Himmelherrgottsakrazefix!

Sie, sagt die Freundin, findet Bahnbashing blöd. Ich finde, das kommt ganz darauf an. Die Soll-Situation ist doch so: der reisewillige Mensch entrichtet, im Zweifelsfall lang vor der geplanten Fahrt, einen Geldbetrag, mietet darüber hinaus einen Sitzplatz für die Dauer der Reise an und findet sich rechtzeitig vor der Abfahrtszeit am Bahnsteig ein. Daraufhin kommt der Zug und fährt den nunmehr reisenden Menschen, wohin er will.

Nicht Vertragsbestandteil hingegen ist, dass schon vor der Abfahrt eine Nachricht kommt, dass der geplante Zug nicht fährt, die Platzreservierungen aber für den Ersatz “aktualisiert” wurden und der nichtreisende Mensch sich dann am Hamburger Hauptbahnhof im kühlen Nieselregen die Beine in den Bauch steht, weil der Hanseate Sitzbänke offensichtlich für Teufelszeug hält. Auf der Anzeigetafel wird die Abfahrtszeit in Zehnminutensegmenten nach hinten verschoben, bis eine sehr gute Stunde rum ist. Dann wird der Zug ganz abgesagt.

Sollte ja immer noch kein Problem sein, die fahren dort stündlich gen Süden, nehmen wir halt den – verspäteten – nächsten, bleiben entspannt und haben auch tatsächlich Glück und finden zwei freie nebeneinander liegende Sitzplätze. So gondeln wir gen Hannover. In Hannover, teilt der Zugführer mit, werde ein weiterer Zug angekoppelt. Uns egal, wir sitzen warm und trocken, alles im grünen Bereich. Bis zu dem Momement, in dem der Pilot durchsagt, dass der Koppelvorgang fehlgeschlagen sei und nun die zwei Bahnladungen Mensch bitte eilends seinen Zug verlassen sollen, weil der wegmuß.

Leicht verspätet trifft der bereits prallvolle Ersatz ein. Weil wir leidgeprüft und nicht doof sind, entern wir die erste Klasse, finden Plätze und sind willens, mit allfälligem Kontrollpersonal um diese zu streiten. Müssen wir nicht. Es kommt keiner. Wahrscheinlich alle konfliktscheu. Höhö. Der einzige Mensch in Bahnuniform ist die Dame, die dann Kaffee am Platz serviert. So soll das sein. Genau so.

Über zwei Stunden verspätet treffen wir am Münchner Hauptbahnhof ein. Ich bin damit zu Hause, mir gehts gut, ich brauch bloß noch einen funktionierenden MVV. Die Freundin hat noch eine gute Stunde Regionalbahn nach Niederbayern vor sich. Bon voyage, ma chère.

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