Es grünt so grün

Heute sind überall überdurchschnittlich viel in Grün gewandete Menschen auf den Staßen zu sehen, ganz besonders jetzt am Abend, wo man den San Patrick’s zum Anlaß nimmt, ordentlich mit Freunden zu saufen (Irisch = Schweres Trinken). Viele tragen auch Haarreifen mit grünen Shamrocks (Kleeblättern) oder Guinessgläsern. Die gibt es auch in lustig blinkend.

Konnte leider nicht mitmachen, habe nämlich nichts Passendes in Grün, noch nicht mal einen Bierglaskopfschmuck. Zum Glück kommt Uli morgen an, und wir planen, ihren ersten Tag in den USA heftig shoppend in Gilroy zu verbringen. Motto: Die Kreditkarten liegen seit Wochen vorsorglich im Kühlschrank, damit sie nicht so schnell glühen…

Früher Morgen im nordkalifornischen Frühling

Highway 280 auf dem Weg zur Arbeit: Sonnenaufgang, anmutig aufsteigende Nebel über den Seen und Wäldern – der sich schlagartig auf der Höhe der Abfahrt zur Half Moon Bay auflöst. Schon die Namen der Abfahrten bezaubern mich wieder, Black Mountain Road und Woodside und El Granada – mir geht das Herz auf! Das ist einer der Momente, wo ich mich zwicken muss, damit ich glauben kann, dass ich hier wirklich lebe.

Scho schee.

“Pink Slip”

Wenn ein Amerikaner von “Pink Slips” spricht, hat er nicht etwa gerade bei Victoria’s Secret ein Unterwäscheschnäppchen gemacht, nein, man hat ihm vielmehr soeben den Arbeitsplatz gekündigt.

Dies vorausgeschickt und dann vielleicht auch noch vorausgesetzt, dass der eine oder die andere George Clooney in “Up in the Air” gesehen hat, kann ich berichten, dass ich neulich im Zug neben der San Franciscaner Variante einer professionellen Rausschmeißerin saß. Eine Dame mittleren Alters, mit aufgeklapptem Laptop, am Telefon, Briefe diktierend. Sie konnte sich gar nicht mehr einkriegen vor lauter “Appreciation” für den Mitarbeiter, seinem langjährigen Einsatz für das Unternehmen und seinem unwahrscheinlich wertvollen Beitrag. Deswegen falle es ihr ja auch so schwer, ihm mitteilen zu müssen, dass er zum Monatsende nicht mehr dabei sein werde. Weitere Details werde das HR Department mit ihm klären. Mit freundlichen Grüßen, Zack, Bumm, der Nächste. Nach 20 Minuten Fahrt hatte sie sechs Schreiben diktiert.

Ich bin richtig gern ausgestiegen.

Sommerzeit

Bei uns ist ja schon ein Weilchen Frühling, wahrscheinlich haben wir im Gegensatz zu Europa deswegen am Wochenende bereits auf Sommerzeit (US-Amerikanisch “Daylight Saving Time)” umgestellt. Gestern habe ich das Büro zum ersten Mal seit – gefühlt – Jahren schon  in der Dämmerung verlassen (und nicht bei Stockdunkelheit). Ein gutes Gefühl.

Damit die Menschen die Uhrzeiger in die richtige Richtung drehen, lehrt man hier schon in der Schule den Merksatz: “Spring ahead – Fall back”. Der Herr im Radio war da wohl zum Kreide holen geschickt worden, er hat sich gestern früh ständig bei der Zeitansage vertan.

