Verhörte Intelligenz

Es ist halt schon doof, wenn man den Kontext nicht so recht mitbekommt und der Sprechende erzählt, wie sehr er etwas “loathed” (verabscheut), die VI aber notiert, dass er es “loved” (also liebt).

Uffbasse, Maschinsche!

Es ist doch zum…

Ich erwarte ein Päckchen vom anderen Ende der Welt. Weit, weit weg. Dank Internet und der mir dankenswerterweise überlassenen Trackingnummer kann ich mitverfolgen, wie es dorten vom Transportdienst übernommen wird, auf den Lastwagen verladen, dann ins Flugzeug, in Amsterdam durch den Zoll geht und dann wieder auf Lastwagen zum Verteilzentrum und anschließend zu mir. Heute sollte es soweit sein. Der Transporteur habe 40 Stops vor sich und werde noch vor 18:00 Uhr eintreffen. Das tut mir leid für den Mann, der am Samstag so lange arbeiten muss, aber trotzdem… ich bekomme ein Pähäckchen. Ein Päckchen. Für mich.

Außer, dass ich es nicht bekomme. Wiewohl ich nie weiter als neun Meter Luftlinie von der Türklingel weg bin, und über, wie mir jüngst in einem Hörtest bestätigt wurde, ein für mein Alter überdurchschnittlich gutes Gehör verfüge, läutet hier nix. Gar nix. Bis auf das “Bing”, das eine neue e-mail ankündigt, in der ich lesen muss, dass: “The courier said they attempted to deliver your package but were unsuccessful.” Sie kämen dann bei Gelegenheit nochmal.

What the fucking fuck?

Geld her!

Was, Billigklamottenhändler, bringt dich zu der Annahme, dass du für

nicht ganz genauso in die Schlechte-Wortspiel-Kasse einzahlen mußt wie Ikea für seinen dummen “Freuvember”? Hmmm?

Feierabendlektüre

Auf dem Heimweg von der U-Bahn komme ich immer an der “Gemeinschaftsbank” vorbei, das ist, damit keiner falsche Schlüsse zieht, ein sehr schön gezimmertes hochsitziges Holzmöbel, auf dem bis zu drei greise Menschen nebeneinander sitzen können und, weil sie recht geschickt nach Westen ausgerichtet ist, die Abendsonne genießen. Wenn es in dieser Drecksjahreszeit eine Sonne gäbe. Egal zu welcher Tageszeit. Weil derzeit keine Genußgreise die Bank in Anspruch nehmen, verkommt sie a bisserl zur Ablagefläche für “Zu Verschenken”-Güter*. Heute liegt da ein Bücherstapel. Nein, nix, kalt is, heimgehen. Aber, aber, aber… Bücher? Gut, ich werde meinem eigenen Quengeln doch nichts entgegenzusetzen haben, Bücher sind ein Argument und mit meinem aktuellen bin ich eh grad fast durch. Also schau ich. Was für ein Granatendreck!

Das erste Buch ist “Geldherrschaft = Weltherrschaft” und befasst sich mit dem in gewissen Kreisen als mindestens teuflischer Antichrist verschrieenen** George Soros. Das zweite “Leberschäden selbst heilen”, das dritte ein vollkommen zerlesener “Zinker” von Edgar Wallace und das vierte “Das Gicht-Buch: Alles, was Sie wissen müssen”. Inzwischen glaube ich mir, dass auch beim Rest nix vernünftiges dabei sein kann, außerdem ist es noch kälter als vor ein paar Minuten und ich habe das dringende Bedürfnis, meine Hände zu waschen.

Dann hoid ned. Hab ja daheim auch Bücher.

* Bei diesen gemischten Grabbelkartons habe ich ja immer eher den Eindruck, der großzügige Geber ist nur zu faul, um zum Wertstoffhof zu fahren, aber dahingestellt. Vielleicht ist mir einfach nur kalt und ich neige deswegen zur vollkommen angemessen Misanthropie.

** Ich bin mir nicht sicher, ob das die korrekte Schreibweise ist. Fühlt sich aber so an. Die einzige, die das bestätigt, ist die KI: Verschrieene: Im Zusammenhang mit “der Mann” wird das Partizip II attributiv verwendet und nach den Regeln der starken Deklination gebeugt. Da es sich auf ein maskulines Substantiv (Mann) bezieht, das nach einem unbestimmten Artikel (der) steht, wird die Endung -e angefügt. Bevor die Endung angefügt wird, wird die Grundform des Partizips II “verschrien” um ein n erweitert. Daher ist die korrekte Schreibweise “verschrieene“. Von welchem Extra-N halluziniert die? Auch schon wurscht, oder?

