Northern California: Muir Woods – Muir Beach

Für den Sonntag hatten wir uns, mal wieder bei sehr schön milden 20+° Celsius, einen Trip in den Norden vorgenonmmen. Manches ist jetzt schon fast zur lieben Gewohnheit geworden, wie zB der Photo-Zwischenstop an der sonnenbeschienenen Golden Gate Bridge. (Unter anderem deswegen, weil ja nun Jürgen nur Nebelbilder von ihr hat – ich habe sie noch immer nicht in Natura im Nebel gesehen…) Freut euch auf neue Brückenbilder, demnächst in diesem Blog.

Dann serpentinten wir den Highway Number One hoch; weder Toni noch ich waren sicher, ob wir hier im großen Regen schon mal gewesen waren; so eine Landschaft sieht mit weniger Wasser doch ganz anders aus. Unser Ziel: http://www.nps.gov/muwo/index.htm.

Es ist den Parkbetreibern beinahe gelungen, einen Redwoodforst zum Waldlehrpfad zu degradieren – zum Glück nicht ganz; je weiter man vom Giftshop weggeht, desto waldiger wirds. Bis auf die Wasserspender am Wegesrand wirkte es teilweise wie gut gehegt und so naturbelassen wie möglich. Die Bäume dort sind so groß und mächtig, dass sie das Tageslicht fast völlig absorbieren. Hat schon so was von Auenland…

Nach einem ausgedehnten Spaziergang wollten wir nach Stinson Beach, Sonnenuntergang ansehen. Irgendwie wurde es aber noch schneller dunkel als sonst, und deswegen wiechen wir an den näher gelegenen Muir Beach aus. Und hatten das Glück, zu sehen, wie Nebel aus dem Wasser zwischen den Bäumen aufzog, sich oben am Kliff verfing, und die weit hinter den Wolken liegende Sonne zunächst golden und dann zartrosé durchschimmerte. Okay. Kein Sonnenuntergang wie alle. Shakespeare hätte den Macbeth Hexen hier oben sofort noch ein, zwei Kochzaubersprüche mehr gedichtet.

Zudem fanden sich hoch auf der Klippe Bunkeranlagen aus dem 2. Weltkrieg; einer meiner Begleiter bekam auf einmal leuchtende Augen und begann von Wasser-Boden-Luft-Abwehrgeschützen zu phantasieren. Vielleicht sollte ich die Anlagen zum Abenteuerspielplatz für große Jungs umbauen lassen.

Danach fuhren wir – es war schließlich Sonntagabend – erst mal gemütlich zum Grocery Shopping. Das ist schon sehr sehr nett hier. Wenn man sonntags beim Einkaufen überlegen kann, was man denn anschließend frisches kochen möchte.

@JR: Danke. So lass uns denn ein Redwoodbäumchen pflanzen.

Goooo Bears!

Heute war der Höhepunkt der lokalen College-Football-Saison: die Berkeley CAL Bears gegen die Cardinals aus Stanford, in Berkeley.

(Natürlich hatte Jürgen es irgendwie hingekriegt, für dieses längst ausverkaufte Spiel für uns Karten zu bekommen – zwischen den beiden Fanblocks, aber mit einer klaren Mehrheit der gelb-blauen Bears um uns rum. Nachdem die mir ohnehin die sympatischere Mannschaft sind (das ist immer auch ein Kampf der Underdogs gegen die Silicon Valley Elite) war mir das ganz recht.)

Wir reisten dieses Mal nicht, wie sonst immer, mit dem Caltrain, sondern mit der BART (BAY Area Rapid Transit). Der Bahnfof ist in gut 20 Minuten zu Fuß von zu Hause erreichbar, das Tarifsystem läuft darauf hinaus, dass man dem Automaten den Preis für die Fahrkarte entweder passend einfüttert oder überzahlt. Gibt man zu wenig hat das wenig Sinn, da sowohl beim Ein- wie beim Aussteigen Schranken zu passieren sind, die sich in dem Falle der Unterzahlung einfach nicht öffnen. Es kommt dann ein schwarzgekleideter Cop herbeigeeilt, aber was der tut, habe ich nicht mehr mitbekommen – ich hatte genug bezahlt und kam durch.

