Video

Danke allen, die mir das personalisierte Video geschickt haben, demzufolge meine nicht stattgehabte Wahlbeteiligung den Sieg McCains mit einer Stimme Vorsprung ermöglicht hat – ich hätte nie erwartet, meinen Namen so oft auf dem Titel der New York Times zu sehen.

Bloß: I didn’t do it. Ich darf ja gar nicht. Habe aber heute morgen schon mit Spannung und Faszination die Schlangen vor den Wahllokalen gesehen.

Schau ma moi.

Jetzt sagt Delphine dem Kaliber, wo’s langgeht

Nein, nein, keine Sorge: ich werde nicht wunderlich in der Ferne. Zumindest nicht mehr als angemessen.

Toni hat seine kleine (TomTom)-Französin Delphine getauft (oder Veronique, da ist er sich noch nicht ganz schlüssig). Und wir haben gestern den Prius schweren Herzens (das gute Stück hat in einer Woche gerade mal für 20 Dollars Benzin gebraucht) gegen einen Dodge Caliber eingetauscht. Deswegen sagt Delphine jetzt dem Caliber, wo es langgeht. Caliber ist ein 2008er amerikanisches Modell: Keine Zentralverriegelung, keine elektrischen Fensterheber, keine elektrische Außenspiegelverstellung – aber der Sound, der ist echt Motown. Der Spritverbrauch wird wieder steigen.

Den Sonntag haben wir weitgehend häuslich verbracht; es war schon wieder so sonnig, dass wir im Garten frühstücken konnten. Nachmittags gab es Open Houses: das erste in San Mateo. Ein One-Bedroom-Apartment mit Parkettboden auf der Bel Etage eines Fast-Noch-Art-Deco Hauses aus den Dreißigern, rundum von schattenspendenden Bäumen zugewachsen. Die Wohnung frisch gestrichen, mit einer Küche aus den Fünfzigern (sogar noch ein in die Wand integriertes Bügelbrett) und alle anderen Installationen wie Armaturen, Heizsystem, Gegensprechanlage ziemlich original Dreißiger Jahre.

Ich fand die Wohnung ganz nett, wenn auch zu dunkel. Toni war sie zu alt, ihm steht der Sinn nach Modernerem. Also haben wir uns in Belmont mal die größeren Appartmenthäuser angesehen. Fenced Appartements mit Wachmann und Swimming Pool, Tennisplätzen etc. Fast überall waren Wohnungen zu haben, das wird sicher das Projekt für die Feierabende dieser Woche. Belmont liegt sehr steil am Berg und der Weg in die Schlucht ist eine Sackstraße, die rechts und links von identisch aussehenden Häusern mit brustzuckerrosafarbenem Außenanstrich gesäumt wird. Die Straße mündet in das Hidden Valley und dort ist der Trailhead für den Hidden Canyon. Ich fand das sehr unheimlich. Wahrscheinlich zu viele Filme gesehen, aber die Stepford Wives waren doch arg präsent.

Zurück zur Natur: Eine sehr beeindruckende Schlucht ist das, dicht bewaldet, wobei die Laubbäume alle schon blattlos waren. Ein mittelgroßer Stausee (hieß irgendwie so ähnlich wie “Dead Dog Reservoir”) mittendrin, mit einem grundhäßlichen Betondamm. Einmal Drumrumradeln mit dem Mountainbike sind ziemtlich genau 8 Meilen. Dieses Naherholungsgebiet und seine Erhaltung waren die Auflage, die der Bauherr der Villen am oberen Rand seinerzeit erfüllen mußte. Ich kenn mich aus, was? Tja, da war noch ein Open House. Eigentlich eine Kauf-Immobilie, aber wo wir gerade schon dabei waren… Huiuiui, ist das ein Eigenheim (wird auch für eine knappe Million hiesiger Dirhams angeboten)! Doug und Evie, die das Haus jetzt aufgeben, weil ihnen die Gegend langsam zu “crowded” wird, führten durch ihr im kalifornischen MultiKolonial-Stil eingerichtetes Domizil. Drei Schlafzimmer, alle mit vollen Bädern (d.h. Toilette, Waschbecken und Badewanne), noch 2,3 halbe Bäder (also mit nur Dusche), Wandschränke, in denen selbst meine Mutter all ihren Kruscht unterbrächte. Eine herrliche Küche, riesig, intelligent eingerichtet und insgesamt 3 Terassen – alle direkt über der Schlucht und sehr geräumig. Mit einer Zisterne auf dem Dach, und der Option, im Bad noch ein nettes Jacuzzi einzurichten oder ein Hot Tub auf einem der Decks. Einer selbst (sehr schön) geschreinerten Bar und vielen anderen Gimmicks wie Treppenunterschränken und dergleichen. Oder auch mal eine zweimannhohe geschnitzte Giraffe, ein Schränkchen, in dessen Zentrum Kali saß und an jeder ihrer Hände ein Schublädchen balancierte. Oder auch die Kommode mit den zebrafellbezogenen Schubladengriffen. Alles allerliebst.

