Montagmorgen, noch keine 08:00 Uhr…

…und ich bin schon seit über vier Stunden wach, davon eine gute halbe Stunde in der Morgendämmerung im stehenden Auto auf dem LKW-umtosten Pannenstreifen der Autobahn und eine weitere halbe Stunde in Herrn Hölldoblers Abschleppwagen. Inzwischen brennt die frühe Sonne schon die letzten Morgennebel weg und wir haben gerade mal die ersten 100 km nach Dörth geschafft.

Dann warten wir in der Fachwerkstatt, welche in einem gedachten Pentagram am links oberen Zipfel liegt, zwischen dem Flachbau von Jasmins Massagen und dem FKK-Club Morgenland, oberhalb von Broil King und Frischfroster auf die Diagnose, was dem Auto des Kollegen denn fehlen könnte und bis wir im breitesten Schwäbisch erfahren, “das des fei no daura wird” isch au scho wiedr a Schtündle rum.

Ich habe Hunger, muß aufs Klo und will eigentlich nur noch heim. Bekommen tu ich stattdessen einen Leihwagen, noch über vier Stunden auf der viel zu vollen Autobahn nach Dörth und irgendwann einen Sanifair-Bon. Spaß ist das keiner. Wenn ich nicht in meinem Alter wäre und das Geld bräuchte…

Schiffe aus den USA

Die kleine Maschine ist unaufmerksam und geschwätzig. Wenn beim Übersetzen nicht bald Fortschritte erzielt werden, ist die Versetzung stark gefährdet.

Wenn es Nacht wird in München und

die Stammstrecke gesperrt ist.

Dann sind sie auf a mal oberirdisch zu den Spaßtempeln im Osten der Stadt unterwegs und der auf dem Heinweg begriffene Mensch meiner Generation kann sich absolut nicht erklären, woher das Gerücht kommt, dass die Deutschen im Aussterben begriffen seien. Jede*r Einzelne von denen strahlt höchste Paarungsbereitschaft aus und unterlegt das mit den entsprechenden olfaktorischen Botschaften.
Gegen diese Angriffe auf Nase und Schleimhäute war die EAVsche “Wolke Pitralon” seinerzeit ein Edelbukett.

Schreiben nach Gehör

Auf dem Wochenmarkt verkaufen heute ein paar Kinder selbergemachte Mammelahde in den Geschmacksrichtigungen Ärdbär, Bromber und Jo, Jo, Johansabeer (in einer Erwachsenenhandschrift fertiggestellt).

Meine Innere Deutschlehrerin hat ihren virtuellen Rotstift gezückt, mal flott durchkorrigiert und dabei diese dümmste aller Lehrmethoden verflucht. Dann gings uns gut (ihr und mir) und für den Rest unseres Einkaufsbummels waren wir gehobener Stimmung. Ich bin ja so leicht glücklich zu machen…

Gastfundstück

Ganz vielen herzlichen Dank an Herrn M. aus K., der dieses unglaubliche Schnäppchen gestern im Saturn-Prospekt entdeckt hat.

Jeden Tag eine gute Tat

Beim Bäcker gibt es heute ganz neu Feigengiabatta. Ich mag Feigen, ich mag Giabatta, also eigentlich ein No-Brainer, außer, dass ich weiß, dass die Portion für mich eigentlich zu viel ist und dass das Brot, Feigen hin oder her, morgen strohig sein wird und ich es dann nicht mehr essen mag und werde. Weil ich aber Brot wegwerfen hasse, kaufe ich halt keins. Aber interessant klingt es schon.

Wie ich mich in der Warteschlange so umsehe (Handy liegt oben, beim Laden), sehe ich auf dem Gesicht der Dame nach mir exakt dieselbe Überlegung ablaufen und da fasse ich mir ein Herz und frage sie, ob ich a) ihre Mimik richtig interpretiert habe und sie b) daran interessiert wäre, ein Brot mit mir zu teilen. Ist sie. Ich kaufe, wir brechen das Brot (“nach der Kasse”, ganz konspirativ) und dann verzichte ich auch noch darauf, das Geld für ihre Hälfte anzunehmen.

Mehr gutes Werk an einem Freitag geht nicht. Ich hoffe, Karma ist für dieses Wochenende im Voraus bestochen.

Mannem

Ach, Mannem. Schon dein Name klingt wie Musik… Wie? Es sind nicht alle meine Leser*innen fließend im Vorderpfälzischen? Naa guut, dann führe ich den Gedanken halt etwas weiter aus.

Also. Der Hunsrück ist von eher spröder Schönheit und läßt sich nur schwer erobern. Von München aus kommt man zwar leicht (naja, ist DB) mit dem Zug nach Mannheim. Wenn die Reisende ganz viel Zeit hätte, könnte sie mit einer Kombination von Regionalbahnen und Bussen sowie ausgedehnten Aufenthalten auf wahrscheinich landschaftlich bildschön gelegenen Wartebänkchen sogar bis zum Emmelshausener Bahnhof* kommen. Weil Wanderarbeiterinnen wie ich aber nicht fürs Lustig-durch-die-Landschaft-reisen bezahlt werden, gehts mit dem Leihwagen weiter. Immer die 61 lang, bis zur Ausfahrt 42. Dörth.
Immer wenn ich aus dem Hunsrück heimkehre**, muß ich das ausgeliehene Fahrzeug wieder zum Verleiher in der Mannheimer Turbinenstraße zurückbringen.

