Lawrence Clark, Saxophon. Josh Evans, Trompete. Theo Hill, Klavier. Conway Campbell, Bass. Genius (stimmt) Wesley, Schlagzeug.
Jazz as Jazz can.
Lawrence Clark, Saxophon. Josh Evans, Trompete. Theo Hill, Klavier. Conway Campbell, Bass. Genius (stimmt) Wesley, Schlagzeug.
Jazz as Jazz can.
Ich würde zu gerne wissen, was in dem Herrn vorgeht, der im milden Licht der untergehenden Herbstabendsonne, gut sichtbar von allen im Stau heimwärts drängenden Feierabendlern, die Hose auf Halbmast in aller Seelenruhe einen Bauzaun anwichst.
Wäre mein Auto ein Mensch und noch dazu Amerikaner, wäre es inzwischen alt genug, um legal Alkohol zu trinken.
Bei so alten Kisten hat man immer ein flaues Gefühl im Magen, wenn man dem Schrauber auf der Ausfallstraße den Auftrag erteilt: “Ein Mal durchschauen, bitte. Und TÜV.”
Vollkommen grundlos, natürlich. Wenige Stunden später kommt der erlösende Anruf: “Alles erledigt, TÜV, ASU und den Auspuff hamma a wieda festgschwoaßt”. Hach! Und danke.
Der Talkshowgast wird gefragt: “What do you remember?” Der VI ist wurscht, woran die Person sich erinnert. Sie ist viel mehr am Status der Mitgliedschaft interessiert: “Are you a member?”
Vorausgeschickt: Mr. Scorceses gewaltiges Filmepos über schlimmen Jugendjahre Amerikas bis zum heutigen Glanz (?) gehört auf die große Leinwand.
Mitte des 19. Jahrhunderts. In Irland herrscht Hungersnot und in New York kommen täglich tausende Iren an, die sich dort im fernen Amerika ein besseres Leben erhoffen. Die, die schon da sind, wollen sie nicht haben und bekämpfen sie in blutigen Straßenschlachten mit den Werkzeugen ihrer Zunft: Schlachtermesser und -beile, Spaten, Schraubschlüssel, Ahlen, Knüppel, Keulen, alles. Große blutige Bilder.
Politiker sind korrupt. Beamte auch. Priester? Auch. Polizisten sowieso. Gerechtigkeit gibt es nicht, es herrscht das Gesetz des Stärkeren. Das eine Prozent lebt in der Oberstadt in Villen mit breiten Fensterfronten, mit Marmor, Stuck und Gold, ißt vielgängig von edlem Porzellan, der Rest schuftet für Brosamen. Frauen geht es immer noch mal schlechter als Männern.
In all dem, dem Elend, den Behausungen, den Kämpfen, den Narben, dem Luxus und dem noblen, Schönen schwelgt Scorceses Kamera und er hat sich die Besten geholt, dieses Panoptikum zu beleben. Daniel Day-Lewis ist als “The Butcher” göttlich (doch, doch, das ist nicht übertrieben), Leonardo DiCaprio dem romantischen Sülzfilm entronnen auf dem Weg zum guten Schauspieler, der restliche Cast sowas von glaubhaft gut… Hach! Cameron Diaz hält sich in diesem testosterongeschwängerten Umfeld wacker.
Schon dieser Teil des Filmes ist großartig. Etwas ganz besonderes aber wird er, wenn Scorcese den Funken zünden läßt, der in diesem Fall darin besteht, dass die jungen irischen Männer frisch vom Schiff nicht nur die amerikanische Staatsbürgerschaft bekommen, sondern auch umgehend rekrutiert werden, für ihr neues Vaterland in den Krieg zu ziehen. Der bisher eher indiviuelle und niedergeknüppelte Widerstand mündet in einem Generalstreik. Die Bilder, die Scorcese dafür findet sind atemberaubend! Schließlich erteilt die korrupte Politik auf Weisung des verstört-empörten Kapitals der Armee den Schießbefehl. Man möchte nicht glauben, wie aktuell ein über 20 Jahre alter Film sein kann.
