hat er seinen Tätigkeitsschwerpunkt verlagert
und die Nachfolge im traditionelle Familien-
geschäft angetreten. Glückwunsch!
Herr Biesler ist nun schon im dritten Jahr in
Folge “Urinal-Verkäufer des Jahres” bei Dixie-Klo.
Es ist ein Kreuz
Wenn ein Amerikaner was auszufüllen hat, dann “checked” er eine “box”, das heißt, er setzt ein Häkchen in das vorgemalte Kästchen. Das Gehakele hab ich nie so richtig internalisiert und außerdem bin schon wieder so lange hier, dass ich heute schon eine Zeit lang gebraucht habe, bis ich verstanden habe, warum die US Bank meiner Firma mir einen mühsam ausgefüllten 5-Seiten-Antrag wegen “ambiguity” wieder zurückschickt.
An der Schreibweise der Zahlen hatten sie nichts auszusetzen (s. https://flockblog.de/?p=30416), das kann ich, aber sie lassen sich halt kein Kreuz für einen Haken vormachen.
Bereit sein ist alles
In meiner kalifornischen Wahlheimat wird man zuverlässig von zwei Dingen dauerbeschallt: dem hektischen “Lassen-Sie-mich-durch-ich-bin-Zug”-Gepfeife des CalTrain und dem Getute und Gefiepe von “car alarms”, die im allgemeinen nichts dramatischeres zu vermelden haben als “Da fährt wer mit einem schweren Auto über den Parkplatz, auf dem ich stehe”, “Ein Blatt! Ein Blatt ist auf mich gefallen!”, “Oh mein Gott, ich sterbe. Nein, doch nicht. War nur ein Streifschuß. Moment. War kein Schuß. Wir haben nur etwas eng am Nebenmann geparkt.” Folgerichtig nimmt die niemand ernst und wenn wirklich mal ein Auto geklaut werden sollte, merkt natürlich keiner was.
Ganz anders hierzulande, wo der halbe Wochenmarkt seine Ein- und Verkaufstätigkeit unterbricht, um zuerst mal das grelle Piepen zuzuordnen. Je nach Generationszugehörigkeit schießen die Spekulationen ins Kraut: Fliegeralarm? OHU kaputt? Testen die bei der Kirche das neue Katastrophenwarnsystem? Haben die überhaupt eines? Und wenn ja, brauchen sie es eigentlich, wo doch Gott seine schützende Hand…? Bevor es gar zu wild wird, taucht ein schwitzenden Mann mittleren Alters auf und alle schauen zu, wie er sich mit hochrotem Kopf in was rotes Tiefergelegtes windet und “des Glumpert, des verreckte” zum Schweigen bringt.
Ich glaube ja inzwischen, dass die Marktleute den Alarm bestellt haben: die Kundschaft, nunmehr katastrophengewarnt, kauft mehr, als sie ursprünglich vorhatte. Falls doch mal was sein sollte.
Gebt der Kaiserin…
In der Buchhandlung in Schwabing, in der ich die gute Dreiviertelstunde bis zu meiner Verabredung mit Rumstöbern vertrödeln wollte, verkauft man jetzt nützliche Dinge wie Topfhandschuhe und Toilettenpapierhalter in farbenfroh und mit spaßigen Sprüchen versehen. Unnötig wie eine größere Anzahl von Kröpfen und der lebende Gegenbeweis zum Dekret, dass “form follows function”. Hmmm. Alles viel zu bunt hier und außerdem reicht das bissel Text bei weitem nicht, um mein Bedürfnis nach Gedrucktem zu decken.
Dann eben nicht, dann geh ich halt zum Friseur.
