Amber Alert

Heute ist ein vierjähriges Kind entführt worden. Seitdem werden alle Radio- und Fernsehsendungen in 10-Minuten-Abständen von “Child abduction alerts” unterbrochen und die gelben Leuchtschriftanzeigen am Highway blinken Fahrzeugtyp und Nummernschild des Verschlepperfahrzeugs in die Nacht. Die website http://www.amberalert.gov/ ist seit Stunden wegen Überlastung nicht erreichbar.

Auch wenn’s einer guten Sache dient: das ist hier schon ein Volk von Hilfssheriffs.

Mein heutiger Lieblingsbewerber

bewirbt sich um eine Position als Java-Entwickler (wir wollen mindestens 3-5 Jahre Berufserfahrung):

“Basic in Java/C++, highly competent with Microsoft Word, Power Point, Excel, and most research engines. Avid gardener and organic vegetable grower. Kite surfer in training.” Er ist zwar nicht vom Fach und kann auch nicht mehr als jeder Standarduser. Aber (fast) Drachen fliegen.

Wenn wir je mal jemanden brauchen, der die Belegschaft mit Gemüse versorgt – dann ist das unser Mann!

Neue Männer braucht das Land –

oder solche Bewerber: “I am physical fit to lift over 50 lbs of equipment and have worked in climate controlled environment for long periods of time. I look forward to  discuss my qualifications in the near future.”

Darf ich das so verstehen, dass er auf die 60lbs hintrainiert?

Going Postal 2011

Ich habe eine Akte, die mein Anwalt in New York gerne hätte. Also gehe ich auf die Post, denn die verspricht, dass sie für alle Gelegenheiten die richtige Verpackung hat und “If it fits it ships.”

14 Menschen in der Schlange vor mir und ich verliere auch noch die Fünfzehnerposition, weil die größenmäßig geeigneten wattierten Umschläge nicht mehr vorrätig sind und ich mir mit einem Provisorium aus den Restbeständen aushelfen muss. Wieder in der “line” weiß ich mir als alter US-Post-Profi zu helfen. Adressenaufkleber, Absenderlabel (ich habe den Firmenstempel mitgebracht, was die Dame nach mir als ungeheuer “smart” befindet), Versandwisch – kann ich alles beim Warten ausfüllen, sobald ich am Tischchen bin (d.h. Position 8 oder weniger erreicht habe). Auf dieser Höhe kann man auch zum Schalter gehen und sich den Postklebebandabroller leihen, dann gilt der Platz nämlich als mit dem Versandstück markiert. Wir warten uns eins, ich lese Spiegel online, mache e-mails und bin schon auf Platz 4.

Man soll bloß nicht glauben, dass die Post nicht immer wieder Überraschungen auf Lager hat. Die Schalterkraft nämlich stellt jetzt ein Schild auf (“Next window please”) und entschwindet, sie müsse nun ihre von der Gewerkschaft vorgeschriebene Mittagspause nehmen. Wir warten geschlagene sechs Minuten vor unbesetzten Schaltern, bis sich eine andere Mitarbeiterin – noch kauend – in den Kundenbereich wagt und in gedämpfter Lautstärke (wahrscheinlich halten die Kollegen hinten den gewerkschaftlich vorgeschriebenen Mittagsschlaf) mitteilt: “I’ll be here for you shortly.” “Shortly” dauert ungefähr vier Minuten. Aktenpäckchen frankieren und bezahlen geht schneller.

Und 98 Cent-Briefmarken sind immer noch aus. https://flockblog.de/?p=7147

Feiertag

Heute ist MLK. Wir habens nämlich eilig und wollen nicht jedes Mal “Martin-Luther-King-Junior-Day” aufsagen müssen. Es sagt schließlich auch keiner John-Fitzgerald-Kennedy-Airport.

Wahrscheinlich ist es eine Ehre, wenn die großen Söhne des Landes zu Three-Letter-Words verkommen. (In Deutschland fallen mir spontan nur FJS und MRR ein.)

Tell me why I don’t like Mondays

Montag, viel zu früher Morgen nach einem Wochenende, dem eine mehrtägige Verlängerung nicht schlecht angestanden hätte. Durch den Jack-The-Ripper-Nebel mit binnen Sekunden wild gelockter Mähne über den matschigen Trampelpfad zum Bahnhof (ganz einfache Gleichung: wenn Toni sonntags Auto, dann Sabine montags Zug), wo einem die gelben Blinkelichtdisplays schon entgegenschreien “Expect Delays”. Sonst nix. Also gut, dann erwarte ich jetzt mal Verspätungen. Nebenher rufe ich aber auch den CalTrain-Kundendienst an, damit die mir sagen, wie lange ich denn voraussichtlich die Schönheiten der San Bruno Station genießen dürfen soll.  Meine Gesprächspartnerin ist nett, sehr bemüht und vollkommen ahnungslos. “We heard, there was a casualty (also Zug vs. Mensch, letzterer dabei sieglos) at 6:53am. We do not have any details yet. All trains are stopped.” Zusammengefaßt: die Dame weiß, dass kurz vor sieben irgendwas passiert ist und seitdem keine Züge mehr fahren. Wann sich das möglicherweise ändern wird, weiß sie nicht. Ich sehe es ihr nach, es fährt nämlich gerade laut hupend ein Zug ein. Der Schaffner brüllt den Bahnsteig lang, man möge zusteigen, dieser Zug “will make all stops” von hier bis San Jose.

