. Das ist so ermüdend wie es klingt. Umso schöner, daß Toni diesen Monat Geburtstag und ich deswegen einen Grund habe, ihm eine Freude zu machen (und mir mit): die allerbesten Karten (erste Reihe, Mitte) für die Aufführung des “Sturm” im Cal Shakes Freilichttheater in Orinda am sonnigen Sonntagnachmittag.

Die Besetzung war erst einmal gewöhnungsbedürftig: lauter Doppelrollen: Caliban/Antonio , Miranda/Sebastian, Ferdinand/Trinculo, Prospero/Stephano, Ariel/Bootsmann wobei die letztere wohl aus Kostengründen erfolgt ist, die anderen im Zuge der Vorstellung durchaus an Sinn gewannen. Catherine Castellanos, eine feuerkraftsprühende Latina mittleren Alters gab einen wunderbaren Caliban (und einen überzeugend intriganten Antonio; daß sie eine Hosenrolle spielte, wurde nicht weiter thematisiert) und Erika Chong Shuchs Ariel war der bisher überzeugendste Luftgeist, den ich je in einer Tempest-Inszenierung gesehen habe. Daß sie Tänzerin ist und ihre Choreographie selbst gemacht hat, war der Rolle sehr zuträglich, sehr schön und passend auch die Regie-Idee, Ariel nach der Entlassung aus den Diensten Prosperos in einen Schmetterling me­ta­mor­pho­sie­ren zu lassen. Kostüm- und Bühnenbildner haben wieder gute Arbeit geliefert (hier ein paar Kostüm-Entwürfe http://bit.ly/ITgjY6), die Naturkulisse tut ihr übriges. Der einzige Wermutstropfen für mich war, daß Prosperos schönster Monolog (“Now my charms are all o’erthrown…”) ein wenig versandete. Ich werde mich auch nie daran gewöhnen, daß hierzulande zum Schluß einmal applaudiert wird und dann alle wegrennnen – kein DaCapo, kein nix. Klatschen. Aufstehen. Gehen.

Nach Augenweide und Ohrenschmaus im Theater genossen wir Gaumenkitzel, im gleichnamigen deutschen Restaurant in Berkeley (http://bit.ly/KNIZT1). Also richtiges echtes paniertes pfannengebratenes Schweineschnitzel, mit den wahlweise typisch deutschen Schnitzelbeilagen Salzkartoffeln oder Spätzle und je einem Berg Butterkarotten.

Bewertung: Umlaute auf der Speisekarte richtig geschrieben (1 Punkt). Kühles Köstritzer (1 Punkt). Preis für eine Halbe Köstritzer etwas über 8 Dollar (1 Punkt Abzug). Ambiente: sehr nett, hell und freundlich. Überhaupt nicht tümelnd (1 Punkt). Service: freundlich, zuvorkommend, aufmerksam, aber nicht nervig (1 Punkt). Schnitzel und Beilagen: wohlschmeckend, wenn auch eher fleckig gewürzt und das Schnitzel viiieeel zu klein (trotzdem 1 Punkt). Dessertauswahl: sehr nette Süßspeisen, stattdessen doch lieber zu einer, zwei ordentlichen Scheiben Graubrot mit hohem Kleieanteil gegriffen (1 Punkt).

Das macht 5 Punkte und der sächsische Restauranttester schließt mit dem Lob: “Da kann man nochmal hingehen.”