Wir hatten keine Ahnung, wo’s langgeht und sind an der Downtown Berkeley Station einfach den Massen gefolgt. Ich hatte vorher noch recherchiert, dass es Shuttle Busse gibt – aber wenn schon die Amis zu Fuß gehen, dann kann das für Europäer ja nur ein Katzensprung sein. Ist es nicht, man tapert ewig den Berg hoch, weil das Stadion sehr hübsch in die hügelige Landschaft gebettet am Hang liegt. Hauptsache, es geht wieder irgendwo bergan. Grrghh.

Wir waren 20 Minuten vor Spielbeginn auf unseren tollen Plätzen in Section PP, sonnenbeschienen, hatten wieder das volle Pre-Game-Showprogramm mit Marching Bands und Cheerleaders und den Gewinnern des güldenen Safewaypasses und des 1000-Gallon-Tankgutscheins und und und… es ist wirklich Wahnsinn, was man sich hier alles einfallen läßt, das Volk zu unterhalten. Wahrhaft Brot und Spiele, wenn auch wieder ohne Fly Over. Als es ans Absingen der Hymne ging, mußte das Publikum selbst ran. Hier bitte: ordentlich memorieren – man weiß nie, wie schnell man im Stadion steht, und beim unbeholfen Mithmhmhmen schräge Seitenblicke von den aus voller nationaler  Brust schmetternden Nachbarn erntet:

The Star Spangled Banner Lyrics
By Francis Scott Key 1814

Oh, say can you see by the dawn’s early light
What so proudly we hailed at the twilight’s last gleaming?
Whose broad stripes and bright stars thru the perilous fight,
O’er the ramparts we watched were so gallantly streaming?
And the rocket’s red glare, the bombs bursting in air,
Gave proof through the night that our flag was still there.
Oh, say does that star-spangled banner yet wave
O’er the land of the free and the home of the brave?

On the shore, dimly seen through the mists of the deep,
Where the foe’s haughty host in dread silence reposes,
What is that which the breeze, o’er the towering steep,
As it fitfully blows, half conceals, half discloses?
Now it catches the gleam of the morning’s first beam,
In full glory reflected now shines in the stream:
‘Tis the star-spangled banner! Oh long may it wave
O’er the land of the free and the home of the brave!

And where is that band who so vauntingly swore
That the havoc of war and the battle’s confusion,
A home and a country should leave us no more!
Their blood has washed out their foul footsteps’ pollution.
No refuge could save the hireling and slave
From the terror of flight, or the gloom of the grave:
And the star-spangled banner in triumph doth wave
O’er the land of the free and the home of the brave!

Oh! thus be it ever, when freemen shall stand
Between their loved home and the war’s desolation!
Blest with victory and peace, may the heav’n rescued land
Praise the Power that hath made and preserved us a nation.
Then conquer we must, when our cause it is just,
And this be our motto: “In God is our trust.”
And the star-spangled banner in triumph shall wave
O’er the land of the free and the home of the brave!

Frisch aufgesungen habend, ging das Spiel los, wieder ohne dass ich es mitbekommen hätte. Aber es war auch so viel los, alles schön bunt und der Stadionlautsprecher genau gegenüber; so direkt denken konnte man sich nicht mehr hören. Sehr nett, als die Bears ihre ersten Punkte machten und es aus eben diesem Lautsprecher tönte: “CAL: :3 – Stanford… (kleine Kunstpause) NOTHING”. Für den Herrn am Mikro hat es mir fast leid getan, dass Stanford ein paar Pünktchen erspielt hat, dem ist viel Spaß genommen worden. Der hat sein “NOTHING” so herrlich ausgekostet…

