Windsbraut (dem Wehehesterwald zugeeignet)

Heute bin ich auf der A61 aus dem Hunsrück in die Voreifel gefahren (Nicht Eifel, das ist wichtig. Nur Voreifel. Ist wie Alpen und Voralpen.). Zwecks Familientreffen. Es hilft nämlich, wenn die Eltern schon früh häufig umgezogen sind und einem quer durch die Republik ein Netz von Bezugspersonen hinterlassen haben.

Aber anderes Thema. Ich kenne ja Straßenbau häufig so, dass man die Straße über die Landschaft legt und der Benutzer alle Höhen und Tiefen ausfahren muß. Nicht so auf der A61. Da hat man über Täler und Flüsse reichlich und viele und lange Brücken gebaut, auf die jeder Wind, der was auf sich hält, recht fest von der Seite bläst.

Bei der Fahrt heute zog es wie Hechtsuppe. Mußte zu meinem Bedauern feststellen, dass mein Leihwagen sich anscheinend seinerzeit vor den Tests im Windkanal gedrückt hat, dafür jetzt bei jeder Bö einen Mordsschiß kriegt und sich am liebsten über den Seitenstreifen verdrücken würde. Am besten gleich mit voller Wucht in die Schlucht. Ich hatte meine liebe Mühe, den Wagen in der Spur zu halten und den Arme-Workout meines Lebens. Gibt bestimmt einen Muskelkater…

Aber sonst war es sehr schön und wenn ich nochmal übers Wochenende bleibe, besuche ich euch wieder! Danke!

Das Wandern ist des Müllers* Lust…

Wochentags frühstücke ich im allgemeinen im Kreise schweigsamer Männer, denen ihre Unternehmen die Übernachtung bei https://www.monteurzimmer.de erspart haben. Ein knapper Gruß, viel Kaffee, zwei, drei dick belegte Brötchen einatmen, noch ein knapper Gruß und weg sind sie.

Am Wochenende lernt man Frau Wirtins andere Gäste kennen. Die, die nicht in viel zu früher Stunde ihrem Tagwerk nachgehen, sonderm zum Spaß hier in der Gegend sind. Die rascheln sich schwer aufgeräumt und mitteilsam in ihrer Funktionskleidung durch den Brötchenkorb und die Auswahl an mindestens fünf verschiedenen Mettwurstsorten und nehmen gerne noch “wat Leckeres” und ein “Säftsche” zum Abschluß. Nach erfolgtem Stuhlgang (ein Thema, das sie offensichtlich alle beschäftigt und das ich außerhalb eines Krankenhauses noch nie so oft öffentlich diskutiert gehört habe) sieht man sie im Treppenhaus wieder, gerüstet für den Tag. Die Wanderstiefel geschnürt, die Stöcke fest in der Hand und das beige (immer beige!) Rascheloutfit von einem Anorak in einer Primärfarbe gekrönt.

Ich hoffe, sie wandern sich recht müde und müssen nicht heute Nacht wieder Rheinlieder singen.

* Heiße ich vielleicht Müller? Eben.

Gelesen: Becky Chambers – “The Long Way to a Small, Angry Planet”

Ms. Chambers scheint ihr Teil an Science Fiction gelesen und gesehen zu haben und bedient sich für ihren Roman aus dem bewährten SF-Baukasten. Die Wayfarer (= Wanderer, Reisender, Suchender) ist ein Schiff wie ein Flickenteppich, aber flugfähig und heißgeliebt von ihrer Besatzung (und wer jetzt “Firefly” denkt, dem gehts wie mir). Der Captain ist ein guter Mann und seiner Crew, zusammengewürfelt aus allen Spezies unter den Sonnen, wie ein Vater (und wer jetzt “Nathan Fillion” denkt, dem gehts wie mir). Er ist ein Nachfahre der “Exodus”-Flotte, also der letzten Menschen, die damals den sterbenden Planeten Erde Richtung Weltall verließen, in der Hoffnung, irgendwo da draußen etwas besserers zu finden als den Tod. Auch die beiden Techies sind Menschen, eine Elendsquasselstrippe und ein Kleinwüchsiger – beide mit Herz und Werkzeuggürtel auf dem rechten Fleck. Dann gibt es noch den Algenbauer (Algen = Treibstoff), ein Geschöpf ohne jede Sozialkompetenz, weswegen seine Kollegen wohl abstreiten würden, dass er ein Mensch ist.

