Was man halt so tut am Vormittag. Aufstehen, Kaffee kochen, bisserl was werkeln, Tauben scheuchen. Der eine der beiden Guruhguruhs flattert erschrocken auf und ist weg, bis ich hinten am Balkon bin. Der andere sitzt immer noch da und schaut blöd. So lange, bis ich ihn mit dem Scheuchhandtuch haue und er dann doch eher schwerfällig und mit einem beleidigten Blick über die Schulter losfliegt. Ich weiß ja nicht, ob man bei Flügelschlägen auch in Trab und Galopp mißt, aber wenn, dann war das noch nicht einmal Schritt, sondern allenfalls Schleich.
Noch in der Mediathek – Tatort Münster “Die Erfindung des Rades”
Münster wie immer. Ach, nett.
(Spoiler, ist aber wurscht!) Statt eines Fahrrads fällt ein tiefgefrorener Onkel inklusive Kühltruhe aus der Präsentationskiste und dann sind erst mal alle aus der Zweiradunternehmerfamilie verdächtig und haben auch ordentlich Dreck am Stecken und das Ensemble reißt Witze und Meta- und Meta-Metawitze und dann kommt die Katastrophe: Mechthild Großmann, DIE Staatsanwältin unter den Staatsanwältinnen mit der göttlich tiefen Stimme hört auf. Und sie hat einen guten Grund: “Ich bin zu alt für diesen Scheiß.”
Kann ich nachvollziehen. Trotzdem wird sie mir fehlen.
Aus dem Vokabelheft
Vorhin ein Interview mit einem italoschweizerischen Künstler gehört, der ganz begeistert von seiner Begegnung mit einer “Bilderhauerin” berichtete.
So eine schöne Wortschöpfung. Nehm ich.
Vorhin in der Unterfahrt in der Reihe “Einsteins Piano”: Shuteen Erdenebaatar
Es ist immer wieder ein Hochgenuß, dieser extrem talentierten jungen Frau (27) zuzuhören. Die Setlist, sagt sie, habe sie längst vergessen, sie spiele jetzt einfach, was sie selbst am liebsten mag und tut das zur großen Freude des Publikums und wenn ich den Gesichtsausdruck recht interpretiere, auch zu ihrer eigenen fast zwei Stunden lang.
Sehr Hach!
Nostalgie-Kino: “Catch me if you can”, 2002
Der Könner Spielberg läßt in seinem fröhlich-bunten Haschmich-Film den nicht mehr ganz jungen All-American-Tom Hanks, glaubhaft bis in die kleinste patriotisch-aufrechter-Bürger-Faser, dem jungen gutaussehenden Leo DiCaprio hinterherhetzen, weil letzterer ein Lüger und Trickbetrüger ist und Tom das nicht gutheißen kann.
Spielberg setzt DiCaprio in Szene wie ein Papierpüppchen, dem ein Kind Kleidung zum Ausschneiden anheftet, schwupps, Pilot, dupps, Anwalt, hupps Doktor und plaziert ihn dann in die passende Umgebung, immer umgeben von einem Schmuckkranz aus jungen hübschen passend kostümierten Damen. Wobei es nie die exotischen schönen Plätze auf dem Planeten sind, sondern lange Wege in Flughäfen, Gänge im Krankenhaus, Büros in den den Kanzleien usw. Und Leo ist ein schöner Hase und Tom der Igel, der immer grade knapp zu spät kommt.
Bis auf ein einziges Mal. Und dann gibt es Happy End Nr. 1 und weil das gar nicht so glücklich ist, gönnt Spielberg der Welt ein zweites und wenn sie nicht gestorben sind…
Der Film ist so perfekt und die Farben sind so schön alt und Leo ist so hübsch und Tom so gut: das kann man sich nach einer langen Nacht und mit dem Vorsatz, nicht viel denken zu wollen, ganz gut ansehen.
Frohe Botschaft
Ich fürchte, es ist auch eine Alterserscheinung, wenn ein zu erwartendes Neukind einem nicht mehr von der werdenden Mutter, sondern von der aufgeregten zukünftigen Oma angekündigt wird.
Alles Gute!
Ooooaaaahhh!
