Unplugged

Unserem Energie-Provider PG&E hat es gefallen, gestern Nacht einen Kran zwei stromführende Leitungen abreißen zu lassen und diese dekorativ auf den Schienen des CalTrain zu arrangieren (mit Funkenflug und allem was dazugehört). 600 Haushalte (einer davon meiner) für mehrere Stunden ohne Strom, alle Abendzüge (also die vier, die nach 22:00 Uhr noch fahren) massiv verspätet; die “Repair Crews” hatten gut zu tun.

Ich war zum ersten Mal seit ewigen Zeiten um kurz nach 10:00pm im Bett (selbst sowas profanes wie Zähneputzen bekommt bei Kerzenschein ein romantisches Flair). Heute morgen war alles wieder heil und PG&E nicht schuld, sondern irgendeine (nicht näher definierte) “Third Party”. Nevermind.

Ein bißchen gruselig ist es schon,

wenn zum zweiten Mal an einem Abend alle Lichter ausgehen und dann nicht wieder an…

Am Himmel steht ein letzter Streifen Abendrot durchzogen von grauen Wolkenfetzen, auf der Straße gröhlen irgendwelche Typen herum und nach kaum drei Minuten Stockdunkelheit heulen Sirenen.

Das scheint der perfekte Abend für den guten Vorsatz zu sein, mal wieder früher ins Bett zu gehen…

“Schmeckt’s?”

frage ich den Gast bei uns im Büro, der gerade von meinen Kuchen probiert (ein Lemon- und ein Banana Loaf). Antwort, noch kauend: “You know what? I love your cake so much that I’d ask it out on a date.”

Also das nenn’ ich mal ein Kompliment.

Let the sun shine

Toni und ich wollten am Samstagnachmittag nach Moss Beach, zu den Tide Pools, am gefühlt ersten richtig warmen Sommertag seit längerem (30°C und windstill). Wir habens bleiben lassen; irgendwie hatte die ganze Bay Area das schöne Wetter mitbekommen, und auf dem Highway Number One war ein durchgehender Stau, von Pacifica bis Santa Cruz. Wir haben stattdessen in Pacifica auf dem Steg unseren Kaffee genommen und anschließend auf Crissy Field den klaren Tag genossen.

Am Sonntag habe ich meinen blühenden Garten gar nicht erst verlassen und den neuen Arne Dahl – “Gier” in einem Zug  weggelesen (Thriller über internationale Kriminalität, sehr spannend). Nochmal danke an Uli und Rainer fürs Mitbringen! Ich wollte ja eigentlich sehr fleißig sein und Liegengebliebenes aus dem Büro abarbeiten, aber das wäre wahrscheinlich nicht halb so entspannend gewesen… http://bit.ly/ajCUr3

“Take 2, get 1 free”

Wenn man so shoppt, sollte man bedenken, daß der Küchenvorratsschrank im Verhältnis 1 = 1 bleibt und nicht mitwächst. Ich habe am Samstag mit meinen Einkäufen ganz schön Tetris gespielt bis alles verräumt war.

Wenn’s am Sonntagmorgen 2 x klopft,

dann ist das nicht der Briefträger, sondern mein Nachbar Sam, der mir freudestrahlend einen Sack Orangen in die Hände drückt. “Real naranjas from Mexico. Sweeter than candy.”

¡Verdad! Fünf davon ergeben einen knappen halben Liter zuckersüßen Saft. Bis nächstes Wochenende habe ich bequem ausgesorgt…

Schon nicht mehr im Kino: Young Adult

Ehemalige Prom-Queen kehrt im Alter von thirty-something in ihre Herkunftskleinstadt zurück, um ihr Highschool-Sweetheart aus seiner vermeintlichen Ehe- und Familienhölle in ihre Arme zu reißen und muß feststellen, daß die Zeit auch back home nicht stehengeblieben ist.

Da! Ich hab’s doch auch mit einem Satz sagen können – dafür muß man wirklich keinen eineinhalbstunden langen Moralischer-Zeigefinger-Family-Value-Chick-Flick drehen.

Lohnt nicht.

Oma knows best

Ich weiß nicht genau, was ich erwartet hatte, als ich meine Oma vor vielen vielen Jahren um ein Erinnerungsstück an sie bat. Es war ganz bestimmt nicht ihre Lieblingsteigrührschüssel im Siebziger-Jahre-Orange, aus Plastik. (“Die war mal nicht billig, Kind, und hat mir immer sehr jute Dienste geleistet. An der haste noch lang.”)

Wat soll isch sagen: Oma hatte recht! (Scheint bei der weiblichen Seite unserer Familie erblich zu sein, bei meiner Mutter ist das genauso. Bei mir ist das selbstverständlich was anderes, ich betrachte “Smartass” als Kompliment.) Seit mich mein lieber Nachbar Sam so überreichlich mit Obst und Gemüse versorgt (dieses Wochenende waren es schon 2 Kisten, eine voller Früchte, die andere voller Gemüse und so schwer, daß ich sie nicht ins Haus tragen konnte, sondern gezogen habe), backe ich fast jedes Wochenende ein paar Kuchen. Für Sam, als Dankeschön, für die Kollegen im Büro (obwohl sie’s nicht verdient haben) und heute außerdem, weil ich Toni einen Genesungsbesuch abstatten will und es dafür  nichts besseres gibt als ein Körbchen mit Wein, Kuchen und Obst. Ich bin noch nicht entschieden, ob das Tragen einer roten Mütze in diesem Kontext obligatorisch ist. Egal was ich backe, Omas Lieblingsteigrührschüssel im Siebziger-Jahre-Orange, aus Plastik ist immer dabei, weil sie genau die richtige Größe hat, schnell ausgewaschen und wieder einsatzfähig ist und ich denke dabei jedes Mal in Liebe an meine Oma zurück. Sie hat’s ja gleich gewußt.

Man schenkt mir weder Blumensträuße noch was unterm Glassturz fürs Vertiko, sondern macht mir stattdessen Freude mit Früchtekisten und Haushaltsgegenständen. Meine Geburt scheint unter einem sehr praktischen Stern stattgefunden zu haben.

Nicht mehr ganz neu im Kino: The Hunger Games

Hmmm. Das ist mir auch schon lange nicht mehr passiert, daß ich im Kino sitze und mir wünsche, ich hätte lieber das Buch gelesen und mir meine eigenen Bilder gemacht – nun werden sie bestimmt von den Filmbildern überlagert.

Der Film ist nicht besonders gut. Alles ist vollkommen vorhersehbar, mit einigen Längen, gelegentlich aufgepeppt mit ein paar blutigen Gewaltszenen. Woody Harrelson und Stanley Tucci schaffen es zwar, recht schräge und eigene Figuren darzustellen, aber das Potential eines so großartigen Schauspielers wie Donald Sutherland wird nicht einmal annähernd ausgeschöpft. Dabei kommt das Ganze recht ambitioniert daher, zum Beispiel in den Anfangsszenen, wenn Menschen mit altbackenen Frisuren in sepiafarbener Kleidung von Storm Troopers zusammengetrieben und selektiert werden. Das läßt durchaus das faschistische Deutschland anklingen – dergleichen wird aber nicht durchgehalten.

Nein, nein, das war nix. Wenigstens gabs Trailer: “The Avengers” kommt am 4. Mai ‘raus (Robert Downey Jr. darf wieder extra rotzig sein) und eine Woche darauf der neue Tim Burton, “Dark Shadows”, mit (Überraschung!) einem überkandidelten Jonny Depp (untot) und Helena Bonham Carter (Frau Doktor) – das ist doch was zum Vorfreuen!