THE BIG GAME war denn auch spannend (hätte ich nie gedacht, aber wenn man die Regeln so ein bißchen verstanden hat, ist Football ein aufregendes, sehr strategisches Spiel) und die Pausenschau wirklich witzig. Die Stanford Cardinals haben nicht, wie ich mal irrtümlich behauptet habe, einen Vogel als Maskottchen, sondern einen Baum. (War wohl ganz früher mal ein Indianer, das geht aber wegen political correctness nicht mehr… – wer dazu Näheres wissen möchte, befrage Jürgen.) Der CAL-Fanblock hat nun mit bunten Papptäfelchen über dem Kopf in vier Bildern die Geschichte erzählt, wie sie den Baum klauen, anzünden, wie er nett brennt und zum Schluss nur noch ein Baumskelettstrunk übrig bleibt. (Das nimmt wohl Bezug auf eine wahre Geschichte: bei einem der BIG GAMES in jüngerer Vergangenheit wurde der Baum als Geisel genommen und erst nach Tagen gegen Lösegeld wieder freigelassen. Man hats nicht leicht, so als Baum.) Die Halbzeitshow ist die Chance der Marching Bands, sich zu produzieren und so ließen die CALs erst Stanford aufspielen und konterten dann mit einer dreifachen Überzahl an Musikanten (sie haben die Cardinals ganz einfach eingekesselt) und einem Medley von Musik aus den Neunzigern. Beginnend mit den Back Street Boys, zum Cheerleaderauftritt roch es nach “Teen Spirit” und zu der oben angeprochenen Bildergeschichte ließen sie wissen, dass sie es (nämlich die Axt geholt, die hiesige Trophäe) “ooops” wieder getan hätten.

Ein ungemein unterhaltsamer Nachmittag. Nach dem Sieg “ihrer” Bären sind 60.000 von 70.000 anwesenden Zuschauern aufs Spielfeld gerannt, um dort mit der Mannschaft zu feiern. Und wieder alles friedlich. Die einzigen Ausreißer waren ein paar trunkene CAL-Bübchen, die Menschen in roter Kleidung (Cardinals)  Four-Letter-Words nachbrüllten. Sehr nette Szene auf dem Weg zurück ins Städtchen. Auf einem Balkon stand ein Fan, der statt T-Shirt Boa trug. Nicht Feder-, sondern Constrictor. Auch sie offensichtlich ein Fan, mit einem Lächeln wie Ka selig.

Nach einem schnellen Abstecher im Fan-Shop mussten wir dringend nach Hause und was Anständiges essen – so ein Spiel strengt ganz schön an!

No Dope left behind

Am Freitag spielte Government Mule im Filmore Auditorium in San Francisco auf. Kennt keiner, macht nix, ging mir genauso, war ein Tip von Jürgen. Das eine oder andere Bandmitglied hatte auch schon Engagements bei den Greatful Dead und so war auch die Musik (guter alter Schweinerock) und vor allem das Publikum.

http://www.youtube.com/results?search_query=government+mule%2C+san+francisco

Needless to say, dass in dem ganzen Filmoregebäude das Rauchen striktestens untersagt ist – raus auf die Straße, und mindestens 15 Füße vom Eingang entfernt. Überraschend für mich, dass das offensichtlich nur für Tabak galt. Alles andere wurde fröhlich und in Mengen konsumiert, die auch den Passivraucher in die späten Sechziger zurückversetzte. Gute Güte – die Jungs hatten weder eine Nebelmaschine noch Trockeneis im Einsatz, aber der Raum war vollkommen rauchgeschwängert. Viele der männlichen Konzertbesucher muteten an wie Jerry Garcia selig, Batik-T-Shirts waren allgegenwärtig, die Haare lang und wenn sie nicht im Filmore bei den Mules sind, dann reiten sie auf ihren Harleys gen Sonnenuntergang zum “Burning Man”. Sehr sehr schön.