Wir werden es nicht nehmen. Hat keinen akzeptablen Anschluss an den Öffentlichen Nahverkehr.

Bildsche

nachdem wordpress es mir so konsequent schwer macht, Bilder in den Blog hochzuladen, gibts die in Zukunft von der Konkurrenz.

Wer also außer lesen noch gucken mag, der/die gucke hier:

http://picasaweb.google.com/mucbiene

Kommentare willkommen. Hochwillkommen.

Und das ganze wird natürlich fortgesetzt.

It pours, man it pours

Mann, hat das heute geschüttet! Das ist wohl, was man unter sintflutartigen Regenfällen versteht. Ich muss morgen in den Garten gehen und überlegen, welcher Baum zu fällen sei, um mit dem Bau meiner Arche zu beginnen. Carmen von nebenan hat mir erklärt, dass hier unter jedem Haus eine Pumpe sei, die man bei Regen dieser Art in Betrieb nehmen müsse. Es hat irgendwie mit dem Grundwasserspiegel und der Bauweise der Häuser zu tun (hab  ich nicht genau verstanden). Pumpe man nicht in die Kanalisation, würden Garten und backyard geflutet. Das muss ich mir von Bob bald erklären lassen, die Information fehlte bei der Anmietung.

Den Wassermassen trotzend, sind wir nach Fairfax aufgebrochen um dort Veronica zu treffen, eine Maklerin wie aus dem Bilderbuch (mittleren Alters, sehr gepflegt, hohe Hacken). Veronica ist mit der Vermietung der Oakpark Appartments betraut und Toni hatte einen Besichtigungstermin mit ihr vereinbart. Die Straßen (selbst in der Stadt) haben viele Schlaglöcher und erst, wenn man durchfährt, weiß man, wie tief – man geht offensichtlich in Kalifornien davon aus, dass die paar Tage Regen im Jahr ebenen Straßenbau nicht lohnen und es vollkommen reicht, ein Blinkeschild an den Straßenrand zu postieren. Das sagt dann “Caution: Roadway is slippery”. Eine heftige Untertreibung – man schwimmt dahin und wünscht sich, Priüsse würden serienmäßig als Amphibienfahrzeuge produziert. Ich war so froh, dass ich nicht fahren musste. Trotz Scheibenwischern auf Höchststufe gab es manchmal vor lauter Wassergüssen von oben, unten und den Nebenfahrzeugen überhaupt keine Sicht. Dieses Mal war die Unterbodenversicherung im Versicherungspaket inklusive, wir haben sie zwar nicht gebraucht, aber es war beruhigend, darum zu wissen. Ich habe zum ersten Mal die Golden Gate Bridge im Nebel (und Regen) gesehen – schon verrückt, wenn man weiß, dass es noch einen nächsten Brückenpfeiler gibt/geben sollte und ihn erst erkennt, wenn man direkt drunter ist.

TomTom hat uns geleitet (noch mal vielen Dank dafür), es ging in Richtung Eureka (!), und wir kamen, leicht verspätet, heil in Fairfax an. Veronica war eher verblüfft, dass wir gekommen sind (sie hätte bei dem Sauwetter an unserer Stelle den Termin platzen lassen). Sie hat zwei Wohungen gezeigt und wurde leicht ungehalten, als Toni auch noch die dritte sehen wollte, denn das hieß: nochmal durch den Regen und die tiefen Pfützen auf dem Parkplatz.

Ich war inzwischen bis auf die Haut durchnäßt und entsprechend unleidig. Also haben wir uns erst mal einen Coffee Shop gesucht, etwas Heißes getrunken und dabei ein Konzert zweier Damen angehört, die die Dixie Chicks coverten. Wieder etwas aufgewärmter sahen wir uns kurz Fairfax an, aber nasse Sädte haben einfach keinen großen Reiz. Wurscht, ob Paris oder Fairfax. Doch es gab einen Schnapsladen und die verkauften Wein ohne ID. Urteil revidiert: Doch ein nettes Städtchen.

