Yes – We Can!

Der heutige Bewerber des Tages schreibt: “I Think, I Can. Therefore I am”, helps me to motivate myself for the desired cause. I aim to work in field where I can exploit my skills which can be beneficial to me as well as firm.”

Ja, dann – ab aufs Feld mit dem Mann!

Silvester

habe ich im übrigen damit verbracht, mich durch die erste Staffel von “Breaking Bad” zu sehen.

Ganz großes Fernsehen und uneingeschränkt weiterzuempfehlen. Es schadet aber nicht, ein ähnliches Humorverständnis wie die Brüder Coen (im speziellen “Fargo”; die Shredder-Szene) zu haben. Wer mehr wissen will, lese den Wikipedia-Artikel. http://de.wikipedia.org/wiki/Breaking_Bad. Irgendwann hat’s auf der Straße geblitzt und gekracht – und dann war nächstes Jahr. Sehr unaufgeregt. Sehr erholsam.

Ach je, ach je, wie rührt mich dies…

Ich bin in der glücklichen Lage, in meinem Kollegenkreis einen deutschen Toni (i-Toni) und einen amerikanischen Tony (y-Tony) zu haben. Letzterer hat mich zu Neujahr ins Altenheim eingeladen. Anlass war (leider) nicht die Aufforderung zum Vorruhestand, sondern ein Neujahrskonzert des deutsch-amerikanischen Excelsiorclubs.

Das Altenheim ist wirklich eines und mit meinem Erscheinen sank das Durchschnittsalter im Saale signifikant. Ich hatte, wie schon bei der letzten Veranstaltung des Vereins wieder meine Schwierigkeiten mit diesem Berufsexilantentum (irgendwie müffelt es immer nach Heimatvertriebenenverbund); die sind alle ihrem Alter entsprechend etwas zurückgeblieben deutsch, man hat den Eindruck, mit seinen Großeltern zu sprechen. Mit Großeltern, die ihren Nachrichtenbedarf seit Jahrzehnten aus dem knappen Fundus ihrer Heeresberichtsmarken decken.

Pscht, alle auf die Plätze, das Konzert geht los. Der Tenor knödelt sich mitleiderregend durch die Zauberflöte (das Mitleid gilt Mozart), die Sopranistin glitzert mit dem Weihnachtsbaum um die Wette, ihre Gestik und Mimik sind ganz großer Stummfílm und wenn sie vom Tod singt, röchelt und hustet der ganze Raum vorahnend mit. Dann tritt die Diva auf, ein weiterer Sopran, die deutsch singt, ohne zu verstehen, was. Es geht um “Nuneilter-bei”, “Stolsunduber-Mutt” sowie “Schäm-Rott” (das klingt so, als hätte man ihr gesagt, sie solle als Eselsbrücke an “Shamrock” denken). Die Dame kann ausgezeichnet singen und mit diesen sprachlichen Holperern macht sogar mir Oper Spaß. Nach der Pause tragen sie ein Medley aus der Fledermaus vor (die Dame neben mir, mit kalter Verachtung in der Stimme und Wiener Akzent “an das Theater aus der Wien reicht das nicht im entferntesten heran”) und nach der Champagner-Arie wird zügig applaudiert und aufgestanden. Traditionell gibts anschließend Snacks und Champagner (d.i. hiesiges Zuckerbubbelwasser) aufs Haus. Wie zu erwarten: die arme lahme Greisin mit dem Rollator hatte am Büffet die Pole-Position.

 i-Toni wird morgen aus Deutschland wieder zurückfliegen. Er schätzt seine Chance, das Land verlassen zu können, recht hoch ein, da der Flughafen Leipzig-Halle im Gegensatz zu manchem Westflughafen noch Enteisungsmittel vorrätig habe. Wundert mich nicht. Wer 40 Jahre nix hatte geht mit seinen Reserven wahrscheinlich sparsamer um. Gelle?

Highway Patrol to Hell!

