Gelesen: Barbara Yelin – “Emmie Arbel. Die Farbe der Erinnerung”

Ich hatte neulich erst über “Aber ich lebe”, ein Gemeinschaftswerk dreier graphischer Künstler über Kinder, die dem Holocaust entkommen waren, erzählt (s. https://flockblog.de/?p=52604).

Aus der Zusammenarbeit der Überlebenden Emmie Arbel und ihrer zeichnenden Biographin Barbara Yelin, entstand bei beiden das Bedürfnis, nicht nur einen Auszug, sondern die ganze Lebensgeschichte Emmies zu erzählen. Dazu tauschten sie sich über drei Jahre aus. Persönlich, wenn eine von ihnen zur anderen reiste oder sonst eine Gelegenheit sich bot, sonst, denn es wütete ja auch eine Pandemie, viel über Zoom.

Entstanden ist auf diese Weise ein sehr… hmmm… ergreifendes? berührendes? wahrhaftiges? Werk, dessen Bilder sich in Träume einschleichen und das einen erst einmal nicht losläßt.

Ich will die Lektüre empfehlen, kann aber jede und jeden verstehen, die es sich nicht zumuten wollen. Mein Exemplar ist zu entleihen.

Furchtbar gut gemeint

Als ich am Montagabend in den Kammerspielen gerade mal die ersten sechs Zeilen des ersten Absatzes des Programmheftes gelesen hatte, wäre ich am liebsten sofort schreiend rausgerannt. Warum? Weil da steht (ich zitiere verkürzt, aber korrekt): “… Auerbach? … [war] unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg einer der bekanntesten Juden*Jüdinnen in Deutschland.”

Wie bitte?

Man verstehe mich nicht miß: ich halte Gendern für wichtig. Wenn sinnvoll. Und selbst dann in Maßen. Für mich und mein Schreiben habe ich, nach einigen Experimenten mit Sternchen und Doppelpunkten entschieden, dass ich genug Zeit habe, um “Damen und Herren” zu schreiben und wenn doch mal nicht, das grammatikalisch korrekte generische Maskulinum zu verwenden, ohne dabei auch nur einen Menschen zu diskriminieren, der nicht männlichen Geschlechts ist.

So interessant und lehrreich dieser Theaterabend war, der ständige Glottisschlag (das ist diese stumme Kunstpause vor dem weiblichen Zusatz “Lehrer-mhh-innen”) ging mir zunehmend auf die Nerven. Quasi ein ständiger gesprochener Zeigefinger.

Wißt ihr was, ihr politisch Überkorrekten? Ich erhöhe um einen Mittelfinger! So!