Autokennzeichen “NO SHOEZ”

Das war wieder eine ganz ganz arme Frau, am Steuer eines riesigen Geländewagens – und bestimmt barfuß.

Ganz anders die Dame jüngst im Zug: am Riemen ihrer Umhängetausche baumelte ein Paar ausgetretener, sichtlich bequemer Laufschuhe. Sie schlüpfte gerade aus den ebenso bequem wirkenden Trecking-Sandalen (kamen ins Täschchen) in schwarze Lackstöckelschuhe, Absatzhöhe vorsichtig geschätzt 12cm. (Ich hätte mit der Umkleideaktion ja noch gewartet, bis ich die Zugtreppen heruntergeklettert wäre, aber da ist jede anders risikofreudig…)

Ich wette, auf ihrer license plate steht “ZAPATA”.

Englischer Rasen

Heute muss einer von den zweiten Donnerstagen sein, an denen die Grüne Tonne zum Leeren ‘rausgestellt wird. Warum? Sam, der ganz ganz gute großartige Sam (4G-Sam, quasi), hat noch mal schnell den Vorgarten gemäht, damit die Tonne gut voll wird (und sie natürlich gleich an den vorgeschriebenen Platz gerollt). In Kalifornien gehört zur Ausstattung eines Protzhauses in Suburbia im allgemeinen der Poolboy (standardmäßig tief gebräunt in Badehosen, beschlagene Gläser mit Obst und Schirmchen dran servierend) und mindestens ein mexikanischer Gärtner. Ich habe das zu meinem San Bruno Häuschen geschenkt bekommen.

Den Gärtner. Nicht den Poolboy. Obwohl, Sam ist ja so begabt….

Tax Day

Heute ist der “Tax Day” DER Aufmacher in den Tageszeitungen und Fernseh- und Radionachrichten: am 15. April sind in USA alljährlich die Steuern fällig. Die meisten Menschen schicken nach wie vor Schecks an die IRS (steht übrigens für “Internal Revenue Service”) und weil der 15. April in jedem Jahr wieder vollkommen überraschend auf dem Kalender erscheint (das ist wie mit Weihnachten), winden sich schon seit dem frühen Morgen die Warteschlangen in zwei Reihen um das Postamt. Unsere Vermieterin, die eine Versicherungsagentur betreibt, hat Aushilfskräfte angeheuert, weil viele Amerikaner am Tax Day ihren Ruin nahen sehen und deshalb Versicherungen kündigen und Prämien reduzieren wollen und die kleine Druckerei um die Ecke bekommt seit Mitte/Ende März kaum mehr Aufträge, weil doch bald die “taxes due” sind.
Mich irritiert immer wieder, wie wenig viele Amerikaner offensichtlich mit ihrem Budget umgehen können – es gibt Unmengen von Schuldenkonsolidierungsservices (meist, weil viele nicht bedenken, dass irgendwer irgendwann richtiges Geld für die vielen Kreditkartenzahlungen haben will), stattdessen benutzen viele ihr Finanzamt als Sparschwein (sprich, sie bezahlen unterjähirg viel mehr Steuern als sie müßten, um sich dann ungeheuer über den “Return” zu freuen) und dennoch steht heute vielen die Tax Day Panic ins Gesicht geschrieben.

Alkohol ist immer eine Lösung: pars pro toto die heutige Werbung der “LookOut Bar” im Castro District: “Tax Day Beat the Clock Happy Hour: 50¢ Cocktails”: “So the IRS took their big chunk of your income today, so why not do something destructive with the little pocket change Uncle Sam has left you with. LookOut’s starting the weekend early with “Beat the Clock” Thursdays during happy hour. Well drinks start at 50 cents and prices go up every 30 minutes. Vodka Cranberry? Gin & Tonic? Rum & Coke? When it’s a boozy race against time, only your liver is going to lose.” Ich empfehle für den ruhigeren Nachtschlaf mit Cash statt mit Plastik zu bezahlen… oder sich gleich einladen zu lassen.

Start-up

Bei uns im Bürogebäude ist vor kurzem ein Start-up eingezogen. Einer der Mitarbeiter hat das aktuelle Wachstum eben mit folgenden Worten erklärt: „We are ten employees now, like, on the payroll. And we have four to ten other guys who are, like, just hanging out in our office.”

Steht ja schon in der Bibel: “Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.”

Der Bergdoktor

Zu einer meiner frühesten Kindheitserinnerung gehört ein Familienurlaub auf einer Alm in Österreich, wo der Alm-Öhi meiner Mutter gegen “die Steifen” empfahl, sich in einen Ameisenhaufen zu setzen und ordentlich beißen zu lassen. Sie war dafür nicht zu begeistern, worauf er ihr anbot, den Ameisenhaufen in den Zuber zu tragen und zu überbrühen, ein Sitzbad in dem Sud sei ebenso heilsam. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob meine Mutter dem nachgekommen ist, ich hingegen habe es heute ausprobiert. Leider habe ich immer noch Rücken und als ich vorhin baden wollte, war es mir einfach zu mühselig, die sich just in der Badewanne tummelnden Ameisen zu fangen und zu töten. Ich habe sie stattdessen ersäuft und bin anschließend ebenfalls zugestiegen.

Es mag an der Dosis gelegen haben (nur eine Handvoll Ameisen), die Wunderheilung ist leider ausgeblieben. Aber wenn das weiter so regnet, ziehen die ohnehin alle wieder ins trockene Haus und dann kann ich es ja noch einmal versuchen.

Schon wieder ein Abschied:

Bruni ist heute abgereist. So sehr ich die Abholfahrten an den Flughafen mag, diese Wiederwegbringfahrten werden mir nie Spaß machen… Zudem hat sich Kalifornien heute noch mal von seiner Kübelschüttseite präsentiert, da fällt es einem recht schwer, überzeugend zu wirken, wenn man von den heißen Sommern ohne einen Tropfen Regen berichtet (während Pumpi wieder laut lärmt und einen See vors Haus schafft).

Ein bisserl aufregend wars doch, weil Bruni spannende Mitbringsel im Handgepäck mit sich führte.  Ihr Mann hatte einen Bass-Verstärker ersteigert, der in Form, Farbe, Gewicht und Größe verblüffend einer Tellermine ähnelt. Wir hatten uns für die Security zwei Stategien überlegt: a) Bruni trägt Arroganz sowie mein kambodschanisches Landminen-Totenkopf-T-Shirt (und reist dann möglicherweise nicht mit dem geplanten Flug in die geplante Richtung), oder b) wir schauen nach, was Verstärker heißt, nämlich “Booster”, und vertrauen darauf, dass der Security-Mensch sich nicht dumm anstellt. Variante 2 hat wunderbar funktioniert, der Typ war wohl musikinteressiert, hat noch ein wenig mit ihr fachgesimpelt und dann Bruni und Booster einen guten Flug gewünscht. Ich bin daraufhin doch auch mit ruhigerem Gefühl nach Hause gefahren.

Bruni, danke, dass du warst, schee wars, komm bald wieder! Ich verspreche dir, dass wir das nächste Mal beim Wandern mit Staub paniert werden.