Es ist jetzt so dermaßen genug Winter! Mach’s weg!
Jegliches hat seine Zeit
Arg lautes Holzhäckseln im schallverstärkenden Innenhof zum Beispiel darf auf keinen Fall nach 07:00 Uhr früh beginnen.
Später brächte dem Häcksler sieben Jahre Pech und führte dazu, dass arglose Rentnerinnen zu ihrem Frühmorgenschlaf kämen. Wer will das schon?
Gelesen: Dirk Stermann – “Die Republik der Irren”
Weil es nichts gibt, was es nicht gibt, leitet der Autor sein Nachwort mit dem Satz ein: “Was in diesem Roman am unglaubwürdigsten klingt, entspricht in der Regel den historischen Tatsachen.”
Und so nimmt er seine Leserschaft mit auf einen Parforceritt durch die vom Dichter Gabriele D’Annunzio ausgerufene 500-Tage-Futuristen-Republik im italienischen Nachkriegs-Fiume (1. Weltkrieg) und des gesamten irrwitzigen Spektakels, das sich in dieser Periode dort abspielt. Ein Stadtstaat, in dem die noch lange nicht verückteste Idee ist, harmlose Irre aus den Irrenanstalten des geschlagenen Landes zu Ministern zu machen.
Das liest sich weg wie nix und wer am Irrsinn unserer Tage verzweifelt, kann sich damit trösten, dass es früher auch nicht besser war und irgendwann zu Ende ging.
Lesen!
Besten Dank an Frau R. aus M. für dieses faszinierende Geburtstagsgeschenk.
Bye bye
Gerade ist mein Silvesterbesuch wieder abgereist, und über die Zeit ist es nächstes Jahr geworden. Hach!
Schee wars, wie immer. Bloß halt viel zu kurz und viel viel viel zu kalt.
Fahr und flieg vorsichtig und komm’ bald wieder!
Noch nicht fertig
Glaubt bloß nicht, dass ihr davon kommt, nur weil Weihnachten inzwischen vorbei ist und mir eure Werbung nicht mehr überall und allzeit aufgedrängt wird. Ja, ihr seid gemeint, https://www.mydays.de/, mit eurer schwachsinnigen Wortprägung von der “Gemeinsamzeit”.
Dafür ist selbstverständlich ein hoher Beitrag in die Schlechte-Wortspiel-Kasse fällig. Ein sehr hoher, gemessen an der Häufig- und Lästigkeit eurer Onlineaufdringlichkeit.
Rechnung ist unterwegs.
Gelesen: Harald Jähner – “Wolfszeit: Deutschland und die Deutschen 1945 – 1955”
Viele Menschen meiner Generation dürften die Kriegs- und Nachkriegsgeschichten ihrer Familien noch aus erster Hand von Großeltern oder Eltern gehört haben. Also a) sehr subjektiv, und durch häufiges Erzählen geschliffen und gefärbt, mit Auslassungen und -schmückungen (“Wie wir ein fast volles Weinfass zu fünft von Köln bis Godesberg gerollt haben…”) und b) beschränkt auf den eigenen kleinen engen Blickwinkel.
Jähner hat, wie schon in seinem Buch über die Weimarer Republik (s. https://flockblog.de/?p=50628), umfassendes und weitläufiges Quellenstudium betrieben und faßt für die Nachgeborenen zusammen, ordnet ein, erklärt Zusammenhänge und malt so ein Gesamtbild einer Zeit, in der die Welt sich zu neuen Blöcken sortiert, ein eiserner Vorhang zwischen Weltanschauungen gezogen wird, der Spagat zwischen Tätervolk und Kriegsgeschädigten mal klappt und mal nicht, einer deutschen Zukunft zwischen Morgenthau- und Marshallplan, sozialistischem Realismus und abstrakter Kunst, Beate Uhse und Prüderie.
Brennend interessant, flüssig geschrieben, und wieder einmal mit der Erkenntnis verbunden, dass, bloß, weil ich glaube, dass ich viel weiß, ich noch mehr nicht weiß.
Einem und einer jeden ans Herz gelegt, die mehr verstehen wollen, ohne trocken belehrt zu werden. Mein Exemplar kann ausgeliehen werden.
Lesen! Lesen! Lesen!
PS: Pars pro toto ein Zitat, das ich “Elegie an einen Nierentisch” betitelt habe:
“Der Nierentisch war das dekorative Symbol entnazifizierten Wohnens. Mit abgespreizten Beinen und aufreizendem Optimismus stand er spillerig im Weg; asymmetrisch, verletzlich, hallodrihaft verkörperte er das Gegenteil des wuchtigen Reichskanzleistils. In grazilen Schühchen aus Messing, mit einem goldfarbenen Umleimer gegürtet und oft noch mit mediterranem Mosaik belegt, sah er aus wie die Travestie eines stabilen Tisches.”




