Vorrede: Mit dem Begriff “Graphic Novel” wird oft Schindluder getrieben.
Und nun zu Schröders “Biographie” des 20. Juli. Schon der Titel soll gescheit klingen, ist aber Schwachsinn. Eine Biographie ist, laut Duden, die “Beschreibung der Lebensgeschichte einer Person” bzw. der “Lebenslauf, Lebensgeschichte eines Menschen”. Nix Tag. Weiter. Schröder bebildert geschichtliche Fakten und zwar nicht mit Fotos, sondern mit selbstgemaltem. Das ist hübsch, macht sein Werk jedoch nicht zu einer Graphic Novel, sondern zu einem vermeintlich leichter lesbaren Geschichtsbuch mit Bildern. Hmmm.
Er erlaubt sich darüber hinaus dichterische Freiheiten, wie zum Beispiel einen Einblick in die Gedanken des in Plötzensee eingesperrten SPD-Politikers Julius Leber, über dessen Haupt eine “Denkblase” wabert, in der zu lesen ist: “Hoffentlich gelingt es Stauffenberg bald, Hitler zu töten. Seit dem KZ bin ich zwar hart im Nehmen. Aber die Foltermethoden dieser Verbrecher werden zunehmend unangenehmer…”. Jetzt aber mal ehrlich: Folter mit dem Adjektiv “unangenehm” in Verbindung zu bringen ist bestenfalls ungeschickt – und dass es niemandem auffällt, nicht beim Korrekturlesen, nicht dem Lektorat, ist einfach nur armselig.
Der ganze Band umfaßt 133 Seiten, davon sind nur zwei kurze Abschnitte dem Genre Graphic Novel zuzuordnen, und das auch nur, wenn der Leserin gerade sehr wohlwollend zu Mute ist. Der erste ist die graphische Darstellung des Gedichts “Der Widerchrist” von Stefan George, der zweite die Hinrichtung der Wiederstandskämpfer im Bendlerblock. Endlich stimmt einmal das Zusammenspiel zwischen Bild und Text und macht daraus mehr als die Summe ihrer Teile.
Man verstehe mich nicht miß, die Intention hinter dem Buch war bestimmt gut. Schröders Zeichnungen sind gute Abbildungen von zeitgenössischen Fotografien, er hat sich mit der Recherche viel Mühe gegeben und einen umfangreichen Anhang mit Personenglossar und Literaturliste zusammengetragen. Wie gesagt: sehr gut gemeint. Aber gar nicht gut gemacht. Sollte die Zielgruppe noch im Schulalter sein, dürfte sie auf dieses als “Comic” schlecht getarnte Lehrbuch schon nicht mehr hereinfallen. Für Erwachsene ist es schlicht Etikettenschwindel.
Sehr bedauerlich, arg schad, die Idee war gut. Vielleicht kann jemand anderer mehr damit anfangen. Steht ab morgen im roten Bücherschrank bei der Feuerwehr.