Es ist spät und ich will nach Hause. Was ist da los? Warum ist um diese Zeit auf dem 101 eigentlich noch so viel Verkehr? Und warum schleichen die Deppen alle mit unter 60 mph vor sich hin? Und blockieren meinen Heimweg? Weil da vorne zwei Fahrer in  schwarzweißen Autos ein seltsames Spiel spielen. Der eine wechselt ständig zwischen den beiden linken Spuren hin und her, der andere zwischen den beiden rechten. Man sollte 911 anrufen und denen sagen, dass da zwei offensichtlich sehr betrunkene Kollegen Schlangenlinien fahrend den Verkehr aufhalten.

Der heutige Bewerber des Tages

… comes from Alabama. Er schreibt nicht, dass er ein Banjo auf den Knien hat, aber sonst kann er alles. (Hat bloß gar nichts mit unseren Stellenausschreibungen zu tun – aber wer sieht das schon so eng.)

Dear Hiring Personnel:
I am a Senior Police Executive and Security professional with more than thirty years of experience in almost every policing role, from Patrol Officer to Chief of Police. In addition I have completed several successful engagements as a Security Consultant and have taught the entire Criminal Justice curriculum as an Adjunct Professor.
The purpose of this letter is to introduce myself and summarize some of the assets I can bring to your organization:
‘
• Proven track record of successfully taking on increasingly challenging assignments, including re-building the University of New Orleans Police Department after Hurricane Katrina
• Outstanding success in transferring policing skills to provide security for organizations like the University of New Orleans
• Recognized for building and implementing the Texas Police Chiefs accreditation program
• An accomplished educator and public speaker in the field of Criminal Justice
I have enclosed a copy of my resume for your review, and would ask you to pay particular attention to some of the achievements I have included. Next week I will follow up to discuss any available opportunities where I can contribute to the continuing success of your organization.
I look forward to our conversation and your feedback.

Manchmal hätte ich ja gerne meinen Philosophen-Securityman Robert zurück. Aber ich fürchte, der Herr ist nicht der rechte Ersatz.

Neulich, in Deutschland,

 

im Flieger, auf dem Weg in die Sonne, hat der geneigte Tourist die Auswahl zwischen Gala, Sport Bild und Brigitte. Seit letztere auf Models verzichtet, bekommt man einen erschreckenden Querschnitt deutscher Feld-, Wald- und Wiesenanorexistas zu sehen.

Da sind die Jungs in der Sport Bild doch vergleichsweise wesentlich besser genährt und schöner anzuschauen.

DADT (Don’t ask – don’t tell)

(also die Regelung, die Homosexuellen den Dienst in der US-Army gestattet, wenn sie ihre sexuelle Orientierung nicht offenlegen) ist seit dem 18. Dezember aufgehoben.

Das war aber auch höchste Zeit.

1/7

Wenn eine einen Geschenkgutschein bekommt, noch dazu von Menschen, die es gut mir ihr meinen, dann will sie den auch einlösen. Also bin ich gestern nach dem Mittagessen beim Massage Therapy Center auf der California Avenue vorstellig geworden, um einen ersten Massagetermin zu vereinbaren. Wenn möglich, noch vor Silvester. Aber klar doch, am nächsten Tag gleich? Lieber um halb zwölf bei Carolina oder um halb eins bei Kelly? Ich tue Kelly bestimmt unrecht, sie ist wahrscheinlich weder blond noch ein CA-Chick, aber Carolina klingt so viel sympathischer, weicher, dunkler – danke, ich nehme den Termin am Mittwoch, um 11:30.

Was ein Glückstreffer! Carolina ist sympathisch, weich, dunkel, mit einer Lache, die ganz tief aus dem Bauch nach oben kollert. Aber ich greife vor. Erst mal muss ich einen Wisch unterschreiben in dem ich bestätige, dass ich, wenn “intoxinated” oder “sexually offensive”, sofort des Instituts verwiesen werden darf und keinen Anspruch auf Rückerstattung habe. Ich bin weder besoffen noch bekifft, also kein Problem, aber welcher Entkleidungszustand gilt wohl als “sexually offensive”? Carolina fragen, Kollerlache, ich soll doch einfach so viel ausziehen, wie ich selbst als “comfortable” empfinde (dabei verließ sie den Raum) und mich dann bäuchlings auf den Profitisch zwischen die angewärmten Laken (für solche Kleinigkeiten bin ich so dermaßen empfänglich) legen.

