Hallo Fee

Mein erster Wunsch ist inzwischen (altersentsprechend) bitte Gesundheit, dicht gefolgt von Wohlstand (filthy rich muß gar nicht sein, aber genug plus ein bißchen obendrauf für Extrawünsche wäre recht). Und dann hätte ich bitte gerne ein selbstfahrendes Auto, damit ich, wenn ich schon ständig quer durch die Republik zu bahnhofsbereinigten Orten reisen muß, wenigstens zum Lesen komme.

Das ganze gerne zügig. Danke, Gute Fee!

Menschenflüsterer

Jedes Mal, wenn ich einen Joghurtbecher auskratze, sehe ich mich unwillkürlich nach dem andalusischen Hund um, auf dass der ihn plastikmülltauglich reinlecke. Der Hund kommt aber nicht. Der Hund wohnt weit weg bei Karin auf dem Algodonaler Berg und ich muss meine Behälter selber ausspülen.

Nicht ohne jedes Mal bewundernd an Chico zu denken, der uns alle so gut abgerichtet hat. Ich schätze, in der kaninen Welt genießt er den Ruf, der echte Pawlow zu sein.

Ganz vergessen

Kaum decken die Bäume ihre Wurzeln gegen die kühlen Lüfte mit warmen bunten Decken zu, schon kommen sie aus ihren Geräteschuppen gekrochen, die Radaubrüder mit den röhrenden Rohren.

Gebt’s a Ruah, zefix!

Gestern in der Unterfahrt: Ziv Ravitz Trio – “No Man Is An Island”

Ein John Donne-Motto paßt zu diesem ungewöhnlichen Trio aus Trompete (Itamar Borochov, hach), Gitarre (Federico Casagrande, hach) und Schlagzeug (Ziv Ravitz, Triple-Hach).

Vor der viel zu leeren Unterfahrt zaubern sie eine magische Klangwelt nach der anderen. Alles Kompositionen von Ziv Ravitz und man wünscht sich, eine seiner Töchter zu sein, weil man dann auch so schöne Schlaflieder von Papa komponiert bekäme (“Emma’s Lullaby”, hach, hach, hach!).

So ein wunderschönes Konzert!

Herbstreise

Der Googlemops sagt mir, dass ich in knapp zwei Stunden sein werde, wo ich sein will. Wie schön, dann habe ich dort noch gut Zeit, um zu duschen, ein wenig zu ruhen und mich ins feine Gewand für die Hochzeitsfeier von Freunden zu werfen. Besser gehts gar nicht.

Eingepackt und losgefahren und ganz knapp vor der Auffahrt auf die Autobahn, auf der ich eineinhalb Stunden gemütlich auf die Schwäbische Alb zu gondeln gedachte, meldet das Navi, dass es auf meiner Strecke ein Zeitverluste verursachendes Hindernis gebe und es mich jetzt auf eine viel viel bessere Ausweichstrecke geleiten werde. Ich solle ihm glauben und hier abfahren, es wisse, was es tue.

Soweit ich das beurteilen kann, scheint es vor allem Lust auf eine sehr scenic route und nette kleine und kleinere Sträßchen zu haben. Die Dorflandschaft um Fürstenfeldbruck herum entfaltet sich in ihrer vollen Schönheit. Sunshine, Lollipops, Alleen, Misthaufen, Mähdrescher, aber sonst nix. Keinerlei Schilder, die auch nur entfernt darauf hinweisen würden, dass hier je mal wieder eine Autobahn kommt. Nur Zäune, über denen man noch nicht einmal schon seit drei Wochen tot hängen möchte und Menschen, die ihre Reinigungsarbeiten (Autos, Gehwege, Einfahrten) nur kurz unterbrechen, um dem vorbeiirrenden Münchner Auto einen scheelen Blick zuzuwerfen.

Ich habe mein Navi nie von Englisch auf Deutsch umgestellt, und so sehr es mich sonst erheitert, wenn es hiesige Straßen- und Ortsnamen verkauderwelscht, so sehr weckt es dieses Mal langsam mein Mißtrauen. Weiß es wirklich, wo’s lang geht? Vielleicht hat es ja Orientierungsprobleme? Es ist ja auch nicht von hier… Hmmm. Ich habe auf jeden Fall gar keine Ahnung, wo wir sind. Offensichtlich in einer von religiösem Fanatismus geprägten Gegend. Kein Ort ohne Kirche, Kapelle, mindestens aber Filialkapelle, Pfarramt, Burschen- und/oder Jungfrauenverein (doch echt) und überall ist Gott mit dir, du Land der BayWa. Bloß ich bin fremd. Zum Glück hatte ich vollgetankt. Noch könnte ich von hierwegkommen, wenn ich erst weiß, wohin. Grobe Richtung Westen, das geht bei dem Sonnenstand.

Alles wird gut. Sagt das Navi. Die Kavallerie kommt. Oder immerhin das, was es aus einem Kalvarienberg macht. Vollkommen gottverlassen. Ja. Kann ich nachvollziehen. Wir sind in Wenigmünchen angekommen. Nie war ein Ortsname treffender. Weniger München geht gar nicht. Aber noch gerade genug, als dass eine Odelzhausener Straße von dort wegführt. Mein Herz beginnt zu singen. Odelzhausen. Kenn ich. Da ist eine Autobahnauffahrt. Und wuppdich kann ichs wieder genießen. Sonnenschein. Blauer Himmel. Die Landschaft, wie hinter einem Goldfilter. Bäume in Glutfarben. Auf abgeernteten Feldern sprinkelt es diamanten. Leuchtende Raps- und Senffelder brüllen ihr Gelb in die Welt. Hach, ist das schön hier! Und da vorne ist ein Schild, das eine Autobahn verheißt. Yeah! Welt, wir haben einander wieder.