Zeit nehmen. Anschauen! Anschauen! Anschauen!
Es ist alles noch so ähnlich wie beim ersten Mal (https://flockblog.de/?p=38591). Sehr spannend, sehr flüssig geschrieben, gute Unterhaltung. Top geeignet, wenn man bei diesem Wetter weder einen Hund (hab ich eh nicht) noch sich selber vor die Tür jagen will.
Konstatiere: Die Halbwertzeit dieses Krimis beträgt ungefähr fünf Jahre, dann hat man genug vergessen, um wieder gefesselt zu sein.
Für die, die’s gerne ein bißchen brutaler mögen: Lesen! Für die anderen gibts genug “cozy”.
Freitagfrüh, um halb zehn in Hadern: drei Damen meiner Altersgruppe holen den vorbestellten neuen Asterix noch fast druckwarm beim Buchhändler ab.
Er ist… richtig nett geworden. Die grundlegende Story hat man so oder so ähnlich schon einmal gelesen: der Lusitaner Schnurres, man kennt ihn als Gastarbeiter aus der Trabantenstadt, erbittet bei den unbeugsamen Galliern Hilfe für seinen zu Unrecht angeklagten Freund Schâoprozes.
Asterix, Obelix und Idefix reisen also ins Land der Saudade (übrigens unter den ersten zehn auf der Hitliste unübersetzbarer Wörter), was Asterix mit “Du musst zugleich traurig und fröhlich sein!” zu erklären versucht. Statt Wildsãu gibt es Kabeljão, woran der regelmäßig errötende Obelix ebenso leidet wie an seiner unerfüllten Liebe zu Falba… nein, Oxala. Auf ihrer Mission treffen sie auf hart arbeitende und singende Lusitaner, aber auch – sehr sehr hübsch – auf das Wutrentnerpaar Mandarfjanix und Flottebine, die in ihrem Wohnkarren schöne Länder bereisen und auf die Politik daheim schimpfen.
Sehr zeitgeistig auch, wenn Fetterbonus, der blonde ungemein beleibte Statthalter Roms in Lusitanien, im Bade suhlend die Gästeliste für ein Sponsorendinner auf seiner Luxusjacht “Davos” diktiert: Marcus Zuckergus, der Herrscher über die Informationspapyri, der Fastfoodking Royaltschis, Steuertrix, der Schweizer Bänker, der Wagenhersteller Vauwepolos, Elonmus, dessen Profession unerklärt bleibt und noch einige andere.
Unsere Helden gehen untern den Tarnnamen Armdesgesetzes und Infettfrittiertes als Lusitaner verkleidet mit gefärbtem Haar in den Undercover-Einsatz, singen und tanzen saudadisch, klären den Fall, lassen Cäsar das nunmehr gerechte Urteil sprechen und kehren nach Festmahl römisch eins ins Dorf zurück, wo Festmahl römisch zwei mit Wildschwein und an den Baum gefesseltem Barden die Geschichte beschließt.
Mein ganz besonderer Lieblingsgag ist der an den britischen Komiker Ricky Gervais angelehnte Zenturio Pistorius (ja, wie der Verteidigungsminister). Der wird als Vorher/Nachher-Studie gezeigt. Im vollen Wichs und glänzender Uniform vor seiner Begegnung mit den Galliern. Und dann halt danach. Soooo hübsch!
Ist gut geworden. Das kann/darf/soll man lesen.
Fangen wir mit den Gemeinsamkeiten der beiden Krimi-Verfilmungen an: feine Leute betreibe an schönen Orten bei schönem Wetter kultivierten Müßiggang sowie giftige Konversation. Den Rüpeln aus der früheren Kolonie, denen es eh immer nur um Geldvermehrung geht, wie profan, begegnet man mit amüsierter Arroganz. Noblesse oblige. Bis Peter Ustinov als Hercule Poirot seine grauen Zellen bemühen muß, um herauszufinden, wer ein bißchen zu sehr die Contenance verloren hat. Der Fall wird aufgeklärt, immer, die Bösen der verdienten Strafe zugeführt, Ritt in den Sonnenuntergang. Alles gut.
