Grad mach ich’s Maul zu*…

…und schon setzt sich wieder so ein Drecksmistvogel ins gekippte Oberlicht und kackt auf die frisch geputzte Schwelle der Balkontür. Ach Manno!

Dann mache ich’s halt wieder zu. Lieber im etwas zu warmen Bett als im öffentlichen Klo schlafen.

* Grad mach ich’s Maul zu… kommt, wie schon mehrfach erklärt, aus dem Schwäbischen und kann alles bedeuten von “zu früh gefreut” bis hin zu “Du Depp, ich habe dir doch eben erklärt, dass die Herdplatte heiß ist”. Im Hochdeutschen vielleicht am ehesten mit “und ich sag noch…” auszudrücken.

Pscht!

Ich schreibe diesen blogpost extra leise, weil ich ja nix beschreien will. Jetzt ist es nämllich schon ein paar Tage her, dass die Dreckstaubenmistviecher auf meinem Balkon das letzte Mal Dreck und Mist gemacht haben.

Vielleicht hat das viele Scheuchen doch geholfen?

Wenn die Maschine übersetzt

Der Fernsehkoch ist bestürzt: “The mayonnaise is running”. Die nicht allzu lebensmittelaffine KI überträgt ins Deutsche: “Die Mayonnaise ist läufig.”

Scho schee, oder?

Neu zum Strömen: “Down Cemetery Road”

Ja. Hmmm. Schlecht ist diese Verfilmung des Erstlings von Mick Herron nicht, geht auch gar nicht, mit Schauspielerinnen wie Emma Thompson und Ruth Wilson (zu den Herren komme ich später). Richtig gut ist sie aber auch nicht. Was unter anderem daran liegt, dass Ruth Wilsons Figur, eine vom Bankergatten finanzierte Kunstrestaurateurin, zwar stets die richtigen angelernten Gutmenschworthülsen zum gerade nicht ganz passenden Zeitpunkt aufsagt, bis zum Schluß aber nie ganz glaubhaft wirkt. Was nicht an Wilson liegt, wie ich betonen möchte, sondern mehr daran, dass ihr keiner in der Produktion je sagen konnte, was ihre Figur motiviert. Dame Emma mit grauem Kurzhaarschnitt zu Stacheln gegelt, spielt “Bad Ass”, wie die Angelsachsen so jemanden nennen. Gefriertruhencool, loses Maul, Eisenfaust im Eisenhandschuh und, gäbe es in diesem trüben englischen Winter dergleichen, einsam und ohne Absonderung von Gefühlen in den Sonnenuntergang reitend. Sowie schwarzes Leder. Nein, nicht Fetisch, mehr so Matrix, auch dazu später mehr. Die beiden weiblichen Hauptfiguren brauchen gut drei Folgen, um zum ungleichen Ermittlerinnenpaar zusammenzufinden, auch eines der Probleme der Serie, es dauert alles zu lang. Die “Slow Horses”, an denen sich diese Produktion ständig messen will, kommen mit sechs Folgen à 45 Minuten pro Staffel aus, “Cemetery Road” ist auf acht à 50 Minuten ausgewalzt. Weniger wäre mehr gewesen.

Die beiden Damen sind nämlich einer ganz ganz schlimmen Verschwörung auf der Spur, bei der die höchsten politischen und Finanzkreise (Anzugmänner, wäre die Verfilmung älter rauchten sie auch noch dicke Zigarren) und ihre stiefelleckenden Vasallen von den Geheimdiensten eigennützige (!) Interessen verfolgen und deswegen ein zuckersüßes Kindlein mit Vielmilch-Milchkaffeehautfarbe, riesigem Afro, das alles tragen kann, vor allem einen puscheligen knallroten Schneeanzug für die finale Verfolgungsjagd an einem verhangenen Grautag. Aber wurscht. Sie wird der Casting-Anforderung gerecht: riesige Augen, reizendes Lächeln und soooo herzig.