“Gott zum Gruß, meine Herren, ich bin um siebene im Biergarten verabredet und hätte gerne bis dahin die Brauen gezupft und die Haare geschnitten; schaffen wir das in einer Dreiviertelstunde?” Kurzer abwägender Blick. Dann Hand aufs Herz: “Bist du um Fümpf vor Sieem fertisch. ‘sch schwör!” Sodann zupft Cäsar und Konstantin schäumt, spült, steckt, kämmt, zwirbelt, schnipselt, sprüht, föhnt die Pracht noch flott auf Farrah Fawcett, umtanzt mich mit dem Spiegel (“da neue Locke, da auch und hier Stufe”), reißt mir um 18:54 Uhr den Umhang vom Leibe und bittet zur Kasse. Holla! Pünktlich wie die Kaiser.
Frage mich seitdem, ob mich mein neuer Umgang nun zur Kleopatra macht. Oder gildet das nur, wenn Eselsmilch & Eunuchen zum Einsatz kommen?
Aus dem Vokabelheft
Wenn ich nicht neulich einem Freund bei einer Übersetzung geholfen hätte, dann wüßte ich nicht, dass es auf dieser Welt Dinge gibt wie eine “Universal Fettling Machine”. Möchte dem Erfinder aber doch zurufen, dass das richtig große Geld erst zu machen sein wird, wenn er die neue “Universal Un-Fettling Machine” auf den Markt bringt. 10 Minuten in der Kabine und fertig ist die Traumfigur. Das, mein Bester, wird der Renner.
Keine gute Tat bleibt ungesühnt
Irgendwer aus den unteren Etagen der Wohnanstalt braucht ewig, bis er oder sie was auch immer lautstark aus dem Lift rumpelt und sich bequemt, das Ding zu mir nach oben fahren zu lassen. Fängt ja schon gut an, dieser Tag, und geht ganz genauso weiter – schau: da ist diese stinkfaule Urlaubsvertretung vom Frühviktualienhändler schon wieder nicht rechtzeitig aus dem Bett gekommen, was bedeutet: heute kein Obst im Büro. Und beim Bäcker sind ausgerechnet die Butterbrezen aus. “Himmel!”, denk ich mir und dann, dass ich ausnahmsweise mal eine trockene Breze essen kann und dafür aber meinen lieben Kollegen ein paar noch ofenwarme Mango-Tascherl mitbringen werde. Weil die nämlich auch Montag haben.
Dann sitzen die Bäckertüte und ich im Bus und duften vor uns hin und auf einmal zwickts mich knapp unter dem Kiefer arg in den Hals und wie ich hektisch hingreife und wegwische, hängt mir auf einmal ein Stachel an der Hand und der Dame mir gegenüber eine (immer noch) mit den Flügeln wackelnde Wespe im Ausschnitt. Hätt’ sich das Vieh auch nicht gedacht, dass seine Woche mit seinem Lebensende beginnt; auf den Boden geschnipst und mit Verve totgetreten.
Geschieht ihm aber recht! Für den Rest des Tages kühle ich meine neue Beule von Tauben- auf Wachteleiformat runter, tue mir leid und beschließe, dass ich – wenn überhaupt je wieder – als Kollegenschmankerl zukünftig Essiggurken wählen werde.
Ironman
Bügeln sei, so sprach meine Handarbeitslehrerin selig, wobei sie immer ein wenig selbstgefällig an einem ihrer vielfältigen Blusenkrägen nestelte, eine “vornehme Tätigkeit” und lasse keine Nachlässigkeiten zu. Manschetten und Krägen seien von Innen UND Außen sorgfältigst zu plätten, der Rücken- immer vor dem Vorderteil und die Ärmel erst! “Ihr wollet doch ned, daß d’Leit denkat, euer Mann hätt a Schlampe dahoim.” Und auch wenn wir selbst einmal in die Öffentlichkeit träten, “beim Eikaufa oder in dr Kirch” wären die Leute entsetzt, wenn sich die Kleidung* als “ungepflägt” erwiese und zögen daraus “und zu Recht” Rückschlüsse auf die Moral (“nemmlich koine”) der Trägerin. Das schrecklichste Vergehen einer schwäbischen Hausfrau, so lernten wir vom Fräulein Mayerhöfer, sei das sogenannte “Männerbügla” derer, “die koine abkriagt hend und selber ans Eisa müssad”. Diese Herren bügelten nämlich nur, was unter Pullunder oder Schacket sichtbar sei und man müsse sich ob dieser losen Moral gar nicht wundern, dass sie auf ewig Junggesellen blieben.
