“Gib ihnen noch zwei südlichere Tage”

Der Herbst, also das Stattfinden von Jahreszeiten im allgemeinen und dieser im besonderen, treibt mich schon sehr um. Nicht zuletzt deswegen, weil danach der Winter dräut. Umso mehr genieße ich einen Tag wie heute. Heiß, bei klarem weiß-blauem Himmel, mit vollen letzten Früchten und den ersten bunten Blättern. Von einem Lüftchen getrieben. Selbstverständlich, so viel Lyrik muß sein.

Herr Rilke, warum haben sie von diesen göttlichen Tagen nur zwei bestellt? Wie wäre es mit durchgehend bis März und dann einem frühzeitigen überdurchschnittlich warmen Frühjahr, gefolgt von einem Sommer wie diesem? Meine Stimme haben Sie.

Ich nämlich habe diese Woche schon sehr neidvoll auf die gefütterten Jacken und Stiefel anderer geschielt, wohl wissend, daß meine wirklich warmen Sachen noch in Koffern und Rucksäcken in Kartons in einem Container auf einem Schiff herumschwimmen. Unerreichbar weit weg.

PS: An Herrn Bauer, Eddie: von wegen Alljahresjacke. Bibber.

PPS: Eine mindestens ebenso deutliche Indikation für Herbst wie bunte Blätter sind die bunten Fleece-Decken auf den Stühlen der Straßencafés.

Verspätung

Der beste Spediteur von allen ruft an und will wissen, wie’s um die Wohnungssuche steht. Leider, sage ich, stehen die Vermieter bezahlbarer und gut gelegener Objekte noch nicht bei mir Schlange. Ja dann, sagt er, ist die Nachricht, die er mir weiterzugeben hat, eine gute Nachricht: Das Schiff mit meinem Container hat noch irgendwo ein Schleiferl gefahren, und kommt voraussichtlich mindestens eine Woche später an als bisher geplant.

Gut, dann muß ich in der neuen Wohnung, die ich noch nicht habe, nicht auf dem Boden schlafen und von Papptellern essen. Ich Glückspilz ich.

Eins, zwei, viele

Gestern habe ich ein Bad in der Menge genommen, oder, wie das hier in München heißt, war bei einer Wohnungsbesichtigung. Das Objekt hatte wesentlich weniger Quadratmeter als potentielle Bewohner, die meisten offensichtlich schon nahkampferfahren und zu allem bereit. Der bevorzugte “Move” ist Kinderwagen-in-die-Hacken-rammen und/oder schwer devotes Verhalten an den Tag zu legen (kein Maklerstiefel ungeleckt).

Die Zwei- bis Dreizimmerwohnung mit guter ÖPNV-Anbindung und Balkon oder Gartenanteil zu einem bezahlbaren Preis und dennoch in München zu finden wird ein rechter Spaß werden…

Aus dem Vokabelheft

Bumsti! Da ist sie wieder, meine Vergangenheit mit den Dicken Damen, obwohl hier in München gar nichts mehr an Sommer und Außenschwimmbecken erinnert. Mitspratzlerin Kathy, DIE Kathy, wir erinnern uns, die aus https://flockblog.de/?p=23741, diese Kathy hat ein Buch über ihre Zeit als Kinderstar in Hollywood, jahaha DAS berühmte Hollywood, geschrieben und promoted jetzt das Internet wund. Seit ihr Werk erschienen ist, bekomme ich so ein bis drei e-mails am Tag, die mich zum Kauf, und wenn schon nicht zum Kauf, dann zum Besuch einer Lesung, und wenn schon nicht zum Besuch einer Lesung, dann doch zur Inanspruchnahme eines ihrer vielen anderen Angebote nötigen wollen.

Was die Kathi macht? Alles. Kathy is available for corporate events, hosting, emceeing, moderating groups, giving lectures, workshops, key note addresses and tailoring specific programs for the needs of her clients. Book Kathy for film, TV, stage, radio, VO, appearances or speaking engagements. Ich kann mir ja unter fast allem davon was vorstellen und das letzte, was ich bei der Quasseltante täte, ist sie für “speaking engagements” zu buchen – aber was bitte ist “emceeing”?

Obwohl das Internet sich heute nicht ganz wohl und ein wenig verkathert fühlt, hat es mir doch Auskunft gegeben: Ein “MC” ist ein “Master of Ceremonies”, d. h. Moderator einer Veranstaltung. Was der MC tut heißt “mcing”. Und weil das keiner aussprechen kann, haben die pragmatischen Amerikaner einfach die Lautschrift verbalisiert. Fertig. Neues Verb. War doch kinderleicht, oder?

Gelesen: Purity von Jonathan Franzen

Keine Ahnung, ob am Wochenende Wetter war. Oder sonst irgendwas. Ich habe mich in Franzens neues Buch einsaugen lassen und bin wieder tief beeindruckt von der Klarheit seiner Sprache, der Glaubhaftigkeit seiner Figuren und der Tiefe seiner Beobachtungen.