Und nun kommen wir zum Thema aus der Einleitung. Musical Mannem. Je nach Navi und dessen Verkehrsführung, überquere ich auf der Route eine bis fünf Brücken und bei jeder einzelnen lege ich eine Gedenkminute für Joy Fleming ein. Ganz besonders, wenn es über den Neckar geht. Da fange ich immer an zu summen “un jetzt fahr isch widder üwwer die Mannemer Brick, die Mannemer Neckarbrick”. Wer jetzt glaubt, die gute Joy (möge sie im Blueshimmel die blöden Harfenengel von den Wolken röhren), sei aus dem Musikkanon für die ältere Generation, der ist noch nicht mit mir in “Neues Leben” abgebogen. Spätestens an der Kreuzung mit “Starke Hoffnung”, an der ich mir aussuchen kann, ob ich über “Große Ausdauer”, “Eigene Scholle”, “Guter Fortschritt” oder “Frohe Arbeit” nach “Gute Erde” weiterfahre, singe ich aus vollem Hals das Liederbuch des guten Proletariers rauf und runter und denke mir meine Kuhle Wampe. Hach!

Aber da vorn ist schon der Trommelpalast. Jetzt noch Night Magic links und Tanzvernügen rechts liegen lassen und das Auto über die zwei Megamonsterhuckelwellen navigieren und da ist auch schon das Autoverleiherschild. Wie üblich auf dem weitläufigen Gelände einmal falsch abbiegen, deswegen noch mal über die Megamonsterhuckelwellen klettern und dann heißt es: nächste Station Bahnhof Mannheim. Tschulligung: Hauptbahnhof.

Auf dem Weg dahin gibt es allerlei zu sehen, aber davon erzählt die liebe Tante flockblog das nächste Mal und liest sich jetzt für die letzte Stunde Bahnfahrt noch eins.

* Von dessen schierer Existenz sogar einige der Menschen überrascht waren, die schon eine ganze Weile (ungefähr seit ihrer Geburt) in der Region leben.

** Hab mich noch nie so auf zu Hause gefreut wie dieses Mal. Annerthalve Wochen uffm Hunsrück überlebt zu haben, das macht den Unterschied zwischen Wonderwoman und Memme!

Wo du wolle?

Wohin es denn nachher mit dem Leihwagen weitergehe, will mein freundlicher Taxifahrer wissen. “In den Hunsrück.”
“Wo?” hakt er nach. Bitte, Mann, es ist Montag. Ich bin viel zu früh aufgestanden und schon viel zu lang (frag den Fahrplan) im Zug gesessen. Ich kann jetzt noch nicht komplizierte Konversation machen. “Hunsrück”, wiederhole ich.
“Ah,” geht ein verstehendes Leuchten über sein Gesicht. “Isse logisch. Hin und Ssrück.”

Danke, mein freundlicher Taxifahrer: Irgendwie bin ich mit dem Tag jetzt etwas versöhnter.

Tuppern mit Transe oder Wenn es Nacht wird im Hunsrück

  • Sie hätte können, sagt die Frau Wirtin, am Sonntag zum Kinderpinkeln gehen. Aber mal ganz ehrlich: wenn die Jungeltern zu kniestig sind, einen zur Taufe einzuladen, dann sollen sie mit ihrem Balg (sprich: Balch) doch bleiben, wo der Pfeffer wächst. Weil: Für nur drei Bier fahr ich nicht nach Trier! (Kann man verstehen. Ich führe nicht mal für fünf. Aber mich fragt ja auch keiner.)
  • Das Wochenende, berichtet die junge Kollegin ganz beseelt, sei doch wieder waaahnsinnisch (mit lässig drei Wolfgang-Petry-A gedehnt) gewesen. Den ganzen Samstagabend habe sie sich mit ihren Freundinnen, der Dildofee (https://www.dildofee.de/) und recht viel Wein vergnügt. Ich könne mir das wie eine Art Tupperparty für Erwachsene und Damen vorstellen. Weil man aber die Feenproduktpalette nach ein paar Feenveranstaltungen doch schon recht gut kenne, sei auch an diesem Abend der eigentliche Höhepunkt das entgeisterte Gesicht des Dönermannes gewesen, von dem sie und die Mädels um Mitternacht wat zur Stärkung mit vill Knoblauch hatten liefern lassen.
  • Da guckt die andere Kollegin recht traurig. Bei ihr im Dorf habe es nur zur dritten Thermomix-Party in Folge gereicht. Da kauft keiner, dafür is et Essen jut. Aber, wird sie schon wieder fröhlicher, sie habe bereits einen Platz für die Tupper-Party mit Mimi Anfang Oktober ergattert. Die gehen immer weg wie nix, denn Mimi, das müsse ich mir mal vorstellen, sei nämlich ein Mann. Ein Mann, der Frauenkleider trägt und sich schminkt. Immer. Auch, wenn nicht Karneval ist. Ich glaube, die angemessene (und erwartete) Reaktion wären Louis-de-Funèssche Grimassen und Laute gewesen.
    Habe mich stattdessen erkundigt, ob es noch andere Shopping-Parties gibt. Putzmittel, lerne ich, sind langweilig und teuer, Kosmetik (schön, noch teurer), Schmuck (mußte keine zwei Mal hingehen), Staubsauger (wie Putzmittel) und Längscherie (viel zu eng für rischtische Frauen).
    Was mir alles entgeht, wenn ich mich fürs Wochenende heim in die Großstadt absetze…