Sie kommt zurück und will wissen, welche Art der Massage ich wünsche. Es stehen umpfzig Varianten zur Auswahl, von denen ich keine einzige kenne. Weil manchmal Ehrlichkeit doch recht weit führt, sage ich ihr das und dass ich mich jetzt in ihre Hände begebe und sie bitte für mich aussuchen soll. Irgendwelche Beschwerden? Ja, eine winzig kleine Schwachstelle habe ich, mein rechtes Bein (so schön, wie ich das ganze letzte Jahr gehinkt habe…), aber sonst? Nö. Mir fehlt nix. Es kollert wieder, sie werde meinen Körper fragen (“Let my hands listen to your body.”). Erst mal ein “Heat Pack” auf die Schultern und dann die Fußreflexzonen befragt.

Mein Körper ist eine Petzliese und hat ihr jede einzelne kleine Spannung, jede alte Verletzung, jedes Gebrechen und jede Anfälligkeit erzählt. Und sie hat ganz genau zugehört und “body work” betrieben – eine ganze genußreiche Stunde lang. (Als ich mich angelegentlich nach den Folterern in ihrer Ahnenreihe erkundigt habe, hat es wieder von ganz unten gekollert und der Druck wurde ein wenig verstärkt.) Gegen Ende, es waren noch 3 Minuten übrig, hat sie sich ertastet, was das nächste Mal dran kommen wird (es macht mir ein wenig Angst, wie sehr sie sich drauf freut – aber wenn ich ehrlich bin, ist die Freude ganz auf meiner Seite) und mir aufgetragen, heute Abend bei Walgreens Epsom Salz zu kaufen. Wie? Bittersalz wirkt abführend, das weiß ich – was hat das mit Massage zu tun? Nicht doch, nicht für Innen. Für Außen. Als Badezusatz. Gegen den Muskelkater.

Frisch in Epsom Salzwasser gebadet fühle ich mich noch immer sehr entspannt. Entgegen meiner ursprünglichen Idee, alle Massagevarianten und Therapeuten durchzuprobieren, werde ich Carolina treu bleiben und sie tun lassen, was sie für richtig hält. Für so ein Geschenk bin ich richtig gern 50 geworden.

Ich bin in guten Händen!

Der Schwachsinn höret nimmer auf

Welche Bedeutung hierzulande das Verloben hat, kennt man aus Filmen und den kleinen Geschichten in diesem Blog. Ich bin aber doch fast umgefallen, als ich jüngst beim Warten an der Supermarktkasse auf “Engagement 101 – The Magazine for the soon-to-be-engaged” gestoßen bin. Die meinen das ernst. Und haben eine Website und eine Community (der sich bald Verlobenden) http://www.yourengagement101.com/, mit Verlobungs-Blog, Verlobungs-TV und Verlobungs-Partytips (bloß lesen, wenn man grade eh nix zu tun hat und auf einen download wartet oder so…)

26. Dezember, Sonne in San Francisco

Gestern hat es den ganzen Tag kalifornisch geregnet, also aus allen Kübeln geschüttet. Meine sump pump hat brav gepumpt, das Häuschen in ein wildes Vibrato versetzt (ich überlege mir inzwischen, ob sich daraus nicht ein Geschäft machen ließe: für ein paar Minuten im Relax-Vibration-Chair in der Mall zahlen die Menschen ja auch gerne eine Handvoll Dollar) und dem vorne auf der Straße parkenden Pick-up ein paar gründliche Unterbodenspülungen zukommen lassen. Also bin ich zu Hause geblieben habe “Freedom” von Jonathan Franzen gelesen. Ein ganz großes Buch.

