Verhörte Intelligenz

Ein Schauspieler erzählt im Interview, dass er auf Tourneen immer ein sehr rigoroses Laufprogramm durchziehe, wegen der Glückhormone. “To set off endorphins.” Die VI ist offensichtlich keine Fachfrau für den menschlichen Stoffwechsel und will stattdessen Delphine (“dolphins”) freisetzen.

Quasi: Fische* pflastern seinen Weg.

* Jaha, ich weiß auch, dass Delphine Meeressäuger sind. Aber dann ist die Alliteration im Eimer.

Gelesen: Stephen Fry – “Mythos; Greek Myths Retold”

Schon als Kind habe ich begeistert Gustav Schwabs “Sagen des klassischen Altertums” verschlungen. In der “kindgerechten Bearbeitung”, also schwer zensiert. Dann, im Studium, die “Mythologie der Griechen” von Karl Kerényi, mit der Maßgabe des Dozenten “nur wenn Sie die Mythologie kennen, werden Sie Drama verstehen” – ohne Schwärzungen und Tabus. Holla! Die Schuppen sind mir von den Augen gefallen. Eine einzige Orgie, Inzest, Vergewaltigungen durch den Boss, Ungerechtigkeiten, phantasievolle Foltern (einmal den Menschen Feuer bringen und dann für den Rest seines Lebens täglich neu von einem Adler die Leber herausgehackt bekommen und so) und miese Laune, diese griechischen Götter.

Und jetzt, wo ich wieder Zeit für sowas habe, hat der sehr verehrte Stephen Fry sich daran gemacht, die Mythologie der Griechen noch einmal neu erzählen. “Mythos”, der erste Band, enthält ein umfassendes Personenverzeichnis, ja ihr Götter- und Halbgottgesocks, ihr seid bei “Personen” eingeschlossen, und ihre Bezüge und Geschichten, wobei er der “Ilias” und der “Odyssee” eigene Bücher gewidmet hat. Lang wie diese homerischen Gesänge sind, würden sie den Rahmen auch sprengen. Es gibt noch einen vierten Band, der bespricht ausschließlich die Helden, “Heroes”.

Ich habe keine Ahnung, wann Sir Stephen Zeit für die Recherchen für diese vier Bücher, geschweige denn das Aufschreiben gefunden hat, bin ihm aber sehr verbunden. Schon allein “Mythos” liest sich weg wie…, keine Ahnung, aber um im Bild zu bleiben, liest sich, als würde einem griechischer Joghurt mit gerösteten Nüssen und Honig in den Mund gelöffelt. Ich bin schon sehr gespannt auf die Geschichte des trojanischen Krieges und die vom Mann ohne Navi. Ich werde blind ziehen, interessieren tun sie mich beide und lesen werde ich sie auch beide – was soll ich mir da Gedanken um die Reihenfolge machen.

Für die, die Fry eh schon kennen und schätzen, wird die Lektüre ein besonderes Vergnügen sein, man meint manchmal direkt seine Stimme zu hören. Für die anderen ist es ein guter Einstieg.

Lesen! Lesen! Lesen!

Lästig

Wer es je erlebt hat, weiß, dass Lebensmittelmotten eine echte Plage sind und saumäßig (mottenmäßig?) hartnäckig. Ich weiß gar nicht, was ich schon alles getan habe, um die inzwischen umpfzigste Generation der vor Jahr und Tag mit einem Superbiomüsli heimgeschleppten Ahnen loszuwerden. Hat auf jeden Fall nicht geholfen. Bisher.

Eins meiner Ich-bin-jetzt-Renterin-und-habe-Zeit-für-sowas-Projekte war, dem Küchenschrank, in dem Essige, Öle, Gewürze und dergleichen wohnen, mit Wasser, Essig und Seife auf die Regalbretter zu rücken und jedes einzelne Glas, jede einzelne Packung, kurz, alles, was sich in diesem Schrank aufhält, in die Hand zu nehmen und auf Befall zu prüfen. Stellt sich raus: “meine” Motten, vielmehr ihre Larven, sind Gourmets. Ihre Leidenschaft gilt neben dem üblichen Körnerzeugs und Pulvern vor allem asiatische Gewürzmischungen, ganz speziell indischen. Überall krümelige Hinterlassenschaften oder sogar lebhaft-begeistertes Gewusel. Ui Garam Masala! Ui gelbes Currypulver. Ui!

Ausgeräumt. Weggeworfen. Ausgewischt. Saubere Tücher ausgelegt, frische Mottenfallen aufgehängt. Drei Mal mit Müllsäcken im Keller gewesen. Das Viehzeug darf mit seinem Lieblingsessen nach Großlappen reisen und dort der Reproduktion nachkommen. Oder sonstigen Hobbies. Petit Point-Stickerei, zum Beispiel.

Hauptsache, sie lassen mich in Ruhe.