“Evil Under the Sun” ist die helle Freude. Sehr gut besetzt, flott inszeniert, und Cole Porter swingt dazu. Hach! Insbesondere die Damen (Diana Rigg, Dame Maggie Smith, Jane Birkin…) führen sich und ihren Putz spazieren – die Hutmacher werden im Abspann eigens erwähnt und ich hätte jede ihrer Kreationen gerne getragen. Sehr Hach!
Location ist eine abgeschiedene sonnenverwöhnte Insel irgendwo in der Adria, das Hotel, in dem die britische haute volée nun aufeinandertrifft, war mal der Ferienpalast eines nicht näher benannten ausländischen Monarchen, den dieser seiner Ex-Gespielin (Dame Maggie) als Abfindung überlassen hatte. Schon das sehr hübsch. Die Schauspieler und Innen haben sichtlich Spaß, eine Zeit wieder auferstehen zu lassen, in der Britannien über die Meere herrscht, vom Rest der Welt (und, zum Beispiel, seiner mangelhaften Sanitäranlagen) ganz glücklich isoliert ist, die Nasen hoch und die Oberlippe steif, kleine rassistische Schlenker inklusive. Kurz, das Empire in all seiner Pracht, mit Königshaus und Wachablösung und für die Ewigkeit geschaffen. (Der Roman ist zwischen 1939 und 1940 entstanden und wurde 1941 erstmals veröffentlicht. Christie wußte es also schon besser.)
Regisseur Guy Hamilton läßt sich viel Zeit beim Erzählen und bringt liebenswerte Details unter. Pars pro toto: der Schurke trägt zum muskelbepackten Körper schwarze genitalbetonende Speedos und erobert den Ozean per Kopfsprung. Wenn Poirot sich zu Wasser läßt (die Szene ist tatsächlich mit einem Stapellauf vergleichbar), geht er in einem langen Bademantel und Badeschuhen gemessenen Schrittes zum Steg. Dort legt er den Mantel ordentlich ab. Darunter trägt er einen formidablen Badeanzug, mit knielangem Bein und Oberteil. Auch schwarz. Er schreitet die Treppe hinab. Der Blick schweift in die Weite. Als er feststellen muss, dass das Meer aus kaltem Wasser besteht, läßt er es kurz seine Waden belecken, macht mit den Armen ein paar Trockenschwimmzüge und sieht zu, dass er, parallel zum Steg gehend, an der anderen Treppe wieder rauskommt. Vielfach Hach! Dergleichen Episödchen gibt es mehr, aber keine so schön wie diese.
“Evil Under the Sun” – das Slowfood unter den Kinofilmen und weil Poirot seine kleinen grauen Zellen einsetzt, kann das Publikum entspannt Augen und Ohren weiden. Hach!
“Appointment with Death” ist der Versuch, diesen Erfolg zu wiederholen. Allerdings in plump und staubig, wg. Ausgrabungsstätten im Heiligen Land. Die großen Frauenrollen sind mit Amerikanerinnen besetzt, wobei Carrie Fisher ohne Zopfschnecken über den Ohren erst mal irritiert, dann aber als junge Liebhaberin ganz okay ist. Piper Laurie ist als Über-Bitch ohne Brüche vollkommen unterfordert, aber zum Glück auch bald tot. Einzig Lauren Bacalls Charakter bekommt vermeintlich etwas Tiefe – sie ist zwar gebürtige Kolonistin (halt aus Amerika), hat aber zur Veredelung einen Briten geheiratet, sich sofort auf den Marsch durch die Institutionen gemacht und vertritt das Vereinigte Königreich nun hier im Ausland als Parlamentsabgeordnete. Leider läßt Regisseur Michael Winner sie diese Figur nur als Summe der Häßlichkeitsklischees beider Nationen spielen – das scheint ihr zwar Spaß zu machen, sie könnte aber soviel mehr. Auch sie ist, wie der Angelsachse das nennt “under-used”. Selbst dem großen Sir John Gielgud traut man offensichtlich nicht zu, den very british Offizier mit einem Augenzwinkern zu spielen. Das ist alles so bierenst und darum leider fad. Zudem wird in diesem Film ein weiteres Klischee, nämlich das vom sinistren Orientalen mit dem finsteren Blick und dem Messer im langen Gewand ein wenig zu ausführlich breitgetreten. Gibt nochmal Punktabzug. “Appointment with Death” muss man sich nur ansehen, wenn man Vollständigkeitsbedarf hat.
