Lage. Lage. Lage.

Wie jede gute Zeitungsredaktion treffen sich auch die Herren und Damen der Spiegel Online Redaktion am Morgen und am Abend, zu Besprechung der Lage zur jeweiligen Tageszeit. Eine*r schreibt das dann immer auf und läßt die Leserschaft teilhaben.

So auch heute, wo es zunächst um eine wegen Bauernprotesten abgesagte Gedenkstunde für die Opfer des Holocaust anläßlich der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz in Magdeburg ging. Die Organisatoren des Bauernprotests hatten ihre Veranstaltung kurzerhand auf Sonntag verschoben, der Landtag blieb trotzdem bei seiner Absage der Gedenkfeier. Dabei hätte doch ein Anruf genügt…

Nächstes Thema: “Familienunternehmen Partei” bzw. Gründungsparteitag des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). Das mit der Familienangelegenheit hat dem Autor scheint’s so gut gefallen, dass er die Überschrift in seinem Fazit wiederholt.

Mir kommt es so vor, als habe Martin Knobbe, Leiter des SPIEGEL-Hauptstadtbüros, in der letzten Nacht die Polemiker-Rundschau unter dem Kopfkissen gehabt.

Die weitere Lektüre des Spiegel habe ich für heute eingestellt, als dem “Skandaldackel” (das ist aus der SZ) ein ausführlicher Nachruf in der Rubrik Kultur gewidmet wurde. Irgendwann ist auch mal genug, Sommerloch ist wahrhaftig gerade keine Ausrede.

Sang und Klang

Eventuell, sogar sehr wahrscheinlich*, hat jemand vor mir schon diesen Begriff geprägt: “Affirmatives Geräusch”. Wenn nicht, hah!

Ich meine damit zu Beispiel den satten Klang, mit dem eine Autotür signalisiert, dass sie korrekt geschlossen ist. Oder das Piepen von Gerätschaften, die einen Auftrag annehmen (Spüle! Wasche! Wärme meine Mahlzeit! Weck mich!) und anschließend Vollzug melden (Geschirr ist sauber! Wäsche ist gewaschen! Essen ist fertig! Steh auf, verdammt!). Früher, bei den angelsächsischen Armeen, hieß das noch “I hear and obey” – fände ich ja bei den von mir befehligten Maschinen auch hübsch, aber ich will nicht abschweifen.

Dieser Tage nämlich habe ich einen weiteren Ton (wieder) entdeckt: der frühe Vogel nebst Genossinnen und Genossen meldet mit aufgeregtem Zwischentraumundtagzwitschern: der Frühling kommt!

* Hat mir keine Ruhe gelassen und ich habs nachgesehen: Heißt in der Fachsprache “Affirmative Sounds”, und sie sind Legion.

Herrn Claudius zugeeignet

Heute früh lag ein so riesengroßer bleicher Wintervollmond so nah am Boden vor mir, dass ich selbst in meinem Kleinwagen auf der Stadtautobahn vermeinte zu hören, wie in nicht allzu weiter Ferne Schlittenglöckchen bimmeln und Wölfe heulen.

Beinahe wäre ich einfach weitergefahren. Schnurstracks geradeaus, direkt in den Mond hinein.

Nächstes Mal.

Re-Branding

Die neuen Nachbarn nebenan haben ihre lustige “Herzlich Willkommen”-Fußabtretermatte mit den harmlosen bunten Ballons gegen diese ausgetauscht:

Was mache ich nun mit dieser Ansage?

Noch mittendrin und noch lang nicht ausgelesen: Yuval Noah Harari – „Sapiens A Graphic History The Birth of Humankind“

Frau S. aus H. hat mich jüngst mit einem Päckchen überrascht und darinnen dieses Buch, von dem ich schon jetzt weiß, dass es eines der besten sein wird, die ich in diesem Jahr gelesen haben werde. (Wann hat man schon mal die Gelegenheit, Futur II anzuwenden, außer bei einem so dicken Bündel Vorschusslorbeeren…). Ach ja: danke, danke, danke!!

Eine Graphic Novel, basierend auf einem wissenschaftlichen Werk Hararis mit Unterstützung von David Vandermeulen (Co-Autor) and Daniel Casanave (Illustrator), so radikal das neue Medium nutzend, dass man jedem Panel mehrere Minuten Aufmerksamkeit widmen muss (und will), bis man es in seiner Gänze erfasst hat.

Sofort lesen! Lesen! Lesen!

Ich brauche doch anschließend wen, mit dem ich mich darüber unterhalten kann, ey!

Am Sonntag im Lenbachhaus, Kunstbau: “Turner. Three Horizons”

Die Demo wurde gerade so rechtzeitig wegen Überfüllung geschlossen, dass wir es noch zum gebuchten 16:00-Uhr-Slot in die Ausstellung schafften. Hätte aber auch nicht sein müssen: die Tate Gallery hatte nicht ihre besten Exponate verliehen und Turner, wiewohl einzigartig und – natürlich – Wegbereiter des Impressionismus und “Erfinder des Lichts” wird in diesem Leben nicht mehr unser Lieblingsmaler.

Ach, Rio…

… es ist dann doch schön, wenn man mit einer ungefähr gleichaltrigen Frau nach der Demo in der furchtbar überfüllten U-Bahn ins Gespräch kommt, kurz reminisziert, wie das seinerzeit war, als wir bei den Anti-AKW-, Wackersdorf- und den Friedensdemos mitmarschierten und dann, quasi einstimmig, zu dem Schluss kommt: “Hilft ja nix, dann müssen wir halt jetzt wieder ran.”

Demo gegen rechts

Mit wenigem sind wir Boomer besser vertraut, als mit der Tatsache zu viele zu sein. Zu viele für überfüllte Kindergärten und Klassenzimmer, zu viele im Wettbewerb um Ausbildungs- und Studienplätze, zu viele am Arbeitsmarkt.

Ganz ehrlich, “zu viele” hat sich selten so gut angefühlt wie heute, als die Demo gegen rechts in München wegen zu großen Andrangs abgebrochen wurde.

„No pasarán!“