Nimmer ganz neu im Kino: “The Roses”

Ideale Voraussetzungen, eigentlich. Die Buchvorlage ist dieselbe wie seinerzeit für den fetzigen “Rosenkrieg” mit Kathleen Turner und Michael Douglas, nur dass im 3. Millennium Olivia Colman und Benedict Cumberbatch ein britisches Ehepaar spielen, dem die Liebe abhanden gekommen ist. Darüber hinaus werden die amerikanischen Komikergrößen Kate McKinnon und Andy Samberg aufgeboten und die Küste von Devon (UK) spielt den pazifischen Nordwesten (US). In den Nebenrollen sämtliche Farben und Formen, halt, nein, das stimmt nicht. Sämtliche Ethnien ja, auch ein Schwuler, aber soweit, dass wir unseren Film mit dicken Menschen verderben, sind wir dann doch nicht. Davon abgesehen: Ideale Voraussetzungen, eigentlich.

Ich kann nicht einmal ganz genau sagen, woran es liegt, dass noch nicht einmal die Andeutung eines Funkens überspringt, aber nichts, nichts und nichts passt hier wirklich zusammen. Cumberbatch spricht lange druckreife Sätze und man sieht vor dem geistigen Auge, wie das Set von Menschen mit Texttafeln umstellt ist. Colmans Figur kifft und sagt Obszönitäten auf, das tut sie normalerweise sehr gerne, es ist hier nur sinn- und zwecklos. Außerdem muss sie aus unerfindlichen Gründen eine gräßliche Frisur und noch furchtbarere Kleidung tragen. Ist aber eigentlich auch wurscht, weil uninteressant. McKinnon, die ein inhärentes Talent hat, aus jeder Situation noch das letzte bißchen Komik zu pressen und auch Sandberg wirken bei aller Bemühtheit die meiste Zeit elendiglich unterfordert und ich glaube keinem irgendwas. Nicht die Figur. Nicht ihre Konflikte (Amis vs. Brits auf der Shooting Range. Grauslig.). Nicht irgendeine Leidenschaft. Noch nicht mal Ms. Colman, der Gourmetköchin, fürs Essen. Nicht die Witze. Gar nichts.

Dass ich mich bei einer solchen Traumbesetzung und so schönen Bildern von Locations und Essen nur noch mit Mühe zwingen kann, bis zum Ende durchzuhalten, ist eine Schande. Und nochmal: ich weiß eigentlich nicht mal, woran es liegt. Der ganze Film ist einfach nur Müll und vergeudete Zeit.

Nicht anschauen!

Verhörte Intelligenz

Ein Interview mit Quentin Tarantino. Er spricht über die Bildsprache bei John Cassavetes. Die VI schreibt mit: “Cast of Eddies”.

Kombiniere: Cineast isse nicht.

Gestern in der Rathausgalerie: “Stadt in Trümmern” – Herbert List und die Ruinenfotografie in München

Sehr beeindruckende Fotos. Sehr beeindruckend. Als Mensch mit dem Privileg und der Gnade der späten Geburt verstehe ich bei diesen Bildern zum ersten Mal wirklich, wie verheerend zerstört München war. Nicht zuletzt deswegen, weil Herbert List künstlerische Ruinenfotografie betreibt, wenn man das so nennen darf und eine Art Ästhetik der Zerstörung zeigt, noch einmal, wenn man das mit der Ignoranz einer Nachgeborenen so nennen darf.

Die Oper: ein urzeitliches Skelett mit hervorstehenden Säulenrippen. Das verwüstete Rathaus aus Blickwinkeln sichtbar, die ein paar Jahre davor (und danach wieder) von Gebäuden verstellt sind. In der dachlosen Akademie herumliegende Statuen, die an gefallene Krieger gemahnen. Jedes Bauwerk anders versehrt. Anders schlimm. Eine Bildbeschreibung wie “Der gebälklose Portikus des Nationaltheaters”, die ich drei Mal lesen muss, um die Wortschöpfung “gebälklos” in mein Sprachgefüge einzubauen. Oder die “Anschlagstelle zwischen Ruinen”, auf der gerade genug Mauer geblieben ist, um für ein anstehendes Konzert der Philharmoniker zu werben sowie Namenslisten (Gefallene?, Vermißte?, Flüchtlinge?) und die Anzeige für die Metzgerei (“Der Verkauf geht weiter”) unter den Trümmern aufzuhängen. Das gerupfte Siegestor ohne Quadriga und überall gefallene bayerische Löwen.

Bis auf diesen, der es zu einer Nachkriegskarriere als Verkehrsschildhintergrund gebracht hat.