Wo war ich? Ach ja, dieses liebreizende Geschöpf haben die bösen Männer entführt, mit hochdepperten Wachen versehen und wollen sie verschwinden lassen. (Wie man das in diesen Kreisen so nennt.) Verantwortlich für diese Operation ist eine mittlere Geheimdienstcharge. Hätte es das Slough House damals schon gegeben, wäre Adeel Akhtars Rollenfigur einer der aussortierten Insassen. So grausam der Umgang mit Menschen ohne Ironieverständnis im wirklichen Leben ist, im Film, auf die Distanz, ist es urkomisch. Nervig. Herrlich! So, wie Akhtar ihn spielt, ist Hamza in dieser Serie meine absolute Lieblingsfigur. Herzzerbrechend. Nervig. Herrlich!

Was noch? Die Kostümbildner scheinen günstig an eine große Menge schwarzen Leders gekommen zu sein und haben es zu langen Neo-Ledermänteln mit voluminösen Kapuzen verarbeitet. Keine Schnürung, total unpraktisch bei Hochgeschwindigkeitsverfolgungsjagden, aber megacool, wenn wieder ein schwarzer Mann in schwarz einsam grübelnd auf einem schottischen Highlandhügel herumsteht. Der Gute und der Böse auch, in identischen Kostümen, was manchmal verwirrt. Ansonsten scheint das Motto gewesen zu sein: “Zieht-Ruth-Wilson-an-als-hätte-sie-gerade-die-Verloren/Gefunden-Kiste-geplündert”. Zum ganz großen Glück von Ms. Wilson war immer die passende Größe vorrätig. In vertretbaren Farben und Qualitäten. Schottland wird von Devon gespielt, einer offensichtlich sehr versatilen Landschaft, neulich, in “The Roses”, gab Devon noch den pazifischen Nordwesten der USA.

Ja, ist denn gar nichts gutes an der Serie? Doch, die Dialoge zum Beispiel. Das konnte Herron schon in seiner Frühphase und das zeigt sich. (Nach dem Erfolg des ersten “Cemetery Road”-Buches konnte er seinen Brotberuf aufgeben und sich fortan nur noch dem Schreiben widmen.) Und die Cliffhanger-Enden der ersten paar Folgen. Die sind richtig frech und machen Spaß. Außerdem ist sie natürlich toll besetzt und die Herren und Damen Schauspieler verstehen ihr Handwerk, nicht, dass man in allen Rollen mehr als Klischee von ihnen verlangt. Nur in manchen. Und sie können alles fahren, was sie finden: Boot, Bus, jeden Fahrzeugtyp. Hut ab! Ohne je einmal Sitz oder Spiegel zu verstellen. Rein und aufs Gas. Horridoh!

Mit ein paar Strichen sinnig gekürzt und etwas weniger Zufall, wenn die Geschichte vorangetrieben werden soll, hätte es gut werden können. So ist die Serie immer noch unterhaltsam, aber mehr im Mittelfeld.

Verhörte Intelligenz

Ein Schauspieler erzählt im Interview, dass er auf Tourneen immer ein sehr rigoroses Laufprogramm durchziehe, wegen der Glückhormone. “To set off endorphins.” Die VI ist offensichtlich keine Fachfrau für den menschlichen Stoffwechsel und will stattdessen Delphine (“dolphins”) freisetzen.

Quasi: Fische* pflastern seinen Weg.

* Jaha, ich weiß auch, dass Delphine Meeressäuger sind. Aber dann ist die Alliteration im Eimer.