Das Wiedersehen mit dem ersten Film in der Ustinov-spielt-Poirot-Reihe, “Death on the Nile” aus dem Jahr 1978, habe ich mir für einen der zu erwartenden langen Winterabende aufgehoben. Mega-Starbesetzung. Ich werde berichten.
Schon eine Weile vor Einlaß formt sich eine lange Schlange gestandener Mannsbilder – und mich beschleichen Zweifel: hab ich was falsch gelesen? Falsch gebucht? Schließlich bin ich in unserem Kulturteam für Theater zuständig und eigentlich nicht Musikbeauftragte. Hmmm? Wenn ich mal ein Konzert vorschlage, dann weil es mich wegen der liebevollen fachkundigen Beschreibung im Unterfahrt-Programm anspricht oder, selten genug, weil ich die vortragenden Menschen wirklich kenne – wirklich gut bin ich auch nach den vielen Jahren im Keller noch nicht, dazu ist die Szene zu breit.
Aber gut, dann bin ich für heute Abend halt eine der wenigen Quotenfrauen und erlebe staunend ein Konzert dreier Ausnahmekünstler. Der Bandleader Pete Roth an der Gitarre, Mike Pratton am Bass und der ganz wunderbare Schlagzeuger Bill Bruford, der aussieht wie ein liebenswerter pensionierter Studienrat, aber unter anderem schon mit “Yes” und “King Crimson” gespielt hat. Großartige Kompositionen, unter anderem eine Improvisation über Dvořáks Largo aus der 9. Symphonie, demonstrieren sie unangestrengte Hoheit über alle Stilrichtungen, an denen sie gerade Freude haben.
Der Abend war lange vorher ausverkauft, die Künstler sind Hausnamen – habe ich aber alles nicht gewußt. Ich fand, wie gesagt, nur die Beschreibung recht hübsch. (Hoffentlich funktioniert der Trick auch nächste Woche wieder…)
Danke, meine Herren.
Sturmtief “Joshua” macht seinem biblischen Namenspatron alle Ehre und bläst und stürmt, als solle bis zum Ende der Nacht die ganze Wohnanstalt in Trümmern liegen. Der Lärm ist meinem Nachtschlaf gar nicht zuträglich, schon gar nicht, als es ummara fünfe rum im schräggestellten Oberlicht meines Schlafzimmerfensters, keine zwei Meter Luftlinie von meinem Kopf entfernt, guruguruth.
Ich bin unausgeschlafen, aggressiv, mies drauf und drum ist es eh schon wurscht… also springe ich im Nachthemd, mit wirrem Haar, barfuß und ohne Brille auf, hetze nach draußen, ergreife das wohlweislich bereitgelegte signalrote Abschreckhandtuch und wedele das Drecksvieh auf und fort.
Ach Mensch. Jetzt war der Balkon schon zwei Nächte in Folge vogelfrei und dieses Miststück versaut mir a) die Statistik und b) schon wieder alles mit seiner Kacke. Es mag sein, dass die Hoffnung zuletzt stirbt. Aber vorher sollen diese fliegenden Ratten dran glauben.