Eintretend bekamen wir nach Leibesvisitation und Taschendurchsuchung erst mal Stempel auf die Hände. Sogenannte “Bar”stempel mit der Inschrift “Over 21”, damit wir ganz legal Alkohol konsumieren können. Dann begrüßte uns Mr. – Howdy (keine Ahnung, wie er wirklich heißt), ein legitimer Nachfahre von Wild Bill Hickock vom Stetson bis zum Cowboystiefel, der als Grußaugust den Gästen nahelegt, das wirklich schöne Haus zu explorieren. Nach einem Rundgang haben wir uns oben auf der Galerie niedergelassen, im “Poster-Room”, wo jeder der Künstler, der hier schon mal aufgetreten ist, ordentlich gerahmt ein Plakat hat. Holla – ein rechter Zug durch die Rockgeschichte – das kriegen nicht mal die (ebenfalls präsenten) Kaulitz-Brüder angekratzt…

Dann folgte ein recht ordentliches Rockkonzert, das wir leider wegen eines akuten Müdigkeitsanfalls meinerseits in der Pause abbrachen; schließlich war für Samstag das Big Game geplant und vor dem wichtigsten Footballspiel der Saison wollte ich wenigstens ansatzweise ausgeschlafen wirken.

Vorher waren wir durch Fimore gestreunt, das scheint eines der entdeckenswerten Viertel San Franciscos zu sein: Mittendrin liegt Japantown und die Straßen sind gesäumt von netten kleinen Lädchen und Dienstleistern.

Let’s go Niners!

Da war ich also: sonntags, zur besten Sendezeit (das Spiel fing wegen der Werbung um 01:05pm an), inmitten johlender und grillender Fans (auf dem Parkplatz, teilweise schon in den frühen Morgenstunden fürs Barbecue angereist), an HotDog- und Burritobuden vorbei, auf der Rolltreppe auf dem Weg in den Fanblock der San Francisco 49ers im Candlestick Stadium, dem Monsterpark.

Inzwischen haben wir schon Mittwochabend und ich habe den Sonntag noch nicht fertiggeschrieben; Zeit ist halt leider nicht unbegrenzt dehnbar.

Also, nochmal zum Sonntag: wir saßen also mitten im Fanblock der seit Monaten nur verlierenden 49ers und haben uns das ganze Programm gegeben: mit aufmarschierenden Kapellen und Hupfdohlen (das sind auch Profis und das sieht man) und Absingnen der Hymne sowie dem Appell, unserer Jungs im Feld zu gedenken. Jürgen hat sehr bemängelt, dass es kein Fly-Over gab – vielleicht liegt das Stadion doch zu nahe am Flughafen. Das Maskottchen der 49ers ist Sam, so ein Howdy-Geschöpf mit Cowboy-Hut und Halstuch, dem ein kleiner ähnlich aussehender Sammy beigegeben ist – paßt irgendwie zu dieser Stadt.

Gleich ein kleiner Exkurs: dieses Sam-Wesen steht natürlich immer und immer wieder auch für Fan-Photos (“ich und Sam”) zur Verfügung und man bringt Neugeborene, Krüppel  und Greise zu ihm, auf dass er sie segne – so zumindest sieht es für Außenseiteraugen aus – oder?

