Neu zum Strömen: “Star Trek: Starfleet Academy”

Nach den ersten beiden Folgen war ich mir nicht sicher: taugt das nun was? Wo doch Holly Hunter die Schulleiterin und Kapitänin des Schulschiffes spielt und die Figur total unkonventionell ist: barfuß in Schule und Raumschiff, wo sie im Kaptiänenstuhl herumlümmelt (!). Außerdem ist sie steinalt, hat alles schon gesehen und erlebt und ist deswegen die ideale Besetzung, um 100 Jahre nach dem allvernichtenden “Burn” nunmehr junge Menschen zu begleiten, “to boldly go where no man has gone before”. Uhund sie trägt, unkoventionell, wie sie ist, für Kleingedrucktes eine Lesebrille (!), und das, wo der Visor, der Blinde sehen läßt, schon lange erfunden ist, gell, Geordi La Forge? Dann ist Robert Picardo wieder dabei, der opernsingende herrlich arrogante Doktor und Stephen Colbert* gibt den “Digital Dean”. Eigentlich kann diese neue Star Trek-Serie doch nur gut sein?

Nach nunmehr dreieinhalb Folgen kann ich klar verneinen. Nicht gut. Die vielen jungen Menschen, die die Studenten und Innen der Akademie geben, wurden nur wegen ihres Aussehens, die Herren hübsch und muskulös, die Damen anorexisch und ebenfalls gut defniert, gecastet. Nicht etwa wegen der Schauspielerei. Die einzige, die anders aussieht, also Normalfigur mit Mondgesicht und einer Auswahl blöder Frisuren, arbeitet als “comic relief”, und man hat ihr leider dafür keine lustigen Texte geschrieben. Ansonsten gehts an der Starfleet Academy zu wie an jeder amerikanischen Hochschule: es wird jeder Trope abgearbeitet. Die, die sich anfangs nicht ausstehen können, werden beste Freunde, der eher wenig soziale Typ ist nicht böse, sondern bewältigt ein frühkindliches Trauma, die Mädels zicken untereinander auf Cheerleaderniveau und im Bubenschlafsaal stinkts nach ungewaschener (Sport-)Kleidung.

What an utter shyte! Gene Roddenberry dürfte sich demnächst in die andere Erdhälfte rotiert haben.

Nicht anschauen!

* Stephen Colbert, langjähriger Late-Show-Host und ausgesprochener Kritiker des aktuellen Präsidenten, seiner Politik und seines Stabes, wurde, wir erinnern uns, von seinem Sender CBS (Paramount) auf dem MAGA-Altar geopfert und wird Mitte Mai das letzte Mal auf Sendung sein.

Gelesen: Katinka Buddenkotte – “Früher war wenigstens Sendeschluss – Film und Fernsehen für Fortgeschrittene”

Eigentlich mag ich Budenkotte. Aber, wie meine kluge Leserschaft deduziert, wenn ein blogpost schon so anfängt: dieses Buch ist nix. Eine Sammlung von Histörchen übers Fernsehen, knapp 10 Jahre alt, und sie ist, wie das Medium selbst, nicht gut gealtert. Seicht. Fad. Laa-aangweilig.

Ich habe bis zum Schluß keinen guten Grund gefunden, weiterzulesen und werde das Büchlein im roten Bücherschrank bei der Feuerwehr deponieren. Vielleicht findet es woanders ein gutes Heim.