Neu auf Syfy: “Vagrant Queen”

Achtung: Spoiler!

  1. Die Zukunft ist bunt. Zuckerlknallbunt. Wem spontant Valerian in den Sinn kommt, der hat recht. So bunt.
  2. Die Wesen, die die Zukunft bevölkern, gehen auf zwei Gliedmaßen aufrecht und haben zwei Arme mit Händen und jeweils fünf Fingern, davon je ein Daumen dran. Auch die Anzahl an Köpfen entspricht unseren Sehgewohnheiten. (Einer.) Dann aber wirds vielfältig. Seltsam genarbte gespaltene, auch gackerlbunte Gesichter sowie wild geformte Ohren und Nasen. Und die Frisuren erst. Da geht der volle Punk ab. Beziehungsweise die Dreadlocks. Ja, Haarkünstler aufgemerkt: die Zukunft trägt im wesentlichen Dreads.
  3. Die Mode der Zukunft ist Grunge. In Einzelfällen gehobener Grunge.
  4. In der Zukunft stürzt ein machtgeiler egomanischer narzistischer Republikaner blutig die Monarchie, beschafft sich eine Wunderdroge, mit der er andere manipulieren kann, tötet anschließend alle parteiinternenen Kritiker, meuchelt alle anderen Machthaber aller Planeten und schwingt sich schließlich zur Weltenherrschaft auf. Alles im Namen des Volkes. Seffaständlich.

Nur ein kleines Häufchen aufständischer Rebellen, streng divers, nimmt den Kampf gegen ihn auf. Als da wären: die kindliche Königin, ehemals Eldaya, jetzt Elida (jaha, Tarnung ist alles), von klein auf in allen Kampfsportarten und an allen Waffen ausgebildet, als Teenager den Mord an der Mutter ansehen müssen, selbst in einer Rettungskapsel gerade noch so dem Königinnenmord entkommen, nunmehr als Plünderpiratin tätig. Weiters: Isaac, Raumschiffpilot und Harrison-Ford- bzw. Chris-Pratt-Verschnitt und Amae, Tech-Freak und Nerdette mit apart blaugetüpfelter Haut. Mit ihnen ein sehr buntes Raumschiff und eine kleinkühlschrankförmige Roboterin. Divers, eben. Alle.

So fliegen, schießen, kämpfen, rennen, schreien, bluten und lieben sie sich durch 10 Folgen, killen Sandwürmer (Dune läßt grüßen und hätte sie gerne wieder) und Kannibalen, verraten und lügen, werden verraten und betrogen und dann endet die erste Staffel mit einem Mega-Cliffhanger und voraussichtlich ohne eine zweite.

Wer sichs jetzt immer noch anschauen will, ist selber schuld.

Gestern Abend in der Unterfahrt: Jakob Manz Project

Das war so ein Konzert, wo es mich richtig schmerzt, dass ich nicht live im Keller dabeisein konnte. Begnadete Ausnahmemusiker, alle vier. Blutjung dazu, noch keiner über 20 Jahre alt. Jakob Manz am Altsaxophon und bei der Zugabe an der Altblockflöte (hat mich umgehauen, was man mit einem so vermeintlich altbackenen Instrument anstellen kann, wenn mans kann), Hannes Stollsteimer am Klavier, Frieder Klein am Bass und Paul Albrecht am Superschlagzeug. Wow! Wow! Wow!

Sie stellten ihr neues (und erstes) Album “Natural Energy” vor und ich weiß nicht, ob es dem Bayerischen Rundfunk zu verdanken ist, der ebenfalls mitschnitt oder ob die Unterfahrt inzwischen kameramäßig so professionell ausgebaut hat, die Zuschauer konnten selbst hinter Schlagzeug und Klavier, mit vollem Zoom auf die einzelnen Spieler und Instrumente oder halt mit der Sicht aus dem Saal dabei sein. Großartig!