http://picasaweb.google.de/mucbiene/Fourtyniners#

Vor lauter Ummichschauen hatte ich mal wieder nicht mitbekommen, dass das Spiel schon angefangen hatte… aber dann war’s wirklich klasse. Jürgen hat Ahnung von der Materie und viel erklärt und schon im 2. Viertel habe ich mich dabei ertappt, wie ich auch bei guten Spielzügen aufspringe und “go go go” brülle. Dazu muss man erst mal verstehen, was denn gute Spielzüge sind. Guter Lehrer. Footballgames sind in der Hauptsache Entertainment. Gerade NFL-Spiele. Dieses wurde landesweit übertragen, das heißt, dass das Publikum im Stadion während der vielen vielen TV-Werbepausen unterhalten werden muss. Man kann zB auf einem Riesenbildschirm die gleiche Werbung gucken, wie die Leute zu Hause an den Empfängern. Oder sich an den Cheerleaderinnen ergötzen. Wobei ich bei denen zwiespältig bin: die Kostümchen sind eine seltsame Mischung zwischen sexy und bieder – und die Damen irgendwie auch. Groß, langes Haar, offen getragen, lange Beine, vielzahniges Lächeln, aus allen Ethnien – aber es fehlt dieses je ne sais quoi. Mir fehlt es. Bin aber auch nicht ganz die Zielgruppe.

Man kann auch zu essen und trinken holen oder gebracht bekommen oder Jungs beim Kunstradfahren zusehen, oder auch Bilder von sich,  Sam und Sammy machen (lassen) – es bleiben die wenigsten Zuschauer während dieser vier Viertel auf ihren Plätzen. Wie ich montags von meinem Kollegen Jesse erfahren habe, trifft man sich morgens zum “Camping” (so nannte er das tatsächlich) auf dem Parkplatz, schmeißt den Grill an, trinkt viele Dosen Bier und gerne auch mal was Härteres, schaut sich die Übertragung im Fernsehen an, geht während des 2. Viertels auch mal ins Stadion (ich habe den Verdacht, weil dort die Toiletten sind), guckt ein Weilchen zu und spätestens Mitte des 3. Viertels geht man dann wieder mit oder zu den Buddies auf den Parkplatz.

Wir haben bis zum Ende zugesehen. Die Niners haben tatsächlich gewonnen, das konnte keiner so recht fassen. Allerdings hatten sie schon im 3. Viertel so einen guten Vorsprung, dass sie den im 4. nur noch gehalten haben und damit war die Luft sehr raus. Trotzdem. Gezahlt ist gezahlt und wir hatten sehr gute und teure Plätze fast direkt am Spielfeld.

Was mir extrem positiv aufgefallen ist: die Fans sind sehr gemischt, alle Altersgruppen, Ethnien und Geschlechter, überhaupt nicht aggressiv und ein guter Spielzug des Gegners wird auch gewürdigt – wirkliches Fairplay und der Begriff des Hooligan ist unbekannt. Wer besser ist, hat es auch verdient, zu gewinnen.

Sehr viel Spaß hatte ich an der Erklärung des Stadion-Sprechers (mit Bildchen auf Großleinwänden), wie denn die 80.000 Menschen nach dem Spiel am besten wieder wegkommen: “head North when you want to go South – it may sound crazy, but it will work”. Wir sind ganz vorbildlich mit dem Caltrain gefahren (“to use Public transport, check 511.org to get routes and fares”). Hat man ja im Stadion auch immer mit, so ein Internet. Der Weg zum Bahnhof führte unter der Autobahn durch, war zwischenzeitlich nur noch ein wenig staubiges Bankett und die Station liegt gleich an der Mülldeponie. Sie geben sich hier schon größte Mühe, das Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel so attraktiv wie möglich zu gestalten…

So, das wäre der Sonntag gewesen. Wenn ich später noch Lust habe (und nicht zu satt bin vom Schweinebraten) erzähle ich, was bis heute noch so passiert ist, ihr habt aber nicht viel verpaßt. Gebt euch noch die Zeit, die Bilder aus dem PS anzusehen – das war ein herrlicher Tag.

PS:http://picasaweb.google.de/mucbiene/GoldenGatePark#

Englische Wochen…

eines der vielen Mitbringsel Jürgens war Eintrittskarten zu Footballspielen – drei an der Zahl, innerhalb von sieben Tagen.

