Vorhin beim Einkaufen

Man brauche, sagt die fast neunzigjährige seit vorletztem Jahr verwitwete Nachbarin, ja nach den langen Feiertagen auch mal wieder “was frisches” und packt Salat zu den Orangen im Wagen. Nebenher erkundigt sie sich nach meinem Wohlergehen. Nachdem wir das abgehandelt haben, frage ich sie. Weihnachten, sagt sie, sei schön gewesen. Der Heilige Abend “mit allen” bei ihr, der erste Feiertag beim einen Kind, der zweite beim anderen, immer habe man sie geholt und gebracht und insgesamt eine schöne Zeit miteinander gehabt. Heute Nachmittag werde sie mit einer Freundin ins Café gehen.

“Wissen Sie”, sagt sie, “ich habs gut. Ich bin nicht allein.” Da will ich erfreut zustimmen, irgendeine Floskel, die aussagen soll, dass das in ihrem Alter doch ziemlich großartig sei, weil geistig und körperlich fit und Menschen um sich und… aber sie ist noch nicht fertig. “Allein”, sagt sie, “bin ich nicht. Aber halt einsam.”

Autsch.