Gelesen: V. E. Schwab – “Vicious”

Gleich auf der Titelseite steht, dass man das Buch gefälligst “epic and gripping” zu finden habe, es sei denn, man wolle den Fachleuten widersprechen, die bei Publishers Weekly die starred reviews schreiben.

Jein. Ms. Schwab geht der zeitlosen Frage nach Gut und Böse nach, exemplarisch an ihren zwei Protagonisten: Eli, den grausamen Schönen mit dem Gotteskomplex und Victor, den Ex-Sträfling mit dem guten Herzen, dessen einziges Ziel es ist, Eli zu töten. Sie baut ihr Buch im Stile amerikanischer Kriminalserien auf, kurze Kapitel mit Ort- und Zeitangabe als Überschriften. Man merkt, dass sie bisher vorwiegend für Teenager geschrieben hat; mir wars ein bißchen zu simpel gestrickt.

Für einen schnellen Lesenachmittag langts aber allemal.

Warm und trocken

Es braucht ja nicht viel, um mich glücklich zu machen und die liebe Frau Wirtin hat eben ein wichtiges Element dafür in mein Zimmer gerollert, nämlich ein Öfschen. Also einen elektrischen Radiator, der bei mir heizt, so lange die Zentralheizung tagsüber noch automatisch abschaltet, wenn die Gäste gefälligst in ihrer raschelnden Funktionskleidung draußen wandern sollen.

Glashaus

Eine der Voraussetzungen für die zu vergebende Position in der Redaktion, lese ich heute in der Wochenendausgabe* des Rhein-Hunsrück-Boten, sei die Berherschung der deutschen Sprache in Wort und Schrift.

Ja genau.

* Ich hatte am Mittwoch bei der Buchhandlung an der Hauptstraße in Emmelshausen angerufen und gebeten, man möge mir für Samstag die Wochenendausgabe der Süddeutschen bestellen. Das sei nicht nötig, wurde ich beschieden, die habe man da. Als ich samstags morgens um 10:00 Uhr dort vorspreche, ernte ich nur verständnislose Blicke. Ja, man habe immer ein Exemplar. Aber das sei längt verkauft. Warum ich denn nicht vorbestellt hätte?

Kindermund

Sie wolle, verkündet das kleine Mädchen am Nebentisch, kaum dass der Kellner mit gezücktem Block auftaucht, in jedem Falle Naschtisch.

Als Hauptgang akzeptiert sie auf Nachfrage sauberen Reis.

Wenn einer eine Reise tut

Das sächsische Rentnerehepaar vom Nebentisch berichtet der Frau Wirtin von den Abenteuern des Vortags. Man habe, wie empfohlen, in der Mühle gegessen, sei aber doch arg enttäuscht. Doch, doch, die Forelle sei frisch gewesen und die als Beilage gereichten Salzkartoffeln sowohl vorschriftsmäßig mehlig wie reichlich. Aber das Rotkraut, wie man es aus der Heimat gewöhnt sei, das habe schon arg gefehlt. “Nur Budder duds nisch”, lautet der abschließende Befund.

Hingegen habe man noch gar nicht vom kulinarischen Hochgenuß des Donnerstags erzählt. Man sei beim Fidschi gewesen und habe landestypische Küche gewählt und das Schnitzel genommen. “Isch sare Ihnen: so weisch, da gonn sisch manscher Deudsche eine Scheibe von abscheidn. Un die Bommes, die worn bärfekt.”

Heute Abend steht da Marco auf dem Programm. Schalten Sie auch morgen früh wieder ein, zur nächsten Episode von “Sachsen auf Reisen”.

“Usselig”

…also ähbäh, kalt, windig und regnerisch ist es heute, das Wetter aufm Hunsrück. Die funktionsgekleideten Menschen in Frau Wirtins Frühstücksraum besprechen Alternativprogramme, wobei recht häufig das Wort Wein fällt. Gerne in Kombination mit Stube oder Stübchen, Probe und Pröbchen oder direkt und ohne Umweg, Kaufen und Trinken. Ich hingegen knuspere an dem für mich eigens besorgten Krassong mit hausgemachter Mirabellenmarmelade und freue mich, dass ich mich nicht ägern muss, weil draußen schönes Wetter ist, während ich zu arbeiten habe.

Es ist Freitag

…und weil ich am Wochenende noch einmal im Hunsrück nachsitzen muß, hat mir die liebe Frau Wirtin wieder Blumen aufs Zimmer gestellt.

Tut schon gut, dass sich jemand um so lieb um die Söldnerin aus dem fernen Süden kümmert.

Komm’ mit ins Abenteuerland…

Eigentlich fängt man hier immer schon sehr früh an zu arbeiten, weil man ja nachmittags immer noch irgendwas am Heim zu werken oder im Garten zu tun hat und schon allein deswegen nicht bis spätabends uff Arbeit rumhängen kann. Heute morgen jedoch blieben Büros und Gänge seltsam leer, an der Kaffeemaschine gabs eine ganze Auswahl von Tassen und es war sogar noch Milch da. Hmmmm? Hab ich den Hunsrücker Hurricane verpaßt? Wird irgendwo eine Wein-(Beeren-, Birnen-, Rüben)-Königin gekrönt und das Volk ist zum Zwangsjubeln vorgeladen? Ist mir ein lokaler Feiertag entgangen, den ich gegen meine durchgearbeitete Mariae Himmelfahrt tauschen könnte?

Ach was, alles ganz anders. Auf der A61 ist der Laster des Sandmanns umgekippt und bis der ganze Sand wieder zusammengeschüppt war, standen die Kolleg*innen schimpfend im Stau.
Herrschaften, seid doch froh, ey. In China wärs Reis gewesen…