Higher than Haight-Ashbury (in the Sixties)

Es ist Samstagnachmittag. Auf dem Parkplatz auf Twin Peaks steht ein Auto, die Schnauze mit Blick auf die schöne Aussicht über der Stadt ausgerichtet, darin ein bleicher junger langhaariger Mann mit einem sehr breiten seligen Lächeln. Gelegentlich setzt er einen Sahnesyphon an den Mund, drückt den Hebel nach unten, inhaliert tief und dann läßt er, kalonk, kalonk, wieder eine Patrone aus dem Fenster auf den schon recht stattlichen Sprühpatronenhaufen fallen und lächelt noch ein wenig breiter. Was tut der Mann da und warum?

Es läßt mir keine Ruhe, also befrage ich daheim das Internet und lerne: Sahne wird mit Lachgas aufgeschäumt, also Distickstoffoxid (N2O) und das hat (ohne Sahne und direkt oral zugeführt) LSD-ähnliche Wirkung. Kein Wunder, daß die herbeigerufenen Bullen ein Problem haben: als Drogenbesitz gilt das Vorhalten eines Sahnesprühers mit Patronen sehr wahrscheinlich nicht. Wegen Parkens auf einem Behindertenparkplatz oder abgelaufener Parkuhr können sie ihn auch nicht drankriegen. Irgendwas werden sie ihm wohl anhängen; ich vermute “littering”.

Nach dem Motto:

Kalifornien herzeigen

Die ersten drei Tage der letzten Woche war mein Besuch im vorherbstlichen Wine Country. Hot Tub auf der Terasse über dem Russian River, Kajak fahren dortselbst und ständig gut essen und trinken – da war Nordkalifornien echt gefordert, sich selbst zu übertreffen. Hat’s natürlich mit links geschafft…

Freitag:
Auf dem Highway One nach Süden. Zwischenstop mit Photogelegenheit am Strand von San Gregorio. Salt Water Taffy und so viele Seelöwen wie noch nie auf/unter der Pier von Santa Cruz. Anschließend auf dem Highway One zurück nach Norden. Kite-Surfer vor Gegenlicht in Gegenwind an einem wunderschönen mir namentlich nicht bekannten Strand. Tidepoolhüpfen in Pescadero (zwei Seesterne).  Dinner in Barbaras Fish Trap in Halfmoon Bay. Zu Hause für den Rest des Abends mit Averna gegen Völleschmerzen gerungen.

Samstag:
Stadtauswärts über die San Mateo Bridge (wegen des schönen Blicks) und sofort wieder stadteinwärts über die Bay Bridge (wegen des schönen Blicks). Ausgedehnte Photosession auf Treasure Island. Skyline und Bay Bridge von unten, dazu noch ein sehr farbenfrohes Dragon Boat Race. Hinauf nach Twin Peaks, sehr schöner Blick auf die Stadt, Golden Gate und Bay Bridge sowie Reisebusjapaner. Hinab nach Crissy Field; Skyline, Alcatraz, etwas weiter weg die Bay Bridge und sehr nah dran die Golden Gate Bridge (von unten) und darüber hinaus jede Menge grillender Amerikaner. Viele Bilder gemacht, und ganz kurz vor Torschluß in der “Warming Hut” noch ein Heißgetränk bekommen. War auch dringend nötig, wg. flott untergehender Sonne und sehr kalten Pfeif- und Blasewindes. Abschließend nach Land’s End. Wie der Name schon sagt, sieht man von dort aus nichts mehr außer dem großen großen Pazifik (mit Sonnenuntergang, ohne Nebel).

Zum Dinner waren wir bei Freunden von Uli und Enno geladen, die mitten in der City in einem engen steilen viktorianischen Stadthaus in einer jener Wohnungen leben, die ich bisher nur aus Filmen kannte. Wunderschön. Es wurde Coq au Vin gereicht (was anderes hätte auch nicht gepaßt) und der armenischstämmige Hausherr ist ein Meister im Mixen von Manhattans. Zu Hause für den Rest des Abends mit Averna gegen Völleschmerzen gerungen.

Sonntag:
Freitags Wasser und Fisch, samstags Panoramen und Huhn, hmmm, was haben wir denn hier noch so? Genau: Wald. Eukalypten, Redwoods, Sequoias. Auf der Old La Honda Road hinauf- und herunter serpentint (wunderschöne Lichtwechsel in einem schon recht herbstlichen Mischwald), dann über die kurvige Straße zum Big Basin State Park, dort Father und Mother of the Forest (zwei über tausendjährigen Riesenbäumen) unsere Aufwartung gemacht (http://bit.ly/Qm9Wjk). Entgegen des Versprechens unseres Gastgebers vom Vorabend den “Motherfucker of the Forest” nicht gefunden. Auf dem Heimweg beim Mexikaner drei riesige Steaks gekauft und auf Smokey Joe gegrillt. Für den Rest des Abends mit Averna gegen Völleschmerzen gerungen.

Nordkalifornien hat sich wieder wacker geschlagen. Immer die Morgennebel von einer schönen heißen Sonne wegbrennen lassen und tagsüber mit klarem blauem Himmel und schönsten Landschaften geprotzt. Nun sind meine Gäste unterwegs nach Süden und es steht zu hoffen, daß sie das weiterhin jeden Tag erleben. Der Wetterbericht sieht gut aus und die Gegend sowieso (Highway One bis Los Angeles und dann über Yosemite und den Lake Tahoe wieder zurück in die Bay Area).

