Ich wär’ dann soweit (T-3)

Gestern habe ich with a lot of help from Sam die neue Dickmatratze aufs Bett gewuchtet, heute die Festplatte mit ein paar hundert GB Filmen geladen, mich für eine Auswahl vom Lesestapel entschieden und zwei Köfferchen gepackt. Ein kleines für die zwei bis drei Tage im Krankenhaus, ein größeres für die noch unbestimmte Zeit in einer “Skilled Nursing Facility”, dem hiesigen Äquivalent für Reha am Tegernsee. Wohin ich verbracht werde, disktutiert mein “Case Manager” mit mir, einer von den zwölf Menschen in meinem “Health Team”*. Frage ich meinen Chirurgen, ob es denn nicht einen besseren Termin für diese “Diskussion” gegeben hätte als ausgerechnet am Tag nach der OP, wenn ich high on drugs und wackelig auf den Beinen bin. Doch, bestimmt, sagt er. Besser wäre, wenn man die entsprechende Einrichtung vorher buche. Aber das sehe das amerikanische System nicht vor. “You know, our health system is rotten to the bone” (total im Arsch). Aber man sei dabei, Abhilfe zu schaffen – in den nächsten 30, 40 Jahren werde sich da viel tun.

Aber mit Flatscreen-Fernsehern und Room Service im Krankenhaus angeben. Das ist mir wurscht. Ich würde gerne vor nächsten Samstag wissen, wohin man mich zu verschicken gedenkt. Gewinne jedoch mehr und mehr den Eindruck, daß das System einen Patienten, der sich vorbereiten will, ü-ber-haupt nicht vorsieht. Bloß nicht. Dann fragt der am Ende noch was…

 

*Chirurg, Assistenzarzt, Nurse, Administrator, Physical und Occupational Therapist – ich kriege sie gar nicht mehr alle zusammen, wahrscheinlich waren auch Hausmeister und Barrista dabei.

Neu im Kino: “Joe”

Ich mag Nicolas Cage*. Deswegen hoffe ich ja auch bei jedem neuen Film, daß er es dieses Mal geschafft haben möge einen auszusuchen, der ohne grottenschlechtes Drehbuch mit hanebüchenem Plott und vor allem ohne Regieanweisungen wie “brüllt aus heiterem Himmel unmotiviert herum und schlägt einen unbeteiligten Passanten nieder” auskommen.

Nun spielt er “Joe”. Joe war im Knast, weil er mal aus heiterem Himmel herumgebrüllt und einen ignoranten Hilfssheriff niedergeschlagen hat. Inzwischen ist er zurück in seinem Mobile Home mit Bulldogge knapp außerhalb der Grenzen eines Kaffs in Hintertexas und Vormann einer Karohemd/Jeans/Stiefel-Truppe, die ihren Lebensunterhalt mit dem Vergiften von Bäumen verdienen. In Texas heißt das “Honest pay for honest work”. Die Gegend ist so elendiglich nicht-tot-über-dem-Zaun-hängen wollen, Arbeit ist rar und wenn vorhanden, knochenschindend, wer dort lebt, ist White Trash oder Black Trash. Spielt keine Rolle. Die Männer kommen mit der Situation nicht klar, saufen und schlagen sich untereinander und daheim alles, was sich bewegt. Kinder, Frauen, Hunde – macht keinen Unterschied. Die Frauen sind resigniert. Einzelne Jugendliche begehren auf, vor allem, wenn sie ihren Vätern irgendwann physisch gewachsen sind. Wie in Winter’s Bone, nur schwüler und regnerischer und ohne Meth und Jennifer Lawrence. Gaaah. Und so geht der Film dahin.

Bis Tye Sheridan** auftaucht, der einen Fünfzehnjährigen spielt, der aus der Gewaltspirale herauswill und sich ausgerechnet Joe als Vorbild aussucht. Natürlich bleibt der Vater ein Arschloch, und läßt seine Frustration, daß der Bub einen Job hat und Geld nach Hause bringt, mit brutalen Schlägen an seinem Sohn aus (und nimmt ihm das hartverdiente Geld weg), natürlich kann Joe auf die Dauer nicht wegsehen, natürlich kommt es zum Showdown und natürlich geht es nicht gut aus. Soweit, so vorhersehbar.