Der Mensch muß nicht in Ruhe ankommen oder gar ruhen. Er kann sich auch in unter 25 Minuten duschen, umziehen und schafft sogar noch fast eine Zigarette, bis der Shuttlebus zur Eventlocation abfährt. Ha!

Die anschließende Feier ist sehr schön und sehr entspannt. Es hilft, wenn auch das Brautpaar schon in der Lebensmitte angekommen ist. Dann fallen nämlich alberne Partyspiele und sonstige Hochzeitsbelustigungen weg und selbst ich kann beim Fest bleiben und muß mich nicht die halbe Zeit auf dem Klo verstecken, weil ich nicht mitspielen will. Danke!

Am nächsten Tag fahre ich über eine andere Strecke zurück und weil wieder die Sonne lacht, strahlen mich Sonnenblumen an und die dazwischen gepflanzten herrlich blauen Phacelia leuchten mit ihnen um die Wette und es ist gar herrlich schön und egal wie kitschig es klingt: Goldener Oktober ist und bleibt mein Lieblingsmonat.

Gewichtsverlust

Heimfahren heißt, dass meine Handtasche am Donnerstagabend wieder Normalgewicht hat. Dann habe ich nämlich der Frau Wirtin ihren Schlüssel zu Zimmer 42 mit dem zentnerschweren Anhänger und dem Autoverleiher den seinen zurückgegeben und kann federnden Schrittes mit ratterndem Rollkoffer im Schlepptau das ganze Industriegelände nach dem Taxifahrer absuchen, der zwar mit detektivischem Geschick die drei Ausweichparkplätze von Avis ganz hinten irgendwo entdeckt hat, nicht aber deren Büro, vor dem ich mir die Füße in den Bauch stehe. Hrrrrggggn!

Andererseits hatte ich sehr lange Zeit, das ausgesprochen gut getroffene Porträt von Joy Flemming zu bewundern, das die Ankündigung der Verleihung des nach ihr benannten Preises ziert. Mannheim weiß seine große Tochter schon zu würdigen.

Der Übersäzzer…

… ist wieder auf ein paar extra schönen Maschinenübersetzungsschmankerl gestoßen. Muchissimas gracisissmas!

en: A riot of reds, crimsons, oranges and yellows magically transform vast forests and woodlands.
de: Ein Aufstand von Rot, Kriminellen, Orangen und Gelb verwandelt riesige Wälder und Wälder magisch.

en: A curious ringed seal popped his heads out of the briny to inspect us.
de: Ein neugieriger Ringelrobbe sprang seine Köpfe aus der Sole, um uns zu inspizieren.

en: After 30-45mins just below the church of saint Mary the Virgin Wroxham there is a large grassy area and a few benches to enjoy a picnic in the peace and quiet of the broads.
de: Nach 30-45 Minuten direkt unter der Kirche der Heiligen Maria der Jungfrau Wroxham gibt es eine große Wiese und ein paar Bänke, um ein Picknick in der Stille der Weiber zu genießen.

Schenk’ ihnen noch zwei (drei, fünf, viele) südlichere Tage

Graue wasserschwere Wolken treiben ihre Spielchen mit dem plumpen Nixhalbesundnixganzesmond und würden sie die Windräder auf dem Hügel gegenüber nicht in dunkle Schwaden hüllen, dann könnte man denen gewiß beim Abheben zuschauen, so, wie der Wind pfeift. Ist das greislig! Aber nichts gegen eine Viertelstunde später, wenn die Wolken ihr Wasser in schweren Schwällen (doch, die Alliteration brauchts hier) von einem nunmehr stockdunkelschwarzen Himmel lassen und der Außentemperaturanzeiger des Autos grad mal noch 5 (in Worten: fünf) Grad anzeigt. “Gefahr von Nachtfrösten” stand heute früh im Hunsrückboten. Und der recherchiert knallhart und lügt nicht.

Ich sollte das verifizieren, aber eigentlich bin ich auch so sicher, dass “Dörth” in irgendeinem niedersibirischen Dialekt “viel zu kalt, nass und windig für die Jahreszeit” bedeutet.

Brrrhhhh!

Das, erzählt mir der Kollege, als wir im Stockdunklen bei strömendem Regen und eiskaltem Wind das kleine Törchen neben dem Werkstor abschließen, sei ein “eher durchschnittlicher Herbsttag. Hier, uffm Hunsrück”. Richtig eklig werde es erst demnächst im Winter, wenn der Wind bei minus 13° aus allen Richtungen übers Gelände pfeife und selbst den Schneeflocken zu kalt zum Fallen sei.

Danke. Aber nein danke. Mir reicht das schon. Ist das widerlich! Pfuigittbäh! Wenn es nach mir ginge, käme ich erst im Frühjahr zurück, wenn die Wanderer wieder ums Frühstücksbüffet rascheln und die Blumen blühn.

(Und ich dachte in München noch, der Wintermantel sei übertrieben. Ist er nicht. Nur tropfnass.)