And The Winner is: Stefania,

der European-Song-Contest-Beitrag aus der Ukraine, den wahrscheinlich inzwischen jede und jeder außer mir bis dato schon gehört hatte.

Politisch wie nie sei er gewesen, der ESC, berichtet alles, was Bericht erstatten kann in allen Medien, die das so tun und dass rosa Hüte jetzt total en vogue seien.

Steht für mich jetzt nicht ganz auf dem Level von Waffenlieferungen und Embargos, aber wenn’s denn der guten Sache dient, soll es mir recht sein. Ich fürchte nur, der Agressor denkt dabei allenfalls: “DEN Sieg lasse ich ihnen.”

Derniere im Theater (Alte Madlschule, Bad Tölz): Der Zweite Ludwig – Wo der Wittelsbach rauscht

Ich mag Dernieren. Erstens habe ich die Vorstellung mindestens schon einmal vorher gesehen (s. https://flockblog.de/?p=46505) und kann mich an dem freuen, was mir bisher entgangen war (und an dem, was ich schon vorher sehr gemocht habe). Zweitens haben die Schauspieler*innen sich dann freigespielt und nicht mehr den Druck der nächsten Vorstellung im Kreuz. Das spürt man. Und wenns drittens dann auch noch so läuft wie in gestern, dass diese Zusatzvorstellung quasi genauso schnell ausverkauft ist wie ein Rammstein-Konzert und ich die allerletzte Karte bekommen habe – umso besser.

Bei der Ankunft am Tölzer Schloßplatz (Danke, Navi. Gut gemacht.) brummt mir unter dem Nachdemregenistvordemregenwolkenhimmel eine einsame Tuba eine seltsam vertraute Weise ins Ohr und während ich die vielen Trepperlen zum Theater hinabsteige und die anderen Bläser nach und nach einfallen, summe ich sie mit. “Stand by me”. Hmmm, klingt genau richtig. So, als wäre es ursprünglich für eine Blaskapelle komponiert worden.

Im Theater angekommen stelle ich fest, der Zuschauerraum ist schon fast voll und es sind alle da: der Stallmeister des Königs, mit einem Bart wie ein Prinzregent, der Flößer des Königs in der Krachledernen, dem Trachtenhemd sowie Pratzn wia Abortdeckel, und da schau, selbst der Rabbiner des Königs gibt sich die Ehre.

Eine schöne Vorstellung spielen sie wieder. Multiple-Hachs an alle! Ich darf schon weitertratschen, dass, wer den Ludwig dieses Jahr verpaßt hat, nicht traurig sein muß. Er wird wohl nächstes Jahr wieder gespielt. (Habe das aus saugut unterrichteter Quelle, namentlich versprengten Ensemble-Migliedern sowie Autor und Regisseurin). Na prima, dann bitte ich, mir für die Wiederaufnahmepremiere eine Karte zu reservieren. Ich mag nämlich auch Premieren.  

Ein bißchen hänge ich noch mit der Crew in der herrlich entspannten Post-Dernieren-Stimmung ab, aber dann muss ich los. Es hat ordentlich geschüttet, das mag ich bei Nachtfahrten gar nicht, schon gar nicht, wenn es eine ist wie der Heimweg von Tölz. Der nämlich führt über eine jener Rennstrecken um das schönste Marterl, die ich mir mit der offensichtlich luchsäugigen Landjugend teile. Mit welchen Mengen an Karotten müssen die von kleinauf gefüttert worden sein, um erkennen zu können, dass hier in der engen Kurve, in der sie gerade Fontänen spritzend an mir vorbeizischen, keiner entgegenkommt?

Irgendwo aus den Nebelschwaden (warmer Asphalt, kalter Regen und nein, du Autokorrekturdepp: ich meine nicht “Nebelscheinwerfer”, zefix) taucht endlich der erste Wegweiser zur Autobahn auf. Das macht mich sehr froh und erst recht, dass ich für die andere Hälfte meines Heimwegs auf einer geraden gut markierten trockenen Autobahn auf die Lichtverschmutzungskuppel meiner Großstadt zubrause. Landleben wird in diesem Leben nimmer mehr meins.

@Theatergruppe LUST: wollt ihr das nächste Mal nicht gleich in U-Bahn-Nähe auftreten?

Freund und Helfer

Danke an Frau W. aus K. für diesen Gastbeitrag. Man fühlt sich doch gleich besser, wenn die Ordnungsmacht über einen wacht.