Die Pilotin ist Angehörige einer gefiederten Echsenrasse, der Navigator ein quallenblasenartiges Zweiwesen, von dem auch nur im Plural gesprochen wird und für das leibliche Wohl ist ein Insektioid mit 3 Paar Handfüßen zuständig: Dr. Chef, Schiffsarzt und Koch. Last but not least: die AI Lovey (von Lovelace). Zu diesem bunten Haufen stößt Neuzuwachs Rosemary vom Mars und über sie lernen wir Leser alles über Raumschiff, Crew, Ernährung, die Stationen am Weg und die Verständigungsmöglichkeiten (eine armselige gesprochene Lingua franca und viele an Gestik, Farben, Mimik, Tönen und anderen Dingen reiche weitere Sprachen. Hach!).

Ms. Chambers läßt sich viel Zeit, die kleinen und großen Macken ihrer Figuren zu beschreiben. Besondere Freude hat sie an den “Aha”-Momenten, die sie ihre Protagonisten erleben läßt, wenn sie Eigenheiten und vermeintliche Eigentümlichkeiten einer anderen Spezies in die eigene “übersetzen”. Nicht mißverstehen: das Buch ist keine große Space Opera. Aber ein kleines feines Werk über Multikulti, unorthodoxe Beziehungen, Antirassismus, Unkonventialität und “gender fluidity”; Themen, die die Autorin dauernd geschickt und mühelos einfließen läßt. Auf den letzten 40 Seiten gibts Rambazamba und Raumschlachten in der Umgebung des kleinen zornigen Planeten, bis dahin geht es um nichts anderes, als was der Titel versprochen hatte: den langen Weg, bei dem mir keine Minute langweilig geworden ist. In einer deutschen Kritik habe ich den Begriff “Wohlfühl-Sci-Fi” gelesen. War abwertend gemeint. Hätte es nicht sein sollen, denn das trifft es genau. Muß ja nicht immer dystopisch sein.

Die ersten beiden Wayfarer-Bände gibt es schon auf Deutsch und wer gerade nichts besseres zu tun hat, möge lesen! Lesen! Lesen!

Bergfest!

… und noch vor halb acht morgens lärmen die Glocken die Gläubigen zum Gebet und die Ungläubigen in einen Zustand fassungsloser Wachheit (wo ich doch einmal hätte ausschlafen können…). Dabei ist heute erst Samstag. Welcher Krach erwartet mich dann um Gottes Willen morgen erst?

Adoptiert

Die Frau Wirtin, wiewohl an Jahren jünger als ich, hat mich anscheinend ganz tief in ihr Mutterherz geschlossen. Heute Abend stand ein liebreizend gebundenes Sträußchen aus gelben Rosen und Sonnenblumen auf dem Tisch in meinem Zimmer.

Die ist schon sehr sehr nett zu mir.

TGIF

Frage: Was ist der Superlativ von “trübsinnig”?
Antwort: Ein Industriegebiet an einem Freitagnachmittag bei regnerisch graubewölktem Wetter, die Straßen und Parkplätze menschenleer und selbst an der Tankstelle nichts los. Nicht mal Dorfjugend.
In der Dörther Variante drehen sich, fern am Horizont, dazu ein paar Windräder. Oft gegenläufig, was ich nicht verstehe, worüber ich aber eigentlich auch nicht nachdenken will.

Mich friert nämlich schon wieder. Ich hätte beim Kofferpacken dem Wetterbericht nicht trauen sollen, aber nun stehe ich da mit meinem kurzärmligen T-Shirt und einem leichten Baumwolljäckchen und schlottere im steten Wind. “Läßt sich lösen,” denke ich mir. “Habe ja eine Kreditkarte und Landeswährung an der Frau. Gehe ich halt los und kaufe mir einen schönen warmen Pulli oder ein Hoodie oder so.” Ja, so denke ich mir das.

Es ist nach sechs, die Geschäfte auf der Hauptstraße haben alle schon zu und das ist gut so, denn sonst würden potentielle Kunden womöglich über die hochgeklappten Bürgersteige stolpern. Und es macht auch nichts, weil es hier mindestens zwei Discounter-Cluster gibt, die bis um zehne nachts aufhaben. Ich brauche ohnehin noch Pantoffeln (keine 40° mehr, nicht mal 30°, also nix mehr barfuß gehen, weil kalte Füße) und könnte mich doch erst mal beim Schuh-Discounter warm kaufen und dann langsam steigern. Ich ignoriere alles, was glitzert und auf dem Tiere aufgestickt sind und werde ausgerechnet bei den Mädchenpantoffeln fündig. Die Innensohle ist zwar pink, aber dafür ist der sichtbare Rest in mutigem Mausgrau mit wenigen rosa Tupfen gehalten. Außerdem sind sie weich und billig und sowieso nur für unterwegs und alles ist besser als Eisfüße.

