Ohren auf!

Dass ich mir meinen Commute, also die Fahrten zum und vom Büro mit Hörbüchern aufwerte, habe ich ja schon erzählt. In der letzten Zeit habe ich mich durch den ganzen Görner gehört (Lutz Görner, Rezitator und einem jeden von Herzen empfohlen). Den März habe ich mit T.C. Boyles Wassermusik eingeläutet, ganz arg schön. Gerade hat Mungo Park aus London die Einladung bekommen, eine 2. Expedition zum Niger zu unternehmen. Und jetzt? Aus unerfindlichen Gründen habe ich nur 3 von x CDs und nun werde ich

– wenn nicht ein Wunder geschieht –

wohl ich nie erfahren, wie Ned Rise und Mungo Park in Afrika aufeinandertreffen…

Andererseits: Wunder gibt es immer wieder. Gell, Rainer?

“Alice in Wonderland”

in Imax 3D (das wäre nicht nötig gewesen) – ich bin sehr begeistert. Tim Burton hat eine wunderbare Entwicklungsgeschichte daraus gemacht, die Besetzung ist – wie gehabt – geglückt (Mia Wasikowska eine ideale Alice, Johnny Depp und Helena Bonham Carter gehören ohnehin zur Crew, Stephen Fry spricht die Cheshire Cat), Danny Elfman hat wieder komponiert; mir hat das Alice-Lied im Abspann, gesungen von Avril Lavigne ausgesprochen gut gefallen.

Jabberwocky habe ich mir genauso vorgestellt -hier die Übersetzung von Lewis Carrolls Gedicht ins Deutsche:

Der Zipferlak

Lewis Carroll, aus “Alice hinter den Spiegeln”, Übersetzung: Christian Enzensberger

Verdaustig war’s, und glaße Wieben
rotterten gorkicht im Gemank.
Gar elump war der Pluckerwank,
und die gabben Schweisel frieben.

“Hab acht vorm Zipferlak, mein Kind!
Sein Maul ist beiß, sein Griff ist bohr.
Vorm Fliegelflagel sieh dich vor,
dem mampfen Schnatterrind.”

Er zückt’ sein scharfgebifftes Schwert,
den Feind zu futzen ohne Saum,
und lehnt’ sich an den Dudelbaum
und stand da lang in sich gekehrt.

In sich gekeimt, so stand er hier,
da kam verschnoff der Zipferlak
mit Flammenlefze angewackt
und gurgt’ in seiner Gier.

Mit Eins! und Zwei! und bis auf’s Bein!
Die biffe Klinge ritscheropf!
Trennt’ er vom Hals den toten Kopf,
und wichernd sprengt’ er heim.

“Vom Zipferlak hast uns befreit?
Komm an mein Herz, aromer Sohn!
Oh, blumer Tag! Oh, schlusse Fron!”
So kröpfte er vor Freud’.

Verdaustig war’s, und glaße Wieben
rotterten gorkicht im Gemank.
Gar elump war der Pluckerwank,
und die gabben Schweisel frieben.

Full House

Am Wochenende waren Wiltrud, Ingmar und Ruth auf dem Rückweg vom Lake Tahoe nach Michigan in San Bruno zu Besuch.

Mit vier Menschen sind Haus und Garten auf einmal sehr belebt und ich habe mit Freude festgestellt, dass im Gästezimmer immer lässig noch einer mehr Platz hat…

Die Wettergötter waren gnädig mit uns, obwohl Regen vorhergesagt war, haben wir trocken und mild besonnt San Bruno entdeckt, in Pacifica beim Hochstand der Flut (das sind dann schon sehr ordentliche Wellen, kein Wunder, dass die Ecke als Surfer-Paradies gilt)  Strand und Pier ergangen, und nebenher unser bestes gegeben, die Vorräte aufzuessen.

Am Samstag sind wir über die Golden Gate Bridge (“Die ist gar nicht gold, und ein Gate ist das auch nicht. Das ist nämlich eine Brücke.” – Du hast ja so recht, Kind. Inzwischen habe ich eine Antwort für dich: “Benannt wurde die Brücke nach der natürlichen Einfahrt zur Bucht von San Francisco. Diese Einfahrt (the Golden Gate, das Goldene Tor) ist 1,6 Kilometer breit. Die Buchteinfahrt erhielt um 1846 während des Goldrausches in Kalifornien ihren Namen Golden Gate oder Chrysopylae von Captain John C. Fremont, den die Meeresstraße an das Goldene Horn (griech. Chrysoceras) in Konstantinopel/Istanbul erinnerte.”)

…also über die Golden Gate Bridge mit einem schnellen Blick auf Sausalito (“Siehst du die vielen Hausboote?”) und einem Abstecher in San Quentin, ja, genau, dem Knast. Jetzt muss ich doch  ausholen. Die Auffahrt zum Gefängnis ist gesäumt von wunderhübschen am Hang gelegenen Häuschen, mit blühenden Bäumen und Spielzeug in den Gärten, wie in einem Kitschfilm über Smallville, USA. Das Ende dieses Bilderbuchsträßchens bilden die Gefängnistore, Wachtürme und schwerbewaffnete Guards. Im öffentlich zugänglichen Bereich liegt – na was wohl, wir sind schließlich in Amerika – richtig: “The San Quentin Gift Shop” (samstags aber leider geschlossen).