Runter vom Hunsrück und wieder nach Hause

Meine Abfahrtszeit, auf Basis freier Fahrt auf der Autobahn (ooooh, war das ein Blitzer?) sowie Auftanken und Rückgabe des Leihwagens und eine zügige Fahrt mit einem Mannheimer Taxifahrer durch Baustellen und Feierabendstau ist arg knapp kalkuliert, aber auf die Bahn ist Verlaß. Als ich atemlos am Gleis ankomme, ist der Zug bereits 20 Minuten verspätet. Dafür gibt es keine Wagenstandsanzeige (wo warten mit Zweiwochenkoffer und Rucksack und Handtasche mit Proviant und Getränk, damit ich schnell in den Waggon mit dem vorreservierten Sitzplatz komme? Man weiß es nicht.) und die Verspätung wird zuverlässig um 15-Minuten-Segmente erhöht. Immer, wenn auf dem Bahnhof die Nachricht angezeigt wird, kommt zuverlässig eine e-mail vom “DB-Reisebegleiter”, die über die vorige informiert. Arrrrgggghhh!

Nach über einer Stunde kommt der Zug doch noch und ist bereits übervoll. Verstopfte Gänge, viele Mitreisende stehen mit Sack und Pack im Weg und ich muss mich durch drei Wagen kämpfen, damit ich endlich wen von meinem Platz scheuchen kann. Seuche? Klar, viele tragen noch Masken, und manche korrigieren den Sitz schnell nochmal, nachdem der Fahrer darauf hingewiesen hat, warum die Dinger “Mund-Nasen-Bedeckung” heißen. Spaß macht das nicht und die Verspätung erhöhen wir bis München nochmal lässig um eine halbe Stunde.

Braucht keiner. Das wird ein Spaß werden, mit den 9-Euro-Tickets.

Auf dem Hunsrück VIII

Noch einmal schlafen, dann gehts wieder nach München. Dann noch eine ganze Woche am Stück daheim im Bett verbringen und schon sollte mein Schlafdefizit wieder ausgeglichen sein.

Auf dem Hunsrück VII

Neben mir auf dem Supermarktplatz steht ein recht auffälliger Wagen, den ich mir beim Einkäufe verstauen unauffällig ansehen kann. Weiß, ein Kombi, in jedem Fenster kleben rote Kreuze und Äskulapstäbe, quer über Fahrer- und hintere Wagentür ist in Klebebuchstaben das Wort “Notfallvehikel” fast gar nicht schief angebracht worden. Auf der anderen Seite peppt “Einsatzwagen”.

Welche Notfälle mag der Fahrer bloß behandeln?

Ah, auf der Heckklappe steht was. Ja, da schau her.

Den ganzen Heimweg lang stelle ich mir grinsend vor, wie der Herr sich durch eine gaffende Menge drängt: “Lassen Sie mich durch! Ich bin Hufschmied!”

Auf dem Hunsrück VI

Zitat des Tages: “Ich sage nicht, dass wir hundertprozentig fair sind, wir sind ja nicht bei der Post.”

Wer’s verstanden hat, möge es mir erklären.

Leihmuttertag

Der rheinische Teil meiner Familie lädt zum Muttertagsbrunch, ich darf aber auch ohne Nachwuchs quasi ehrenhalber mitmachen. Nett haben wirs, viel zu essen, viel zu reden, kein Wunder bei drei anwesenden Generationen, deren Genpool die abersowasvondominante Version des rheinischen Labergens beigemixt wurde. Die liebe Sonne belacht uns, Herzhaftes wird von Kuchen abgelöst, bis wir die Gastgeber kahlgefressen am späten, sehr späten Nachmittag wieder sich selbst überlassen.

VIELEN DANK FÜR DIE EINLADUNG, SEHR SCHÖN WARS. Oder, wie der leider inzwischen verstorbene Onkel gesagt hätte: “Vielen Dank für Speis und Trank, für Bett und Klosett, es war sehr nett.”

Offensichtlich wollen gerade alle rechtzeitig zum Tatort daheim sein, darum lotst mich das Navi auf die Bundesstraße, zwischen Rhein (links) und A61 (rechts). Es ist ein rechtes Gegondel, hier ein Städtchen, da ein Dörfchen, reichlich Kirchtürme und Festungsmauern, aber der Rhein fli-hießt ru-hig, der Gipfel des Berges fu-hunkelt im Abendsonnenschein und das Wochenende klingt auf der eher gemütlichen Fahrt nach und aus.

