20. April

Für die deutschen Rechten mag das immer der “Führergeburtstag” bleiben, hier in Nordkalifornien ist “four-twenty” der “Weed Day”(http://bit.ly/3i8Evu).

Wiewohl ein Kommentator heute ganz zu recht anmerkte: “You’d think San Francisco would be a great city to celebrate 420. It’s really just an ordinary day – because in San Francisco, everyday is 420.”

Wenn man sich das so anschaut, ist es kein Wunder, daß manchmal Beschwerden über diese elendsneblige Stadt zu hören sind…

“Uppleva”

heißt der neueste Coup von IKEA, ein integriertes TV-, Soundsystem- und Einrichtungssortiment, ohne lästiges Kabelgewurschtel. Sobald die Schweden-Designer dem Ding auch noch beibringen, eine Latte zu kochen und ab und zu Staub zu wischen, bin ich die erste, die sich den/die/das Uppleva 2.0 anschafft.

Save big, bigger, am biggesten!

Der Supermarkt im Nachbardorf hat mir gestern wieder ein Marktschreierprospekt in den Briefkasten werfen lassen (sowas tragen hier im übrigen nicht nebenverdienstwillige Schüler aus, sondern Postboten). Alles unglaublich billig, “take one – get one (of equal or lesser value) free”, oder “4 for ten” (Müslipackungen), oder verquere Kombinationen wie “‘ne Kiste Bier zum vollen Preis und 2 Packen Erdnüsse für geschenkt dazu” oder “2 Gallonen Milch zum Dauertiefpreis und dafür alle Dosensuppen für’n Dollar weniger”, aber nur, wenn man den Coupon ausschneidet und mit der Clubkarte des Supermarktes an der Kasse vorlegt. (Ich finde es immer wieder erstaunlich und eigentlich erschreckend, wieviele Menschen mit solchen Rabattzetteln dann den Betrieb an der Kasse aufhalten und sich auf Diskussionen mit der Kassiererin einlassen, ob denn ein Coupon, der am 10. April abgelaufen ist, nicht doch am 19. noch ein paar Cents einsparen helfen könnte.)

Anyway, mein Getränkevorrat gehörte aufgestockt, und dies und das war auch alle, und außerdem sollte es bei einem Einkauf im Werte von mehr als $75 auch noch heute und morgen $10 als Einkaufsprämie geben. Morgen kann ich nicht, da gehe ich ins Kino, also stürze ich mich ins Donnerstagsgetümmel, lade mein Wägelein voll und schaffe ein Punktlandung bei $79.98 (bei den vielen Sonderangebotsvarianten und dem Umstand, daß die Sales Tax erst an der Kasse erhoben wird, ist es gar nicht so einfach, den Überblick zu behalten; aber frau hat ja schwäbische Gene) und nachdem der herbeigerufene Store Manager sich von der Richtigkeit meines Sparkoeffizienten überzeugt hat (“you saved 52% today”), druckt mir die Kassiererin ganz begeistert den Zehndollarcoupon aus sowie einen Gutschein für eine Baseballmütze (??). Nicht nur, daß sie sich sehr freut, daß ich so einen tollen “bargain” (Schnäppsche) gemacht habe, sondern auch (und dafür bekomme ich einen anerkennenden Blick), weil ich doch so nah dran war. Fünf Dollar weniger, und nix wärs gewesen mit dem Extrazehner.

Gute Frau, ich bin Schwäbin. Das heißt auch, ich verlade mein Zeugs ins Auto und komme zurück (nicht, daß mir das mit dem abgelaufenen Coupon auch passiert), und kaufe den Kleinkruscht, den ich mir eigens dafür aufgehoben habe. Mit zwei Tüten Backzutaten (alles aus der Rubrik “TOGOF”) für insgesamt $10.48, einem eingelösten Gutschein unter Hinzugabe lästigen Kleinklimpergeldes und der uneingeschränkten Bewunderung der Kassenkraft (“you must be a math-genius”) trete ich den Heimweg an.

Da muß ich nach Amerika gehen, damit ich endlich für ein Mathe-Genie gehalten werde. In Deutschland gilt das einfach als bewußtes Einkaufen bzw. simples Schwabentum.

Smoking cigarettes and watching captain kangaroo…

aber nicht mehr in Kalifornien! Governor Jerry Brown* hat die Verwaltung des Bundesstaates Kalifornien nach “unnecessary bureaucratic reports” durchforsten lassen und 718 davon aus der Anforderungsliste gestrichen. Darunter “Australia’s annual kangaroo harvest report” (Australiens jährliche Känguru-Abschußliste, euphemistisch als “Ernte-Bericht” umschrieben), den das “Department of Fish and Game” bisher den “lawmakers” zwingend vorlegen mußte.

Eigentlich schade, der ist so unnütz, daß es schon fast wieder Spaß macht.

 

*”It wastes a lot of time and money to write, track and file these reports. Government should be focused on providing information that is actually helpful to taxpayers, not on checking boxes to meet outdated bureaucratic requirements.” (Ein ausgesprochen vernünftiges Statement, noch dazu von einem Berufspolitiker.)

“But it’s only April!”

heult mir heute ein Geschäftspartner am Telefon vor, und es sei schon genauso wie im Sommer. Ganz gräßlich sei das, also sowas von “awful”. Was genau man denn an warmen Temperaturen und Sonnenschein gar so schlimm finden könne, will ich wissen.