Als ich seinerzeit meine Wohnung ausgesucht habe, geschah das unter anderem wegen der Lage, wobei ich ehrlich gesagt den DHL-Laden nicht in meine Entscheidung einbezogen hatte. Mir scheint aber, als hätte ich das unbewußt doch getan, denn statt nach Hause lasse ich als aktive Teilnehmerin im Onlinehandel inzwischen meine Päckchen gleich dorthin schicken und hole sie dann auf dem Weg von der U-Bahn oder zum Einkaufen oder so bei denen ab. Das spart uns allen Zeit. Denen, dass sie mich nicht zu Hause antreffen und die Lieferung ein zweites Mal auf den Weg bringen müssen, auf dass ich sie in eben diesem Laden abhole. Mir, dass ich gleich weiß, wo mein Zeugs liegt und ich nicht bei wildfremden Anstaltsbewohnern danach fahnden muss oder es erst Tage später abholen kann.
Heute hatte mir ein Onlinehändler mitgeteilt, dass meine Wochenendlektüre im DHL-Laden zur Abholung bereitliege. Weil aber Vorweihnachtszeit ist, reichte die Schlange päckchenabholender oder -abgebender Menschen bis weit in die Passage. Mir wurscht, dachte ich, geh ich halt erst einkaufen und weils später immer noch so war, entschied ich mich, halt erst noch zum Friseur zu gehen. Danach wars immer noch so dermaßen voll und ich nicht willens, mit diesen Massen anzustehen und mir fiel es wie Schuppen von den Augen: ich kann vom Flurfenster aus genau auf deren Eingang sehen. Hab ich dann ein paar Mal gemacht und bin jetzt, kurz vor Ladenschluss, flugs nach unten gehuscht und habe nicht nur keine Schlange, sondern auch mein Buch, UND gleich noch zwei weitere Päckchen bekommen (für die nicht ein einziger Zettel im Briefkasten lag, aber wurscht). Was freu ich mich! Die paar Stunden, bis ich die auspacken darf, sitze ich doch auf einer Umpftel Arschbacke ab… Hihihi. Geschenke. Ooooaaaahhh!
Habe mir fest vorgenommen, meine Teilnahme am Onlinehandel bis Mitte Januar auszusetzen. Die armen Kerle arbeiten gerade da unten in dem Lädchen zu viert wie die Wahnsinnigen, wo sich sonst einer während seiner Dienstzeit intensiv mit seinem Handy befassen kann und trotzdem abends alles erledigt ist. Wenn ich mir das so ansehe, bin ich sehr glücklich, dass ich eh nix mehr arbeiten muss und würde es zur Zeit am allerwenigsten in der Paketlogistik tun wollen.
Genau.
Aus dem Vokabelheft
In Amerika haben sie nie “Magen/Darm” sondern allenfalls einen “tummy bug”. Weil aber um diese Jahreszeit alles ein bißchen festlicher sein muss, heißt der Infekt seit Anfang Dezember “Winter Vomiting Disease”.
School’s out
Die Lehrkräfte der Online-Äkädemi, die ich derzeit besuche, haben sich und ihre Lernenden in die, personenabhängig, Winterferien / Schneeferien / Feiertagsferien, kurz in jede Art Ferien verabschiedet, die den Begriff Weihnachten vermeidet. Scheint, dass sie noch von früher sind, damals, vor einem Jahr, als noch political correctness geschult wurde: bloß niemanden ausschließen, der / die / das nicht Weihnachten oder was anderes feiert. Die haben auch alle ihr Pronomen in der Signatur.
Es sind sehr junge Menschen, keiner von denen dürfte schon seinen 30. Geburtstag gefeiert haben. Was unter anderem dazu führt, dass meine Konzentration auf den Lehrstoff beeinträchtigt wird, weil ich immer Strichlisten führen muss, wie oft das selbstbestätigende Wort “genau” fällt und wie oft darüber hinaus “tatsächlich”. Mas-sen-haft! Es ist zum Haare ausraufen! Echt jetzt, tatsächlich. Genau.
Neulich aber war wieder die Kollegin dran, deren eigenwillige Wortwahl mich dann doch mit der Welt versöhnte: In ihrer Welt sind dicke Punkte als Aufzählungszeichen “ballet points” und wenn sie sagt, das man irgendwas auch “unförmig” einreichen könne, dann meint sie “formlos”. Ich finde das entzückend. Echt jetzt, tatsächlich. Genau.
Jetzt habe ich erst einmal Ferien. Mal schauen, was die nächstes Jahr noch so alles zu bieten haben werden.