Ich hasse Bügeln und mache das bloß, wenn ich beim Einkaufen eines Kleidungsstücks übersehen habe, den Stoff auf Bügelfreiheit zu überprüfen und zu schwäbisch bin, es dann halt deswegen nicht mehr zu tragen und im Gegensatz zu manchen Freundinnen keine Mutter habe, die auf Besuch kommt und den Wäscheberg mal schnell wegbügelt. Darum danke für Ihren Tipp, Fräulein Mayerhöfer, man lernt manchmal in der Schule doch fürs Leben: “Männerbügla” ist die zeitsparendste Variante die ich kenne.
Ihr schwäbischer Pietistengott sei Ihrer Seele gnädig und meiner auch.
* “Kleidung” schloß übrigens auch die immer mit einem leichten Räusperer und einer schnell aufsteigenden Gesichtsrötung gemurmelten “Schlüpfer” ein. Sowie Socken, Strümpfe und Laibla (= Unterhemd oder T-Shirt).
Mein Balkonpanoptikum
Es scheint, als hätten die großen Ferien nun auch langsam hier in der Wohnanstalt zugeschlagen; der Spielplatz ist meist verwaist, Instrumente werden nicht mehr beübt, kein Geschirr klappert, keine Geranien tropfen, auch nackte Männer sind kaum mehr zu sehen. Außer Bück-Luis, der kanns nicht lassen.
Nur das arme Brüllkind scheint mehr Zähne zu kriegen als jeder Mensch vor ihm. Was kann man bloß in dem zarten Alter schon angestellt haben, um mit dem Fluch einer dermaßen bösen Zahnfee belegt zu werden?
Ruckediguh
Bei einem dummen häuslichen Unfall, einem von diesen extra dummen, wie geschaffen für die Darwin Awards-Nominierungsliste, entglitt mir neulich ein Glas und zersprang auf dem Küchenboden in zwei Teile sowie einen kleinen Splitter. Letzterer landete leicht zitternd aber doch steil stehend in meinen baren Zeigezeh und so stand ich kaum Augenblicke später in einer ordentlichen Blutlache. Blutspuren markierten meinen Weg zum Bad, anschließend Blutflecken auf Fliesen, Medizinschränkchen, Pflasterpackung, Schere, Handtuch, Waschbecken, Mülleimer usw. – die Tatortreinigerin hatte zu tun.
So blöd, wie das Loch im Zeh liegt, konnte ich die ganze Woche lang nicht einen Schuh finden, der nicht irgendwann das Pflaster weg- und wieder an der Wunde scheuerte. Und jetzt sieht es in meinem Wäschekorb aus wie weiland bei Aschenputtels Schwestern.
Nimmer ganz neu im Fernsehen: Aufschneider
Eigentlich hätte ich auf Amazon Prime “Braunschlag” gesucht gehabt, eine österreichische Serie, die mir schon vor längerer Zeit ans Herz gelegt wurde. Hätten sie zwar angeboten, aber nur für Geld und dafür war ich zu geizig. Bin dann eher aus Zufall (“der Hader ist doch auch Österreicher, schau ma moi, was sie von dem so bieten können”) auf “Aufschneider” gestoßen, eine zweiteilige Serie über einen Pathologen am Wiener Mariannenkrankenhaus.
Gerade auf einen Sitz durchgeschaut und mich sehr daran erfreut. Gutes Drehbuch, tolle Schauspieler & schräger Humor; Herz was begehrst du mehr?
Anschauen! Anschauen! Anschauen!