Heute haben wir das erste gesehen: Stanford Cardinals vs. USC (University of Southern California aus Los Angeles). Es war eine rechte Hetze, bis wir dort waren, Jürgen und Toni hatten schon zwei Umzugsfuhren hinter sich und schwer und viel geschleppt, ich hatte Haus geputzt, und dann war bei der dritten Fuhre das Auto mit Umzugsgut und zwei Beifahrern (Jürgen und ich teilten uns einen halben Rücksitz…) massiv überfüllt und wir standen auch noch im Stau. Rummäkel. Wir kamen zu spät ins Stadion und unsere Sitzplätze waren wohl ganz hinten in der Reihe und schon fest besetzt. Mann, war ich genervt! Erschwerend kam hinzu, dass – wie immer, wenn man keine Ahnung von den Spielregeln hat – Football eigentlich nur so aussieht, als würden seltsam angezogene Männer mit Helmen auf sich zu einer Art Gruppenaufeinanderwerfen auf den unterschiedlichen Spielfeldmarkierungen treffen.

Tun sie nicht. Jürgen, regelfest, hat mich geschult. Uns beiden gefiel das Pausenballett der “Trojaner” (so heißen die Jungs aus LA mit Beinamen) ausnehmend gut. Lippizanerartig anmutende Vestalinnen von Blechbläsern in ein- und mehrdeutigen Posen an- und niedergeblasen, Herren mit Federhelmen, schmucken Gamaschen und gelbem Cape zum braunen Teddybärstrampelanzug – das war eindeutig unsere favorisierte Mannschaft. In den letzten beiden Vierteln hatte ich die Regeln soweit verstanden, dass ich mitfiebern konnte und Wir Trojaner haben dann auch den Kardinälen ordentlich eingeschenkt. Ist schon nett, wenn man sich frühzeitig entscheidet, mit dem späteren Sieger zu sympatisieren…

Heimzus gings in einem völlig überfüllten Caltrain; der Einsatz von Sonderzügen für Ballspiele wird hier noch nicht einmal in Erwägung gezogen und die Mehrzeit von Ein-und Ausstiegen aufgrund der höheren Nutzerzahl schlägt sich eben in Verpätungen nieder, damit hat man eben zu leben, wenn man nicht Auto fährt. Das System ist so grauenhaft marode. Statt der geplanten 40 Minuten waren wir gut über eine Stunde unterwegs, davon verbrachte ich ca. 20 in direkter Nasenhöhe der Achselhöhle eines Althippies, der die Lederweste, die er nun über dem T-Shirt trug früher ausschließlich direkt auf der nackten Haut getragen hatte. Leder ist organisch und nimmt alle Gerüche auf. Alle. Ich könnte einen Teil seiner Lebensgeschichte olfaktorisch nachstellen.

Nach dieser Fahrt war ich soweit, mir sofort, jetzt noch, mitten in der Nacht ein Auto zu kaufen und bei Jürgen meine Teilnahme an weiteren Spielen aufzukündigen.

Mal schauen, wie mir morgen sein wird. Morgen ist nämlich richtige Profiliga angesagt, die San Francisco 49ers gegen die St. Louis (früher: Los Angeles) Rams (Ram wie Rammbock) im Monsterpark. Dieses Spiel wird seit Monaten beworben, unter dem Motto: “put your gameface on” http://www.youtube.com/watch?v=sGemJ3fvMcE; sieht das Video nicht aus, als hätte gerade ich gerade da noch gefehlt?