Doppelte Rührungspunkte für Jakob Manz aus Dettingen auf der Schwäbischen Alb, der sich angesichts der ungewohnten Situation ohne Publikum arg verhaspelte, drei mal ansetzen mußte, um schließlich doch am “neu herausgekommenenen Album” zu scheitern und es in bester Klinsmann-Manier löste: “unsere CD, die wo jetzt neu da isch”. Man findet sie, sagt er, übrigens “auf allen Sooschl Media Kanälen, Facebook, Dwitter und Inschtagramm.”

Hier sein Herzensstück, in der Heimat gedreht: https://www.youtube.com/watch?v=eA9pDsYsxKo

“Eim Fumd Kamoddn!”*

In seiner Kolumne in der gestrigen Ausgabe des SZ-Magazins schreibt Axel Hacke von den Billen und Unbillen der Maskenträgerei im Alltag und kommt zu dem Schluß: “Wenn die Angelegenheit noch lange dauert, kann es nicht ausbleiben, dass sie unser Leben verändern. Die Maske selbst wird ein Mode-Accessoire werden, das ist sowieso klar, auch eine weitere Werbefläche zum Beispiel; jeder bessere ­Ladenbesitzer hat heute schon das Firmenlogo auf dem Mund. Irgendwann wird die Evolution reagieren, die Ohren werden wachsen, erstens in ihrer Funktion als Maskenhalter, zweitens um Karottenwünsche besser auffangen zu können. Maskenlose Menschen werden uns nackt vorkommen, entblößt, als ob sie ohne Hose durch die Gegend liefen, Gesichts­exhibitionisten.”

“Gesichts­exhibitionist”. Wie hübsch. Schade, dass mir das nicht zuerst eingefallen ist.

* Kommt raus, wenn ein vorbildlich Mund-Nasen-Schutz-Tragender auf dem Markt ein Pfund Tomaten bestellt.

Dear Cassandra

Du sagst auch, dass die aktuellen Unruhen in den Gespaltenen Staaten von Amerika nach dem Tode George Floyds noch nicht der Beginn des unweigerlich irgendwann ausbrechenden Bürgerkriegs sind, gell? Noch nicht, sagst du.

Richtig schlimm und blutig wird es erst nach der Wahl werden, wenn Trump sich schon in der Wahlnacht prophylaktisch zum Sieger ausruft, und ausgerechnet die Stimmen aus der zwangsläufig im Nachgang ausgezählten Briefwahl seinen Gegner ins Amt heben.

Ach Kassandra. Du Rechthaberin.

Aus dem Vokabelheft

Andere als republikanische Kreise sind inzwischen dazu übergegangen, die aktuelle US-Regierung die “Trumptanic” zu nennen. Ich bin ja wirklich kein Kälte-Fan, aber auf den Eisberg freue ich mich.

A-Changing

Einen einzigen Termin hatte ich diese Woche. Schon an Ostern vereinbart und jetzt, gut nach Pfingsten, war es endlich soweit.

Ich durfte, total gestresst mit Maske und beschlagener Brille rückwärts und umstanden von zehn Männern in Blaumännern auf eine Hebebühne rangieren, damit das Auto endlich seine Sommerreifen bekommen kann.

Echt, Virus, nochmal brauche ich diese Auto-wird-Sauna-Kombi nicht. Nie mehr, damit wir uns da gleich recht verstehen.

Gastfundstück

Er könne sich, schreibt der Auslandskorrespondent, des Eindrucks nicht erwehren, dass die Redaktion beim “Wahrheit und Tradition” verpflichteten Umsonstblättchen “The Epoch Times” von einem Parteivirus befallen sei.

Wenn’s mir mal fad ist, werde ich Zeit auf die Recherche verwenden, WER das Druckwerk und seine Verteilung an die Bay-Area-Haushalte finanziert. Einen Verdacht hätte ich schon.