Dann ist es dunkel und der Film doch nicht aus. In einer Szene, die aussieht wie nachträglich angetackert, sieht man den Buben Bäume pflanzen. Das universale Symbol: Baum planzen ist gleich Hoffnung. Waaah?

Nick Cage spielt den gebrochenen zerissenen Charakter ganz wunderbar. Überzeugend. Man möchte sagen authentisch. Aber warum muß er wieder aus heiterem Himmel herumbrüllen und irgendwen umhauen? Mehrfach? Und warum müssen wir in einer mehrminütigen blutigen Szene zusehen, wie er mit dem Messer Schrotkugeln aus seinem Schlüsselbein herausbohrt? Daß er tough ist, haben wir doch schon verstanden. Er trägt schließlich die Bruce-Springsteen-Kollektion. Ich glaube, die haben mehr gewollt als gekonnt. Es sind einzelne Versatzstücke dabei, die sind an der Grenze zur Genialität. Der Rest ist ganz knapp daneben.

Das ist schade. Der Film hätte gut werden können.

 

* Scheint wieder ein Beleg für die Existenz meines Inner Nerd zu sein, das Internetz ist voll von Foren, in denen heiß diskutiert wird, ob Nick Cage einfach nur ein wahnsinniges Talent hat, schlechte Rollen auszusuchen, ein wahnsinnig schlechter Schauspieler ist oder ein Genie, das permanent die Grenze zum Wahnsinn kreuzt. Ich habe dazu keine Meinung oder alle. Ich mag Nicolas Cage. Wer bitte sonst spielt das gesamte Alphabet solchermaßen überzeugend? https://www.youtube.com/watch?v=WLrALs-Nq_I

** Tye kann was. Den sollten wir uns merken.

Keine Dicken Damen :-(

Hmmm, das war mein letztes Spratzeln für die nächsten mindestens vier Wochen und dann kommt außer Desha und mir niemand? Ob sie wohl der eiseskalte Wind ferngehalten hat? Oder der Aufmarsch der Froschmänner*?

Man weiß es nicht, aber ich fand es sehr schade.

On the Plus-Side: Desha hat ein Aqua-Yoga-Programm vom feinsten eigens für mich und Humpelhüfti aus dem Hut gezaubert und die Pool-Party-Kekse, die ich heute früh gebacken hatte, bekommen am Montag die Kollegen.

* Heute gab’s als Sonderprogramm “Scuba-Diving for Beginners”

Brute force

Mit ein bißchen Schmerzen lindern hält man sich hierzulande nicht auf. Amerikanische Schmerztabletten haben wie 007 eine Lizenz zum Töten und drum gibt es in jedem Drugstore ein paar laufende Regalmeter “Painkillers”. Hatte ich über den Zusammenhang von Wildwesterbe und gewalttätiger Sprache nicht schon mal geschrieben? Darüber, daß man hier Häuser jagt und Ostereier erst recht, wahrscheinlich um die ohnehin schon äußerst geringen Fluchtchancen zu minimieren. Wobei ich mich über die Nachricht, daß Ei oder Immobilie* “auf der Flucht erschossen” wurden, noch nicht mal wundern würde. Welpen, Kätzchen und Schuhe bricht man (“housebroken” vs. stubenrein und einlaufen).

It’s a Cowboy’s world…

Warum mich das umtreibt? Der Countdown läuft, mein OP-Termin naht. Ich bin bei T-4, nächsten Donnerstag kriege ich mein Titan-upgrade und ich darf seit drei Tagen keine Schmerzmittel mehr nehmen. Merke: ich bin kein Indianer.

 

* Auf Vorsilben geben sie hier nix.

Dies schrieb dir deine Freundin Sabine

Wenn ich je im Leben noch mal in die Verlegenheit kommen sollte, von jemandem um einen Eintrag in sein Poesiealbum gebeten zu werden, dann werde ich mich damit verewigen:

” ‘Good enough’ is good enough. Don’t go for great. Great is evolutionary. “

(Im übertragenen Sinne: “Hauptsache, es läuft. Perfektion kommt mit der Zeit”. Oder noch einfacher: Pareto-Prinzip.)