Nächster Stop: Der Klamottendiscounter nebenan. Oh je, vor der Tür an den Drehständern mit der “Super-Sale”-Ware flatterts bunt und bünter. Verdammt, obwohl meine Kolleginnen sie mir täglich vorführen, habe ich die modischen Vorlieben der beleibteren Damen aus Schwall, Ney, Niedert, Dörth, Norath, Utzenhain und Badenhard (viele davon weisen immerhin eine dreistellige Einwohnerzahl auf) nicht bedacht. Die müssen auch in der Metropole Emmelshausen shoppen, weils auf den Dörfern oft gar nichts gibt. Nicht mal eine Tankstelle. Die Damen aus dem Umland gehen ihrem Einkaufsbummel in Leggins nach. Ausnahmslos alle habens gerne vielfarbig und großgemustert und vor allem mit Glitter, Blink und Straß, Schleifelein und Bändchen sowie anderm Bammelgedöns und “pretty” und “pink” werden hier durchaus im selben Atemzug genannt. Oi wei, das wird nicht einfach.

Das findet die Verkäuferin auch. “Uni wird hier eigentlich nicht nachgefragt. Aber warten’Se…” und bringt einen Pulli in Schwarz, von dem vier, fünf Universen blinkern. Sternenhäufchen in Silber, Gold und (isjawurschtwiemansnennt) Bronze. Nein! Sowas kann ich nicht anziehen, auch wenn die Schultern ganz allerliebst mit einer Art Milchstraßenleuchtstreifen betont werden. “Haben Sie vielleicht noch was anderes in wirklich einfarbig? Ohne Glitzerzeug? Ganz egal, ob Jacke oder Pullover. Hauptsache warm.” Sie hält mich für einen hoffnungslosen Fall, dem jeder Sinn für das Schöne fehlt und empfiehlt mir, mich bei der neu eingetroffenen Übergangsware umzusehen. Da hängt sie dann auch, meine neue mollige dunkelblaue Jacke. Ein Einzelstück. Geht hier in der Gegend einfach nicht gut, sowas langweiliges.

Ich habe jetzt bloß noch ein paar Besorgungen beim Drogerie-Discounter zu erledigen und dann kann ich mir aussuchen, ob ich das Abendessen bei Netto oder Lidl besorge. Die haben einfach alles, die Emmelshausener.

Weltfremd

“Einhörner,” lerne ich vorhin im Kolleginnengespräch, “sind out. Tot. Einen Stich kannst du heutzutage nur noch machen mit “Kack-Tussen” (Trennstrich extra betont, hihihi) und “No Drama, Lama.”

Da schau her: gibts als Stieleis und auch als Gummitiere von Haribo…

Hmmm! Wenn ich sie nicht hätte, meine Hunsrücker Trendsetterinnen, dann wären Stachelpflanz und Spucktier total an mir vorbeigegangen und mir wäre nur der “Clown-Flansch” (ein Maschinenbauteil, heute auf einer Stückliste entdeckt) für meine Wörtersammlung geblieben…

Höhenrausch

Wenn man Geographen oder Kartographen oder anderen Berge-in-Kategorien-Einteilern* Glauben schenken will, bringts der Hunsrück (dessen Bewohner im übrigen nicht “im”, sondern “aufm” leben), gerade Mal zum Mittelgebirge. Ich lebe aber trotzdem den “Alpine Lifestyle”, weil die Frau Wirtin mir Luis Trenkers Duschgel ins Bad gestellt hat. Da steht drauf, dass ich mich schon mit einmal Einseifen fühlen werde wie ein echter Gipfelstürmer.
Ich habe ja immer geahnt, dass es einen leichtern Weg in schwindelnde Höhen geben muß, als mühselig Richtung Gipfelkreuz zu klettern…


Holldriho!

* Fällt das in den Zuständigkeitsbereich einer Berg-ISO? Was ist mit Hügeln? Gibts da was extrigs? Fragen über Fragen. Frau wird hier im Mittelgebirge noch ganz wunderlich.

Deutschland der Regionen

Bei meinem Stamm-Discounter in München hält man eine erfreulich große Menge von Bio-Lebensmitteln vor. Die meisten davon gibts hier beim gleichen Discounter nicht. Aber dafür eine riesige Kühlung randvoll mit “frischgeschnittener Metzgerwurst” in Packungsgrößen ab 200g.