Dann bekommen wir unverhofft ein Geschenk. Eine ältere Dame hatte gerade Umstehenden vor einem Foto etwas erklärt und weil ich es nicht recht mitbekommen habe, frage ich noch einmal nach und lerne, dass die Schuttbahn (der wir unter anderem den Olympiaberg verdanken), unter der Woche immer den Schutt in die vorstädtischen Bezirke transportierte, aber am Wochenende für den Personenverkehr eingesetzt wurde und im Volksmund “Der Rasende Gauleiter” hieß. (Ein anderer Herr wirft ein, dass auf der Türkenstraße immer noch Gleisreste zu sehen seien, da muss ich gelegentlich mal gucken.) Es bedarf nur einiger Fragen und die jetzt knapp 90-jährige Zeitzeugin holt aus. Wie sie als Mädel zu “den Wittelsbachern” in die Schule geschickt wurde, um ein bißchen rechnen und lesen und schreiben zu lernen, aber hauptsächlich Anstand und Hauswirtschaft, damit sie mal einen guten Mann bekommt. (Hatte sie, aber der lebt nimmer. Und einen “guten Buben”.) Wie der Vater gleich früh im Krieg gefallen ist und sie dann der Mutter zur Hand gehen mußte. Anstehen. Um die zwei Eimer Wasser für den Haushalt. Wenn sie dran war, übernahm die Mutter, weil die Kleine das Gewicht nicht hätte stemmen können, und so ging es weiter. In den Schlangen beim Bäcker, beim Gemüsetandler, beim Kohlenhändler, überall. Wie sie manchmal mit dem Zug aufs Land gefahren sind, um zu hamstern, und sie senkt noch heute die Stimme und schaut sich um, dass es ja keiner mitbekommt – war verboten und hätte schlimm bestraft werden können. Wie sie nach jedem Luftangriff aus dem Keller gelaufen sind, um nachzuschauen, ob sie noch ein Dach über dem Kopf haben, auf dem Vorder- und dem Hinterhaus. Und wie sie dafür, dass dieses Haus nur glimpfliche Schäden abbekommen habe, 32 Jahre lang habe Lastenausgleich zahlen müssen. Und nicht wenig. Aber es hätte ja soviel schlimmer kommen können. Nur, und das macht sie traurig, ihren baldigen Geburtstag mag sie nicht feiern. Es ist ja keiner mehr da. In dem Moment würde ich das so gerne ändern können. Die Dame ist ein Born von Geschichten und Wissen und sie gibt reichlich. Noch einmal: ein echtes Geschenk. Vielen, vielen Dank.

Wenn es vorgesehen sein sollte, dass ich je so alt werde, dann hoffe ich, dass ich das auch mit dieser geistigen und körperlichen Fitness und Interesse an meiner Umwelt schaffe. Und einen mindestens ebenso feuerroten Mantel dazu trage.

Erledigt

Entgegen aller im Netz verbreiteter Unkenrufe fuhr meine U-Bahn gestern pünktlich und ich hatte am Marienplatz auf einmal eine Pufferviertelstunde übrig. “Ach”, dachte ich oben angekommen bei mir, “die bauen schon die Buden für den Christkindlmarkt auf.” Nach der ersten Duftschwallkombi aus dem typischen Glühwein-Bratwurst-Gebrannten-Mandel-Odeur muß ich mich korrigieren: der Christkindelmarkt ist ganz offensichtlich Mitglied der Lebkuchenfamilie und damit jedes Jahr früher, als man so denkt.

Auch recht. Ich habe Zeit genug, einmal an den Ständen mit kunterbuntem Blech-, Textil-, Glitterzeug-, Christbaumschmuck- und Holzkruscht vorbeizuschlendern und kann damit für dieses Jahr diesen und jeden anderen Christkindlmarkt als besucht vermerken.

Nun aber auf zum Fischbrunnen, um mit der dort wartenden Freundin die Ausstellung (s. nächster blogpost) zu besuchen.

Morgengrauen

Beim Hinüberwechseln aus einer Tiefschlafphase in eine luzidere schleicht mir der sanfte Rhythmus des tröpfelnden Schneeregens ins Ohr. Und das zarte Guru-Guruh-Gurren eines träumenden Täubchens.

Ich glaube, es gibt auf der ganzen Welt keinen Wecker, der mich schneller zum Aufspringen, Balkontüraufreißen und Handtuchwedeln bringt wie dieses Geräusch. (Nein, ich meine nicht den Schneeregen.) Zwei Mal Aufspringen wegen Guruh schon heute, noch bevor St. Ignatius gegenüber seine Glocken sechs Mal schlagen läßt.

Jetzt reichts! Ich denke, ich nehme den:

Der sieht noch dazu grundhäßlich aus, das muss doch doppelt abschreckend wirken. Oder?