 

Danke an R.M. aus San M. für dieses sehr sinnfällige Motto.

Aus der Reihe: Vergessene Boygroups

Was ist eigentlich aus der Band “WW2” geworden?

pepboys

Von links nach rechts:  Adi “I am from Austria”. Auch wenn der Scheitel lichter wird, Adi ist immer noch überzeugter Kleinstbartträger. Hinzugekommen ist die Flaschenbodenstärkenbrille, ohne die ist er blind wie ein Maulwurf, darum hat er die Kunstmalerei zur Freude seiner Umgebung inzwischen aufgeben. Das Dolferl, wie die Kollegen den Kleinen gerne liebevoll necken, ist ein rechter Naturbursche und mag Bergwanderungen und Schäferhunde. Außerdem ist er Vegetarier.

Josef (Mitte), “The Man of Donez-Steel” ist wie ehedem ein Meister mit der Axt. In seiner Freizeit spielt er am liebsten Länderquartett. Aber nur die ursprüngliche Version, das Glasnost-Erweiterungspaket kommt ihm nicht ins dom. Aus seiner Jugend im Priesterseminar ist ihm eine Leidenschaft für Ikonenmalerei geblieben.

Benito, ewig “Junger Römer” und bekennender Faschionista. Schwarz ist seine Farbe, als Accessoires trägt er gerne Peitschchen und teure Stiefel. Engste Freunde und Gespielinnen nennen ihn manchmal Silvio, er findet das aber gar nicht komisch. Tankstellen sind ihm verhaßt.

 

Nachtrag der Autorin: die Pep Boys gibt es wirklich. Sie betreiben eine erfolgreiche Kette von Autoreparaturwerkstätten.

Aus dem Vokabelheft

Ich mußte mich heute über unsere Putzfirma beschweren und habe in diesem Zusammenhang gelernt, daß ich wohl der Typ für “spit & polish” sei. Wörtlich: ‘draufspucken und polieren’; im übertragenen Sinne: blitzeblank.

Bei mir daheim waren die offensichtlich noch nie. Weder spit, noch polish – eher so “Dust in the Wind”.

Wenn zwei Dinge zusammengehören, dann Joghurt und Brillen

Der neueröffnete Laden “Clear” in San Mateo ist entweder eine Eisdiele mit ganz arg lustiger, weil Brillendekoration oder ein Optiker mit lecker Lutschzeugs – der lumpige Frozen Yogurt sogar für umme, wenn man teure Designerbrillen kauft (“complimentary yogurt to all optical customers & patients”).

Man muß wahrscheinlich wirklich Amerikaner in der mindestens dritten Generation sein, um sowas “awesome” und nicht “unnötig wie einen Kropf” zu finden und sich in langen Schlangen anzustellen, um eine selbst für hiesige Verhältnisse ausgewachsen teure “ici ice-cream” oder einen “Blue Bottle Coffee” ($20.00 das 453g-Pfund und mindestens $4 pro gebrauter Tasse) erstehen zu dürfen.

Mir fehlt dafür ja das Gen.

Deutscher Kleinkunstpreis 2014

Das haben sie gut gemacht, das dürfen sie wieder tun. Ich bin mit Herrn Pispers Moderation (bei der die eine oder andere Pointe beim Publikum an Grenzen stieß) und den Preisträgern recht zufrieden und darüber hinaus Toni zu Dank verpflichtet, daß er mich auf die Ausstrahlung hingewiesen hat.

PS: Wer Klaus Eckel aus Wien noch nicht kennt, sollte die Bekanntschaft suchen – der kann wirklich was. (https://www.youtube.com/watch?v=eQrLhNu4gNY)

1000 x Nebel* (unvollendet)

Der Himmel sieht aus wie geronnene Milch. Achtsame Menschen brauchen nicht nach oben zu sehen, die haben das längst gerochen.

 

* Heute in der Spezialausgabe mit Betroffenheits-Sprech-Bashing.