Gastfundstück

  1. Im Hunsrück ist ja oft was anders als anderswo.
  2. Meine früheren Kolleginnen wissen, dass sie mir mit Absurditäten eine Freude machen können.
  3. And now, without further ado, zeige ich euch, womit:

Gelesen: Joann Sfar – “Die Katze des Rabbiners” (Band 5)

Seit Jeff Bezoses Kniefall vor 47, decke ich meinen Bedarf an neuen Büchern manchmal im lokalen Buchhandel, jedoch aber meist bei Thalia und den an gebrauchten bei Momox. Der Weihnachtsmann war offensichtlich von meiner neuen Einkaufspolitik noch nicht informiert worden und so habe ich jüngst wider meinen Vorsatz doch noch mal kurz bei Amazon vorbegeschaut, und die geschenkten Gutscheine gegen Bücher eingetauscht.

So. Und nach dieser langen Vorrede, die gar nichts mit der Katze des Rabbiners zu tun hat, komme ich zum nunmehr 5. Sammelband von Joann Sfars Bildergeschichten und kann mich nur wieder meiner Meinung vom letzten Mal anschließen: https://flockblog.de/?p=48917.

Lesen! Lesen! Lesen!

Neu zum Strömen: “Agatha Christie’s Seven Dials”

Ideale Voraussetzungen: Für die weibliche Hauptrolle wurde eine Schauspielerin (Mia McKenna-Bruce) gefunden, mit einem zuckersüßen Gesichtchen und einer breiten Auswahl frech-verschmitzter Mimik, außerdem mit einer Physiognomie fürs ideale Kleiderpüppchen für den Look der Roaring Twenties (inklusive Hüte) und von der Autorin mit dem reizenden Spitznamen “Bundle” ausgestattet (für alle anderen “Lady Eileen”). Für die Rolle ihrer Frau Mama, einer sehr unkonventionellen Aristokratin mittleren Alters, konnte Helena Bonham Carter gewonnen werden, die dergleichen lässig und quasi im Schlaf spielt, als hätte sie seit Jahren nichts anderes getan (hat sie nicht). Und, holla: Martin Freeman, dessen Superintendent Battle von Scotland Yard sich in der Welt des alten Adels und der neuen Reichen wacker zu schlagen und dafür den schönsten lakonischen Text bekommen hat. Dazu noch eine Kollektion gutaussehender junger Männer sowie schöne Landschaften, Gärten, dienstbotenbestückte Anwesen, Kapuzenkuttenverschwörer und ein Zug mit Dampflock. Fertig ist das Genrestück.

Leider sind die Macher auf den Miniserientrend hereingefallen. Statt mit dem Material und der Besetzung einen eineinhalbstündigen hinreichend spannenden Film zu produzieren, treten sie jede Einstellung bis zur Unerträglichkeit breit. Und noch breiter. Es dauuuert und dauuuert und dauuuert. Ich habe das Buch nicht gelesen, bin aber ziemlich sicher, dass es Frau Christie gelungen wäre, mich länger im Dunkeln zu lassen. Hier bei dieser Verfilmung wußte ich schon ungefähr in der Mitte der zweiten von drei jeweils einstündigen Folgen, wers war.

Wer sich nebenbei zu beschäftigen weiß, kann die “Seven Dials” im Hintergrund laufen lassen. Muss aber nicht.

Gelesen: Barbara Yelin – “Emmie Arbel. Die Farbe der Erinnerung”

Ich hatte neulich erst über “Aber ich lebe”, ein Gemeinschaftswerk dreier graphischer Künstler über Kinder, die dem Holocaust entkommen waren, erzählt (s. https://flockblog.de/?p=52604).

Aus der Zusammenarbeit der Überlebenden Emmie Arbel und ihrer zeichnenden Biographin Barbara Yelin, entstand bei beiden das Bedürfnis, nicht nur einen Auszug, sondern die ganze Lebensgeschichte Emmies zu erzählen. Dazu tauschten sie sich über drei Jahre aus. Persönlich, wenn eine von ihnen zur anderen reiste oder sonst eine Gelegenheit sich bot, sonst, denn es wütete ja auch eine Pandemie, viel über Zoom.

Entstanden ist auf diese Weise ein sehr… hmmm… ergreifendes? berührendes? wahrhaftiges? Werk, dessen Bilder sich in Träume einschleichen und das einen erst einmal nicht losläßt.

Ich will die Lektüre empfehlen, kann aber jede und jeden verstehen, die es sich nicht zumuten wollen. Mein Exemplar ist zu entleihen.

Furchtbar gut gemeint

Als ich am Montagabend in den Kammerspielen gerade mal die ersten sechs Zeilen des ersten Absatzes des Programmheftes gelesen hatte, wäre ich am liebsten sofort schreiend rausgerannt. Warum? Weil da steht (ich zitiere verkürzt, aber korrekt): “… Auerbach? … [war] unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg einer der bekanntesten Juden*Jüdinnen in Deutschland.”

Wie bitte?

Man verstehe mich nicht miß: ich halte Gendern für wichtig. Wenn sinnvoll. Und selbst dann in Maßen. Für mich und mein Schreiben habe ich, nach einigen Experimenten mit Sternchen und Doppelpunkten entschieden, dass ich genug Zeit habe, um “Damen und Herren” zu schreiben und wenn doch mal nicht, das grammatikalisch korrekte generische Maskulinum zu verwenden, ohne dabei auch nur einen Menschen zu diskriminieren, der nicht männlichen Geschlechts ist.

So interessant und lehrreich dieser Theaterabend war, der ständige Glottisschlag (das ist diese stumme Kunstpause vor dem weiblichen Zusatz “Lehrer-mhh-innen”) ging mir zunehmend auf die Nerven. Quasi ein ständiger gesprochener Zeigefinger.

Wißt ihr was, ihr politisch Überkorrekten? Ich erhöhe um einen Mittelfinger! So!

Trotzdem

Da lauern sie, ein bißchen zitternd, aufgeplustert und mit unschuldigem Blick am Eingang vor Bäcker- und Metzgerei und könnten einen fast dauern. Bis mir dann wieder einfällt, dass die da unten nur fressen. Kacken hingegen tun sie lieber mit schöner Aussicht. Bei mir auf dem Balkon.

Totfrieren sollt ihr, ihr Bestien!