Weiter gings – wir haben TomTom gebeten, eine landschaftlich schöne Route zu suchen und sind auf dem Highway Number One gen Mill Valley aufgebrochen. Eine herrliche Strecke, durch Hügel und Wälder – wie schön muß das erst sein, wenn die Sonne scheint! In Mill Valley hätte es noch eine Wohnoption gegeben, zwar ohne Termin, aber mit “vielleicht mal über den Zaun gucken”.  Es hat so sehr geschüttet, dass wir uns eigentlich nur den Zaun angesehen haben – das Haus lag aber auch in einer Gegend, in der man nicht tot über diesem oder einem anderen Zaun hängen möchte. Nichts, außer einem Seven/Eleven und einer Video-Production-Company, die anmutete wie der Original-Drehort von “8 MM”. Ich glaube, da zieht er nicht hin.

Über die Richmond-San Rafael-Bridge haben wir uns auf den Heimweg gemacht. Rechts und Links der Pazifik in Matschegrau, über uns der wolkenschwere Himmel, gleicher Farbton, und überall nur Wasser. Mann, war das ekelig. Hätte ich nicht noch vorausschauend eine trockene Fließjacke im Auto gehabt, möchte ich mir meine miese Laune (kalt, naß, hungrig) gar nicht ausmalen müssen. Sofern es Landschaft gab, war sie naß, überall, von den Hügeln, den Häuserwänden, den Fahrbahnrändern mutieren Rinnsale zu reißenden Strömen – und das hatte Carmen morgens noch “light rain” genannt. Ich bin ja mal gespannt. Auf dem Einkaufszettel stehen seitdem: Gummistiefel, Südwester mit Nackenschutz und eine lange Regenjacke mit herausknöpfbarem Futter.

Das Haus scheint fürs erste wasserdicht zu sein. Immerhin.

Am Abend hatten wir viel Spaß dabei, TomTom zu programmieren. Die Standardstimmen, “Werner” und “Lisa”, sind grauselig. Ich favorisiere sehr “Abduls” Ansagen, könnte mich aber auch mit “Richard” anfreunden (very British), Toni hat sich bereits für “die kleine Französin” entschieden. TomTom ist auf jeden Fall im Vergleich zu Shirley eine ungeheure Steigerung und wesentlich mehr willens, zu tun, was ein Navigationsgerät tun soll. Und nicht einzuschnappen und schmollend zu schweigen. Das Kartenmaterial ist auf dem neuesten Stand; Jürgen kann also am Freitag kommen und Kalifornien entdecken. Ich bin gespannt, was der Zoll zu den paar Pfund Pfefferminzteebeuteln in seinem Gepäck sagen wird. Die hatte ich mir sehr gewünscht, der hiesige schmeckt nämlich nach Spearmint und damit nach Raumspray oder Klosteinen.

Trick or Treat

Ich frage mich, wofür Kevin die Klingel repariert hat. Die hiesigen Kinder hauen mit Gekreisch (und in der Begleitung Erziehungsberechtigter) auf die Tür ein und greifen beidhändig in die Schüssel – ich habe mit Staunen gelernt, wieviel Treaties so eine Kinderhand auf einmal greifen kann. Die Girls gehen (unabhängig vom Alter, das kann auch mal die vierzig überschreiten) als Engelchen oder Schmetterlinge.  Ansonsten waren Spider- und Batman sowie Darth Vader gut vertreten.

Nach der Arbeit bin ich heute zur Market Street gelaufen.

Das ist eigentlich nicht so weit: http://www.mapquest.com/maps?1c=San+Francisco&1s=CA&1a=208+Utah+St&1z=94103&2c=San+Francisco&2s=CA&2a=9th+St+And+Market+Street und ich bin eigentlich auch kein Schisser und mag Krisengebiete, dennoch waren mir die Ecken und die Menschen gelegentlich ein wenig unheimlich. Es war aber auch schon sehr am Ende der Dämmerung und dazu blies ein heftiger Wind (so dicht verschleiert war ich noch nicht mal im Orient unterwegs).