Na, es sei doch so, sagt er. “Nice and hot in the East Bay. Nice and warm on the South Peninsula.” (Man beachte den feinen Unterschied.) Aber an der Küste ballt sich abends schon wieder der Nebel zusammen, kriecht ins Landesinnere und in San Francisco ist es schon wieder grau, feucht und diesig. Genau wie im Sommer. “Awful!” Also echt, dem seine Sorgen möchte ich haben…

Meine greise Nachbarin Lyn hat ganz recht wenn sie sagt: “Es ist schon komisch, daß die Menschen immer am meisten über das Wetter reden. Dabei kann das keiner ändern.”

Happy Birthday

Gestern hatte mein Freund Matthias seinen Vierzigsten. Also habe ich schnell schnell morgens daheim die Nummer noch aufgeschrieben, damit ich ihm später aus dem Büro gratulieren kann. Nummer in Skype eingetippt, am anderen Ende geht jemand ‘ran, Kneipengeräusche im Hintergrund. “Hallo Matthias, hier ist deine liebe Tante Sabine aus Amerika. Alles Gute zum Geburtstag!” Keine Reaktion. Nur Schweigen, Kneipengeräusche und “Patrona Bavariae” aus einer Jukebox. “Matthias?”, frage ich, “bist du das?” “Nö, hier ist leider nur René. Ich hab keine nette Tante aus Amerika, und noch nicht mal Geburtstag…”

Wir haben uns aber dann trotzdem ein paar Minuten lang sehr nett unterhalten.

Logo, oder?

Gerade im Radio gehört: Der Interviewer will vom jugendlichen Street-Gang-Mitglied wissen, wer denn seine Vorbilder seien. Antwort, wie aus der Pistole geschossen: “Bruce Lee.” Worauf der Interviewer verwundert nachfragt, wie es denn ausgerechnet der asiatische Karatekönig zum Helden gebracht habe.

Der junge Mann gibt zwar zu erkennen, daß er die Frage eigentlich für blöd hält, bewegt sich dann aber zu einer Erklärung: “I Know He’s Chinese, But If He Wasn’t, He Would Be Black.”

“Farmers Friendly Voice”

heißt der Newsletter unserer Autoversicherung und Jerry, der Versicherungsmakler, muß neulich in das Unwetter geraten sein, denn er überschreibt die aktuelle Ausgabe mit den Worten: “Rain, rain, go away – Driving is safer on a sunny day!”

Jerry ist auch schon aufgefallen, daß Regen das schlechteste im ohnehin verbesserungsfähigen kalifornischen Wagenlenker hervorbringt. Das liege daran, daß es im Regen nur noch zwei Sorten von Autofahrern gebe: die Angsthasen und die Rüpel (“excessively timid drivers and reckless drivers”.) Die Angsthasen sind zu langsam und schuld, wenn was passiert, weil andere sie überholen wollen. (“Excessively timid — This driver may overestimate the danger of weather conditions and drive at unnecessarily slow speeds causing the traffic to back up. This can increase the risk of rear-end collisions and cause other drivers to take inappropriate risks as they try to overtake the slower driver.”) Die Rüpel fahren einfach immer zu schnell, wurscht welche Witterungsverhältnisse herrschen, und sind deswegen schuld. (“Reckless drivers often ignore the risks posed by bad weather and may continue to drive at full highway speed despite reduced visibility or flooded roads.  Even with four-wheel drive (4WD), vehicles can skid, and when they do their high speed makes it much more difficult to stop.”)

Was also tun, wenn’s regnet? Da hat Jerry ein paar  Binsenweisheiten für uns parat:

  • First and foremost: slow down! It takes longer to stop or adjust in wet weather.
  • Keep your eyes on the vehicle in front of you.
  • Stay toward the middle lanes — water tends to pool in the outside lanes. (Das liegt nicht etwa daran, daß man seine Straßen so dumm baut… Neihein.)
  • Drive in the tracks of a car ahead of you.
  • Don’t follow large trucks or busses too closely — the spray created by their large tires reduces your visibility.
  • Don’t brake suddenly.
  • Correctly defog your windows.
  • Turn your headlights on even in light rain, fog or overcast conditions. They help you see the road and other drivers see you.
  • Don’t turn on your flashers; they are for emergencies only and may confuse other drivers.
  • Never drive through moving water and avoid standing water. (Das versuche einer hinzubekommen, wenn das Wasser wg. dummen Straßenbaus nicht abfließen kann… )

Aber Jerry ist nicht umsonst im Versicherungsgeschäft tätig: “Rain, rain, go away … but until it does, it’s a good idea to slow down and allow extra time to get to your destination. It’s also a good idea to call me so you can be sure you have the coverage you want to help protect yourself, your vehicle and your family.”

(Und zwar in dieser Reihenfolge, denn Ordnung muß sein.) Ich habe manchmal den Eindruck, Kalifornien fällt selbst auf sein Marketing von “Sunny California” herein und ist wirklich jedes Mal aufs Neue überrascht, wenn Nasses vom Himmel kommt.

It’s cool, man!

Hat man je schon mal einen so cool vom Hochseil stürzen sehen? (Joshua Tree National Park, vor zwei Wochen.)

Wenn man dann auch noch genau zur rechten Zeit auf den Auslöser drückt, dann hat die Sabine in ihrem Blog wieder ein Bild zum Angeben. Danke, Christoph!

“Meister Yodas Ende”

ist der Titel des letztjährigen Programms von Georg Schramm und zeigt, daß er immer noch der Godfather des deutschsprachigen Kabaretts ist. So brilliant böse, anrührend (August, der frischverwitwerte SPD-Schrebergärtner), sprachlich überlegen, belesen und bestens informiert und dabei aufrecht entrüsteter Moralist – ich kenne aktuell keinen, der ihm das Wasser reichen könnte.

Danke an Toni fürs Finden und Weitergeben.