Ich werde es euch wissen lassen. Jürgen hat mir eben noch den guten Rat gegeben, mich vor dem Fraternisieren noch zu vergewissern, in wessen Fanblock wir eigentlich sitzen. Widrigenfalls gedenkt er, alles, war mir zustößt mit der Kamera zu dokumentieren und die Aufnahme dem auf Schadenersatz klagenden Anwalt gegen ein geringes Entgelt zur Verfügung zu stellen. Wer solche Freunde hat…

Golden Gate Park

http://de.wikipedia.org/wiki/Golden_Gate_Park

Hier haben wir den Freitag verbracht. Jürgen entlockt dem San Franciscaner Öffentlichen Nahverkehr so langsam seine Geheimnisse (das geht auch nur, wenn man den ganzen Tag frei und Ferien hat, das meiste basiert auf dem trial and error-Prinzip) und deshalb kamen wir in einer Kombination zwischen Caltrain und Muni durch sehr nette Gegenden gegondelt gut im Park an und haben unsere Augen an vielen schönen Dingen geweidet. Es lohnt sich fast nicht zu erwähnen, dass wir wieder Traumwetter hatten und uns mit Freude im Shakespearegarten ergingen, hier mal auf einem Bänkchen sitzend und uns dort mal treiben lassend. Ein Höhepunkt war der Besuch im Japanischen Teegarten – eine wunderbare Anlage voller auf eben diesen Effekt angelegten Photomotiven. Natürlich bei herrlichem Nachmittags-, Sonnenuntergangslicht und traumhaften Kontrasten. (Bilder gibts demnächst.)

Auf dem Rückweg sind wir noch durch den Botanischen Garten gerast (der hatte eigentlich schon geschlossen) – das ist auch nochmal ein tagfüllender Ausflug. Zum Abschluss gings endlich mal wieder shoppen – dieses Mal in der Market Street. Jürgen hatte von der Dame, die vor ihm an der Kasse anstand, einen Rabattgutschein über nochmal 30% geschenkt bekommen – da waren wir quasi verpflichtet, einzukaufen um zu sparen. Und schließlich tragen wir damit intensiv zur Steigerung des Bruttosozialproduktes der Vereinigten Staaten von Amerika bei – und das hat es bitter nötig!

Den Rest des Abends haben wir einfach im Garten sitzend verbracht – grad schee wars.

San Bruno, Nordkalifornien, 15. November, mittags

Wir haben 25° Celsius, seit Tagen, den lauen Abend gestern bis Mitternacht bei Kerzenschein auf der Terasse verratscht und es geht uns saugut!

So kann ich mit Winter leben…

Außerdem hat Jürgen eben sein Placet zur RayBan-Brille von Sheryll Kwong gegeben, sie ist bestellt, mit einem flotten maßgefertigten Sonnenclip, und wird irgendwann nach Thanksgiving fertig sein.

Jürgen und Toni sind unterwegs, Tonis Hab und Gut nach San Carlos zu verbringen – dem Trail Blazer sei Dank, da geht viel rein und heute Nachmittag gehts nach Stanford, Football gucken.

Für heute Abend ist das Hackfleisch (superleckeres Fleisch vom Mexikaner) schon im Kühlschrank, der Rost geschrubbt und wir werden Börger grillen – es geht uns wirklich saugut!

des is aaaaa ois so vaginal…

man stelle sich diese Aussage im breitesten Wienerisch von einem Typen mit Roger-Cicero-Hütchen ausgesprochen vor und weiß, mit welcher Irritation ich auf einmal im SFMOMA zu kämpfen hatte. Mr. und Mrs. Austria beim Kunstgenuß. Jürgen und ich sind simultan in Schweigen verfallen, und haben uns mit einem raschen Blickwechsel darauf verständigt, die beiden und ihren Ausflug in die Designhochkultur keinen Moment länger mit unserer Anwesenheit zu schmücken.

Ansonsten hatten wir einen sehr schönen Abend: Jürgen hat mich vom Büro abgeholt und wir sind mit dem Neunerbus zur Marketstreet gefahren. Dazu muss man wissen, dass in der Greater San Francisco Area drei vollkommen unterschiedliche Nahverkehrssysteme nebeneinander her existieren – es ist mir noch unklar, ob sie sich nicht in Wirklichkeit bekriegen. Also muss man erst mal herausfinden, wer von den Dreien die Richtung bedient, die man zu befahren gedenkt, dann deren (und nur deren) Fahrschein kaufen, deren Haltestelle in dem Gewirre finden und dann hoffen, dass a) der Vorschlagscharakter des Fahrplans nah an der Realität liegt und b) keine der Hautkrankheiten der Menschen, mit denen man eng an eng sitzt und steht und Haltestangen anfasst, ansteckend ist. Öffentliche Verkehrsmittel sind halt das Fortbewegungsmittel der ganz Armen. Wer irgendwie kann, besitzt und fährt mindestens ein Auto.