Hat sich aber gelohnt: auf der Embacadero war heute Halloween-Fahrrad-Korso und viele, die dahin wollten, sind – in den irrsten Kostümen – über die Market Street geradelt. Ganz in Alufolie gewickelt mit übergroßer Alu-Elvis-Tolle zum Beispiel. Und ein schwules Paar in Dirndln auf einem Tandem. Auch sehr nett, der Herr ganz in Gelb mit einem riesigen Stück Emmentaler auf dem Kopf. Und, sowas hatte ich vorher noch nie gesehen, ein Cowboy auf einem Hollandrad mit Einkaufskörbchen vorne, in welchem er eine aufblasbare Kuh (riiiieeesiges Euter) appliziert hatte. Ob man sowas wohl im Versandhandel bestellen kann? Und wird das im neutralen Kuvert angeliefert? Gibt es auch andere Tiere? Mir bleibt noch so viel zu entdecken…

Toni hat mich mitten im Trubel dann eingesammelt und wir sind recht spät zu Hause angekommen, obwohl wir dieses Mal den Trick gefunden haben: rein in die Stadt auf der 9. Straße, raus auf der 6. Das letzte Mal haben wir wesentlich länger gebraucht, das Einbahnstraßengeflecht zu entwirren.

Ich hatte schon Angst, dass keine Kinder kommen und ich um mein Halloween-Erlebnis gebracht werde. Aber, siehe oben, es war mir vergönnt. Gleich die ersten waren die Nachbarn (Carmen und Francisco), wobei Francisco Carmen davon abhalten wollte, die Kinder rüberzuschicken. Ich sei schließlich fremd und kennte die hiesigen Bräuche nicht und das könnte doch peinlich werden. Aber Carmen hatte gesehen, dass im Küchenfenster die Halloween-Kerzchen brannten und konnte ihn beruhigen “she’s got all that fancy stuff, she know what to do”. Und so habe ich 2, 3 lbs. Süßigkeiten unters Volk gebracht (die ganze Veranstaltung ist bestimmt von der amerikanischen Dentisten-Vereinigung gesponsert), ganz oft mit breitem Grinsen “Happy Halloween” sagen dürfen und auch Toni glücklich gemacht, der versprochen hat, alle übrigen M&Ms aufzuessen.

My whole life is about comfort.

A4DABLE

In den USA hat man unbegrenzte Möglichkeiten, sich die licence plate für sein Auto auszusuchen. Mein bisheriger Favorit ist die obige.

Das Autochen sah auch aus, wie vom Munde abgespart und hätte wahrscheinlich ein Ferrari werden sollen, wenn die Fahrerin ihn sich denn hätte leisten können.

Schnipselchen

“Flipfloppers” nennt man hierzulande Menschen, die ihr Fähnchen nach dem Wind drehen. Der Begriff kam seinerzeit im Wahlkampf Kerry vs. Bush auf, als ersterer der Wendehalsigkeit bezichtigt wurde.

oh lodernd Feuer…

eben habe ich Nero getroffen; in Laken (brrrhhh, schlotter) und Schläppchen (goldene Flipflops), mit Lorbeerkranz und Pappharfe.

Man hat mir erzählt, dass heute Abend im Castro District der Punk abgehen wird – allerdings nicht mehr ganz so sehr wie noch vor zwei, drei Jahren. Da gabs wohl ein “Shooting” mit ein paar Toten und das dämpfe nun die Begeisterung der Feiernden.

Happy Halloween!

Krystie vom Coffeeshop kam uns heute morgen im lila Langgewand mit engem Mieder als “Guinevra” entgegen, Stephanie vom Büro über uns (gut und gern meine Gewichtsklasse) begegnete mir eben in einer knappen weißen Minitoga mit güldenen Puschelstulpen um die Waden sowie Flügelhelm und Plastikschwert als “Sheera, the Princess of Power” – offensichtlich herrscht hier Halloween-Ausnahmezustand. So, wie in Köln am Rosenmontag. Nur, dass man hier halt tagsüber arbeitet und alle verkleidet kommen.

Und in der Empfangshalle steht eine TrickorTreatschüssel voller Zuckerzeug. Nett ist das. (Sie haben die andere Mischung gekauft; ich hab ein paar Pfund skittles und M&Ms treatsize zu Hause.) Bin gespannt, ob heute Abend Kinder kommen. Eine Klingel hätte ich.

“My whole life is about comfort …

… y’know what: when I’m not comfortable, I am getting nervous and stressing up” –

soweit Robert zum Freitag. Robert, der sich heute einen gemütlichen Korbsessel aus der Eingangshalle auf die Straße unter den Baldachin gestellt hat und dem “nice rain” zuschaut. Jetzt weiß ich, was gemeint ist mit “watching the time going by”.

Heute Nachmittag hat er noch Verpflichtungen: er wird als Farmer verkleidet in seiner Kirche den Kindern Candies geben und Ballons aufblasen, da kann er sich am hellen Vormittag nun wirklich nicht “up-stressen”.