Nachdem heute die Sonne wieder schien, hatte ich Lust, mir die weihnachtlichen Nachwehen in der City anzusehen. Mit dem CalTrain in die Stadt, weiter mit dem Bus, Ecke 3. & Market. Sie sind alle fahrplangemäß gefahren – wahrscheinlich ein kleines Christmas-Miracle. Dafür anekdotenfrei, von kleinen alten asisatischen Damen abgesehen, die offensichtlich nicht um ihre statistisch sehr hohe Lebenserwartung wissen. Warum sonst sollten sie die bis zur Einfahrt des Busses diszipliniert aufgereihte Schlange auflösen und wie die Wahnsinnigen in den Pulk der Aussteigenden drängeln? Führt bei doch wieder nur zu blauen Flecken auf Hüfthöhe.

Nun aber. Die Damen aus dem Weg gekickt und auf zum Union Square unter Umgehung der Cable Car Endstation, wo Horden von Touristen ihrem authentischen San-Francisco-Fahrerlebnis entgegenwarten. Als “Local” weiß man, in welche Nebenstraßen auszuweichen ist, dahin, wo die Irren&Wirren laut kreischend und wild gestikulierend mit ihren Dämonen hadern und ein Schnorrer den Dank für die geschenkte Zigarette mit der Empfehlung verbindet, Johannes 3.3 zu lesen, weil dort der Schlüssel für das Ende der Drogenkriege zu finden sei. Johannes 3.3 lautet: “Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.” Es würde mich interessieren, welche Reaktion das Zitat in einer Auseinandersetzung mit einem Narco-Kartell-Krieger hervorruft. Es steht zu hoffen, dass er bibelfest genug ist, um daraufhin die Waffen niederzulegen. Ich bin inzwischen endlich bei Macy’s, bestaune den riesigen Weihnachtsbaum (den stiftet das Warenhaus traditionell den Bürgern von San Francisco und bei Tageslicht sieht der gar nicht so schlimm aus) und die überkitschige Weihnachtsdeko in den Schaufenstern (unter Wegkicken weiterer Asiatinnen).

Und nun? Wer nicht auf die Cable Car wartet oder kreischt ist eindeutig dabei, die Weihnachtsgeschenkgutscheine in Ware umzumünzen. Gestern am “Christmas Day” (Santa liefert in der Nacht davor aus) hatten die Geschäfte geschlossen. Manchen ist die nackte Kaufnot ins verzerrte Gesicht geschrieben. Es ist voll, alle schleppen Tüten, alle rempeln und ich habe genug.

Außerdem habe ich Hunger. Ich gehe die Market Street Richtung Ferry Building hinunter und die Lage entspannt sich, kaum mehr Geschäfte, kaum mehr Leute. Bei Noah’s Bagels verkaufen sie jetzt den “Pretzel-Bagel” (eine nicht notwendigerweise zu wiederholende kulinarische Erfahrung). Am Embarcadero gibt es einen kleinen Weihnachtsmarkt (mit Batik-T-Shirts, SF-Souveniers und lustigen Tiermützen – ich habe den Verdacht, dass die gleichen Stände im Sommer auf den Street Fairs zu finden sind) und eine Eislaufbahn und an meinem Lieblingspier mit Blick auf die Bay Bridge steht jetzt keine Spinne mehr (die hat ein reicher Texaner gekauft, man gönnt sich ja sonst nix nettes fürs Ölfeld), sondern eine lustige Rakete.

Das hätt’s gewesen sein können, aber dank der Weihnachtsfee saß in meinem Waggon in der Tram eine Dame mit hüfthohen schwarzen Lederstiefeln (ohne High Heels hätte ich auf Flußfischerei getippt), parlierend in ihr rosa Telefon, farblich perfekt abgestimmt zu Lippenstift und Nagellack, 2 Meter groß mit breiten Footballerschultern, die am Bahnhof alle kleinen Asiatinnen für mich aus dem Weg kickte.