Donnerstags kostet das Museum of Modern Art nach 5pm nur noch halben Eintritt. Da Jürgen den Hauptteil seines Urlaubsbudgets in die Sanierung der notleidenden amerikanischen Textilindustrie steckt, ist ein solcher Preisnachlass natürlich hochwillkommen. Wir haben das ganze Museum inklusive Giftshop bis 9pm geschafft: großzügige Spender haben eine recht beeindruckende Sammlung bekannter Namen zusammengekauft, und es gab ein paar recht schöne Exponate. Wiewohl das Museum insgesamt es nicht mit dem Museum of Contemporary Art in Chicago oder dem Moma in New York aufnehmen kann. Aber das Gebäude ist von schöner Architektur und für den halben Preis konnten wir sehr zufrieden sein…

Anschließend haben wir bei einem wunderbaren Thai zu Abend gegessen (merci à Stephan für die Empfehlung) und sind dann in großen konzentrischen Kreisen um die Market Street herummarschiert und haben window shopping betrieben. Dabei nette Dinge gesehen, wie zB die beiden alten Damen, bestimmt jenseits der siebzig Lenze, Zwillinge in Leopardenmäntelchen und Hütchen und frohgemut ein “How are you today” in die Runde zwitschernd. (Ich hege den Verdacht, dass es sich um die – zum Glück pudelfreien – amerikanischen Kusinen der Jacobs-Sisters handelte.) Immer mal wieder steht in Ecken einer und macht Musik, meist Blechblasinstrumente, häufig Saxophon und es paßt immer – scheint doch ein Großstadtinstrument zu sein…

Natürlich gibt es auch sehr viele sehr kaputte Menschen, kenntlich immer an schlechten Zähnen, vorhandenem Geruch (der Amerikaner an sich betreibt einen immerwährenden Kampf gegen Körpergeruch, ich hab ein Weilchen gebraucht, bis ich verstanden habe, dass Deo-Spray-Dosen hier das Format von Haarspray zu Hause haben) und am Murmeln, wirr Sprechen und/oder Kreischen. Man wird um Münzen angehauen – “spare your change” – aber nicht weiter belästigt. Dennoch werde ich mich an den Kontrast zwischen Cartier und Crackie nie so recht gewöhnen.

Wir hatten uns vergewissert, dass der Zug zurück stündlich fährt – nur leider nicht der um 11:00pm, der kommt schon um 10:30pm – also haben wir die Zeit bis zum letzten Zug um Mitternacht auf dem Bahnhof verwartet und Leute geguckt. Und Pläne für den Freitag geschmiedet – und das, wenn ihr dies lest, auch schon alles erlebt. Nur noch nicht aufgeschrieben. Kommt noch…

“Gooooooood Moaarning!

… y’know what – we have a relationship – and so I called the wheather guys for you and they switched on the sun again – have a gooood one”.

Danke, Robert.

Ihr auch. Allesamt!

Besuch zu haben

… ist wunderbar. Es ist mir nicht neu, dass die Stadt schön ist und vieles hier anders und durch unsere europäischen Augen hiesige Normalitäten als Absurditäten wahrgenommen werden – und es ist sehr herrlich, es mit jemandem zu teilen. Deswegen habe ich mir diese Woche den Freitag freigenommen (mein erster unbezahlter Urlaubstag – das ist Amerika!) und werde ganz genußvoll Touristin sein. Hah!