Keine Knastsouvenirs (“Warum kriegen die bösen Leute so ein großes Haus”), aber dafür Hunger, leider war Downtown San Quentin nicht auffindbar. (Gibts entweder nicht, oder sie hattens mal wieder verlegt.) Dafür fand sich in San Rafael ein Saloon mit entzückender angeschlossener Terasse auf der Pier und gereicht wurden fangfrische große Krabben (wahlweise ein Berg Chocolate Chip Pancakes…).

Ein kurzer Abstecher im China Camp State Park

und dann wollten wir weiter nach Berkeley. Ich habe Blut und Wasser geschwitzt, da finde ich doch immer die Innenstadt mit den netten Hippie-Ständen nicht. So auch dieses Mal. Aber Wiltruds Freund Garrett, der Antiquar, kauft dort regelmäßig ein, war per Handy erreichbar und wußte genau, wohin. (Wiederholen und merken: Telegraph Street, Telegraph Street, Telegraph Street!) Da habe ich Downtown Berkeley auch mal wieder gesehen und Ruth besitzt seitdem ein zum Rock ihrer Puppe passendes Batikkleid mit einem dicken Smiley auf dem Bauch.

Über die Bay Bridge sind wir an der hell erleuchteten Skyline vorbei nach Hause gefahren, schnell noch fertig gepackt und dann war der Besuch auch schon wieder vorbei. Viel zu kurz!

Sonntags hat der San Bruno Wind die Wäsche ganz schnell trocken geblasen – Ollie kann am Freitag kommen.

Sweets for my Sweet

Zur Zeit sind wieder überall Pfadfinderinnen unterwegs, die für irgendein Fundraising “Girls Scout Cookies” verkaufen (Jungs verkaufen “World’s Best Chocolate” – hab’ dem Nachbarsbuben schon drei Riegel abgekauft). Ich vermute, dieses Utensil (unten) setzt man für Cookies ein, die auf dem Basar der NRA verkauft werden sollen…

Fruitloops XXL

Heute im Polizeibericht: eine Handvoll Grundschulkinder wurden wegen äußerst auffälligen Benehmens in die Notaufnahme gebracht. Dort stellten die behandelten Ärzte fest, dass die Kids unter Drogeneinfluß (Marihuana) standen. Alle gaben übereinstimmend an, die von einer Klassenkameradin mitgebrachten Fruit Loops genascht zu haben. Hochnotpeinlich befragt, gestand das Mädchen, die Zerealien bei ihrer großen Schwester stibitzt zu haben.

Diese wiederum ist Kundin eines der hier weit verbreiteten Kaufhäuser für Cannabis als Nahrungsergänzung bei bestimmten Krankheitsbildern und war sich gar keiner Schuld bewußt. Es werde weiter ermittelt…

Genuß?

Soll wohl “ohne Reue” bedeuten – aber ehrlich, bevor ich irgendwelche fettreduzierten Lebensmittel mit dementsprechend (wahrscheinlich prozentual skalierbar) “reduzierter Schuld” verspeise, esse ich doch lieber echte Schokolade (mit echter Kakaobutter) oder gar nix…

Nach der Schule

Die San Carlos Middle School hat dieser Tage die folgenden Aktivitäten auf dem Plan:

Bin das jetzt wieder nur ich, die sich fragt, ob lediglich die Überlebenden des Viehsturms (meine freie Übersetzung von “stampede”) zum Familienabend zugelassen sind (und die Schule möglicherweise plant, sich in “Charles-Darwin-Gesamtschule” umzubenennen)?

Auf dem Heimweg

An einer roten Ampel kommen wir neben einem Transporter mit der Aufschrift “Strumming for Vets” zu stehen. “Weißt du, was “strumming” bedeutet?” Toni wartet mit “Strumming my pain with his fingers…” auf, weiß es aber eigentlich auch nicht. Leo sagt, es stehe für klimpern, schrammeln, schrummen und wir verbringen ein paar erquickliche Minuten, Schmerzen klimpern zu lassen oder uns schrammelnde Tierärzte bei der Erstversorgung von Großwild auszumalen.

Ist aber alles ganz anders: http://strummingforvets.org/ 

ist eine Hilfsorganisation für Kriegsveteranen, die Instrumente (vorzugsweise Gitarren) sammelt und Musikunterricht für ehemalige (meist versehrte) Soldaten anbietet.

Quasi: AK47 zu Saiten.

Grocery Shopping

Bei “Mexicana Produce”, meinem Lieblingslebensmittelhändler in San Bruno, war wohl Ausbildungstag. Zwei Verkäuferinnen hatten ihre Töchter mitgebracht, die an den Kassen mithalfen. Die ungefähr Fünfjährige hat ununterbrochen mit ihrer Windex-Flasche gesprüht und die Tresen rein gewischt, die ca. Zehnjährige schon Kundengespräche geführt “Buenos Dias” – “Es Todo?” und – sich ihrer Wichtigkeit im Geldgeschäft sehr bewußt – abkassiert.

Meine Einkäufe sollten $10.09 kosten. Also habe ich ihr abgezählt $10.10 in die Hand gedrückt. Hilfesuchende Rückfrage bei Mama, wieviel “change” sie mir denn nun geben müsse. Mama hat nicht geholfen, sondern mich (und ihren Sproß) nur schulterzuckend angeguckt – ich habe ihr den “Lucky Penny” schließlich einfach geschenkt.

Angesichts dieser schulischen Erfolge muss sich das Kind früh um Rücklagen kümmern.