Die letzten 15km allerdings, ab Boppard, die hätte ich nicht so dringend gebraucht. Die hiesigen Tourismus-Verbände juchzen vom “Steilstreckenerlebnis durch die bestechend schöne Landschaft des Hunsrücks und des Mittelrheintals”. Ich habe nur eine sehr enge und extrem steile – fast 400 Höhenmeter auf dem kurzen Streckenabschnitt – Landstraße durch einen halbdunklen Wald in der Abenddämmerung gesehen, mit vielen ekelhaften Haarnadelkurven und unbefestigten Seitenstreifen. Dergleichen begeistert mich als Beifahrerin schon nicht und als Fahrerin noch weniger. Aber gut, ist ja vorbei.

Noch vier Mal Schlafen, wobei der vierte Tag auch schon mein Abreisetag sein wird. Und jetzt alle, mit Schunkeln: “Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei…”

Auf dem Hunsrück V

Frühstücksraum in der Pension. Wer allein sitzt, hat das Ohr am Nebentisch und findet heraus, was den Rest der Samstagmorgengäste umtreibt.

Am balkonnächsten Tisch sitzt ein Paar meines Alters, das sich auf einer Ü50-Partnerbörse kennengelernt haben dürften. Namen haben die… meine Fresse! Ich zitiere aus der Bestenliste, und zwar die ersten fünf: Lemonswan.de, Zweisam.de, Lebensfreude.de, Zusammen.de und LoveScout24.de. Irgendwo da haben sie einander nun gefunden, die beiden ehemals einsamen Herzen, und verbringen nun ein romantisches Wochenende im Hunsrück miteinander. Nicht zu übertrieben die Investition, eher erst mal sparsam, in einer Pension garni in Emmelshausen und nicht etwa in einem Boutiquehotel an der Mosel.

Worüber spricht man nach der Nacht im Doppelbett im Doppelzimmer? Er reminisziert die guten alten Zeiten, wo es auf Bundesanleihen noch sechs, sieben oder gar acht Prozent Zinsen gab und die Papiere bei der Bundesschuldenverwaltung kostenlos verwahrt wurden. Sie will eher wissen, wieviel er denn da so hat verwahren lassen. Die Antwort fällt ausweichend aus. So geht das die geschlagene halbe Stunde, in der ich frühstücke. Nur ums Geld, und was für “das Alter” auf der hohen Kante liegt. Für abends haben sie irgendwo ein “Überraschungsdinner mit Wein” gebucht. Selbst, wenn das Essen nicht gut sei, konstatieren sie übereinstimmend, seien die dafür vorausbezahlten 50 Euro den Abend allemal wert, wo doch auch die Getränke und die Busfahrt inbegriffen seien. Das ist fucking nochmal “my generation”. Will nicht.

Am nächsten Tisch lästern zwei holländische Ehepaare über die “Moffen”. Das ist einen Tag vor dem Jahrestag des Endes des 2. Weltkriegs angemessen. Weiter.

Dort sitzen drei junge Männer, die aussehen wie meine Kollegen. Muskulös, Bärte, Tätowierungen, feuerfeste Sicherheitskleidung, dicke Stahlkappenstiefel, angewachsene Kopfbedeckung. Die besprechen Kleinkindererziehung und zwar das beste Alter, in dem Zwerge nicht mehr im Elternbett, sondern im eigenen schlafen sollen. Nach einigem Für und Wider einigt man sich auf recht früh. Dann müsse man vielleicht erst mal noch etwas häufiger aufstehen, aber das wichtigste sei doch, dass der Nachwuchs immer einen Platz habe, zu dem er heimkommen könne, wenn was in seinem Leben nicht in Ordnung sei. “Urvertrauen”, darum ginge es, sagt einer abschließend. Danach verabschiedet er sich, weil er “noch scheißen muß und das besser uff Porzellan geht als uff Dixie” und die anderen beiden erörtern den Bau von Gartengrills und Feuergruben bzw. -körben im Eigenbau, wo man mit Stahlplatten ja so einiges Ordentliche schnell hinflexen und -schweißen könne. Endlich. Klischee. Was hätte man denn sonst machen sollen…

Ausgefrühstückt.

Ich fahre dann heut mal an den Rhein und lass den Hunsrück Hunsrück sein.

Auf dem Hunsrück IVa

Der Tennis-Verein nebenan steht vor einem Dilemma und diskutiert in breiter Runde: Kann diese letzte Partie heute noch entspannt gespielt werden, bevor der Leberkäs’ im Öfsche verkohlt?

Weiß leider nicht, wie’s ausgegangen ist: war dann mal duschen und die Arbeitswoche abwaschen.