Nix wie rein und ins nebelfreie Warme. Von mir aus können wir. Der Zug bleibt erst mal in San Bruno stehen. Und steht. Und steht. Und füllt sich mit hoffnungsfrohen Bahnreisenden, die umgehend in die “Auf-See-und-vor-Gericht-und-erst-recht-im-CalTrain-sind-wir-alle-in-Gottes-Hand-Starre” verfallen. Kaum 30 Minuten später fährt der Zug ruckelnd an und schleicht zum ersten Bahnhof nach San Bruno. Wieder steigen eine ganze Menge Menschen ein, noch glauben alle, dass der Schaffner weiß, wovon er spricht, wenn er “all stops” verheißt. Bei voller Fahrt ändert er seine Meinung. Dieser Zug sei nunmehr nicht mehr Nummer dingens sondern stattdessen bummens und somit ein “Mini-Bullet” und werde deswegen auch nur noch in San Mateo, in San Carlos sowie in Palo Alto halten. Erst danach beabsichtige er wieder “all stops” zu machen. Ich glaube, in Deutschland wären die Wutbürger losgebrochen und hätten ihrem Zorn freien Lauf gelassen. Der hiesige Bahnreisende telefoniert allenfalls um einen Abholer (mit Auto) zu bestellen oder Bescheid zu sagen, dass es später wird. Es scheint die allgemeine Übereinkunft zu herrschen, dass man es als Bahnnutzer sowieso nicht besser verdient hat. Ich habe Glück im Unglück und kann – wie geplant – in San Carlos aussteigen. Ferner bin ich heilfroh, dass wir den Rest der Strecke mit dem Auto fahren.

Jetzt mal im Ernst, muss eine Woche denn wirklich so anfangen? “Gebraucht” ist dafür doch ein glatte Untertreibung, die ist allerhöchstens aus vierter oder gar fünfter und wahrscheinlich noch nicht einmal gewaschener Hand.

Feminine Hygiene

Slipeinlagen gibt es  hier seit neuestem auch in den Duftrichtungen Wald- und Erdbeere. Schade, dass Klaus Kinski das nicht mehr erleben durfte…

The Dude

Immer, wenn ich zur Zeit einen Film im Kino ansehe (also vorletzte und letzte Woche) spielt Jeff Bridges die Hauptrolle.

True Grit von den Brüdern Coen
Ein Remake. 1969 waren es noch John Wayne und Glenn Cambell (U.S.Marshall und Texas Ranger), 2010 sind es JB und Matt Damon. Anders als in den Western meiner Kindheit sind alle Männer zottelhaarige Bartträger (auch die Helden, nicht nur die Schurken) und der Wilde Westen bitterkalt und verschneit. Ich habs nicht mit Pferden und kann dem Genre wenig abgewinnen; auch dann nicht, wenn das Etikett made by Coen draufklebt.

Tron (Legacy) in 3 D
JB ist inzwischen wieder rasiert und gibt den Godfather der Programmierer. Aber man muss wohl Computerspiele spielen, am besten schon frühe Versionen (mit den Affen oder der gelben Schlange) und mindestens ein Java-Crack sein, um sich so richtig begeistern zu können. Es lag nicht nur an der Freitagabendspätvorstellung, dass ich mich nur mit Mühe wachgehalten habe.

Dafür war ich topfit bei: Shrek IV – Forever After (Ganz ohne Jeff Bridges und auf DVD.)
Der bisherige Aufbau von Shrek eignet sich nicht gerade für ein Prequel; also muss eine “Was wäre wenn”-Geschichte her. Was also wäre, wenn sich Shrek, seiner Familienpflichten müde, auf ein Geschäft mit Rumpelstilzchen eingelassen hätte? Noch einmal einen einzigen Tag als freier wilder Oger der Schrecken der Region sein? Man ahnt es: “Rampel” oder auch “Stilsken” ist nicht gerade für sein lauteres Geschäftsgebaren bekannt, Shrek hat das Kleingedruckte überlesen und muss nun um die nackte Existenz und seine Liebe kämpfen. Hübsch gemachte Unterhaltung, mit vielen Zitaten und Anleihen und Antonio Banderas als vom guten Leben verfetteter Stiefelkater ist zum Niederknien

Praktikant in spe?

Diese Woche hatten wir einen Stand auf der “career fair” auf dem Campus der Stanford University (nur ein paar Steinwürfe vom “Enchanted Brokkoli Forrest” entfernt – doch, den gibt es wirklich). Stanford ist nun nicht gerade die Universität der Arbeiterklasse und wenn jemand ein Stipendium bekommt, dann muss er oder sie wirklich ein Käpsele sein. Ich habe heute die Lebensläufe ausgewertet, die diese junge arbeitswillige Elite in unserer “Booth” abgegeben hatten.

Erster Eindruck: Also wenn die Kinder in Stanford eines lernen, dann ist es Selbstmarketing. Pars pro toto das Profil des jungen Mannes (Geburtsjahr 1992), der es schon in ganz jungen Jahren bei den Pfadfindern zum Adler gebracht hat “Achieved Scouting’s highest honor, Eagle. Also elected to Order of the Arrow Arrowsman”, darüber hinaus seit dem 4. Lebensjahr geigt (auf “professional level”), mit 15 auf dem Gipfel des Kilimandscharo stand. Wenn er zwischendrin mal Zeit hat, geht er an den Strand. Dort wirft er das “Ultimate Frisbee”. Seinen Lebenslauf überschreibt er schon jetzt mit: “OFFERING: Outstanding leadership and communication. Motivated to make a meaningful difference.” Ich frage mich, was der noch lernen will;  sein Studium abschließen wird er nämlich voraussichtlich erst 2014.

Als – was sonst? – “proud member of the class of 2014”.