Montagmorgen, um neun in München
Ich bin offensichtlich schon früh um 09:00 Uhr ein Paria. Warum? Weil außer mir in einer gut gefüllten U-Bahn nur ein einziger Mensch sitzt, der auch nicht Tracht trägt. Wir steigen sicherheitshalber an der selben Station aus.
Wer weiß schon, was Lodenmenschen einem Einzelaußenseiter antun würden.
Ich glotz TV
“Samstagabend”, denk ich mir, “meine Gastgeberfamilie ist ausgeflogen, da schau ich doch amal a bisserl fern”. Meine Herren, alles so schön bunt hier… Carmen Nebel? Who the fuck is Carmen Nebel? Die moderiert für die ZDF-Zielgruppe was Stadeliges, bin ich nicht, nehm ich nicht. Auch mein Interesse für das “Supertalent” hält sich in Grenzen und wenn ich Star Wars Episode II hätte nochmal ertragen wollen, dann hätte ich das längst getan, dito “Titanic”. Jetzt echt? Schon wieder Titanic? Hat sich die Welt nicht schon vor hmffzig Jahren an Cate und Leo sattgesehen? Auf den versprengten Fernerliefensendern laufen Tatortwiederholungen, Regionalkrimis, Adelheid und Brunetti. Nach 20 Minuten Zappen gebe ich auf. Oder? Moooment, beim NDR kommt ein “Comedy Contest”, schaun wir doch mal, was zur Zeit in Deutschland komisch ist.
Alles sehr bemüht, die Moderatorin hampelt und patscht mit den Händchen wie ein amerikanisches Girlie, der Stargast macht Altherrenzwitze (Schwiegermama, meine Alte, deine Mutta), die Kontestanten bewegen sich auf Schulabschlußfeierniveau. Bis auf einen, der hat schon Poetry Slams gewonnen und versucht sich an politischen Witzen, dafür straft ihn das Saalpublikum aber auch sofort ab. Der einzige, der noch weniger Punkte bekommt, ist mein Favorit, Konstantin Haefner*.
Dazwischen: Werbung. Ich stelle fest, daß die amerikanische “angst” vor BO** auch hierzulande die Furcht vor Terrorismus oder Erderwärmung überholt zu haben scheint; ununterbrochen werden mir mit hämmernden Beats und markanten Stimmen die Vorzüge von Deodorants mit kleinen Kugerlen um die Ohren gehauen, die dann Extra-Frischduft abgeben, wenn der echte Kerl oder das Vollweib mountainbiked oder bergsteigt oder zipleint, worauf sie nach schweißtreibenden Aktivitäten sogar noch frischer duften als nach der morgendlichen Dusche. Ich bin gespannt, wie lange es noch dauert, bis die amerikanische Marotte, sich die Achselhöhlen mit einem Deo-Stick-Film zu versiegeln, vollends hier ankommt.
Ich versuchs heute Abend noch einmal mit einem München-Tatort (Thema: Oktoberfest). Wenn das ähnlich fad wird, bleibt mir immer noch Christophs Hausaufgabe: 5 Staffeln “Babylon Five”.
* https://www.youtube.com/watch?v=jOErOKFOM9s
** “BO” (“Body Odor” = Körpergeruch) ist so dermaßen gräßlich schlimm, daß man es unabgekürzt gar nicht mal aussprechen möchte – es sei denn, man hätte sofort eine Gallone Mundspülung zur Hand.
More Müll
Ich hatte mit dem Gedanken gespielt, diesen blogpost mit “Recycling” zu überschreiben, dann aber doch davon Abstand genommen, weil ich damit impliziert hätte, daß es sich bei der von den Walt Disney Studios geplanten Fortsetzung von “Mary Poppins” irgendwie entfernt um was Gutes handeln könnte.
Kann nicht. Darf nicht. Wird nicht. Nur der unerträgliche Zuckerguß wird technisch ein wenig fortgeschrittener daherkommen.
Neues vom Stellenmarkt
Aus dem Land of the Free und Home of the Überfluß hört man inzwischen immer häufiger den Wunsch, die “freedom of choice” möge durch eine “freedom from choice” ersetzt werden (aktuellstes Beispiel: die Unmenge von republikanischen Bewerbern um das Amt des Präsidenten).
Isch weiß wie ihr eusch fühlt, Amerikaner – schaut euch doch bloß mal an, was ich alles werden könnte. Ich kann mich gar nicht entscheiden: Möchte ich nun meine begeisterungsfähigen Bewerbungsunterlagen für die Position eines Verwägers einreichen oder Leiter Blasabteilung, Spezialist für Landverkehrtransport in Rohrfernleitungen oder doch lieber Produktspezialist Lecktest werden? Ich sage euch, leicht ist die Entscheidung nicht.
