Anti-Diskriminierung in Absurdistan

Ich habe heute ein Stellenangebot bei einer Online-Jobbörse gepostet und wurde dabei darauf hingewiesen, daß der Gesetzgeber Diskriminierung verbietet (s. http://bit.ly/As9WoW). Jede Stellenanzeige, in der die amerikanische Staatsbürgerschaft oder eine entsprechende Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis zu den Einstellungsvoraussetzungen gehören, erfülle den Tatbestand der Diskriminierung und werde vom Betreiber sofort ersatzlos und ohne Rückerstattung der Gebühr aus der Datenbank gelöscht. Genau derselbe Gesetzgeber bedroht aber auch Arbeitgeber mit Geld- und/oder sogar Haftstrafen, wenn sie jemanden einstellen sollten, der nicht U.S.-Bürger ist oder ein zur Erwerbstätigkeit berechtigendes Visum vorlegen kann. (Wobei Unwissenheit oder das Hereinfallen auf böswillige Täuschung nicht vor Strafe schützen. Man hätte schließlich durch teure Background-Checks dergleichen aufdecken können. Sagt der Gesetzgeber von Absurdistan.)

Ich habe eine ganze Weile gebrütet bis mir die folgende neutrale Formulierung eingefallen ist. “Applicants must be suitable for immediate employment.” Scheint hinreichend anti-diskriminativ zu sein, die Anzeige wurde akzeptiert und ist immer noch online.

Die spinnen, die Anti-Diskriminierer.

Sprachschnipsel

Wo der Deutsche mit einem Hilfsverb wahnsinnig wird, gebraucht der Amerikaner das starke Verb “gehen” und goes nuts, crazy oder postal.  Ist er umweltbewußt, dann heißt das “Go Green” und wenn er’s damit übertreibt, dann sagen die anderen “he’s gone all Granola.”

Hübsch, gell?

What’s your name, man?

Meistens geht mir die Huffington Post auf den Senkel. Gestern allerdings habe ich mich über den Baukasten unten (Bastle deinen Blues-Musiker-Namen) sehr amüsiert.

 

Yours sincerely,

Blindy No Middle Inital Brown, yeeaahhh!

Und nun zum Wetter

Wenn man in Deutschland aufwächst, lernt man, daß es irgendwann im Herbst kalt, nass und grau wird und dann der Winter kommt und erst einmal bleibt. Das prägt. Als es letzte Woche hier kalt, naß und grau wurde, hat mein Winterradar ausgeschlagen und ich habe mich innerlich auf längere inhäusige Aufenthalte eingestellt. Wachen, Lesen, lange Briefe schreiben bzw. Wachen, Lesen, Telefonieren (stundenlang), Bügeln, Bildbearbeitung und Steuererklärung. Es war ja nun wirklich nicht damit zu rechnen, daß die Regnerei nach dem Wochenende schon wieder nachläßt. Hat gerade mal gereicht, um die Wiesen wieder von braun in oliv zu tönen und einzelne vorwitzige grasgrüne Halme in die Höhe schießen zu lassen. Und natürlich die Ameisen von draußen nach drinnen zu locken, die hatten offensichtlich mit einer wesentlich längeren Schlechtwetterperiode gerechnet (sind scheint’s auch deutschstämmig).

Stattdessen lacht die Sonne wieder bei milden knapp 20°C und will damit dem Vernehmen nach vorerst weitermachen. In Palo Alto waren heute schon wieder Menschen in FlipFlops, Shorts, Tanktops unterwegs und die Straßencafés überfüllt. Irgendwer hat geunkt, daß sich das rächen und dafür bestimmt der Februar ganz schrecklich naß werde. Und der März auch noch. Womöglich sogar der April.

Que sera, sera. Ich freue mich fürs erste auf ein sonniges Wochenende. Lesen kann ich nämlich auch draußen. Zum Beispiel auf einer Decke am Strand.

Call Center

Ich hatte heute mal wieder ein Erlebnis der 3. Art am Telefon mit unserer Bank (alles Außerirdische, harthörig und mit schlimmem indischen Akzent) und bin kurz danach über die wunderbar zutreffende Definiton des Begriffs Call Center gestolpert: “Call center? Very polite people, but it takes these script driven zombies 40 seconds of my time to say yes or no”.

Nachtrag zu “The Iron Lady”

Beim Überlesen ist mir aufgefallen, daß ich vor lauter Begeisterung über Meryl Streep kein Wort über den besten Supporting Actor verloren habe (das deutsche Wort “Nebendarsteller” hat immer so etwas abwertendes). Das war nicht fair.