Zahn um Zahn

Bei mir ums Eck wurde eine neue Zahnarztpraxis eröffnet, ach bewahre, keine simple Praxis, nein, vielmehr ein “Dental Care Center”. Was Frau Dr. Diaz (glaubt man dem  Photo sieht sie aus wie knappe 20, referenziert aber auch auf 20 Jahre Berufserfahrung), “Caring for San Bruno with Trusted Dental Excellence” nicht alles anbietet… Da wäre zum Beispiel das “Welcome Dental Exam” – neben der Vorsorgeuntersuchung im Eröffnungsangebot für nur $49 (“Regular Value of $182”) gibts noch ein “complimentary home care kit with instructions”. Oder Zähne bleichen, für “a more cheerful and confident you”. Sie wartet darüber hinaus auf mit “TV and Headsets, Intraoral Camera – See your Dentistry on TV” – wenn schon sonst nix, wird wenigstens der Zahn zum Star.

Der Schnäppsche-Doktor mit Mundkamera. Daran werde ich mich wohl noch lange nicht gewöhnen.

S.A.D.

SAD = (Englisch – seasonal affective disorder) Winterdepression … das passt aber mal gut.

(CA hilft im übrigen ausgezeichnet dagegen.)

SciFi

Ich habe in meinem ganzen Leben noch nicht so viele Filme gesehen wie hier und in der letzten Zeit waren es gehäuft Science Fiction Parodien. Zu den Perlen zählen: “Dr. Who” (ab 2005), “Starhyke” und “Hyperdrive”, alle drei BBC Fernsehserien und jede auf ihre Art urkomisch.

Ganz anders und besonders schräg ist “Trippin the Rift” (eine kanadisch-amerikanische Koproduktion) und Menschen mit schlechtem Geschmack anempfohlen, die – zum Beispiel – “Drawn Together” schätzen.

Ich meine ja nur, für den Fall, dass ihr noch länger lange Winternächte haben solltet… (Sind im übrigen alle bei amazon.co.uk erstaunlich günstig erwerbbar.)

Zensus

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Obama ausging, dass alle Welt (aka United States of America) geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste (seit 10 Jahren) und geschah zur Zeit, da Schwarzenegger Statthalter in Sacramento war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.

NNNjjeiiinn. Es ist vielmehr so, dass ein jeder Haushalt in den letzten beiden Wochen erst einen Brief und dann eine Postkarte bekommen hat, jeweils mit der Botschaft, dass demnächst aber ernsthaft der Volkszähungsfragebogen ankommen würde. Darüber hinaus hängen an jeder beklebbaren Wand Plakate, es gibt Radio- (und bestimmt auch Fernseh-) Werbespots. Es geht immer nur um das eine: Jeder muss mitmachen, nur so könne die (Bundes-) Regierung jeder Gemeinde ihren “fair share” an “funds for highways, school, health facilities, and many other programs you and your neighbours need”  zuteilen. (Man beachte die Prioritäten – erst mal Autobahnen bauen…)

Nichtausfüllern wird mit sanftem Nachdruck geholfen: “If you don’t mail the form back, you may receive a visit from a census taker, who will ask you the questions from the form.” – Erinnert mich an den Titel eines alten Programms von Uli Keuler: “Zuwiderhandelnde werden von unseren Saalordnern geschunkelt.”

Ganz am Rande: ich habe in diesem Zusammenhang einem jungem Menschen vom großen Volkszählungsboykott 1987 erzählt und obwohl ich mittendrin dabei war und durchaus ein politisch bewußter Mensch konnte ich gar nicht mehr recht zusammenfassen, worum es uns eigentlich ging. Nur noch so ein schwammiges “kein gläserner Bürger sein und persönliche Daten von allgemein statistischen trennen und so…” Hier hingegen fragen sie ganz unverfroren ” What is your telephone number? We may call if we don’t understand an answer.”

Die Amerikaner haben ja immer große Angst, dass irgendwas zu lange dauert und sie dabei Zeit verlieren (also bloß nicht selber Kartoffeln schälen, kochen, stampfen, sondern Betty Crocker’s Fertigpampf kaufen, der fast besser schmecke als home made…). Die Volkszähler kennen ihr Volk und seine Ängste und deswegen gibt es auf ihrer website ein lustiges Zeitaufwandschätzquiz: http://2010.census.gov/2010census/how/about-the-form.php