Wie wäre es, wenn ich die Auswahl auf Führungspositionen einschränkte, also fürderhin play a critical role in building management depth? Sobald ich herausgefunden habe, was Tiefenmanagement bedeuten soll (Löcher graben? Höhlenwanderungen anführen? Man weißt es nicht.), gehen meine Bewerbungen für die Stellen als Incident Manager, Category Manager, Loyality Manager, Sportmanager für Kletterzentrum sowie Vermieter Redevelopment Manager ‘raus. Bestimmt erklärt mir irgendwer irgendwann, was so wer eigentlich tut. Übrigens, für den Produkt Manager Heel fühle ich mich überqualifiziert, unter High Heels würde ich nicht anfangen wollen. Und auch wenn ich nichts vom Tagesgeschäft eines Master Data Governor weiß, sehe ich mich durchaus in dieser Rolle – der Jobtitel hat schon was, oder? (Toni läuft schließlich auch unter Resident Genius.) Nach sorgfältiger Erwägung habe ich ebenfalls beschlossen, meinen Hut nicht als Lehrkraft für besondere Aufgaben für das Lehrgebiet tierische Erzeugung in den Ring zu werfen; ich ziehe es vor, dieses Feld weiterhin den Tieren selbst zu überlassen.
Hingegen würde ich gerne das Unternehmen S. (s.u.) im Marketing beraten; ich habe den Eindruck, die könnten es brauchen.
Mann, Sick, embrace the suck!
Anmerkung: Alles, was kursiv hervorgehoben ist, habe ich wörtlich so aus Jobdatenbanken entnommen.
Aus dem Vokabelheft
“No, honey, I am not mad at you. This is just my RBF.”
RBF steht für “Resting Bitch Face” und beschreibt jemanden, meist weiblichen Geschlechts, die immer aussieht, als würde sie gleich zubeißen.
Partnerstadt gesucht
Gilroy, die kleine Gemeinde in Nord-Kalifornien, wo’s nix gibt außer einer monstergroßen Outlet Shopping Mall sowie Kirschen, Knoblauch und ein alljährliches Knoblauch-Festival, auf dem Garlic-Ice-Cream zu den höchsten kulinarischen Verirrungen gehört, darf endlich doch auf eine Schwestergemeinde hoffen. München. Da nämlich gibts seit neuestem “Augustinerbiereis”.
Irgendwo auf der Welt findet sich bestimmt noch wer, der schon am Rezept für “Frozen Süßsenf” arbeitet.
Dumme Frage
Aber selbstverständlich. Eine männliche Katze ist für mich ein Kater und beim Komparativ brauchts übrigens kein Komma.
Ich habe mich lange genug in IT-Unternehmen herumgetrieben, um zu wissen, daß die mit ihrer U-Bahn-Kampagne Software-Entwickler ansprechen wollen, kann dem Unternehmen jedoch nur raten, sich vorrangig nach jemandem umzusehen, der wo besser Deutsch kann.
San Franciscos Fünfte Jahreszeit
Von wegen “mir san mir”. Die San Franziskaner feiern am Samstag ihre “Bay Oktoberfest Games”, mit den traditionellen* Disziplinen sausage tossing (Bratwurstweitwurf), stein holding (Maßkrugstemmen) and beer barrel sip and spin (Bierfaßdrehen – das ist wie Flaschendrehen, nur amerikanischer). Dazu trinkt man an communal picnic tables die traditionellen Oktoberfestbiere Mäerzen Amber Lager (das “E” nach dem Umlaut ist von denen), Northern Pilsner und Hefeweizen Bavarian Wheat.
Just like in Munich. (Sagen die.) Na dann: die Krüge hoch!
* Wessen Tradition haben die Veranstalter tunlichst verschwiegen.
Münchens Fünfte Jahreszeit
Oazapft wird erst am Samstag, aber das heißt ja nicht, daß es nicht schon allerlei Wiesn-Schwachsinn gibt. Zum Beispiel diesen Blinkerschal (ohne den Bartmann, im übrigen.)
Selbst die Weißwurst wird auf dem Altar des Kommerzgottes geopfert. Die gibt es nämlich seit neuestem auch nach dem Mittagsläuten, in einer Semmel und auf Wunsch gegrillt. Ich persönlich glaube ja, daß letzteres diesem läpprigen Weißbrät zu Geschmack verhelfen könnte, sage das aber selbstverständlich nicht laut, möchte schließlich nicht riskieren, wegen Weißwurstlästerung aus God’s other own country vertrieben zu werden.