Gelesen: Stephen Fry – “Mythos; Greek Myths Retold”

Schon als Kind habe ich begeistert Gustav Schwabs “Sagen des klassischen Altertums” verschlungen. In der “kindgerechten Bearbeitung”, also schwer zensiert. Dann, im Studium, die “Mythologie der Griechen” von Karl Kerényi, mit der Maßgabe des Dozenten “nur wenn Sie die Mythologie kennen, werden Sie Drama verstehen” – ohne Schwärzungen und Tabus. Holla! Die Schuppen sind mir von den Augen gefallen. Eine einzige Orgie, Inzest, Vergewaltigungen durch den Boss, Ungerechtigkeiten, phantasievolle Foltern (einmal den Menschen Feuer bringen und dann für den Rest seines Lebens täglich neu von einem Adler die Leber herausgehackt bekommen und so) und miese Laune, diese griechischen Götter.

Und jetzt, wo ich wieder Zeit für sowas habe, hat der sehr verehrte Stephen Fry sich daran gemacht, die Mythologie der Griechen noch einmal neu erzählen. “Mythos”, der erste Band, enthält ein umfassendes Personenverzeichnis, ja ihr Götter- und Halbgottgesocks, ihr seid bei “Personen” eingeschlossen, und ihre Bezüge und Geschichten, wobei er der “Ilias” und der “Odyssee” eigene Bücher gewidmet hat. Lang wie diese homerischen Gesänge sind, würden sie den Rahmen auch sprengen. Es gibt noch einen vierten Band, der bespricht ausschließlich die Helden, “Heroes”.

Ich habe keine Ahnung, wann Sir Stephen Zeit für die Recherchen für diese vier Bücher, geschweige denn das Aufschreiben gefunden hat, bin ihm aber sehr verbunden. Schon allein “Mythos” liest sich weg wie…, keine Ahnung, aber um im Bild zu bleiben, liest sich, als würde einem griechischer Joghurt mit gerösteten Nüssen und Honig in den Mund gelöffelt. Ich bin schon sehr gespannt auf die Geschichte des trojanischen Krieges und die vom Mann ohne Navi. Ich werde blind ziehen, interessieren tun sie mich beide und lesen werde ich sie auch beide – was soll ich mir da Gedanken um die Reihenfolge machen.

Für die, die Fry eh schon kennen und schätzen, wird die Lektüre ein besonderes Vergnügen sein, man meint manchmal direkt seine Stimme zu hören. Für die anderen ist es ein guter Einstieg.

Lesen! Lesen! Lesen!

Lästig

Wer es je erlebt hat, weiß, dass Lebensmittelmotten eine echte Plage sind und saumäßig (mottenmäßig?) hartnäckig. Ich weiß gar nicht, was ich schon alles getan habe, um die inzwischen umpfzigste Generation der vor Jahr und Tag mit einem Superbiomüsli heimgeschleppten Ahnen loszuwerden. Hat auf jeden Fall nicht geholfen. Bisher.

Eins meiner Ich-bin-jetzt-Renterin-und-habe-Zeit-für-sowas-Projekte war, dem Küchenschrank, in dem Essige, Öle, Gewürze und dergleichen wohnen, mit Wasser, Essig und Seife auf die Regalbretter zu rücken und jedes einzelne Glas, jede einzelne Packung, kurz, alles, was sich in diesem Schrank aufhält, in die Hand zu nehmen und auf Befall zu prüfen. Stellt sich raus: “meine” Motten, vielmehr ihre Larven, sind Gourmets. Ihre Leidenschaft gilt neben dem üblichen Körnerzeugs und Pulvern vor allem asiatische Gewürzmischungen, ganz speziell indischen. Überall krümelige Hinterlassenschaften oder sogar lebhaft-begeistertes Gewusel. Ui Garam Masala! Ui gelbes Currypulver. Ui!

Ausgeräumt. Weggeworfen. Ausgewischt. Saubere Tücher ausgelegt, frische Mottenfallen aufgehängt. Drei Mal mit Müllsäcken im Keller gewesen. Das Viehzeug darf mit seinem Lieblingsessen nach Großlappen reisen und dort der Reproduktion nachkommen. Oder sonstigen Hobbies. Petit Point-Stickerei, zum Beispiel.

Hauptsache, sie lassen mich in Ruhe.