Denn Jim Broadbent zeigt einen Denis Thatcher, der Magaret bedingungslos unterstützt. Er ist in guten und in schlechten Tagen ihr bester Freund, Vertrauter, Sparringspartner, Ehemann und First Husband. Und er überzeugt in den Brüchen, wenn er zweifelt, ob sie richtig daran tut, ihren Dienst für Partei und Vaterland stets vor Familie und Ehe zu stellen. Auch er bezahlt einen hohen Preis für ihre Macht. Dennoch bleibt Denis der einzige Mensch, der sie schwach sehen darf. Eine der anrührendsten Szenen zeigt, wie sie jeden Morgen sein Frühstück zubereitet (weil er doch noch nicht einmal Brot toasten kann, ohne es zu verbrennen). Wunderschön auch, wie er dafür sorgt, daß sie vor einem wichtigen Auftritt zur Ruhe kommt, indem er ihre Leselampe ausknipst, sie mit einem “Thatcher. Bed. Now.” zu Bett schickt und sie sich fügt. Wie gesagt, bester Supporting Actor – Jims Leistung steigert Meryls.

Das wollte ich noch gesagt haben.

Neu im Kino: The Iron Lady

Margaret Thatcher war die erste Frau, die an die Spitze der Regierung eines westlichen Landes gewählt wurde (Indira Gandhi und Golda Meïr waren zu dieser Zeit jeweils schon über 10 Jahre im Amt).

Meryl Streep spielt sie als am Ende ihres Lebens einsame hinfällige aber extrem zähe alte Frau, die sich ihre physischen und geistigen Unzulänglichkeiten selbst am allerwenigsten verzeiht. Wie bei “J. Edgar” (http://bit.ly/zul3Us) zeigt auch dieser Film, wie schon der Teenager Maggie durch die strikten Maximen des kleinbürgerlich wertkonservativen Vaters, eines Lebensmittelhändlers geprägt wird und sich ehrgeizig nach oben arbeitet. Wobei weniger die Darstellung ihrer politischen Verdienste und Verluste, als vielmehr deren direkte Auswirkungen auf ihr Privatleben im Vordergrund stehen. Margaret Thatcher ist eine in Vollzeit berufstätige Karrierefrau in einem männerdominierten Umfeld, verheiratet, Mutter zweier Kinder und hat mit genau den gleichen Problemen zu kämpfen wie jede Frau in dieser Situation. Darüber hinaus entscheidet sie aber auch noch über Krieg und Frieden (Falkland Inseln), Wirtschaft und steht auf der Abschußliste der IRA (sie überlebt 1984 nur knapp einen Bombenanschlag).

Lady Thatchers Leben wird in Rückblenden erzählt (unter anderem mit Ausschnitten aus zeitgenössischen Nachrichten) während die alte Frau die Sachen ihres verstorbenen Mannes für Oxfam einpackt. Es ist allein Meryl Streeps Schauspielkunst zu verdanken, daß man sich für die Frau hinter der öffentlichen Figur interessiert und sogar Mitgefühl empfindet. Nicht Mitleid, das verböte sich bei ihrer Ich-habe-ein-Lineal-verschluckt-Selbstdisziplin. Wir sehen von außen, welchen Preis sie für die Macht bezahlt hat, sie jedoch darf für sich nicht einmal die Frage danach zulassen. Daß das funktioniert ist, noch einmal, Meryl Streeps große Leistung.

Ganz am Rande bemerkt: als Margaret Thatcher Premierministerin wurde, war ich 18 und politisch engagiert. Ich bin sehr erschrocken, als ich gesehen habe, was ich schon wieder alles vergessen hatte.

Anschauen.

Universalwörter

Es mag ja sein, dass “fuck” allgemein als das “most versatile word” in der englischen Sprache wahrgenommen wird, ich habe aber den Eindruck, daß “shit” bzw. die etwas gehobenere Variante “crap” schwer auf dem Vormarsch sind, wie zum Beispiel in “What’s that crappy crap (wahlweise: shitty shit) all about?” oder auch das nach langen Nächten leidend vorgebrachte “I feel like crap”, auf das das Gegenüber üblicherweise Mitgefühl vortäuschend mit “yeah, you look like shit” zu reagieren hat.

Dieser Tage habe ich einmal wieder mit einem Kollegen darüber philosophiert, daß ich einen zunehmend wachsenden Anteil meiner Arbeitszeit darauf vergeude, Dinge auszubügeln, die aufgrund der Inkompetenz und/oder Nachlässigkeit anderer Leute schiefgegangen sind. “Stay cool”, meinte er. “You should have learnt by now that de-crapping is the major part of your job description.” So ganz unrecht hat er nicht…