Empty Spaces II

John Oliver hat seine vermutlich vorerst letzte Show für die nächste Zeit am Sonntag vor einer weißen Wand in einem bis auf eine kleine Aufzeichnungscrew menschenleeren Studio gespielt.

Hut ab vor dieser Leistung! Späße machen ohne Publikum ist schwer.

Empty Spaces

Keine Schulkinder mit bunten Rucksäcken auf dem Buckel. Keine Schülerlotsen mit neonfarbenen Capes. Kein Stau auf der Autobahnzufahrt, auch keiner beim wieder Abfahren. Eine noch nie dagewesene Auswahl an freien Parkplätzen im Industriegebiet.

Ein bißchen gespenstisch ist das schon, was Corona mit uns macht.

Oioioi, Corona

Vor lauter Corona-Was-tun-wir-jetzt-Plänen-und-wie-sagen-wir’s-den-Mitarbeitern-Textentwürfen, bin ich den ganzen Tag nicht dazugekommen, meine blöde 25-Minuten-Breze zu essen und hab jetzt Hunger auf was Richtiges. Einen Topf Nudeln mit einer schönen Bolognese. Ja!

Sause ich halt noch schnell zum Metzger und hole mir ein Hackfleisch. “Nein”, belehrt mich die Metzgereifachverkäuferin meines Vertrauens, “das ist schon seit zwölfe aus. Aber ich geb Ihnen eine Nummer, da können’S morgen vorbestellen.” Ich weiß nicht, wie man Soße aus vorbestelltem Hackfleisch kocht, aber mir zu helfen. In Gehweite sind schließlich noch zwei Supermärkte, sollte ja kein Problem sein, da flugs ein Hackfleisch zu besorgen. Ich brauche schließlich weder Nudeln noch Klopapier. Mann, bin ich naiv! Beim einen sieht die Fleischtheke aus wie frisch aus der Reinigung. Beim anderen lungern noch ein paar unschöne gelblich-trockene Hühnerkeulen mit Gänsehaut. Tomatendosen hat keiner mehr.

Gut. Fleisch ist eh überbewertet. Dann halt Schwammerl in Rahmsoße.

Beuteltiere

Heute Morgen wollte ich beim Pfister nur schnell eine Breze für die Arbeit holen. Hat dann doch etwas länger gedauert. Vor mir standen nur Frauen an, denen Kriegs- und Nachkriegshunger ins Gesicht gemeißelt war. Jede mit einer Mehrzahl praktischer stabiler Stoffbeutel und das Brot kauften sie gleich laibweise.

Meine 25-Minuten-Breze wird bestimmt ganz besonders gut schmecken.

In Zeiten von Corona

… wird mir zum ersten Mal so richtig bewußt, dass meine Freizeitgestaltung im wesentlichen davon abhängt, dass andere Menschen sich etwas ausgedacht und geübt haben und es mir dann vorzeigen.

Alle sind sie jetzt in Zwangspausen, allen geht es an ihre Existenz und sie dauern mich sehr.

Nicht verwandt und nicht verschwägert

Keine Ahnung, was der Kleine Böses gesagt haben könnte. Seine Mutter zischt ihn auf jeden Fall an, er solle sich jetzt so-forrt bei mir entschuldigen. Nun steht da vor mir ein rotznasiger kleiner klebriger Zwerg, streckt mir seine kleine klebrige Hand entgegen und murmelt mit zu Boden gesenktem Blick: “Es tut mir leid, Tante.”

Das wüßt’ ich aber, du. Nach meinem Kenntnisstand hat mein Bruder zwei Töchter, ansonsten bin ich keines Menschen Tante und will es auch nicht sein. Erst recht nicht, wenn es damit einhergeht, kleine klebrige Hände zu schütteln. Ich blicke die Mutter fragend an. In ihrer Welt hat das seine Richtigkeit: “Mein Sohn nennt alle alten Frauen Tante.”

Ich geh dann mal ungeschüttelt und ungerührt meiner Wege.

Suche Arbeit, kann alles

Das ultimative Maß eines Menschen ist nicht, wo er in Momenten des Komforts und der Bequemlichkeit steht, sondern wo er in Zeiten der Herausforderung und Kontroverse steht.

Wow! Der Mensch, der seine Bewerbung mit diesem Satz einleitet, ist nicht etwa ein mit allen Wassern gewaschenen Industrieveteran, sondern ein siebzehnjähriger Baldabiturient, der einen Praktikumsplatz sucht. Man fragt sich allerdings, wozu: “Ich bringe mich bei Ihnen nicht nur mit meiner mehr als 5-jährigen Erfahrung in den verschiedenen Bereichen ein, viele der aktuellen Herausforderungen kenne ich schon aus anderen Positionen und weiß daher, wie sich diese lösen lassen – aber auch, wie es nicht geht. Das spart sicher viel Zeit und Geld. Zu meinen Kompetenzen und Fähigkeiten gehören enge Zusammenarbeit im Team, analytische Denk- und Arbeitsweise, Bereitstellung der praktischen Lösung von Problemen im Betriebsablauf, Bereitschaft zu schnellen Einsätzen (auch am Wochenende), unabhängige Entscheidungsfindung. Nach der Einstellung setze ich mein Wissen bei Ihrem Unternehmen ein und erlange gleichzeitig reiche Erfahrung und übertragbare Potenziale, um in meiner Karriere voranzukommen.”

Ehrlich, der Bub macht mir Angst.