Worum es geht? Um Menschen. In ihrer Zeit. Inhaltsangaben finden sich in jeder Buchbesprechung dies- und jenseits des Atlantik, man möge diesen die Details entnehmen. Sonst noch was? Ja!

Lesen! Lesen! Lesen!

Aus dem Vokabelheft (deutsch)

Neulich, bei einem Gartenfest, habe ich gesehen, daß es “Vollpfand”-Flaschen gibt. Wir rätseln allerdings immer noch, ob es auch Teilpfandflaschen gibt, wie man sich das entsprechende Rückgabesystem wohl vorzustellen hat und freuen uns über sachdienliche Hinweise.

Zum Vollpfandrecyclingsystem haben wir keine weiteren Fragen. Wir haben uns bereits an diesem Abend mehrheitlich darauf geeinigt, daß sich dort vermutlich nur wahre Vollpfosten, Volldeppen und vergleichbare Vollgenossen engagieren.

Lernziel: Temperantia*

Weizen, Roggen, Hafer, Misch. Kleie, Gerste, Voll- und Mehrkorn (bis dato überraschenderweise kein Viertel-, Halb- oder Weniger-). Buchweizen, Dinkel, Minkel, Zinkel. Flocken, Schrot, Korn. Kerne. Mohn, Sesam, Sonnenblume, Kürbis, Leinsamen, neumodisch (Chia) und “Ur” (Amaranth, Hirse). Nuß. Hasel-, Wal-, sonstige. Milch, Buttermilch, Joghurt, Quark, Süß- und Sauerrahm, Topfen, Soja. Kartoffeln, Karotten, Zutschini, Lauch, Tomaten. Weinbeeren aka Rosinen, Korinthen, Aronia (doch, hab ich nachgeschlagen, gibt’s echt), Datteln, Feigen, Äpfel.

Wie? Ja, ich war am Samstag in einer Bäckerei und schwer überfordert. Nach sieben Jahren “Wir nehmen die am wenigsten scheußlich schmeckende Backware” bzw. “Uiii, Toni hat gebacken!” kann ich mich beim besten Willen jetzt nicht auf ein oder zwei Brötchen, Semmerl, Stangen, Klumpen, Hörnchen, Brezn, Wecken, Knusperl, Rollen, Seelen (da, schon wieder – es gibt einfach so wahnsinnig viel) festlegen und sitze dann allein und mit einer Tüte voll acht (8) verschiedener Köstlichkeiten beim Frünstück. Und das war noch die allerengstmögliche Wahl.

Hach!

* Mäßigung

Gelesen: Terry Pratchett “The Shepherd’s Crown”

“The Shepherd’s Crown” ist nach “Raising Steam” schon wieder ein wirklich allerletztes Buch des am 12. März diesen Jahres verstorbenen Terry Pratchett und sein Mitarbeiter weist im Nachwort deutlich darauf hin, daß es sich um ein unvollständiges Werk handelt und Sir Terry nicht mehr dazugekommen sei, alle seine Ideen auszuformulieren.

Ja. Das merkt man als langjährige Pratchett-Leserin. Seine Helferlein haben Lücken wild aus dem umfangreichen Werk des Meisters “gefüllt” (alle Hexen haben Auftritte, das füllt Seiten, “Raising Steam”, das schon so ähnlich entstand, wird weidlich zweitverwertet) und die Heldin, Tiffany Aching (zu deutsch Tiffany Weh) darf sich, trotz inzwischen fast abgeschlossener Pubertät, nicht mehr weiterentwickelt haben.

Man muß es nehmen wie eine vom Lieblingsautor noch einmal “durchgelesene und neubearbeitete” Geschichte und sich selbst eingestehen, daß man einen kleinen Vollständigkeitstick hat… und deswegen habe ich “The Shepherd’s Crown” trotzdem gern gelesen und sehe sehr sehr großzügig über die Füllsel hinweg. Ein bißchen was Neues passiert doch und manchmal hört man den großen Humanisten durch.

Für Nicht-Hardcore-Fans lohnt sichs nicht.

Aus dem Vokabelheft

Hallo, amerikanische Serienschaffende! Könnten wir bitte bei Gelegenheit mal unser Lehnwort zurückhaben? Ihr benutzt es jetzt wirklich schon lang genug.

Zugzwang

(Und an Halle Berry ist so ein schönes Wort wie “Zugzwang” außerdem einfach vergeudet.)

Vom Aussterben bedroht

Wie ich heute in der Süddeutschen lese (jahaha, zu meinem Luxuswohnarrangement gehört auch ein SZ-Abo), wurden jüngst Fish and Chips der Liste der Gefährdeten Arten hinzugefügt. Warum erfährt man in der Bildunterschrift.

fishandchips

“Die leiden nun unter dem höheren Mindestlohn.”