Auf dem Hunsrück IV

Gegen 11:00 Uhr vormittags: aus der Werkhalle und im Hof schallt mir von den dortigen Kollegen ein vielstimmiges “Schönes Wochenende” entgegen. In spätestens einer halben Stunde werden wir “White Collar”-Mitarbeiter unter uns sein, die “Blue Collar”-Jungs (ja, sind alles Männer. Im Blaumann, meist auch noch stark tätowiert und bärtig. Klischee, aber was will man machen…) gehen dann längst ihrer Freizeitgestaltung nach.

Ich bin ja das erste Mal in meinem langen Berufsleben in einem Produktionsbetrieb tätig und frage mich seitdem, spätestens an den Freitagen, ob die vermeintliche Intelligenzia wirklich so gescheit ist, wie sie glaubt…

Auf dem Hunsrück III

Dem Frühlärmgockel drei Gärten weiter scheint eine gute Seele die Gurgel umgedreht zu haben. (Und jetzt alle: “Der Hahn ist tot, der Hahn ist tot….”)

Seine Nachfolge scheint gegen 4:00 Uhr früh der Zizibä vom Vogelschlafbaum vor meinem Balkon angetreten zu haben. Der brüllt die ganze Vogelschar so dermaßen wach, dass die ihn aus purer Notwehr so lange niederschreien, bis ich, ebenfalls aus Notwehr, viel zu früh zur Arbeit fahre.

Nein, du Autokorrektur-Depp. Nichts, ich betone: gar nichts, liegt mir um die Zeit ferner als “Vogelschutz”!

Auf dem Hunsrück II

Der Effekt einer neuen Methode, sagt der Kollege, müsse sich erst noch weisen. Der Prozess werde danach entweder “doppelt so schnell oder doppelt so langsam” sein. Seitdem treibt mich die Frage um: ist ” doppelt so langsam ” dasselbe wie “halb so schnell”? Und wenn ja, warum drückt sich der Mann so kompliziert aus?

Die Testosteron -Runde mittwochmorgens (14 Männer und moi) ist doch schon ohne linguistische Rätsel anstrengend genug, Mann, ey.

Aus dem Vokabelheft

Neulich habe ich mich gefragt, ob nur mir das auffällt oder ob es in letzter Zeit wieder sehr en vogue ist, eine teilentblößte Männerbrust mit, wofern vorhanden, Sean-Connery-Gedächtnis-Pelz zu zeigen.

Lösung. Es ist offensichtlich gerade eine gängige Erscheinung, denn die wunderbar versatile englische Sprache hat dafür bereits einen neuen Begriff geprägt. In Anlehnung an “Cleavage” (ein offensiv getragenes weibliches Dekolletée) trägt der Mann von Welt nun “He-Vage”.

Auf dem Hunsrück I

Nicht, dass ich auch nur entfernt irgendwas von Tennis verstehe. Aber dass sich auf dem Tennisplatz nebenan die Wiedergängerin von Monica Seles in Rückhandschlägen übt, das fällt selbst mir auf.

Und nein, du dumme Autokorrektur. Wenn ich Hunsrück schreibe, meine ich Hunsrück. Nicht Grundstück.

Heraus zum 1. Mai*

Mit einer langjährigen Genossin die traditionellen Grußbotschaften zum Tag der Arbeit ausgetauscht.

Dabei feststellen müssen, dass die Autokorrektur eine geschichtslose Gesellin zu sein scheint. “Hoch” war noch kein Thema, “die” auch nicht. Der nächste Begriff hat sie an ihre Grenzen gebracht; ab dem “I” fiel ihr bis “Intern…” nur “Internet” ein, und zum krönenden Abschluss “Solitaire”.

Nochmal zum Mitschreiben, du Revisionistin. Es heißt: “Hoch die internationale Solidarität!”

* Der “Regisseurin mit Spielverpflichtung” gewidmet. Rotfront, Schätzele!

Neu im Theater (Alte Madlschule, Bad Tölz): Der Zweite Ludwig – Wo der Wittelsbach rauscht

Man solle sich, warnt die Wettervorhersage, auf starken Regen, heftige Winde und einen entsprechend turbulenten Flug zum Brocken einstellen. Höchst ungern, noch dazu, wo die Sitzheizung am Besen immer noch nicht repariert ist (x Mal in der Werkstatt und der Mechniker kann “nix finden”) und ich außerdem null Bock auf Tanzen in kratzigen Wollschlüpfern habe.

Was ein Glück, dass die Pandemie immer für ein Alternativprogramm gut ist. Vor zwei Jahren, am Abend der Generalprobe vor dem Lockdown abgesagt, hat es Die Rothmüller/Liegl-Produktion vom Zweiten Ludwig nun endlich auf die Bühne der Alten Madlschule in Bad Tölz geschafft. Quadruple-Hach! Doch. Mindestens.

Eine ausführliche Kritik mit vielen Zitaten und Inhaltsangabe lasse ich bleiben, denn mit der hat sich die Frau Schneider von der SZ schon so eine Mühe gegeben, s. https://bit.ly/3vYroDp. (Wir wollen ihr nachsehen, dass sie offensichtlich die Simpsons und Thomas Pynchon nicht kennt. Man kann ja nicht alles wissen.) Außerdem nenne ich keine Namen, dafür will ich dem ganzen Ensemble von Herzen für einen wunderbar lustigen Abend danken! Das habt ihr gut gemacht, das dürft ihr wieder tun – die Ohrwürmer vor der Pause und vor dem Ende der Vorstellung sitzen da immer noch bombenfest. Außerdem inspiriert worden, mal wieder “Walk the Line” anzuschauen. Danke dafür.

Darüber hinaus wünsche ich meine verehrte Leserschaft darauf hinzuweisen, dass am 13. Mai wegen der großen Nachfrage eine Zusatzvorstellung stattfinden wird, für die es noch Karten gibt und die in meiner fachkundigen Begleitung besucht werden kann. Na?

Nimmer ganz neu im Fernsehen: “Beforeigners”

Ich habe in meinem Umfeld Menschen, deren Empfehlungen ich schätze und sicher sein kann, was denen gefällt, das mag ich auch. Also herzlichen Dank an Frau R. aus München für diese Serie, deren erste Staffel ich in drei Abenden weggeschaut habe.

Alles drin, was das Herz begehrt: Wikinger, Steampunk, Zeitreisende, Polizisten, korrupte und gute, böse Schurken, edle Underdogs, eine gemeine Wencke, Drogen, eine wunderbare Heldin (Wikingerin und Ermittlerin und in beidem glaubhaft). Doch, daran kann man Spaß haben. Es gibt herrlich komische Szenen und große Schmuddeltragödie und Oslo ist auch nicht mehr, was es mal war.

Anschauen!