Aus dem Vokabelheft

Vorhin gelernt, beim Telefonat mit der russischstämmigen Kollegin. Sie kommt ins Erzählen, schweift ordentlich aus und ab, vom Hölzchen aufs Stöckchen, vom Hundertsten in Tausendste. Irgendwann unterbricht sie sich, fast erschrocken, und konstatiert: “Jetzt bin ich aber in den Wald gegangen.”

Habe ihr glaubhaft versichern können, dass ich für dieses wunderschöne Idiom auch gerne noch eine ganze Weile länger zugehört hätte.

Manchmal

… wüßte ich schon gerne, wo sich mein Unterbewußtsein nachts so rumtreibt. Gestern früh bin ich vom Wecker hochgeschreckt worden, und folgender Satz steckte für den Rest des Tages nicht zu Ende geträumt in meinem Hirn fest: “600 Hörvertriebene aus New Orleans”.

WTF?

Gelesen: Brian K. Vaughan (Author) and Fiona Staples (Artist) – „Saga“, nunmehr Volume 10

Wer sich ein bißchen in der Comic-Welt auskennt, weiß, wie sehr wir Saga-Fans gelitten haben. Erst zuverlässig seit Anfang 2013 (s.u.) immer alle paar Monate ein sehnsüchtig erwarteter und dann verschlungener neuer Sammelband dieser sehr einzigartigen schrägen mehrfach Eisner-ausgezeichneten Weltraum-Saga und dann, wo man als lesender Fan bis Band 9 mitgefiebert hat, ab ca. Mitte 2018 nichts mehr. Gar nichts.

Aber jetzt gehts endlich weiter. Endlich. Saga Vol. 10 habe ich am Wochenende weggeatmet, für nächstes steht die genüßliche Panel-für-Panel Zweitlektüre an. Brian K. Vaughan hat noch weitere acht Bände versprochen, ich freu mich auf jeden einzelnen!

Lesen! Lesen! Lesen!

Happy Halloween

Hole mir den Lift nach unten und als sich die Türen öffnen, stehen drin schon Vater und Sohn. Ersterer im neonkontrastfarbenen Ballonseidenanzug, letzterer mit einem weißen Geisterkostüm, leicht verfremdet durch die dicke rote Steppweste drüber. Nein, aussteigen wollen die beiden nicht, sie täten dann mit mir mitfahren. Der Vater erkundigt sich freundlich nach meinem Stockwerk und ist sehr erfreut, dass es so schön weit nach oben geht. Weil, “vorhin samma zwoa Moi bloß vom Keller auffi in Erschten kemma”.

Jetzt aber! Diesmal soll die lange Fahrt nicht umsonst sein. Er beugt sich, wohl nicht zum ersten Mal an diesem Abend, zu seinem Sohn hinunter und fordert den Knaben auf: “Jetzt sag hoit amoi ‘Buuuhhh’!”

Ich kann gar nicht anders, als mir das von Polt verfilmt vorzustellen.

Gastfundstück

https://twitter.com/littlewisehen/status/1585901668570374145?t=juDD_1EC-MfF8ZcpNUkopg&s=09
Danke an Frau S. aus D.
Ich schmeiß mich immer noch weg.

Oktobersommer

… ich will mir einbilden, mindestens einen wenzigen, gaaanz wenzigen Anteil an diesem Goldenen Oktober herbeigeschrieben zu haben:

Ganz egal warum, Oktober: Ganz großes Lob!

Zeitumstellung

Eine aufmerksame Leserin hat mich jüngst darauf hingewiesen, dass ich mich offensichtlich halbjährlich an dem Thema abarbeite; sie selbst fände die Aufregung übertrieben und die Stunde hin und her halb so schlimm.

Ich ja nicht. Ich bin heute morgen wieder zu vollkommen falschem Licht aufgewacht und gedenke, für den Rest des Tages angemessen verwirrt zu sein. Darüber hinaus wünsche ich den Marketing-Menschen, die mir einen Discounter-Prospekt in den Briefkasten haben stecken lassen, ein nässendes und juckendes Furunkel an einer Stelle, an der sie sich selbst nicht kratzen können. Von wegen irgendwas kaufen, um es in “einer geschenkten Stunde” zu genießen. Es handelt sich hier um die Rückgabe einer gestohlenen Stunde aus dem Frühjahr, sonst nix. Schon gar nicht um ein “Geschenk”.

Könnten wir uns bitte darauf einigen, diesen Unfug noch einmal zu machen: nächstes Frühjahr europaweit auf Sommerzeit umstellen und dann so lassen? Bitte?

Rollin’, Rollin’, Rollin’

Meine Haustür öffnet sich direkt in eine kleine Ladenpassage und am Samstagvormittag gehts da immer zu, da kann der Stachus um Zwölfe einpacken.

Damit wir sie gleich hinter uns haben, lassen wir präpotente junge Menschen allerlei Geschlechts zu immer viel zu vielen gleichzeitig auf Elektrorollern durch das Gewusel flitzen, mit Glück haben sie woanders zu tun, mit Pech cruisen sie und wiederholen ihre waghalsigen Manöver, bis die Batterie leer ist oder eine/r heim muss, zum Mittagessen. Dann die Transportierer, mit Lastenrädern voller Kindern und Lauchstangen, die mit Einkaufstrolleys, die mit schwer beladenen Radl-, Rollator- oder Reisentheltupfenziehkörben (Fachbegriff “Carrycruiser”), die Schieber von Kinder-, Puppen-, Hunde-, Traglwagen, die Bewohner*innen aus dem Augustinum mit für den Anlaß glitzeglanzpolierten Rollstühlen, Radler mit Anhängern, Radler mit Lastentaschen, Radler mit Rucksäcken, Skateboarderinnen, Rollerblader (doch, die gibts noch, samstags in Hadern; ganz besonders hübsch, wenn sie durch den Supermarkt staksen) und der Akkordeonmann, der sein schweres Instrument heranrollt, um dann für die Einkaufenden aufzuspielen – alle auf ihre Weise bereift. Man kann es nicht anders sagen: Am Samstagmorgen zelebriert man in der Einkaufspassage in Hadern die Erfindung des Rads.

Ich fühle mich als Fußgängerin dann immer fast nackt, bis ich schließlich auch einen Einkaufswagen zum Rumschieben auslöse.