Habt viel Spaß! (Und verschwendet bloß keinen Gedanken an eure werktätige Freundin.)

Morgens, in aller Hergottsfrüh, in meiner In-Box:

Oktoberfest by the Bay

 

Bust out your best pair of lederhosen and your sauciest dirndl, and get ready to rumble. Oktoberfest by the Bay is almost here and this is your exclusive access to a weekend of the best beer, the tastiest brats, the biggest beer steins and the most bodacious babes around.

 

Eine noch falschere Zielgruppe als mich hätten die keinesfalls finden können.

Funkelnigelnagelneu

Vorhin im Drogeriemarkt: Kaugummis gibt’s im Angebot, Smarties und Mitt Romney, frisch aus der Fright Factory*.

Das erklärt jetzt doch manches.

 

*Gruselfabrik

Schade eigentlich

Ein Kleinbus mit der Aufschrift “Maid Brigade” enthält nicht etwa ein halbes Dutzend sofort einsatzbereiter Brautjungfern in vollem Wichs mit Blumensträußchen sondern eine bis mehrere “Trained, Certified and Insured” Putzfrauen, meist mexikanischer Herkunft. Ihre Mission: “Your Home. Cleaner.”

 

Diese Maiden sind Mägde.

Sonnenschutz

Nachbarin Carmen hat mir eben wieder eine Tüte Tomaten vorbeigebracht, aus Schwiegervaters Garten. Der weiße Staub auf den Früchten sei nur Talkumpuder und vor dem Verzehr einfach abzuwaschen. Ich habe sie ein wenig verwirrt angesehen: warum pudert man Tomaten?

Ganz einfach: Die Schwiegereltern leben im Inland, in der Nähe von Mendocino. Dort ist es eh schon warm, aber diesen Sommer sind die Temperaturen konstant über 100F geblieben und Talkum schützt die zarte Tomatenhaut vor Sonnenbrand.

Wieder was gelernt.

Wieder what learnt (Lektion 6)

“You know me, I am all Pollyanna”.

Nein, bist du nicht. Ich kenne dich, du bist ein Mann und Vater dreier Söhne und das ist ein Mädchenname, noch dazu ein altmodischer – also, come on, jetzt auf einmal Pollyanna? Was soll das? (In San Francisco empfiehlt es sich, nie ganz auszuschließen, daß hier gerade jemand ein Spotan-Coming-Out hat.)

Kein Coming-Out, sondern eine idiomatische Redewendung. Mein Kollege wollte damit sagen, daß er “always looks at the bright side – like, when life gives you lemons, make lemonade.” (Pollyanna ist eine Figur aus einem Kinderbuch, erschienen kurz nach der vorletzten Jahrhundertwende (http://en.wikipedia.org/wiki/Pollyanna), die unerschütterlich optimistisch ist und grundsätzlich in allem und in jedem nur das Gute sieht.)

Im 21. Jahrhundert ist im Zuge der Gleichberechtigung auch die männliche Version, nämlich der “Pollyandy” in den Sprachschatz aufgenommen worden: “Fred is such a pollyandy, even if he falls down the stairs he has something nice to say about it.”

9/11


Wer politisch korrekt der Anschläge auf die Twin Towers gedenkt, trägt heute das Black Ribbon.

Kampf dem Jetlag!

Uli und Enno sind heil angekommen und ich habe sie Samstagnacht mit Essen, Trinken, Reden bis Mitternacht wachgehalten. Für Sonntag hat der Arzt Retail-Therapy verschrieben: Shoppen gegen Jetlag und wir machen uns gleich nach dem Frühstück auf zur Outlet-Mall in Gilroy, wo wir einen sonnigen Sonntag mit mäßigem Ankauf von Bekleidung verbringen. Anschließend karibisches Dinner und nach einigen wirklich dringend nötigen Digestiven haben wir alle gegen 10:00pm sehr schwere Lider und fallen in die jeweiligen Betten.

Seit heute sind die beiden auf dem Highway N°1 Richtung Norden unterwegs und ich bin nur ein ganz kleines bißchen neidisch, weil ich nicht mitkommen kann und stattdessen meine Tage im Büro friste. Ich freue mich aber jetzt schon auf die Geschichten und Bilder, wenn sie Ende der Woche zurückkommen.

He’s at it again!

Larry Flynt hat wieder zugeschlagen. Weil Mitt Romney, der republikanische Herausforderer um das Amt des US-Präsidenten, sich gar so ziert, seine Steuererklärungen offenzulegen, bietet Larry dafür 1 Million in bar; davon ausgehend, daß das Sexualleben des Mormonen wahrscheinlich lange nicht so skandalträchtig ist wie sein Talent beim Finden von Steuerschlupflöchern. (Wäre nicht der erste Politiker, den Larry mit der Methode “Cash für Information” zum Absturz bringt – http://bit.ly/Syte8e). Davon abgesehen, daß er noch nie ein Parteigänger der Republikaner war, haben sie sich’s jetzt vollkommen mit ihm verdorben, weil sie damit drohen, nach der gewonnen Wahl in einen Kreuzzug gegen pornographische Umtriebe ziehen zu wollen.

Dabei kauft man den “Hustler” doch tradtitionell wegen der Interviews. Und der Restauranttips. Oder?