Gelesen: Margaret Atwood / Johnnie Christmas – “Angel Catbird”

Ein böser weißer alter sex- und machtbesessener Rattenhalbmensch giert mit dreckigen Methoden nach der Weltherrschaft. So weit, so nicht neu. Auf der Gutgegenseite Katzenhalbmenschen, Vogelhalbmenschen und der durch einen Unfall mit dem Geheimformelserum zum Halbmensch-Halbkatze-Halbvogel mutierten engelgleichen Wesen mit Federhöschen. (Die Rechnung ist nicht von mir, sondern ein Zitat.)

Herausgekommen ist ein ganz grausiger Beratungsstellencomic* für Bildungsbürger*innen, Katzen- und Vogelfreund*innen (vorzugsweise in Personalunion), der einmal wieder den Beweis für das Therorem liefert, dass gut gemeint das Gegenteil von gut gemacht ist.

Margaret Atwood hätte den Nobelpreis längst verdient. Aber das da? Nicht lesen. Ist leider Zeitverschwendung. Bis ich die paar Stellen gefunden hatte, in denen lustige Wortspiele und historisch-literarische Anspielungen vorkommen, war ich von diesem mediokren Werk nur noch frustriert.

* Keine Ahnung, ob es dieses Genre gibt. Ich meine damit diese Art Broschüren, die in vermeintlich jugendgerechter Form zur Zahnpflege oder der Benutzung von Kondomen auffordern. Mit Merksätzen.

Mask-of-the-Month-Club

  • Die gestrickten “Scary Masks” links basieren auf Entwürfen der isländischen Künstlerin Yr Johannsdottir.
  • Da schau her: Leser in Japan haben meine Assoziation (s. https://flockblog.de/?p=41413) sofort in Bra-Masks umgesetzt.
  • Was unterscheidet den Neandertaler vom Präsidenten?
  • Rechts unten: Maskenwaschtag im Hause flockblog.

C-Schnipsel

# In meinem Haushalt gibt es einen Ort, da warten totgeliebte Kleidungsstücke auf ihre letzte Reise. Sie werden nicht in einem anonymen Altkleidercontainer verscharrt, sondern stattdessen in einem – üblicherweise schönen warmen – fremden Land ein letztes Mal sehr gerne getragen. Anschließend verbringen sie ihren Lebensabend dort. Ohne mich. Oy, Corona! Der Korb wäre jetzt dann voll.

# Was genau ist ein “triftiger” Grund, die Grenze nach Österreich zu überschreiten? Lust auf Nockerl? Dringender Italienbedarf? Freunde, Verwandte, Schwarzgeld?

# “Ab auf die Dahamas”. Hatte ich dergleichen Unfug nicht schon neulich verboten?

# Lob hingegen an Alexander Kühn (Spiegelredaktion): die Wortschöpfung “Wutkoch” findet mein Wohlgefallen. Geht auch als alliterative Beschimpfung sehr schön glatt von der Zunge: Oh Attila, du veganer Wutkoch, du!

# “Irgendwas Schlimmes”, sagte ein Freund neulich, “mußte ja zu unseren Lebzeiten noch passieren.” Also, von mir aus nicht. Ich hätts auch ohne Krieg, schlimme Naturkatastrophen und Pandemien bei mir daheim ganz lässig bis zum Ende meiner Tage aushalten können.

# Kommt das nur mir so vor oder hat das Fehlen von Chemtrails viel mehr Aluhutspinner freigesetzt als früher?

Es passieren auch noch andere Dinge…

Zum Glück gibt es die guten Menschen beim Spiegel und bei Bento, die uns darüber informieren.

Mit Schnellfahren ohne Suff und Leiche schafft man heutzutage keine Schlagzeile mehr.
Doch, doch. Is auch wichtich.
Fragt Bento.

50 Corona-Sprüche, die wir nicht mehr hören können

Alles nur geklaut, und zwar bei jetzt.de, Ausgabe vom 19.05. 2020, gesammelt von Magdalena Pulz. Wer von sich behaupten kann, er/sie habe noch nie einen dieser Sätze gesagt, werfe die erste Maske.

