Das gute Kind

…hat ein paar Tage frei und mich mit Memes erfreut. Alle sehr schön. Aber dieses hier schießt den Vogel ab:

Noch nicht fertig gelesen: Ryan Gattis – “Das System”

Wie ich immer sage: Bücher ziehen Bücher nach. Vor Jahr und Tag hatte mir ein Freund “All involved” von Gattis ans Herz gelegt und das war dann auch eines der wenigen Bücher, die mich in den letzten Ferien wirklich vom Hocker gerissen haben (s. https://flockblog.de/?p=53306). Habe ich dem Freund natürlich berichtet, woraufhin er mir aus seiner Bibliothek “Das System” geliehen hat.

Dessen Handlung spielt nach den “LA Riots” und befaßt sich mit dem Strafvollzug in den USA – wobei einzelne Figuren aus dem ersten Buch Erwähnung finden. Es ist irgendwie nett, beiläufig zu erfahren, dass sich die Krankenschwester und der Feuerwehrmann gekriegt haben und aus dem Gang-Ghetto weggezogen sind, andere von ihren Verletzungen besser genesen sind, als ursprünglich zu erwarten war und wieder andere, nachdem nach den Morden während der Riots Positionen vakant geworden waren, in den Rängen aufgestiegen sind und jetzt, auf Anweisung ihrer Mobbosse, in den Knast sollen.

Leider ist die Übersetzung grottenschlecht. Zum einen, weil diese Gangs eine ganz eigene Sprache mit ganz eigenem Vokabular haben und das wirklich schwer ins Deutsche zu übertragen ist (da hilft auch das ausführliche Glossar am Ende nicht), zum anderen, weil ich den Übersetzern unterstellen muss, dass sie nicht allzu viel Erfahrung mit US-spezifischen Themen haben. Beispielsweise erwärmt man in der Mikrowelle nicht “einen Mac mit Käse”, sondern “Mac’n Cheese”, also kurze Röhrchennudeln mit Kunstkäsepampe. Man geht auch nicht zum “Platz” der Freundin, sondern in ihre Wohnung oder ihr Haus (“her place”). Insgesamt ist es so mies, dass es mir das Lesen so richtig verleidet, obwohl der Inhalt mindestens ebenso interessant ist, wie bei “All involved”. Ich werde mir das Buch nun auf Englisch besorgen und nochmal von vorne anfangen. So gehts einfach nicht.

Aufi muas i

Wir haben ja hier in der Wohnanstalt finkelfunkelniegelnagelneue Aufzüge bekommen, die den Auflagen hinsichtlich Barrierefreiheit genügen dürften und außerdem zu ihren Fahrgästen sprechen. Mit einer ganz entsetzlich sympathischen weiblichen Stimme (diese Modell “Plombenschmelzer”, wenn ihr wißt, was ich meine), die nun darüber informiert, in welchem Stockwerk wir uns befinden und in welche Richtung es geht, nach oben oder unten.

Besonders, wenn sie “Aufwärts” sagt, hat sie sowas jubelndes, positiv bestärkendes im Ton, dass ich mich jedes Mal, wenn ich das höre, dabei ertappe, dass ich die Mundwinkel nach oben verziehe. Doch nicht alles schlecht, in diesem unserem Lande…