  1. „Ganz korrekterweise müsste man ja auch sein Handydisplay regelmäßig desinfizieren …“
  2. „Ich glaube, ich hatte eh schon Corona.“
  3. „Im XY-Podcast hab ich gehört, dass …“
  4. „Ja aber das sind ja nur die absoluten Zahlen, es geht ja um die R-Zahlen!“
  5. „Wenn ich eines gelernt habe in den letzten Wochen, dann dass mein Internet zu Hause definitiv zu langsam ist.“
  6. „Ich vermisse einfach nur, meine Freunde zu umarmen.“
  7. „Ich habe mir gestern so ein Online-Konzert reingezogen, war aber irgendwie nicht so geil.“
  8. „Ich mochte Markus Söder davor echt nicht, aber jetzt …“
  9. „Ich nehme gerade sicher 10 Kilo zu.“
  10. „Ich geh’ eigentlich nur in den Supermarkt, um mal ein paar Leute zu sehen.“
  11. „Hehe, ich desinfiziere mich einfach mit Schnaps von innen.“
  12. „Die Leute haben echt keine Ahnung, wie viel anderthalb Meter wirklich sind.“
  13. „Vielleicht war es blöd, aber ich hab mich gestern so einsam gefühlt, dass ich meinen Ex angeschrieben hab’ …“
  14. „Meine Eltern nehmen die Maßnahmen ja Gottseidank ernst.“
  15. „Haha, vor dieser ganzen Pandemie dachte ich noch, dass 2020 mein Jahr wird.“
  16. „Also, ich habe ja jetzt auch Nachbarschaftshilfe-Zettel in meinem Wohnhaus aufgehängt.“
  17. „Mir ist noch nie aufgefallen, wie oft man sich ins Gesicht fasst.“
  18. „Die Maßnahmen sind doch alle total übertrieben!“
  19. „Die Maßnahmen sollten alle noch viel länger durchgezogen werden!“
  20. „Ich bestelle jetzt wirklich viel bewusster auf Amazon.“
  21. „Mein neuer Lieblings-Instagram-Hashtag ist #latergram.“
  22. „Ich bin grade einfach nur froh, keine Kinder zu haben.“
  23. „Vielleicht lass ich mir meinen Quarantäne-Bart danach einfach stehen.“
  24. „Als meine Oma direkt wieder in den Baumarkt gefahren ist, musste ich ein bisschen ausrasten.“
  25. „Ich hab’ Netflix schon durchgeschaut.“
  26. „Boah, echt so ‘ne krasse Zeit grad.“
  27. „Der Mitbewohner von ‘nem alten Studi-Kumpel von mir arbeitet im Krankenhaus und der hat gesagt …“
  28. „Also, in meinem Supermarkt war Klopapier bekommen nie ein Problem.“
  29. „Bei manchen meiner Arbeitskollegen hat man das Gefühl, es ist ihr erstes Mal im Internet.“
  30. „Ich kann die Leute nicht verstehen, die keine Masken tragen.“
  31. „Ich weiß es klingt esoterisch, aber hast du es schon mal mit Meditation probiert?“
  32. „Vielleicht lade ich mir jetzt auch mal dieses Tiktok runter …“
  33. „Christian Drosten sollte Kanzler werden.“
  34. „Ich kann den Drosten echt nicht mehr hören.“
  35. „Man muss ja auch mal bedenken, wer sich um das Kind vom Drosten kümmert, während der seine Reden schwingt!“
  36. „Neulich musste ich an der Supermarktkasse niesen und die Kassiererin hätte mich, glaub’ ich, fast niedergestochen.“
  37. „Ich weiß gar nicht mehr, wie ich mit Make-Up aussehe.“
  38. „Ich blicke grad gar nicht mehr durch, was jetzt erlaubt ist und was nicht.“
  39. „Stimmt, ein Hund macht wahrscheinlich mehr Arbeit, aber du weißt doch auch nicht, wo wir jetzt ein Hausschwein herbekommen sollen!“
  40. „Von ein paar meiner Freunde sind die Verträge nicht verlängert worden.“
  41. „Wenn das alles vorbei ist, feiern wir eine fette Party!“
  42. „Lass mal einen Podcast starten.“
  43. „Ich habe angefangen, Tagebuch zu schreiben.“
  44. „Ich weiß gar nicht, wann die Leute alle Zeit für ihre neuen Hobbys haben, ich bin zwar zu Hause, aber arbeite immer noch Vollzeit.“
  45. „Ich habe gehört, das soll alles bis 2021 so bleiben.“
  46. „Haha, die ganzen Impfgegner kommen sich gerade sicher alle schön blöd vor.“
  47. „Du solltest jetzt echt schnell noch Sommerurlaub in Deutschland buchen, bald ist da nichts mehr frei.“
  48. „Bei Booking kann man auch richtig kurz vorher noch stornieren.“
  49. „Ich darf mich eigentlich nicht beschweren, ich bin ja privilegiert, aber …“
  50. „Hat deine Mutter dir auch diesen Kettenbrief weitergeleitet?“

C-Schnipsel

# Auch noch nie dagewesen, seit ich mich erinnern kann: eine U-Bahnstation ohne Werbung. Die einzigen, die annoncieren, sind das Unternehmen, das krampfhaft versucht, diese verwaisten Werbeflächen zu verkaufen. Und Bibione. Letztere mit einer vermutlich lange im Voraus bezahlten Kampagne aus Vorpandemietagen.

# Was macht dieses “Fass die Oma nicht an” eigentlich mit kleinen Kindern? Auf lange Sicht gesehen?

# Die Kassandra der Zwanziger Jahre des 3. Millenniums, Rick Bright (per NYT-Definition “Career government scientist-turned-whistleblower”), prophezeit den “darkest winter in modern history”. Wenn ich mir was wünschen dürfte, wäre es, dass er falsch liegt.

# Lebensmitteleinkauf wird für mich mehr und mehr zum Dreikampf. Ausweichballett, Durchfeuchtmaskenhecheln, Zeugschleppen.

# Die Kanzlerin warnt vor “Retraditionalisierung”. Man höre auf sie.

# Bin gerade ständig überfordert: Wenn sich einer, maskenlos und gehetzt, in den Lift dazudrängelt. Ist der dann ein rücksichtsloser Gefährder und mein ungutes Gefühl gerechtfertigt? Oder bin ich überempfindlich?

# Heuchler, elender!

The Lincoln Project*…

…hat am Montag diese Anzeige geschaltet: https://lincolnproject.us/news/this-week/

und heute gleich noch die hinterher: https://lincolnproject.us/news/gop-cribs/. Ich müßte mich schon sehr täuschen, wenn 45 die heutige Anzeige nicht sehr viel mehr unter die Orangenhaut geht. Schließlich wird unterstellt, dass sein Wahlkampfmanager ihn um eine Menge Kohle bescheißt. Tote Amerikaner sind ein Ding, aber Donnies Geld klauen? Total NoGo.

* s. https://flockblog.de/?p=41454